Donnerstag den 11. März
Re. SS
Preis vrertenührlrch 2 Mar? 20 Pf. mit Bring-rttk 2)urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50
Erscheint tLgttch mit «Asnrhme deS Msnt«g-.
Btltean r Schulstraße 7.
cnbud)
(5
rung Entgegenkommen gefunden hat und daß dieselbe derartigen Bestrebungen die wohlwollendste Förderung zu Theil werden lasten wird.
Das mit so vieler Bestimmtheit aufgetretene Gerücht von der bevorstehenden Demission des französischen Botschafters in Berlin, Barons de Courcel, wird jetzt von der „Agence Havas" als durchaus unbegründet erklärt. Man kann nur darüber Genugthuung.empfinden, daß der jetzige Vertreter der französischen Nevublik am Berliner Hofe, besten Tact und Umsicht die gegenwärtigen ausgezeichneten officiellen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich in erster Linie zu danken sind, seinem Wirkungskreise erhalten bleibt.
Dem französischen Consul in Sofia ist Seitens der bulgarischen Regierung angezeigt worden, daß die Zoll-Linie zwischen der Türkei und Ost- Rumelien bis aus Weiteres aufgehoben sei. Ob hiermit diese in der orientalischen Krisis neuerdings ausgetauchte Nebenfrage wieder von der Bildfläche verschwindet, bleibt noch abzuwarten.
Die Vermuthung, daß im englischen Cabinet eine ernste Krisis wegen der Meinungs-Verschiedenheiten der Cabinets-Mitglieder über die irische Frage drohe, scheint sich doch zu bestätigen. Von gut unterrichteter Seite verlautet, der Premier Gladstone sei entschlosten, seinen Vorschlägen betreffs Irlands die Bildung einer eigenen irischen Regierung mit einem Parlamente in Dublin zu Grunde zu legen, da er hierin die einzige Lösung der irischen Frage erblicke. Man spricht deshalb von der Wahrscheinlichkeit des Rücktrittes Trevelyan's, Chamberlain'S und anderer Cabinets-Mitglieder, die mit der irischen Politik Gladstone's nicht einverstanden sind. Daß diese Differenzen ernster Natur sein rnüsten, geht daraus hervor, daß die Königin am Freitage mit Mr. Gladstone längere Zeit conferirte, nachdem sie schon vorher Lord Roseberry, den Minister des Auswärtigen, und Lord Granville empfangen hatte.
Die für vergangenen Sonntag in Manchester angekündigt gewesene socialdemokratische Versammlung ist merkwürdiger Weise verlaufen, ohne daß cs zu Ausschreitungen gekommen wäre. Die auf der von etwa 5000 Personen besuchten Versammlung gehaltenen Reden trugen einen sehr gemäßigten und sachlichen Charakter und scheint es in der Thal, daß die Bewegung unter den englischen Arbeitern in ruhigere Bahnen einlenke. Es wurden mehrere Resolutionen angenommen, in denen die Erwartung auf Arbeit für diejenigen, . welch. Mangels solcher Hunger leiden, sowie die Hoffnung auf Ausführung non öffentlichen Arbeiten, welche den dabei Beschäftigten .einen für ihren Lebensunterhalt ausreichenden Lohn gewähren, ausgedrückt wird. Die Versammlung; ging hieraus ruhig auseinander.
Eine neue Botschaster-Conserenz in Konstantinopel ist in Sicht. Dieselbe wird sich mit dem türkisch - bulgarischen Abkommen wegen Ost- Rumeliens zu besaffen haben. Wie in einem Rundschreiben der Pforte mitgetheilt wird, hat letztere dem von den Großmächten modificirten Abkommen zugestimmt, in welchem namentlich der militärische Theil Hinweggelaffen worden ist. Der abgeänderte Entwurf bestimmt, daß das General-Gouvernement von Ost'Rumelien gemäß Art. 17 des Berliner Vertrages dem Fürsten von Bulga- rien übertragen wird. Die von einer türkisch-bulgarischen Commisston binnen 4 Monaten vorzunehmenden Abänderungen des organischen Statuts werden der Sanction einer Conserenz unterbreitet und bis diese erfolgt ist, dauert die provisorische Verwaltung OstMumeliens fort. Die Pforte erficht schließlich die Mächte, d'e Botschafter in Konstantinopel zu der Theilnahme an der Conferenz zu ermächtigen, um das dergestalt abgeänderte Abkommen zu sanctioniren.
Der Fürst von Bulgarien hat ebenfalls Befehl zur Demobilisirung des Heeres gegeben
Unter den Angestellten der verschiedenen New-Dorker Pferdebahn- Gesellschaften scheint ein förmliches Strike-Fieber ausgedrocken zu sein. Nachdem erst in voriger Woche ein Strike der Angestellten der (alten) New-Dorker Pferdebahn mit deren Siege geendet hatte, stellten dieselben am Samstag den Dienst wieder ein und kam es sogar zwischen ven Strikenden und der Polizei zu Zusammenstößen. In Folge eines Ausgleiches wurde jedoch dieser Strike noch im Laufe des Tages wiederum beendigt. Außerdem stellten 9000 (?) Arbeiter der Südwest-Pferdebahn die Arbeit ein, da indeffen die Beamte der Pferdebahn den Strike nicht mitmachten, so blieb der Betrieb ungestört.
Politische Ueberstcht.
Gießen, 10. März.
So ist denn nun auch die Monopol-Vorlage glücklich in den Hasen der Commissions-Berathung eingelaufen, aber Herr Windthorst halte vielleicht nicht ganz Unrecht, wenn er am Samstag meinte, die Commlssions« Berathung wäre eigentlich gar nicht nölhig. Denn die dreitägigen Verhandlungen des Reichstages über den Vranntwein-Monopol-Entwurf haben doch zur Genüge ergeben, daß an seine Annahme nicht zu denken ist, wenigstens nicht in der gegenwärtigen Gestalt, und ob die Commission noch etwas aus dem Entwürfe machen wird, erscheint mindestens sehr zweifelhaft. Es muß ja zugegeben werden, daß die große Majorität des Reichstages die Nothwendigkeit einer höheren Besteuerung des Branntweins behufs Deckung der großen Bedürfnisse iin Reiche wie in den Einzelstaaten und den Gemeinden anerkannt, die Redner des CentrumS wie der Nationalliberalen und der Conservativen haben sich hierüber klar ausgesprochen, jedoch über die geeignetste Steuer gehen die Meinungen noch weit auseinander. Es ist daher, wie schon angedeutet, sehr zwei- selhasl, ob sich die Commission über den Steuermodus einigen wird und wenn von mehreren Seiten die Hoffnung geäußert worden ist, die Commission werde am Ende doch noch zu einem ersprießlichen Resultate gelangen, so scheint diese Hoffnung, nach dem Stande der ganzen Frage zu urlheilen, als eine recht precäre. Jedenfalls kann man den Monopol-Entwurf zu den Tobten legen, wenngleich der Reichskanzler am letzten Tage der Generaldebatte durch Staats- fecretär o. Bötticher erklären ließ, daß die Gerüchte, wonach er, der Kanzler, von der Monopol-Vorlage Abstand genommen habe, durchaus nicht Der Wahrheit entsprächen: diese Erklärung kann man nur als ein Rückzugs-Manöver betrachten. Daß aber früher oder später ein Modus über die geeigneteste Besteuerung gefunden werben muß, ist klar, und wird es schließlich Der Regierung auch an Unterstützung der Reichstags-Mehrheit, um zu diesem Ziele zu gölangen, nicht sehlen.
Die kirchenpolitische Commission des Herrenhauses beendigte noch in voriger Woche die erste Lesung der Vorlage, wobei mehrere vom Bischof Kopp gestellte Amendements theils unverändert, theilS modificirt zur Annahme gelangten. — Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vorbe- rathung des Ansiedelungs-Gesetzes lehnte am Samsrag den Antrag auf Erbpacht mit 9 gegen 9 Stimmen ab; der erste Paragraph, welcher 100 Mill. «M. zur Verfügung stellt, wurde mit 11 gegen 7 Stimmen angenommen.
Die Nachrichten über das Befinden des Erbgroßherzogs von Baden lauten etwas günstiger, doch ist noch immer Fieber vorhanden und sind die Schwankungen dem Charakter der Krankheit entsprechend.
Heber die neuesten deutschen Besitzergreifungen in Ost- Afrika schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Wie wir hören, sollen die Oberhäupter des an der Ostküste Afrikas südlich und nördlich von Mombas ansässigen Stamm.s der Masamis ober Msara, nämlich der Schech Mbarak von Gasi und der Schech Salim von Taukaungu, die betanr.ten Afrikareisenden Gebrüder Denharor ermächtigt haben, das Land der Miara unter die Schutzhoheit des Deutschen Reiches zu bringen. Deutschland steht in jenen Gegenden in hohem Ansehen, während die von Zanzibar kommenden Araber dort angeblich unbeliebt sind. Das Gebiet Möarak von Gasi ist sreilich zur Zeit ein noch viel um* stritt eins. Nicht nur der Beherrscher des Suahebi-Lanoes, Sultan Achmet von Witv, erhebt daraus als allein "berechtigter Souverain Ansprüche: auch der Sultan von Zanzibar behauptet, dort Hoheitsrechte zu haben, und endlich leitet die deutsch - ostafrikanische Gesellschaft aus einem kürzlich von ihr mit Mbarak getroffenen Abkommen, durch das ihr sämmtliche Rechte der Herrscher-Familie der Msara übertragen sein sollen, vertragsmäß ge Ansprüche auf den Besitz von Gasi her. Unter diesen Umständen dürfte voraussichtlich die kaiserliche Regierung den an sie gerichteten Schutzanträgen erst dann näher treten, wenn die Untersuchungen der gegenwärtig in Zanzibar tagenden internationalen Grenz- regulirungS'Commission zum Abschluß gediehen sein werden.
Der Fürst von Montenegro ist nun zwar schon längst von Wien nach dem Lande Der „Schwarzen Berge" zurückgekehrt, aber sein mehrtägiger Auienth ckt in der Kaiserstadt an der Donau wird in der europäischen Presse noch immer lebhaft erörtert. Nach dem, was von officiöser Seite neuerdings über den Besuch des Fürsten in Wien geschrieben, scheint es nun, daß derselbe keineswegs rein politische, sondern vielmehr handelspolitische Zwecke verfolgt hat. Dieselben galten der Etablirung einer selbstständigen montenegrinischen Schiff- siÄrts-Gesellschast und dem Bau von Straßen vom Meere nach dem Innern Montenegros. Durch Act. 29 des Berliner Vertrages ist Montenegro gehalten, beim Baue von Straßen und Eisenbahnen durch montenegrinisches Territorium mit Oesterreich zu verhandeln und schon hieraus würde sich die Anwesenheit des Fürsten Nikolaus in Wien erklären, außerdem würde die Errichtung einer montenegrinischen Schifffahrts-Gesellschaft die Emaneipation Montenegros vom öfter- relchlsch ungarischen Lloyd bedingen und man darf daher annehmen, daß der Fürst auch nach dieser Richtung hin bei den maßgebenden Wiener Faktoren thätig gewesen ist. Darüber, was er erreicht hat, gehen die Meinungen jedoch noch auseinander, namentlich was Die Angelegenheit der montenegrinischen Schussfahrts-Gesellschaft anbelangt. Man wird aber wohl nicht irren, wen« man annimmt, daß der montenegrinische Herrscher sowohl in dieser Beziehung, als auch hinsichtlich des projectirten Straßenbaues bei der österreichischen Regie
Bitten, in btt S., S]. - unsrer Sty 'S "r* $,n„,r2k '»“'n Ä?9t*
VrW SL-S'' DSN lvlläre
T——_j.i W* oiif ufort kirr is-M x*\ IU Mm.
welches dic fo ®?n null, findet litk d mäßigen PenljW me 6rp(bilion dich;
Meilen
potenp
-SZ eptdalorit,
Itcnd
Keichs- uni ii'Mskhe
mut Selverde- rankenverficher- T und das Un> ung-gtsetz mein
Lvrterduche.
2 Mk. 50 Pf. licrlagslMung, ljig
ngs-Agenieil
, Hamburg und M
>. Bücking in-
.jflgnt in Ulsfel^
iReparatures
af, M-chm'k"-
iaafft 17- -
Mt s
fferten m der .
Telegraphische Depeschen.
Walff'S telegr. Lorresponderrr >> Bnrearr.
Berlin, 9. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Gesundheitszustand des Reichskanzlers hat sich leider wieder verschlechtert; die rheumatischen Schmerzen haben sich erheblich verschärft, rvas, wie es scheint, darauf zuruckzufuhren sei, daß Fürst Bismarck gegen den ärztlichen Rath sein Stimmorgan zu großer Anstrengung ausgesetzt habe. c , , .
- Dieselbe Zeitung meldet ferner: Der Viceadmiral -.Schleinitz wurde von der Neu-Guinea-Compagnie als Landeshauptmann für dre deutschen Schutzgebiete im Kaiser-Wilhelms-Land und im Bismarck-Archipel gewählt. Derselbe nahm Die Wahl an. Die Ernennung ist vom Reichskanzler genehmigt worden.
Berlin, 9. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen die in der Presse ausgesprochene Erwartung bezüglich der Betheiligung deS Nelchskanzlers an den^Eom- missionsberathungen über die Monopolvorlage. Der Zweck der Bethelligung des Reichskanzlers könne nicht sein, die verschiedeneii für die Besteueruiig des Branntweins vorgebrachten Ideen in einen neuen Gesetzentwurf zu fassen. Der Kanzler sei durch dre Entschließungen des Bundesrathes an die Monopolvorlage gebunden. Erst nach Ablehnung desselben käme die Frage, ob eine neue Besteuerung des Branntweins von
liblk"
etatb«1’
.Hellen
rJL ? - • ,
pn 5


