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sich offenbar die längeren Unterredungen bezogen, die, wie eine Londoner Depesche meldet, die Botschafter Deutschlands und der Türkei, sowie die Geschäftsträger Italiens, Frankreichs und Oesterreichs am Montag mit Lord Jddesleigh, dem Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Englands hatten, woran sich wiederum Conferenzen zwischen Lord Jddesleigh und dem Premier Salisbury knüpften. Bemerkenswerth erscheint, daß Rußland bei diesen Verhandlungen nicht vertreten war, was aus eine Verschärfung des englisch-russischen Gegensatzes hindeutet, die sich überdies auch in der Konstantinopeler Meldung widerspiegelt, wonach der Sultan russischerseits daraus aufmerksam gemacht worden sein soll, daß die Ersetzung des englischen Botschafters in Konstantinopel, Thornton, durch den Gesandten Englands in Bukarest, White, eine Verschlimmerung der Orientsrage bedeuten würde. Mr. White gilt als ein entschiedener Gegner der russischen Orientpolitik und dieser Umstand spricht allerdings für die Wahrscheinlichkeit der genannten Meldung. Anderseits läßt die Erklärung des Petersburger Cabinets, daß Rußland vorläufig an keine Occupation Bulgariens denke, die Dinge im Orient in keineswegs ungünstigem Lichte erscheinen.

Deutschland.

][ Darmstadt, 9. September. Der Großherzog begiebt sich morgen in der Frühe von Friedberg aus nach Straßburg i. E., wo er noch vor der Ankunft des Kaisers eintreffen wird. Mit dem Großherzog haben sich auch der Erbgroßherzog nud die Prinzessinnen Irene und Alix, sowie der junge Prinz Christian Victor von Schleswig-Holstein nach Friedberg begeben. Den Herrschaften wurde dort am Abende des 7. September ein Fackelzug und Serenade dargebracht. Die Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, deren Gemahl gestern Mittag 4 Uhr hier eingetroffen und sofort Per Wagen nach Jugenheim weitergereist ist, wird ebenfalls in den nächsten Tagen in der Burg zu Friedberg erwartet.

Dem Fürsten Alexander von Bulgarien, dessen Durchreise nach Schloß Heiligenberg bei Jugenheim a. d. B. an einem der nächsten Tage zu erwarten steht, wird hier ein würdiger Empfang bereitet werden. Die Vorkehrungen dazu sind bereits getroffen.

Prinz Heinrich von Hessen, der Commandeur unserer Großh. Hessischen Division, ist seit 8 Tagen an Hüftgicht erkrankt, sodaß er voraussichtlich die Division aus dem Manöverseld in Oberhessen nicht wird führen können. Da der Prinz für die Zeit vom 20. bis 22. September auch den commandirenden General des XL Armee-Corps, General der Kavallerie Frhr. v. Schlotheim, welcher zu den Kaisermanövern im Elsaß abcommandirt ist, ersetzen sollte, so wird auch diese Function an einen anderen General des Armee-Corps-Bezirks übertragen werden müssen.

Die deutschen Forstmänner haben unsere Stadt noch nicht verlassen, und schon werden die Vorkehrungen zu einem anderen hier abzuhaltenden Congceffe getroffen: Vom 26. September bis 1. October soll nämlich hier der deutsche Geologentag abgehalten werden.

Von den Bewohnern unserer oberen Rheinstraße werden Klagen über den Betrieb der Straßenbahnen Darmstadt-Eberstadt-Griesheim gesührt. Es ent­stehen dort vielfach Stockungen des Verkehrs und der unruhige Trubel giebt dem Stadttheil den Charakter eines Rangir-Bahnhofs. Vielfach hört man die Ansicht vertreten, daß das Betriebsmaterial, insbesondere die Locomotive, für eine Straßenbahn zu massiv sei; Erleichterung des Materials würde euch die Unzufriedenheit vermindern u. f. w. Man sieht bereits heute Mittag in der Stadtverordnetenversammlung der Einbringung bez. Interpellation entgegen.

Hesterreich.

Wien, 9. September. Fürst Alexander ist heute Abend halb 9 Uhr hier eingetroffen. Am Staatsbahnhof war der Perron und der Platz vor dem­selben mit Tausenden von Menschen besetzt. Der Fürst wurde von stürmischen Hochrufen empfangen, die bis zu seiner Wegsahrt zum Westbahnhofe andauerten. Rach seiner Ankunft aus dem Staatsbahnhos wurde der Fürst vom österreichi­schen General Lehne begrüßt, welcher ihm Briefe seines Vaters übergab. Der Empfang war begeistert. Die bulgarische und rumänische Jugend war in großer Zahl anwesend. Aus dem Westbahnhof, wo Alexander seine Reise nach Deutschland halb 10 Uhr fortsetzte, waren die Ovationen noch stürmischer, auch dort waren viele Tausende anwesend. Der Fürst wurde aus den Schultern in den Wartesaal getragen. (Fr. Ztg.)

LrttMaWsche Deprschm.

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Baden-Baden, 9. September. Seine Majestät der Kaiser ist Vormittags '91/« Uhr mittelst Extrazugs im besten Wohlsein hier eingetroffen und vom Großherzog und der Frau Großherzogin von Baden am Bahnhofe empfangen worden. Das sehr zahlreich anwesende Publikum begrüßte Se. Maj. mit lebhaften Hochrufen.

Berlin, 9. September. Prinz Wilhelm begab sich gestern zur Begrüßung des russischen Kaisers nach Brest-Litowsk.

Berlin^ 9. September. In der heutigen Stadtoerordneten-Sitzung widmete der Vorsteher-Stellvertreter Dr. Stryk dem verstorbenen Vorsteher Dr. Büchtemann einen warmen Nachruf. Die Wahl des neuen Vorstehers wurde auf nächsten Donnerstag festgesetzt.

Düsseldorf, 9. September. Die Theilnehmer der Gustav-Adolf-Versammlung besuchten gestern Nachmittag die Diakonissenanstalt zu Kaiserswerth. In der heutigen Sitzung erstattete Generalsekretär Käß, nachdem die Vertreter aus Siebenbürgen, der Schweiz, der Niederlande, Belgien, Italien und Spanien begrüßt worden waren, Be­richt über die Evangelisation in Elsaß - Lothringen. Von den drei für die große Liebesgabe von 17,000 JL vorgeschlagenen Gemeinden St. Aoold in Lothringen, Branitz in Oberschlesien und Zell in Baden wählte die Haupt - Versammlung Branitz.

Straßburg, 9. September. Bei dem heutigen Empfange des Gcmeindcraths sprach der Statthalter seine Freude über die Wiedereinsetzung des Gemeinderaths, sowie die Hoffnung auf ein einträchtiges Zusammenwirken ohne Parteiunterschied aus. Der Bürgermeister Back sprach dem Statthalter besonderen Dank aus. In das Stadthaus zurückgekehrt unterzeichneten der Bürgermeister und die anwesenden Gemeinderäthe eine Eingabe an den Kaiser über die Frage der Stadterweiterung.

Bern, 9. September. Die Convention betreffend den Schutz literarischen und künstlerischen Eigenthums wurde heute unterzeichnet. Der Austausch der Ratifikationen soll binnen Jahresfrist erfolgen.

Pest, 9. September. Prinz Alexander von Battenberg ist heute auf der Durchreise hier eingetroffen und um 3 Uhr 40 Min. ohne Aufenthalt nach Wien weitergereist.

London, 9. September. Im Oberhaus erklärt Jddesleigh, Prinz Alexander befinde sich auf dem Wege zur Grenze und wurde überall mit großer Achtung und Beweisen der Anhänglichkeit empfangen. Die Art, wie er sein Land verlasse, sei des Hohen Rufes würdig, dm sich der Prinz erworben. Der Schluß des bulgarischen

Zwischenfalles contrastire wohlthuend mit den schrecklichen Umständen beim Ausbruch. Zweifellos würden die durch die Abdankung des Fürsten nothwendig werdenden Arrangements gemäß dem Berliner Vertrag und den am Anfang dieses Jahres in der Conferenz getroffenen Abmachungen stattfinden. Auf Erörterungen hinsichtlich des künftigen Verlaufes einzugehen, halte er nicht für vorteilhaft.

Kurhaus erklärte Fergusson, die Abdankung des Bulgarenfürsten habe vorschriftsmäßig die Wahl eines neuen Fürsten nach dem freien Ermessen der National­versammlung und die Bestätigung durch die Pforte nach Zustimmung der Signatar­mächte zu folgen. Es sei noch zu früh, sich über den Meinungsaustausch der Cabinete zu verbreiten, aber es liege kein Grund vor, zu glauben, daß eine Action irgend einer Macht unvereinbar sein werde mit den Vertragsbestimmungen.

Der hierher zurückgekehrte russische Botschafter Staal hatte heute eine längere Unterredung mit Jddesleigh, welcher darauf auch den türkischen Botschafter Rustem Pascha empfing.

London, 9. September. DieMorning-Post" tritt wiederholt für eine kräftige Orrentpolilik Englands ein. Das conseroative Blatt betont die Nothwendigkeit, Indien JJJ Balkan und am Schwarzen Meere zu schützen; durch die Abdankung und Abreise Alexander's von Sofia werde Bulgarien in die Hände der Signatarmächte zurück­gelegt. DerStandard" meint. Alexander's kurze und glorreiche Herrscherlaufbahn habe nicht unwürdig geendet. Die Abdankung des Fürsten lege Europa Verpflichtungen auf, die es nicht ignoriren könne.

Petersburg, 9. September. Herr v. Giers reist mit oem Grafen Lamsdorff und dem pursten Obolensky morgen Nachmittag nach dem kaiserlichen Hoflager. Die­selben treffen Freitag Abend in Wyssoko-Litowsk ein.

~ DasJournal de St. Petersbourg" findet durch die Abreise des Bulgaren- fursten die Hauptschwierigkeit beseitigt. Bulgarien bedürfe nach den durchgemachten Krisen vor Allem der Ordnung und Ruhe nach Außen wie im Innern. Rußland denke nicht daran, die von ihm für die bulgarische Nation gewonnene Unabhängigkeit zu Derminbern.

Moskau, 9. September. DieMoskauer Zeitung" schreibt, Battenberg sei fort, aberBattenbergia" blieb, mit ihr müsse Rußland abrechnen. Jedenfalls sei im Lande eine Partei organisirt, welche vermittelst englischer Jntriguen mit dem Exfürsten Verbindung unterhalten und in dem soeben aufathmenden Lande wiederum als schlechter Gährungsstoff wirken werde. Zur Erklärung des Fürsten, er entferne sich erst, nachdem er von der russischen Regierung die Versicherung erhalten, die Freiheit und die Rechte Bulgariens würden intakt gelassen, Niemand werde sich in die inneren Angelegenheiten desselben einmischen, bemerkt dieMoskauer Zeitung", diese Worte seien ebenso un­gehörig wie komisch. Die Regierung des russischen Kaisers konnte mit dem Fürsten nach der ihm vom Kaiser selbst gewordenen Antwort in keine weiteren Verhandlungen über Bulgarien treten.

Sofia, 9. September. [,,Havas"-Meldung0 Die Abdankungs-Proklamation des Fürsten von Bulgarien wurde den hiesigen Vertretern der Großmächte mit einem Schreiben des Fürsten zugestellt, worin derselbe die Nothwendigkeit darlegt, angesichts der durch die auswärtige Politik verursachten Schwierigkeiten die Regierung nieder­zulegen. Der diplomatische Agent Rußlands erklärte den Vertretern der andern Mächte gelegentlich eines denselben abgestatteten Besuchs, er halte sich, um jede irrige Aus­legung der Proklamation des Fürsten fernzuhalten, zu dem Hinweis verpflichtet, daß die russische Regierung aus Gründen, welche den Bulgaren so wenig wie dem Fürsten verborgen worden seien, in Stipulationen über die Abdankung mit dem Fürsten nicht habe eintreten können und daß, wenn der Fürst sich für ermächtigt gehalten habe, jene auf das Verhältniß zu Rußland bezüglichen Worte einschalten zu können, dies aller Wahrscheinlichkeit nach geschehen sei, weil er sich der uneigennützigen Absichten erinnerte, welche die russische Regierung jederzeit bezüglich Bulgariens gehegt und die zu wieder­holten Malen dem Lande wie dem Fürsten von ihr versichert worden seien.

Widdin, 9. September. Vor seiner Abreise von Lompalanka empfing Prinz Alexander gestern mehrere Dcputirten, welche sich von ihm verabschiedeten und dabei die Hoffnung ausdrückten, daß das Land in der Stunde der Gefahr auf den Prinzen zählen dürfe. Die Ueberfahrt nach Widdin erfolgte auf dem österreichischen Fahrzeuge Scava". Während derselben fand auf der Jacht des Prinzen, welche in einiger Ent­fernung folgte, ein Dejeuner statt, woran das Gefolge des Prinzen, die Minister Karawelow und Stambulow Theil nahmen. Um 4Va Uhr traf der Prinz in Widdin ein.

Prinz Alexander wurde bei seiner Ankunft hier von einer großen Menschen­menge empfangen und von Officieren nach der Municipalität geleitet, wo der Prinz eine Ansprache hielt und die Anwesenden aufforderte, ihrer Pflichten gegen die Regent­schaft eingedenk zu sein. Stambulow ermahnte gleichfalls zur Unterstützung der Re­gentschaft , um Unordnungen fernzuhalten, die eine fremde Occupation veranlassen könnten. Der Prinz setzte um V/2 Uhr auf seiner Jacht die Reise nach Turn-Severin fort. Bei der Landung dort wurde er von den Ministern und Officieren bis in den Bahnhof begleitet. Um 3*/a Uhr erfolgte die Weiterreise des Prinzen nach Darmstadt.

Sofia, 9. September. Das Amtsblatt veröffentlicht einen Befehl des Fürsten vom 6. September, wodurch das Infanterie - Regiment Strumsky und das erste Artillerie-Regiment aufgelöst, die Zöglinge der Militärschule aber in Regimenter ein­gereiht werden; zugleich wird die Vernichtung der Fahnen der obigen Regimenter angeordnet.

Die auf Samstag festgesetzte Eröffnung der kleinen Sobranje ist auf Montag verschoben, da die Minister von oer Begleitung des Prinzen Alexander erst am Freitag Abend zurückkehren.

Universität- - Chronik.

Jena, 7. September. Die philosophische Fakultät unserer Universität hat am 5. d. M. dem Großh. badischen Staatsrath Dr. I. H. Gelzer in Basel, welcher an diesem Tage vor 50 Jahren die philosophische Doctorwürde hier erwarb, das Doctor- diplom erneuert und unter den besten Glückwünschen zugesandt. Auch die theologische Fakultät hat dem namhaften Gelehrten eine hohe Auszeichnung zu Theil werden lassen, indem sie ihn zum Doctor der Theologie honoris causa ernannte.

Der außerordentliche Professor Dr. Julius Jolly wurde zum ordent­lichen Professor des Sanskrit in der philosophischen Fakultät zu Würzburg befördert.

Der Privatdocent Dr. H. Frhr. v. Pechmann in München ist zum außer­ordentlichen Professor in der 2. Section der philosophischen Fakultät der Universität München mit der Lehraufgabe der Chemie ernannt.

Lokale-.

Gießen, 10. September. Gestern Nachmittag machte ein hiesiger, noch junger Kaufmann seinem Leben dadurch ein Ende, daß er in der Nähe des Felsens in die Lahn sprang, nachdem er vorher 2 Schüsse auf sich abgefeuert hatte. Motive noch unbekannt.

Vermischte-.

x Darmstadt, 9. Septbr. [15. Versammlung Deutscher Forstmänner.^ Die gestern Mittag stattgehabten Excursionen zur Besichtigung der Waldfeldbauculturen im Nadelwald, sowie zu einem Gang durch die Laubwaldungen fanden unter zahlreicher Betheiligung der Festtheilnehmer statt. Nach Beendigung derselben nahm man noch Gelegenheit, die großartigen Klenganstalten von Heinrich Keller Sohn, sowie von Konrad Appel zu besichtigen und war man von dem Geschehenen in jeder Weise befriedigt.

Das von der Stadt Darmstadt den grünen Festgästen gegebene Gartenfest mit Benutzung der neuen Gasapparate verlief in großartigster Weise und war trotz der etwas unbeständigen Witterung außerordentlich stark besucht. Nach dem Garten-Concert fand Ball statt und hier sah man manchen Grünrock, wie er der Pürsch nach dem edlen Damenflor bis zum frühen Morgen oblag.

Heute findet eine Excursion mit Damen nach Jugenheim statt. Schluß der Excursion in Auerbach.