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Me. GS. Donnerstag den 11. Februar sS8V

Weßener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit .

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P?

Erscheint täglich mit «vSn^hme deS Montags.

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Darmstadt, 9. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 2. Februar den Geheimen Rath Hermann Welcker zum vorfitzenden Mitglied und

den LandgerichtLrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Dr. Friedrich Kritzler, zum Mitglied der Civildiener-Wittmenkaffe-Commission zu ernennen.

Berlin, 9. Februar. Dem Abgeordnetenhause ging ein Gesetzentwurf, bete, die Beförderung deutscher Ansiedelungen in Wesipreußen und Posen, zu. Derselbe lautet:

§ 1. Der StaatLregierung wird ein Fonds von 100 Mill, zur Ver­fügung gestellt, um zur Stärkung des deutschen Elements in Wesipreußen und Posen gegen volonisirende Bestrebungen durch Ansiedelung deutscher Bauern und Arbeiter 1) Grundstücke käuflich zu erwerben, 2) soweit erforderlich diejenigen Kosten zu bestreiten, welche entstehen; a) aus der erstmaligen Einrichtung, b) aus der erstmaligen Regelung der Gemeinde-, Kirchen- und Schulverhältniffe, neuer Stellen mittleren oder kleineren Umfangs oder ganzer Landgemeinden, mögen sie aus besonders dazu angckauften oder auf sonstigen dem Staate gehö­rigen Grundstücken errichtet werden.

§ 2. Ueberlasiung der einzelnen Stellen ist eine angemessene Schad­loshaltung des Staates vorzusehen. Die Ueberlasiung kann in Zeitpacht oder zu Eigenthum erfolgen.

§ 3. Die Beträge, welche der Staat als Schadloshaltung erhält, fließen zu dem in § 1 bezeichneten Fonds.

§ 4. Die Ausbringung des Fonds erfolgt durch Schuldverschreibungen.

S 5. Die Kaufs- und Verkaufe-Akte auf Grund dieses Gesetzes genießen Stempelfreiheit. Dem Landtage ist jährlich über die Ausführung des Gesetzes Rechenschaft zu geben. Die Ausführung des Gesetzes erfolgt durch eine beson­dere, dem Staatsmmisterium unterftehenoe Commission, der je zwei Mitglieder beider Häuser des Landtags angehören. Die weitere Bestimmung über die Com­mission erfolgt durch königliche Verordnung. (Fr. Ztg.)

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Reichstag-

E. R. Berlin, 9. Februar 1886.

Die dritte Berathung des Neichshaushaltr-Etats wurde heute fortgesetzt. Eine Resolution der Abgg. Schrader und Dr. Bamberger, welche eine Denkschrift über die Durchführung und Wirksanikeit des Gesetzes über die Krankenversicherung fordert, wird angenommen.

Beim Reichs-Versicher ungs-Amt wünscht Abg. Möller eine getrennte Darstellung der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben, die Staatssecretär v. Bötticher für das nächste Jahr in Aussicht stellt.

Abg. Kröber führt Klage über einige Entscheidungen deS Reichsvcrsicherungs- amts, welche wesentliche Eingriffe in die Rechte der Berufsgenossenschaften herbei­geführt hätten.

Staatssecretär v. Bötticher, de» die einzelnen Fälle nicht bekannt sind, ver­weist auf den Instanzenweg. Die Eorrespondenz der Aemter und Genossenschaften portofrei sein zu lassen, könne er nicht versprechen.

Zum Etat der Verwaltung des Reichsheeres hat Abg. Krug v.Nidda die in zweiter Lesung gestrichene Mehrforderung zu Zahlmeister-Gehaltserhöhungen von in Summa 30950 JL für die drei Contingente wiederum beantragt.

Die Abgg. v. H u e n e und H ä n e l erklären Namens des CentrumS und der Deutsch- Freisinnigen, daß sie, da principielle Bedenken nicht dagegen sprächen, diesem Anträge zustimmten. Die Position wurde denrgemäß in der ursprünglich geforderten Höhe genehmigt.

Abg. v. Saldern-Ahlimb besprach die Nothwendigkcit reichlicherer Rationen für die Pferde in Rücksicht auf die gesteigerten Anforderungen bei der Eavallerie, und hofft, daß ini nächsten Jahre Gelegenheit sein würde, die diesmal aus Sparsamkeits­rücksichten gestrichene Mehrforderung für Haferrationen bewilligen zu können.

Von den Abgg. v. Huene, v. Schalscha, o. Kardoff, Leuschner und v. Manteuffel liegt der Antrag vor:

Die verbündeten Regierungen zu ersuchen:

Der Währungsfrage erneut die eingehendste Prüfung zuTheil werden zu lassen und dem Reichstag von dem Resultate dieser Prüfung Mit- theilung zu machen.

Staatssecretär v. Burchard bezeichnet diesen Antrag einer erneuten Prüfung für überflüssig; denn bei keiner der verbündeten Regierungen sei die Frage je von der Tagesordnung verschwunden; die Materie sei überaus schwierig, jedoch habe bis jetzt keine Bundesregierung Veranlassung gehabt, Schritte behufs Abänderung der bestehenden Währung zu thun.

Abg. Leuschner (Reichspartei) erörtert die Vortheile der Doppelwährung in beinahe zweistündiger Rede. Der Finanzminister von Scholz habe uns zwar schroff zurückgcwiesen, das solle uns aber nicht behindern, in unsern Bestrebungen fortzufahren, zumal wir wissen, daß unser Anhang im Wachsen begriffen und namentlich in England «in großer Theil der Handelskammer gleiche Ziele verfolgt und mit uns übereinstimmt. Aber so viel Vaterlandsliebe mögen die Anhänger der Goldwährung uns denn doch zutrauen, daß sie nicht etwa glauben, als ob wir nur den eigenen Vortheil int Auge hätten.

Abg. Wo ermann (nat.-lib.) bittet, an der bestehenden Währung nicht zu rütteln; der Antrag sei überflüssig und müsse abgelehnt werden.

Danach wurde die weitere Berathung dieses Gegenstandes auf morgen vertagt.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'- telegr. Lorrespondenz-Burea«.

Darmstadt, 10. Februar. (Privatdepesche.) Der Großherzog und Prinzeß Irene reisen am 20. Februar zum Besuch des Großfürstlich Sergius'schen Ehepaares ach Petersburg. DieDarmstädter Zeitung" widerspricht der Meldung auswärtiger Blätter, daß die Veranlassung dieser Reise die bevorstehende Verlobung der Prinzessin Irene mit einem russischen Großfürsten sei.

Berlin, 9. Februar. Die Zuckersteuercommission nahm den $ 1 der Vorlage nach dem Anträge Rohland's in folgender Fassung an: Die Rübenzuckersteuer wird von je 100 Kilogramm zur Zuckerbereitung bestimmten rohen Rüben erhoben 1) für das Betriebsjahr vom 1. August 1886 bis 31. Juli 1887 mit 1,40 JL, 2) vom 1. August 1887 ab mit 1,20 JL Der § 2 wurde unverändert in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Sämmtliche Gegenanträge wurden abgelehnt.

- Die Zuckersteuercommission beendete heute die erste Lesung der Vorlage. Der Beschluß betreffend die freien Läger lautet: Die in öffentlichen Niederlagen gelagerten: Zucker können in zwei Jahren entweder über die Grenze ausgeführt oder gegen Er­stattung der Steuervergütung, sei es in baar oder durch Uebergabe des betreffendem Vergütungsscheines, wieder in den freien Verkehr gebracht werden. Der Betrag deS dem Einleger gewährten Vergütungsscheines ist üom Fälligkeitstermine an bis zur Wiedereinführung des Zuckers in den Jnlandsverkehr mit 5pEt. zu verzinsen. Zw S 4 wird der Antrag Robbe angenommen, bei der Verwendung von Zucker als Flitter' für das Vieh oder als Hilfsstoff zur gewerblichen Darstellung von Fabrikaten, welche nicht Verzehrungsgegenstände sind, kann die Steuer nach den im $ 2 festgestellten Sätzen: vergütet werden.

Berlin, 9. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte den Rest des Etats deS Innern unverändert. Im Laufe der Debatte erklärte Minister Puttkamer gegenüber Rickert und Windthorst, die Regierung lasse bei den Polenausweisungen alle billigen Rücksichten auf Handel, Industrie und Landwirthschaft walten. Eine Ltatistit über die Ausweisungen sei fast unausführbar und auch ohne Belang für die Beurtheiluns der Sache. Die Verbreitung der Reden Bismarcks erfolge auf in dieser Beziehung, kundgegebene Wünsche und auf Kosten der bestellenden Zeitungen; auf die Form der Veröffentlichung habe er keinen Einfluß. Die Aufhebung des Amtsgerichts in Neustadt- Magdeburg ivird in erster und zweiter Lesung genehmigt.

Wien, 9. Februar. Abgeordnetenhaus. Scharschmid und Genossen beantragen einen Gesetzentwurf, wodurch der Besitzstand der deutschen Sprache umfassend festgestellt, die deutsche Staatssprache mit entsprechenden Ausnahmen für Galizien und die italienischen Landestheile normirt und der Begriff der landesüblichen Sprache nach dem Grundsätze der Berirksüblichkeit erläutert wird. Heilsberg und Genossen bringen eine Interpellation an den Ministerpräsidenten darüber ein, ob gelegentlich der Ausgleichs­verhandlungen mit Ungarn auch die Frage der Einführung des Branntweinmonopols zur Erörterung gelangen werde.

Die Abgeordneten Kreuzig und Genossen brachten einen Gesetzentwurf be­treffend die Einführung eines Holzzolles zur Paralpsirung der deutschen Holzzölle und zum Schutze der Holzindustrie besonders in den Grenzgcgenden ein. Sigl brachte die Interpellation an den Handelsminister ein, ob derselbe geneigt sei, bei der deutschen . cherun,' oie Herabsetzung der Tarife für Holz- und Steinwaaren zu erzielen und ob in dieser Beziehung bei den Verhandlungen mit Ungarn das Erforderliche veranlaßt sei, ferner, ob die Regierung bereit sei, zur Vervollständigung des schlesischen Lokal­netzes die Eisenbahn Hannsdorf-Ziegenhals auszubauen.

Paris, 9. Februar. In einer Unterredung Freycinets mit den Unterzeichnern des Antrags auf Ausweisung der Prinzen erklärte Freycinet, er sei bereit, zu handeln, wenn es die Umstände erforderten, wolle aber keine bestimmte Verpflichtung übernehmen, noch auch einen bestimmten Zeitpunkt festsetzen. Nach der Unterredung beschlossen die Unterzeichner, ihren Antrag aufrecht zu erhalten.

Nachrichten aus Saint - Quentin zufolge nahmen viele Arbeiter die Arbeit wieder auf. Der Strike dürste demnächst beendet sein.

London, 9. Februar. Die gestern Abend von den Ruhestörern angerichteten Verwüstitngen sind nach den vorliegenden Mittheilungen sehr erhebliche. Der aus einigen tausend Personen bestehende Menschenhaufen, welcher von Trafalgar Square nach der Richtung von Hyde Park hin zog, zertrümmerte auf seinem Wege fast in jedem Hause und Laden die Fenster und bediente sich dazu der meist aus den Läden geraubten Gegenstände, wie Flaschen, Kisten, Schuhwaaren u. s. w. , Die Läden der Goldarbeiter und Juweliere hatten von den Ruhestörern am meisten zu leiden, einzelne Ladenbesitzer schützten ihr Eigenthpm, indem sie von dem Revolver Gebrauch machten, andere haben aber große Mengen von Werthgegenständen, Uhren u. s. w., eingebüßt.

Alle Morgenblätter drücken ihre Entrüstung über die gestrigen Vorgänge im Westende aus und fordern die Ergreifung energischer Maßnahmen zur Verhütung ähnlicher Excesse, sowie die Verhaftung und strenge Bestrafung der Socialistenführcr, welche den Unfug organisirt und geleitet haben.

Heute Nachmittag rotteten sich abermals mehrere hundert Personen unter Lärmen und Schreien auf Trafalgar Square zusammen. Die Fensterläden der dort befindlichen Läden waren in Folge Warnung der Polizei geschlossen und wurde der Platz von der Polizei gesäubert.

Belgrad, 9. Februar. Der Bahnverkehr auf der Strecke nach Nisch ist in Folge von Erdrutschungen und Schneeverwehungen unterbrochen.

Bukarest, 9. Februar. Gestern fand die dritte Sitzung der serbisch-bulgarischen Friedensconferenz statt. Nachdem Madjid Pascha mitgetheilt hatte, daß nach einer ihm aus Konstantinopel zugegangenen Vtcldung seine Vollmachten in allernächster Zeit eintreffen würden, kamen die Delegirten überein, bis zum Eintreffen derselben in nicht officiellen Sitzungen einen Ideenaustausch über die schwebenden Fragen herbeizuführen, um dadurch eine nachherige Verständigung zu erleichtern.

Klimatische Einflüsse des Waides-

(Nachdruck verboten.)

Wenige Wochen trennen uns noch von dem Zeitpunkt, an welchem aus vielem Ländern über Wolkenbrüche und Ueberschwemmungen berichtet wird, die lediglich auf den schlimmen Einfluß zurückzuführen Knd, welchen rücksichtslose Waldrodungen auf die ganze Natur der betreffenden Länder ausüben. Wie in früheren Jahren, werden leider auch diesmal viele Hiobsposten eingehen und zu verzeichnen sein.

Es ist nicht zu verkennen, daß sich durch unverständige Rodung von.Wäldern das Klima eines Landes verändert. Besäße Mittel- und Süd-Europa noch seine alten Wälder, so würde das Klima gesünder und angenehmer, der Boden fruchtbarer m erb en, weil der Wald im Binnenlande die Sommerhitze, die übermäßige Trockenheit der £'uftr sowie die Früh- und Spätfröste abstumpft, während große kahle Flächen die Spitzeir der Temperatur schärfen, Menschen, Thieren und den wichtigsten Pflanzen verderblicher machen und endlich der Wald den Ueberschuß von Kohlensäure der Luft verzehrt, da­gegen Sauerstoff ausathmet.

Eine höchst fehlerhafte Abholzung zeigt uns der Brocken und seine Abdachungen,- die Eichsfelder Gebirge und mehrere deutsche nnd schweizer Alpen. Namentlich in beit, letzteren klagt man über Abnahme des Pflanzenwuchses und über das Rauherwerden des Klimas, welches beides nur durch die zu starke Ausrodung der Hochwälder ers klärlich ist. Wo früher ausgedehnte Waldungen waren, ziehen sich jetzt kahle Bcrge hin und die Niederschläge, statt durch die Wälder schwammartig aufgesogen, von bat