Krug", sowie am Samstag Vormittag ein von dem hochbegabten Componisten und hiesigen Musikdirector Wolfram unter Mitwirkung des Meisters Robert Heckmann aus Köln veranstaltetes Kirchenconcert - ich glaube, selbst ein Zeitungsreporter hat bet einer solchen Ueberfülle von Genüssen ein Recht, etwas müde zu sein und das heutige Festende mit einein erleichternden „Gott sei Dank!" zu begrüßen, zumal sich j gestern und heute wieder ein einigermaßen menschenwürdiges Wetter eingestellt hat.
Die samstägige Illumination genoß ich vom Berggarten der liebenswürdigen Frau Baronin von G.....aus, ein Observationspunkt, um den mich Jeder
beneiden konnte. Der steil aufsteigende, wohlgepflegte, mit Lauben und lauschigen Aussichtsplätzcn geschmückte Garten liegt auf dem rechten Neckarufer, etwas unterhalb der alten Brücke. Gefolgt von einer Magd, die mit einer Kerze den Weg beleuchtete, stieg ich allein die schmalen, zur Höhe führenden Steintreppen empor und genoß von einer offenen Weinlaube aus ein wahrhaft einziges, bezauberndes Schauspiel. Der Abend war kühl und dunkel, ganz wie geschaffen zu einer Entfaltung künstlicher Lichteffecte. Unten, auf der fast schwarz erscheinenden Fluth des Stromes zogen kleine, mit bunten Lampions und Lichtern erhellte Schiffe und Kähne, von neugierigen Schaulustigen belebt, glänzende, glitzernde Furchen und Wellen. ,
Au den beiden Ufern wogte eine unübersehbare Menge; der Platz jenseits, wo die Festhalle sich erhebt, war ebenfalls mit Lampions gekennzeichnet. Dazu die zahllosen, matten Lichter und Lampen in den Straßen der Stadt, die dunklen Eontouren der schönen, sie cernirenden Berge, unten dumpfes Stimmengewirre und Waaengerassel und um mich hier oben einsamste Ruhe, tiefer Frieden — schon dieser Eindruck war ein äußerst wohlthuender und befriedigte meine aristokratische Neigung, Natur- und Kunstgenüsse womöglich immer allein oder höchstens zu Zweien, zu genießen, auf's Allerbeste. Da, kurz nach der festgesetzten Zeit, zischt vom linken Stromufer eine Rakete empor. Ein donnernder Böllerschuß erschallt und wie von einer Zauberhaud entzündet liegt plötzlich die wunderbare Schloßruine in lodernder, rother Feuersgluth vor dem durch die Plötzlichkeit des Geschehnffses fast erschrockenen Auge. Erst allmählich gewöhnt das Auge sich daran, das unbeschreibliche Bild in seiner ganzen Schöne zu erfassen und es als Kunstgebilde, sowie in seinem Zusammenhänge mit der, Umgebung als Naturerscheinung zu betrachten. Die ganze breite Fa-ade der prächtigen Ruine hebt sich in leuchtendem Feuerroth von dem dunklen Bergwaldhintergrunde,,scharf und bestimmt ab. Die colossalen, ehrwürdigen Riesenmauern scheinen zu flüssigem, in architectonische Formen gebannten Eisen geworden zu sein, das seine Leuchte weit hiuaussendet in die düstere Nacht, über Thal, Strom und Gebirge. Die Grundmauern am Fuße des Schlosses erstrahlen in hellgrünem Lichtsaum, ein berauschender Farbeneffect, der uns die täuschende Wahrheit der fürchterlichen Feuersbrunst da vor uns benimmt und gleichzeitig die Künstlichkeit derselben zum Bewußtsein bringt.
Ein paar Secunden lang lagert über der unten harrenden Menschenmenge das Schweigen des Erstaunens, der stummen kindlichen Bewunderung. Dann aber erschallt, wie auf Eommando, von tausend und abertausend Stimmen mit einem Male in jubelndem Chorus das freudenhelle Studentenlied: „Alt Heidelberg, Du Feine!" Rauschende Musikchöre schmettern die Melodie mit; dazwischen laute, gelle Wonneruse, Raketen, Feuergarben und bengalische Flammen von allen Seiten, die ganze herrliche Landschaft ein künstliches Wetterleuchten--es ist entzückend schön. Und jetzt er
hellen sich zu beiden Seiten des Schlosses, ebenfalls in rothen Feuergewändern, auch die Gebäude der Molkenkur und des Schloßhotels, und von den massiven Pfeilern der alten Brücke, deren Längseite der schwarzkunsttreibende Feuerwerker plötzlich mit rothen, grünen, gelben, blauen und weißen Lichtern bestreut, regnen in breiten Fluchen dichte, flüssige Goldströme in den Neckar. Am Ufer der Festhalle taucht aus dem nächtlichen Dunkel in farbiger Diamantenpracht eine mächtige Fürstenkrone empor, unter ihr in funkelndem Golde die verschlungenen Anfangsbuchstaben des Namens des Großberzogs, während drüben auf dem Berge das alte Zauberschloß mit seinem stolzen, die deutsche Reichsflagge tragenden Otto-Heinrichs-Thurm wieder in die alte, geheimnißvolle Nacht versinkt und die Strahlenfluthen auf der malerischen Brücke stärker fließen. Heller leuchtet die Fürstenkrone und auf's Neue erschallt aus tausend Kehlen eine mächtige Jubelhymne, deren Töne, wie aus den Lungen eines sagenhaften Ungeheuers strömend, sich fortpflanzen weit über Thäler und Höhen: das einfach-große „Heil Dir im Siegerkranz!" Eine volle, leider nur zu rasch entschwundene halbe Stunde dauert das einzige Schauspiel. Natur und Kunst, Landschaft und Architektur, Witterung und Stimn.u^, Schönheit der Ausführung und Ruhe des Genießens, kurz, Alles wirkte zusammen, um die entstandenen Wunderbilder, zu deren Erschaffung gerade dieses Bergthal, wie keine zweite Stelle der Erde geschaffen ist, zu unvergeßlichen, wunderbar gelungenen zu machen.
Ich stelle die Beleuchtung an Großartigkeit und Nachhaltigkeit der Wirkung noch entschieden höher, als den Festzug, den ersten Glanzpunkt der Feier, und Jeder, der das Glück hatte, sie zu bewundern, wird mir Recht geben.
Aus den programmmäßig projectirten Ausflügen am Samstag Morgen, ist des schlechten Wetters wegen selbstverständlich nichts geworden. Wer Lust dazu hatte und die Nothwerdigkeit empfand die nähere Umgebung der Stadt gegen die weitere zu vertauschen, unternahm dies gestern oder heute, wo die Sonne sich wieder in Permanenz erklärt hat.
Dem gestrigen Costümfeste auf dem Schlosse ging die photographische Aufnahme der einzelnen Zuggruppen, die gegen i/^> in bestimmter Reihenfolge auf den Schloßplatz zogen, voraus. Dann mischten sich die bunten Masken zu heiterem geselligen Verkehr, der durch die Anwesenheit des Großherzogs und seiner Angehörigen in wohl- thuenden geselligen Schranken gehalten wurde, unter die Menge der Geladenen. Bei dem beschränkten Raume oben, konnten Eintrittsbilleis nur in beschränktem Maaße verabfolgt werden, doch darf ich nicht verschweigen, daß auch bei diesem Festakt, wie bei den meisten übrigen, die Vertreter der Presse Seitens des Cornitä's eine etwas galantere Berücksichtigung finden sollen. Ob ein paar Professorenfrauen mehr oder- weniger die Festakte durch Autopsie zu beurtheilen in die Lage kamen, hätte bei Ver- theilung der Karten für die Referenten nicht ausschlaggebend sein dürfen. Leider war dies aber, wie ich durch verschiedene Collegen erfahren, doch der Fall und die Presse, deren Orakelsprüchen selbst die gelehrten Vertreter der Universitäten, wenn sie ihren Schriften gelten, so gerne lauschen, wurde auch diesmal wieder als Stiefkind behandelt, wie dies in unserem guten Deutschland bei ähnlichen Gelegenheiten so häufig der Fall. Die deutschen FestcomitS's dürften sich in dieser Beziehung Amerika oder das näher gelegene England zum Muster nehmen, wo man von der Bedeutung und dem Werthe einer öffentlichen Berichterstattung eine etwas bessere Meinung hat. Das Amt des Referenten ist an sich schon schwer genug und es ist unrecht, ihm dasselbe durch engherzige, krähwinkelartige Rücksichten und Ausflüchte noch schwieriger zu machen.
Von den zum Fest erschienenen litterarischen und künstlerischen Gedenk- und Grinnerungszeichen sind mir viele zu Gesicht gekommen. Die Matrikel der tlniversität Heidelberg von 1386—1662, herausgegeben von Dr. Toepke. die Monographien „Robert von Mohl" von Prof. Dr. Schultze, „Johann von Daloerg" von Karl Morneweg, „Heidelberger Studentenleben zu Anfang unseres Jahrhunderts" von Dr. E. Herjek isämmtltch bei Carl Winter hier erschienen), sowie das bei I. Cl. Bruns in Minden herausgegebene »Ergo bibamus“ von Oscar Linke, eine ganz originelle, anregende Liedersammlung, sind wohl die werthvollsten. Die bildende Kunst ist auf dem Gabentisch durch eine bei Amsler und Ruthardt in Berlin erschienenen wundervollen „Ansicht von Heidelberg" würdig repräsentirt. Das werthvolle Kunstblatt, dessen Anschaffung jedem Kunstfreunde aufs Wärmste empfohlen werden kann und dessen Widmung vom Senate der Heidelberger Universität dankbar angenommen worden ist, bildet die schönste Ansicht der Heidelberga, die ich kenne. Es ist nach einer im Besitze der Verlagshandlung befindlichen Tuschzeichnung von Th. Verhas in Photoaquatinta-Manier getreu nach dem Original hergestellt und giebt uns eine äußerst glückliche, malerische Mondscheinbeleuchtung der Stadt und des Schlosses, eine stimmungsvolle Reproduction des kleinen Erdenparadieses, die von der Verlagshandlung, sowohl in Schwarz- als in Blaudruck ausgeführt ist. Alle die übrigen Festschriften, Fest-Medaillen und Bilder anzuführen, die noch erschienen sind, mangelt mir der Raum.
„Alt Heidelberg, du feine, fünfhundert Jahr nun alt, Immer noch jugendblühend an Herz und Geist und Gestalt, Wer zählt, die kommen gefahren, in dieser Sommerzeit, Dir fröhlichen Gruß zu bringen, in Treu, voll Ehrerbietigkeit? Ehrwürdigen, grauen Häuptern, Prachtfässern der Wissenschaft Entsprudelt zu deinem Ruhm der Rede berauschende Kraft;
Aufflammen viel tausend Augen in heller Begeisterung — Und just soviel Salamander sich drehn in weislich geübtem Schwung.
Sein Scherflein bringt ein Jeder, zu diesem gold-goldenen Fest, Das, ach, von Alten und Jungen nur einmal sich feiern läßt."
So singt Oscar Linke in dem Prolog seines Liederfestes und er hat Recht. Nur einmal lassen solche Feste sich feiern und ein Jeder, der sie mitfeiert, bringt auch, dann auch nur durch seine persönliche Anteilnahme, sein Scherflein dazu dar. Daß aus diesem Scherflein eine so reiche, fürstliche Gesammtaabe geworden ist, beweist uns ein Vorhandensein der allgemeinen Erkenntniß der Bedeutung der Jubelfeier und die so gewonnene Ueberzeugung von der idealen Gemeinsamkeit der geistigen Interessen unserer Culturvölker und die Erinnerung an die einzelnen Glanzmomente der Feier bleibt mir das Schönste und Werthvollste, was ich von derselben mit nach Hause nechme.
Heidelberg, 9. August. Heute Vormittag hat in der Aula der Universität die Eröffnung der Jahresversammlung der ophthalmologischen Gesellschaft stattgefunden. Anwesend waren gegen 150 Mitglieder aus allen Theilen Europas, der Prorektor und der Senat Universität, sowie die meisten hiesigen Professoren der medizinischen Fakultät. Professor Zehender aus Zürich eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache und ertheilte alsdann dem Prof. Donders aus Utrecht das Wort, welcher als Einleitung für die nur alle 10 Jahre vorzunehmende Zuerkennung der großen goldenen Gräfemedaille eine Rede über die Verdienste Albrechts v. Gräfe hielt. Nach Beendigung derselben erfolgte die Ueberreichung der Medaille an Prof. v. Helmholtz, als denjenigen, der von allen Lebenden innerhalb der letzten 10 Jahre sich am meisten um die Förderung der Augenheilkunde verdient gemacht habe. Die Zuerkennung wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Helmholtz dankte in längerer Rede. Heute Nachmittag findet im Schloßhotel ein Festessen statt.
LeirgrapWche Depesche«.
Molft'S telegr. Sorrespondem'Brriesaa.
Gastein, 9. August. Kaiser Franz Joseph ist gestern Abend um 7 Uhr hier eingetroffen; er wurde vom Prinzen Wilhelm, dem Fürsten Bismarck, Prinzen Reuß und dem Gefolge des Kaisers Wilhelm vor dem Badeschloß empfangen. Der Kaiser umarmte und küßte den Prinzen Wilhelm, drückte dem Fürsten Bismarck sehr warm die Hand und sprach mit dem Gefolge. Er begab sich darauf in das Schloß, wo ihn Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Elisabeth am Fuße der Treppe erwarteten. Beide Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt und zogen sich dann in die Gemächer des Kaisers Wilhelm zurück, wo sie mit der Kaiserin und dem Prinzen Wilhelm etwa 20 Minuten verweilten. Die Kaiserin fuhr in die Villa Meran zurück, der Kaiser von Oesterreich begab sich zu Fuß nach seinem Absteigequartier im „Hotel Straubinger", hierbei wie bei seiner Ankunft von der dichtgedrängten Menge mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt.
— Als Kaiser Franz Joseph gestern Abend von seiner ersten Begegnung mit Kaiser Wilhelm nach dem Hotel sich begab, war der deutsche Kaiser auf den Balkon des Badeschlosses getreten, von der versammelten Menge mit Hoch- und Hurrahrufen begrüßt. Franz Joseph wandte sich rasch um, salutirte lächelnd vor dem Kaiser Wilhelm, welcher seinerseits Franz Joseph herzlichst zuwinkte. Das Publikum begleitete den Vorgang mit lang anhaltenden Jubelrufen. Beide Majestäten zogen sich darauf in ihre Gemächer zurück. Darauf stattete Prinz Wilhelm von Preußen Namens des Kaisers Wilhelm dem österreichischen Kaiser einen Gegenbesuch ab. Abends 8V2 Uhr begab sich Franz Joseph mit dem Prinzen Wilhelm nach dem Badeschlosse zurück; er nahm daselbst den Thee ein, woran auch der Obersthofmeister Fürst Hohenlohe und der Botschafter Prinz Reuß theilnahmen. Gegen 9V2 Uhr kehrte Franz Joseph, von Prinz Wilhelm begleitet, unter abermaligen enthusiastischen Kundgebungen der versammelten Menge nach dem Hotel Straubinger zurück.
— Um 11 Uhr Vormittags begab sich der Kaiser von Oesterreich zu Fuß in preußischer Generalsuniform, begleitet von dem Flügeladjutanten Fliesser, in das Badeschloß zum Besuch des Kaisers Wilhelm. Nach einem halbstündigen Aufenthalt ging der Kaiser von Oesterreich nach dem Schweizerhause, wo der Fürst und die Fürstin Bismarck ihm im Garten vor dem Hause entgegenkamen und ihn begrüßten. Der Kaiser blieb etwa eine halbe Stunde und wurde vom Fürsten Bismarck bis zum Aus? gang des Gartens begleitet. Auf dem Rückwege nach seinem Absteigequartier wurde der Kaiser dann von dem dichtgedrängten, Spalier bildenden Publikum ehrfurchtsvoll begrüßt. Graf Kalnocky machte um 11 Uhr dem Fürsten Hohenlohe, um 12 Uhr dem Fürsten Bismarck einen Besuch. Kalnocky blieb bis kurz vor der Ankunft des Kaisers von Oesterreich bei Bismarck im Schweizerhause. Am Mittag hatte Kalnocky eine Audienz beim Kaiser Wilhelm und machte darauf seine Aufwartung bei dem Prinzen Wilhelm. Der Kaiser von Oesterreich empfing Herbert Bismarck und darauf den Fürsten Bismarck in Audienz.
Gastein, 9. August. Kaiser Franz Joseph begab sich heute früh 8 Uhr zu der Kaiserin in die Villa Meran und kehrte um 9 Uhr in sein Absteigequartier zurück. Um 8V2 Uhr traf Graf Kalnoky hier ein und stattete gegen 11 Uhr dem Fürsten Bismarck einen Besuch ab. Heute Nachmittag 4 Uhr findet bei Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm ein Hofdiner statt.
— Der Kaiser nahm am Vormittag die Vorträge Perponcher's, Bock's und Albedyll's entgegen und besuchte dann die Gräfinnen Gruenne und Lehndorff. An dem Galadiner beim Kaiser nahmen Kaiser Franz Joseph, Fürst und Fürstin Bismarck, das beiderseitige Gefolge und andere distinguirte Personen Theil.
— Um 33/4 Uhr begab sich der Kaiser Franz Joseph, begleitet vom Prinzen Wilhelm, nach dem Badeschlosse. Der Kaiser trug preußische, der Prinz österreichische Uniform. Prinz Hohenlohe, Obersthofmeister Nopcsa, sowie die Flügeladjutanten Fliesser und Major Freund folgten. Nach Ankunft Sr. Majestät im Badeschloß wurde daselbst von beiden Majestäten kurzer Cercle abgeüalten. Um 4 Uhr fand ein Diner statt. In der Mitte der hufeisenförmigen Tafel nahm Kaiser Franz Joseph den Ehrenplatz ein. Demselben zur Rechten saß Kaiser Wilhelm, zur Linken Prinz Wilhelm; rechts vom Kaiser Wilhelm saß die Fürstin Bismarck, dann folgten Fürst Hohenlohe und Comtesse Palffy; links vöm Prinzen Wilhelm nahm Fürst Bismarck Platz, dann Gräfin Gruenne, Minister Bötticher; an der inneren Längsseite der Tafel und zwar von rechts nach links saßen Graf Palffy, Graf Kalnoky, Frau von Mailath, Graf Perponcher, Herzogin Sabran, Prinz Reuß; auf der rechten Stirnseite der Tafel: Baron Nopcsa, Graf Goltz, Graf Thun, Wilmowski, Herbert Bismarck, Major Fliesser; auf der linken Stirnseite: General Ritter, General Albedyll, Baron Aehrenthal, Graf Lehndorf, Major Freund. Während des Diners wurde kein Toast ausgebracht, sondern die beiden Majestäten tranken sich in üblicher Weise still zu. Nach dem Diner wurde Kaffee servirt und hielten dann die beiden Monarchen im anstoßenden Salon Cercle. Gegen 51/2 Uhr kehrte Kaiser Franz Joseph, abermals vom Prinzen Wilhelm begleitet, in die Appartements zurück und begab sich sodann zu Fuß in die Villa Meran zum Besuche der Kaiserin, von wo dieselben nach 7 Uhr wieder zurückkamen. Die Abreise des Kaisers Wilhelm nach Lend erfolgt morgen IV2 Uhr Nachmittags. Für morgen 12 Uhr ist der Abschiedsbesuch der Kaiserin beim Kaiser Wilhelm in Aussicht genommen. Um 8% Uhr fuhr Kaiser Franz Joseph in offenem, Kaiser Wilhelm in geschloffenem Wagen zur Soiree bei der Gräfin Lehndorff. Der österreichische Kaiser trug österreichische Generalsuniform, der deutsche Kaiser Civilkleidung.
— Prinz Hohenlohe erhielt den schwarzen Adlerorden mit Brillanten, Geheimrath Rottenburg das Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens, Cabinetschef WUmowsky das Großkreuz des Leopold-Ordens.
Wien, 9. Aug. Die »Wiener Abendpost" schreibt: Der Blick der ganzen Welt ist heute aui Gastein gerichtet, woselbst unser erlauchtes Kaiserpaar, das ehrwürdige Oberhaupt des deutschen Reiches und dessen erstgeborener Enkel weilen, um durch innigen persönlichen Verkehr die Zwischen den beiderseitigen Regentenhäusern und deren Völkern bestehenden Bande der Freundschaft auf's Neue zu befestigen Die öffentliche Meinung erblickt in diesen regelmäßig wiederkehrenden Zusammenkünften mit Recht eine bedeutsame Gcwähr des Weltfriedens und begrüßt dieselben deshalb mit stetig steigender Sympathie.
Lokales.
Gießen, 10. August. Am Sonntag Mittag wurde im Garten der Pulvermühle einem Herrn der Sommerüberzieher nebst einem werthvollen Stock vom Tisch hinweggestohlen. Der Dieb wurde in der Person eines Taglöhners von Ruttershausen ermittelt und zur Haft gebracht.


