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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
1886
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Amtlicher THeil.
Betreffend: Die Aufstellung einer Viehseuchenstatistik. Gießen, am 9. März 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS.
In Auftrag Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz weisen wir Sie an, allen Ihnen von Seiten des Großherzoglichen Kreis- veterinäramtes zur Aufstellung der Viehseuchenstatistik zugehenden Requisitionen pünktlich nachzukommen.
__________Dr, Boekmann._______________________________________________
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des $ 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Februar veröffentlicht:
Hafer X 14.—, Heu JL 6.12, Stroh «X 3.60 pro 100 Kilogramm.
Gießen, am 10. März 18s6. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
obgleich Minister v. Puttkamer aussührte, daß die verbündeten Regierungen
Erkrankung des Ecbgroßherzogs von Baden, des Enkels der kaiserlichenMaje-^. sämmtliche Anträge als unannehmbar erklärten. Es ist nun aber noch nicht
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stäten. Nach den letzten aus Karlsruhe eingelausenen Nachrichten ist in dem
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wurde in der Abstimmung 8 354 nach dem Anträge Reichensperger angenom- Cabinet vorgeschlagene Ersetzung der dort stehenden englischen puppen durch
men, womit sich also der Reichstag im Princip für die Wiedereinführung der egyptische vorstellig werden. Die ersteren würden nach ihrer Avlofung sofort
Berufung ausgesprochen hat. Die S§ 59 und 123 wurden dem Commissions- xach Unter-Egypten zurückkehren; von einer Wiederbesetzung DongolaS ist nicht
Lntrage gemäß angenommen; die Strasberusungs-Kammern sollen hiernach bei die Rede mehr. Die Ausgabe des letztgenannten wichtigen -Punktes, pie dem
Len Landgerichten gebiloet und die Competenz der Oberlandesgerichte auf die I Khedive von englischer Seite zugemuthet wird, paßt ganz gut zu der Rückwärts
Revision gegen die Urtheile der Strasberufungs-Kammern ausgedehnt werden, falls das Unheil erster Instanz vom Schöffengericht oder von der Strafkammer erlassen ist und sich die Revision ausschließlich auf die Verletzung einer in den Landesgesetzen enthaltenen Rechtsnorm stützt. Die nächste Sitzung, am Mitt^ woch, war ein „Schwerinrtag" mit einer ziemlich reichhaltigen Tagesordnung.
Von der Reichstags-Commission zur Vorberathung der Sonia- listengesetzes sind am Samstag die Windthorst'schen AbänderungS'Anträge, welche bekanntlich das Socialistengesitz wesentlich abschwächen, gegen die Stimmen der conseroatioen und nationalliberalen Commissions-Mitglieder angenommen worden,
warten läßt. t
Nach längerer Pause verlautet endlich wieder etwas über oie an Sir Drummond Wolff, dem außerordentlichen Bevollmächtigten Englands m Kairo, vom Londoner Cabinet ertheilten Instructionen. Dieselben gehen dahin, daß Wady Halsa als Grenze Egyptens nach dem Sudan hin zu betrachten ser und soll Drummond Wolff hierüber sowohl, als auch über die vom britischen
iache zum Abschluß zu bringen. Nachdem in der Debatte besonders von freisinniger und nationalliberaler Seite die schon aus früheren Verhandlungen bekannten Bedenken gegen den Reichtnsperger'schen Gesetzentwurf, sowie gegen die hierzu vorliegenden Commissions-Anträge nochmals geäußert worden waren,
Befinden des krbgroßherzogs wieder eine leichte Besserung eingetreten und soll vorläufig kein Anlaß zu ernsten Besorgnissen vorliegen; die bisherigen schwankenden Erscheinungen erklären sich durch den Charakter der Krankheit (Gelenk- RheumatismuS.) Die badischen Mitglieder des Reichstages haben an ihren Landesherrn anläßlich der Erkrankung des Erbgroßherzogs eine TheilnahmS- Adresse gerichtet, welche der Großherzog Friedrich in huldvollster Weise beantwortete, und zwar sosort telegraphisch; in der Antwort heißt es zugleich, daß erfreuliche Hoffnung aus Wiederherstellung des Prinzen vorhanden sei.
Am Dienstag sand bei den kaiserlichen Majestäten im Weißen Saale des königlichen Schlosses der alljährliche große Fastnachts- Ball statt, zu welchem gegen 1900 Personen Einladungen erhalten hatten; mit dem Ball haben die Karnevals-Festlichkeiten am Berliner Hose ihr Ende erreicht.
Der Bundesrath hielt am Montag eine Plenarsitzung ab, in welcher der Antrag Preußens, betr. die Heranziehung der Officiere zu den Gemeinde-Abgaben, einstimmig zur Annahme gelangte. Die Sache dürste jedoch im Reichstage schwerlich eine so glatte und rasche Erledigung finden, wie im Bundesrathe.
Die Verweisung der Monopol-Vorlage an eine besondere Reichstags-Commission hat die Angelegenheit des Branntwein-Monopols für das Reichstags-Plenum einstweilen wieder in den Hintergrund treten lassen, während in der Presse noch Nachlese zu den dreitägigen Monopol-Verhandlungen gehalten wird. Es wird hierbei besonders der Umstand hervorgehoben, daß von den größeren Parteien das Centrum, die Conseroatioen und die Nationalliberalen durch Die betr. Redner ihre Bereitwilligkeit erklärten, die Regierung bei den Versuchen, einen geeigneten Modus zur höheren Besteuerung des Branntweins zu finden, zu unterstützen, während die deutsch-freisinnige Partei entschieden gegen jede erhöhte BranntMinsteuer war. Inwieweit die Hoffnungen auf eine Verständigung zwischen den drei erstgenannten Parteien, welche also zusammen die große Mehrheit des Reichstages repräsentiren, und der Regierung in Bezug aus eine anderweitige erhöhte Besteuerung des Branntweins gerechtfertigt sind, wird sich vielleicht schon aus dem Gange der Commissions-Verhandlungen über die Monopol-Vorlage erkennen lassen.
Am Montag hielt der Reichstag kurz hintereinander zwei Sitzungen ab, da sich in der ersten, um 1 Uhr eröffneten, wieder einmal die Beschluß- Unfähigkeit des Hauses herausstellte. In der zweiten Sitzung gelang es endlich, unter Ablehnung eines Vertagungs-Antrages die in voriger Woche abgebrochene Berathung über den vom Abg. Reichensperger eingebrachten Gesetzentwurf, betr. die Wiedereinführung der Berufung gegen Straskammer-Urtheile in der Haupt-
qesagt, daß die zweite Lesung der Socialisten-Vorlage den Commissions-Beschlüssen entsprechen werde, da die Gruppirung der Parteien bei der abermaligen Plenarberathung wahrscheinlich wiederum eine andere sein wird, al« in der • Commission; jedenfalls läßt sich auch jetzt noch nicht das definitive Schicksal der Socialistsn-Vorlage mit Bestimmtheit voraussagen.
Die Herrenhaus-Commission zur Vorberathung der kirchenpoliti- scheu Vorlage wählte eine Unter-Commission, welche die in erster Lesung gefaßten Commissions-Beschlüsse formuliren, resp. redigiren soll.
Das päpstliche Ernennungs-Decret für den Erzbischos Dinder von Posen ist am 3. März unterzeichnet worden und bereits von Rom nach Königsberg abgegangen. Die Consecralion des neuen Erzbischofs wird in Frauenburg stattfinden, seinem Einzuge in Posen sieht man für Mitte April entgegen. Gleichzeitig veröffentlicht der „Reichs-Anz." eine Mittheilung, wonach Dem zum Bischof von Ermland gewählten bisherigen Domherrn in Frauenburg, Dr. Andreas Thiel, mittelst Allerhöchster Urkunde vom 2. März die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung als Bischof ertheilt worden ist.
Am Sonntag fand in Wien wieder einmal eine gemeinsame Minister-Sitzung der österreichischen und ungarischen Minister statt, um über die zwischen beiden Reichshälsten schwebenden Fragen zoll- und handelspolitischer Natur zu berathen. Obgleich aber der Kaiser selbst präsidirte, so gelang e& doch nicht, einen Ausgleich über die verschiedenen Meinungen, die sich namentlich bezüglich des Rohpetroleum-Zolles ergaben, herbeizusühren und mußte die Sitzung schließlich abgebrochen werden, ohne daß man zu einem Resultate gelangt wäre. Die weiteren Konferenzen sind vorläufig ausgesetzt worden und deutet dies hinlänglich daraus hin, wie groß die DifferenM und Schwierigkeiten sein müsse«, welche sich dkm handelspolitischen Ausgleiche zwischen Oesterreich und Ungarn entgegenstellen.
In der italienischen Deputirtenkammer hat die lange Budget- berathung, wie schon bekannt, in voriger Woche mit der Annahme einer dem Ministerium Depretis günstigen Tagesordnung und demnach mit einem Erfolge des letzteren geendigt. Dessenungeachtet dauern die Gerüchte über angebliche Krisen im italienischen Cabinet fort, wenngleich der ministerielle „Popolo Ro-- mano" diesen Gerüchten entgegentritt und erklärt, daß weder eine MinisterkrisiL bevorstehe, noch auch partielle Aenderungen im Cabinet zu erwarten seien. Man darf dieser Versicherung umsomehr Glauben schenken, als der schon seit Wochen signalisirte Rücktritt des Ministers des Auswärtigen, Grafen Robilant, welcher wegen angeblicher Differenzen des Ministers mit mehreren feiner Collegen über die auswärtige Politik Italiens erfolgen sollte, bis heute noch auf sich
Politische Ueberficht.
Gießen, 11. März.
Der Kaiser ist noch immer genöthigt, das Zimmer zu hüten, denn wenn auch die Hüfteverletzung als ziemlich gehoben betrachtet werden kann, so ist doch das leichte Schnupfen-Fieber, welches den hohen Herrn in voriger Woche befiel, noch nicht ganz verschwunden. Indessen steht zu erwarten, daß in den nächsten Tagen der Kaiier seine gewohnten täglichen Aussahrten wird wieder aufnehmen können.
Besondere Theilnahme erregt am Berliner Hofe die schwere


