Ausgabe 
11.7.1886 Zweites Blatt
 
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luche die Vorthelle daraus. Verliere niemals den Muth, wenn hin und wieder Geschäftsstockungen cintreten, die Welt dreht sich. Halte deine Geschaftsstunden strengstens inne. Die besten Geschäftsfreunde sind die, welche Ordnung in ihren Büchern und Finanzen halten. Habe stets ein Bleistift in der Tasche, um sogleich rechnen zu können. Vergeude deine Zeit nicht in Wein- und Bierstuben, der Vor­mittag ist die beste Zeit zur Arbeit; nach dem Essen ist der Mensch ost trage, meide auch deshalb den Mittagsschlaf. - Hüte dich vor unnützen Ausgaben, spare m der Jugend, so darfst du im Alter nicht darben. Mache dich von deiner Kundichast nicht abhängig. Lasse dich von deiner Kundschaft nicht treten. Meide langsame Zahler und Chikaneurs. Begnüge dich mit einem bescheidenen Nutzen; suche dir stets zahlungsfähige Kundschaft auf und arbeite möglichst nur gegen Baar. Beim Verborgen deiner Waare resp. Arbeiten siehe auf den Charakter des Kunden, dessen Ehrlichkeit und Tüchtigkeit, und achte und schätze auch den kleinen ordentlichen Kunden.

^Bestrafter Verleumder.)Vor Dieben kann man sich schützen, nicht aber vor Verleumdern!" Diesen Ausspruch that am Montag der Vorsitzende der 100. Ab­teilung des Berliner Schöffengerichts, Amtsrichter Henry, zur Begründung des gegen den der Verleumdung für schuldig erachteten Angeklagten außerordentlich hohen Straf­maßes. Der Makler Moritz Rosenstein aus der Linkstraße hatte sich verschiedenen Personen gegenüber mit der ihm von der Ehefrau eines andern erwiesenen Gunst ge­brüstet und wurde nun von dem in seiner Ehre und in seinem häuslichen Frieden schwer gekränkten Ehemann strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Aus der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgejundenen Beweisaufnahme hat der Gerichtshof die Ueberzeugung gewonnen, daß die verbreitete Behauptung erfunden ist und deshalb den Angeklagten wegen verleumderischer Beleidigung in drei Fällen zu einer Gesammtstrafe von 6 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Von einer Kellnerin bis zur Löwenbändigerin ist zwar ein ziemlich weiter Weg, aber die viel- und nicht gerade rühmlich genannte Fürstin Pignatelli hat ihn doch unternommen. Der bekanntlich geplanten Verheirathung der Fürstin mit dem Wiener Localbesitzer Bistritzky haben sich solche Schwierigkeiten entgegengestellt, daß die Verlobung seitens der Fürstin rückgängig gemacht wurde. Darauf machte ihr ein Agent den Vorschlag, sie solle Löwenbändigerin werden. Zur Ausübung dieser Be­schäftigung, meinte »er Agent, gehöre weiter nichts als ein großes flammendes Auge und Muth. Die Fürstin trat mit einem Menageriebesitzer in Unterhandlung und nimmt bereits Zähmungsversuche mit 7 jungen Löwen vor.

sDie Strümpfe der Königin.) Das in gewissen Hofanekdoten stets eifrige Deutsche Tagebl." erzählt: Die Königin von Italien forderte vor Kurzem ein ihrer Huld empfohlenes kleines Mädchen auf, ihr zum Geburtstage ein Paar seidene Strümpfe zu stricken und gab ihm zum Ankäufe des Materials 20 Lire. Die Königin dachte nicht mehr an diesen Auftrag, aber zum Geburtstage kamen pünktlich die hübsch gearbeiteten Strümpfe mit einem herzlichen Glückwünsche an. In Erwiderung schickte Königin Margaretha ihrer kleinen Freundin ebenfalls ein Paar Strümpfe, den einen mit Lire, den anderen mit Bonbons gefüllt nebst einem Briefchen:Schreibe mir doch, liebes Kind, welcher Strumpf Dir am besten gefallen hat". Am nächsten Tage kam schon die Antwort:Liebe Frau Königin! Wegen beider Strümpfe habe ich viel weinen müssen. Den mit dem Gelbe nahm mein Vater, den mit den Bonbons mein Bruder!"

Betreffs der verunglückten Alpentouristen, Markgrafen Pallavicini und Herrn Crommelin, liegen folgende Nachrichten aus Lienz vom 5. Juli vor: Die Auf­regung im ganzen Pusterthale wegen der Katastrophe auf dem Großglockner ist un­geheuer. Alles wird aufgeboten, um die Vermißten, aufzusinden; alle Führer des Glocknergebiets sind thätig. Circa dreißig Arbeiter arbeiten seit 36 Stunden an der Lawine südlich der Glocknerwand, bis wohin die Fußspuren führten, an den Aus­grabungen, bis zur Stunde ohne Erfolg. Von der Alpensection Pinzgau wurden nach Bekanntwerden des eventuellen Unglucksfalles sofort Bergführer als Boten durch das Kapruner Thal und durch Fehrleiten zum Glocknerhaus bis zur Unglücksstätte mit dem Auftrage und der Vollmacht entsendet, alles Mögliche zu veranlassen und aufzubieten, was ihnen im Interesse der Auffindung als geboten erscheint. Der Bürgermeister von Lienz, Herr Rohracher, sowie der Bezirkshauprmann, betheiligen sich an der Durchsuchung des Gebietes. Gestern Abend ist der Präsident des Alpenclubs Oesterreich", Meurer, aus Wien emgetroffen, um die Nachforschungen zu organisiren. Es ist nunmehr mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Vermißten am Glocknerabhang von einer Lawine überrascht und verschüttet wurden. Da in den letzten Tagen viele Lawinen niedergegangen sind, so ist die Auffindung der Vermißten sehr erschwert. Tür die jetzt in Kals weilenden Eltern des Markgrafen, sowie für die ^Familien der vermißten Führer gibt sich allenthalben die tiefste Theilnahme kund. Der eine von den vermißten Führern, Rangetiner, mar der beste Glocknerführer; er galt als un< gemein verläßlich, vorsichtig und ortskundig. Markgraf Pallavicini soll sich in Kals noch geäußert haben:Wir führen eine Tour aus, die verzweifelt ist." Wie man dort weiter erzählt, sollen die Touristen auf Ehrenwort versprochen haben, am Sonntag, 27. Juni, wieder zurück zu fein. Rangetiner soll nie so ungern fortgegangen fein wie diesmal.

sDaran liegt's!) Sie:Sieb' mal, Eduard, wie einträchtig die Störche euj dem Dachfirst bei einander wohnen! Daran könntest Du Dir ein Beispiel nehmen. Er:Ja, die Störchin braucht auch nicht alle Mor.at em neues Kleids

Literarische-.

sOdenwaldführer von Dr. Windhaus.) Im Verlage von Arnold B ergstraß er ist eine neue und verbesserte Auflage des Führers durch den Odenwald und die Bergstraße von vr. Wind Haus erschienen. Derselbe ist im Auftrag des Odenwaldclubs bearbeitet und es ist diese neue Auflage keineswegs eine sogenannte Titelauflage, sondern vollständig neu bearbeitet und mit neuen Karten versehen. Insbesondere ist statt der früheren Detailkarten eine einzige, das Gesammtgebiet des Odenwalds umfassende, sehr brauchbare Karte gesetzt und die Zahl der Routen­pläne um drei vermehrt. Der Text zeigt zahlreiche Verbesserungen und Erweiterungen Der Preis von 2 Mark ist.für das sehr elegant ausgestattete Buch ein außerordentlich billiger.

In unserer Zeit der colonialen Ausdehnung ist jede Erscheinung in der Literatur hochwillkommen, welche eine Klärung unserer Anschauungen von Land und Leuten der Colonialgebiete anstrebt, und mit um so größerer Freude begrüßen wir em Werk, je vollständiger es diese Aufgabe nach jeder Richtung hin zu lösen verspricht. Wie ausgiebig aber eine derartige Schilderung auch immer sein möge, wie sorgsam sie auch auf die geographischen, geologischen und klimatischen Verhältnisse des Landes, auf körperliches, geistiges und wirthschaftliches Leben, auf Geschichte und ethnographische Beziehungen seiner Bewohner eingehen möge: sie wird doch immer nur Bruchstücke liefern können, wenn sie nicht von dem höheren Gesichtspunkt des allgemeinen Volkcr-- gcdankens ausgeht, als dessen natürliche Ausstrahlung jede Lebensäußerung jedes Volkes- zu betrachten ist. Um diesen hohen Gesichtspunkt, diese Erkenntniß des großen Zu­sammenhangs aller Rassen und Volker innezuhaben, gehört aber mehr als genaue Bekanntschaft mit diesem und jenem Land und seinen Bewohnern; es ist dazu vielmehr ein umfassendes Wissen des ganzen Seins und Lebens aller Länder und Völker des Erdballes erforderlich, denn erst aus der klaren Erkenntniß des Ganzen kann das- richtige Verständniß der Theile hervorgehen. Kein Wunder, daß es der Werke, welche, dergestalt Wahrheit und Licht über das Völkerleben verbreiten, nur einige wenige gibt, und geradezu ein Ereigniß ist es, wenn sich den vorhandenen ein neues zugesellt.. Dies nun ist vor Kurzem geschehen, indem das Bibliographische Institut in Leipzig den ersten Band einer Völkerkunde (als ersten Theil einer allgemeinen Naturkunde*) erscheinen ließ, die in Inhalt, Form und Ausstattung weit über ähn­liches Bestehendes emporragt.

Der Feder des geistvollen Münchener Ethnographen Professor Dr. Friedrich Ratzel entstammend, schildert der erste Band die Naturvölker Afrikas und ist darum das rechte Buch zur rechten Zeit, da ja Afrika im Vordergrund des Tagesinteresses steht. Es würde uns zu weit führen, wenn wir die erstaunlich umfassenden Kennt­nisse, die formgewandte Diction, die lebendige Auffassung, die anschauliche und gemein­verständliche Darstellung, die interessanten Beziehungsnachweise 2c. des genialen Ver­fassers in's Einzelne verfolgen wollten; es genüge, diese hervorragenden Eigenschaften, des Buches zu cenftatiren und im Uebrigen darauf hinzuweisen, daß sich alle die Schilderungen der einzelnen Volkergruppen durch Betonung der Beziehungen und Uebergänge zu einer großen harmonischen Gesammtheit zusammenfügen, in welcher sich wiederum jeder Theil aus dem Ganzen erklärt.

Dem Werthe des Textes entsprechend, ist die illustrative Ausstattung des Werkes eine glänzende. Mit offenbar ungemein großem Aufwand hat es die Verlagsanstalt unternommen, das beste authentische Material, seien es Original-Photographien, -Zeichnungen, -Aquarelle der Reisenden und Forscher oder Waffen, Geräthe, Schmucke 2c. aus den bedeutendsten Museen und Privatsammlungen, von Künstlerhand wiedergeben zu lassen, und so ist ein bildlicher Apparat entstanden, der, im ersten Band nicht weniger als nahezu 500 vorzügliche Holzschnitte, 10 Aquarelltafeln und 2 Karten um­fassend, dem Buch nicht allein zur höchsten Zierde gereicht, sondern auch an und für sich eine in ihrer Vollständigkeit außerordentlich werthvolle Jllustrirung des afrikanischen Völkerlebens bildet. Als nicht unwesentlich sei dazu bemerkt, daß gleichzeitig als Garantie für die Echtheit des Gebotenen eine jede Abbildung mit Angabe der Provenienz des Originals versehen ist, wie ja auch der Verfasser im Text seine Gewährsmänner stets namhaft gemacht hat.

Druck und Papier sind von der bekannten Vortrefflichkeit, die dem Verlag des Bibliographischen Instituts eigen ist, und der Preis des gebundenen Bandes beträgt nur 16 Jt Dr M

*) Allgemeine Naturkunde. Mit über 3000 Abbildungen im Tert 20 Karten und über 120 Aquarelltafeln. (Völkerkunde", 3 BändeErdgeschichte"' 2 Bände -Der Mensch", 2 Bände -Pflanzenleben", 2 Bände.) 9 Bände in' Saffian gebunden L 16 Mark. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig.

Allgemeiner Anzeiger.

Submission.

Die zur Reparatur der Kirche zu Kirchberg erforderlichen Arbeiten sollen im Wege schriftlicher Submission vergeben werden: veranschl.zu

Maurerarbeiten 280, J4

Schreinerarbeiten 659,40

Glaserarbeiten 75,

Weißbinderarbeiten 611,50

Voranschlag und Bedingungen liegen auf der Großherzogl. Bürgermeisterei Ruttershausen zur Einsicht offen, woselbst auch die Offerten verschloffen und mit entsprechender Aufschrift bis

Dienstag den 13. I. MtS.,

Mittags 1 Uhr, einzureichen find.

Gießen, am 7. IM 1886. Senßfelder, 4989 Bezirks-Bauaufseher.

Dienstag den 13. I. MtS.,

Mittags 2 Uhr, sollen auf der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen nachstehende Ar­beiten öffentlich in Accord gegeben werden: veranschl. zu

Maurerarbeiten 71,50 JL

Schreinerarbeiten 22,30

Weißbinderarbeiten 75,65

Gießen, am 7. Juli 1886.

Senßfelder, 4988 Bezirks-Bauausseher.

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1 Salsa-, 1 Waaren- £n5 ?ecretare Sopha's, Com- moben, Kleiber- und Küchenschränke, ^wle sonstiges Mobiliar, ferner i^r^a$en 1 Hunbewagelchen, 1 ^^adenger Hanbkarren, einige buchene Bohlen.

«-eßen, am 8. Juli 1886.

Aeikgeöotenes. Reue holl Uoffljärmne eingetroffen. 5002:

L. Kalkhof.