Ausgabe 
11.4.1886 Drittes Blatt
 
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und Fürsorge. Der Statthalter von Dalmatien, FML. v. Carnaro, ist am Dienstag in Zara nach längerem Leiden verschieden.

Die kaum erst niedergeworsene belgische Arbeiter-Erhe­bung flackert hier und da noch immer auf. So ist es in Ninooe (Ostflandern) zu Ruhestörungen gekommen, zu deren Unterdrückung von Gent aus Militär mittelst Extrazuges abgesar.dt werden mußte, auch kommen noch immer verein­zelte Strikes vor. Im Großen und Ganzen trägt jedoch die Lage in Belgien einen beruhigenden Charakter, so daß General van der Smiffen mit seinem Stabe wieder nach Brüssel zurückgekehrt ist, was demnach die gänzliche Einstellung der militärischen Operationen gegen die Strikenden bedeutet.

Die Arbeiter-Bewegung in Decazeville beherrscht die innere Politik der französischen Republik zur Zeit vollständig. Die Berichte aus den Kohlengruben von Decazeville und letzterem Orte selbst lauten fortwährend sehr ernst, jo daß eine neue Auflage der Vorgänge von Charleroi, Mons u. j. w. aus französischem Boden zu befürchten steht. Die Verhaftung mehrerer sociali stischer Agitatoren in Decazeville hat nur Oel in das Feuer gegossen und die Stimmung der Arbeiter derartig erbittert, daß die Regierung umfassende mili­tärische Vorsichtsmaßregeln angeordnet hat, um einem Ausbruche der Unruhen sofort mit aller Strenge entgeoentreten zu können. Diese Wachsamkeit der Re­gierung scheint es auck lediglich zu (em, welche die Führer der Decazeviller Be­wegung noch amLosschlagen" verhindert.

Das irische Reformproject des englischen Premiers wird noch mancherlei Wandlungen durchmachen müssen, ehe es sich der Welt in Gestalt einer lebensfähigen Gesetzbill präsentiren kann. Die Meldung derTimes", daß in einem jüngst stattgesundenen Cabinetsrathe Mr. Gladstone die De­mission weiterer Regierungsmitglieder nur durch das Zugeständniß verhinderte, seine irischen Pläne wesentlichen Änderungen zu unterziehen, beweist auf's Neue, welche Schwierigkeiten der Premier in Bezug auf die irische Frage im Cabinet selbst fortgesetzt zu überwinden hat.

Italien steht vor einer inneren Krisis.Popolo Romano" zufolge ist die Demission des Ministeriums Deprelis zu erwarten, da dasselbe in der Kammer auf keine zuverlässige Majorität mehr rechnen kann. Die Kammer selbst soll ausgelöst werden.

Für Spanien waren die Neuwahlen zu den Cortes das Ereigniß der Woche. Dieselben haben dem Ministerium Sagasta die erwartete große Mehrheit in der Deputirtenkammer gebracht, so daß also die Stellung des gegenwärtigen spanischen Cabinets als noch weiter befestigt betrachtet werden kann.

Auf den Philippinen ist ein Aufstand ausgebrochen, die auf­ständischen Eingeborenen sind jedoch von den gegen sie ausgesandten Truppen aus ihrer Stellung vertrieben und in die Flucht geschlagen worden.

In der Entwickelung des Orientdramas ist mit den jüngsten Beschlüssen der Konstantinopeler Botschafter - Conferenz eine neue Phase ein­getreten. Die Botschafter haben den Bulgarensürsten nach Unterzeichnung des Protokolls über das bulgarisch-türkische Abkommen nochmals zur Nachgiebigkeit aufgefocdert und wie uns ein Privat-Telegramm meldete, ist Fürst Alexander in der That geneigt, sich dem internationalen Uebereinkommen wegen Ost- Rumeli-n zu fügen.

In der griechischen Deputirtenkammer kämpft Ministerpräsi­dent Delyannis einen harten Kampf mit der Opposition. Als er in der Mittwochssitzung die von ihm befolgte Politik der Enthaltung Griechenlands von eine» Angriff aus die Türkei vertheidigte, unterzog der Deputirte Lom- bardos diese Erklärung einer sehr abfälligen Kritik und bedauerte, daß sich die griechische Regierung die Sympathien der Mächte verscherzt habe, ohne daß sie einen Krieg beabsichtige. Hiernach zu urtheilen, scheint es, als ob das Athener Cabinet den Rückzug abgetreten habe.

Vermischtes.

Mainz, 6. April. Es courfiren gegenwärtig falsche Fünfmarkstücke, welche ans einer Bleicomposition heryestellt sind; bei eingebrochener Dunkelbeit lassen sich diese Münzen, die sonst ziemlich gut angefertigt sind, leicht vereinnahmen. Daher Vorsicht 1

Worms, 6. April. Gestern Abend nach 11 Uhr wurde von dem hiesigen Rangirpersoval die Meldung gemacht, daß unterhalb der Neuhäuser Chaussee auf dem Schienengeleise ein Soldat liege, welcher überfahren worden sei. Allem Anscheine nach hat derselbe den Tod freiwillig gesucht. Derselbe lag in seiner ganzen Länge, gespalten von den Rädern der Maschine, im Geleise, mit den überfahrenen Händen noch an der Schiene haltend. Derselbe scheint von dem Schnellzug, welcher 11 Uhr 51 Min. ein­traf, überfahren worden zu sein. Der Soldat stand in hiesiger Garnison, soll aus Baden stammen und elternlos sein.

Viernheim, 6. April. Gestern Nachmittag entstand ein Brand, der fünf Gebäulichkeiten vernichtete. Bei dem Mangel an Wasser, bei Entbehrung einer Feuer­wehr ist es glücklich abgelaufen. Obwohl viele Bauern abwesend, weil auf dem Felde beschäftigt, war thätige hilfreiche Mannschaft an der Brandstätte und deren Umgebung und ist besonders die Mithilfe der telegraphisch herbeigerufenen Feuerwehr von Käfer­thal und Heddesheim recht anzuerkennen. Die meisten Beschädigten sind versichert. Ein Backofen, der gerade geheizt worden war, soll zum Brande Veranlassung gewesen sein. Wie wichtig und nothwendig ist eine geordnete Feuerwehr!

Leipzig, 3. April. Wie dem hiesigenTageblatt" mitgetheilt wird, hat heute Morgen zwischen einem Ofsicier und dem Ehegatten einer Opernsängerin, einem Lieutenant a. D., ein Pistolenduell hier stattgefunden. Letzterer foll einen Schuß ins Bein erhalten haben und schwer verwundet worden fein.

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