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** ©icften, 8. November. (Nationalliberaler Verein). Am Samstag 6. d. M. A^nüs 8 Uhr haben im Lenz'schen Felsenkeller die Monatsversammlungen der Nationalliberalen und ihrer Freunde wieder begonnen.

Anknüpfend an den jüngst im Reichstage stattgehabten Wortwechsel der Abge­ordneten Rickert und Böttcher, sprach Herr Prof. Dr. Oncken über die Polenwirthschaft und erörterte zunächst die harten Debatten, bei welchen em Schimpfwort, welches der Führer der früheren nationalliberalen Partei Rickert dem jetzigen Führer derselben Partei, Böttcher, zugeworfen, allem die Krone aufsetzte. Redner sprach dabei die Be­hauptung aus, daß ein solcher Fall noch nicht vorgekommen sei und auch hoffentlich nicht wieder vorkommen werde, daß aber die heftigen Debatten doch endlich zur Klar­heit geführt hätten in dem wirren Durcheinander des Parteikampfes.

Im Jahre 1874, bemerkte Redner ferner, trat die nationalliberale Fraction in Blüthe aber sie hatte noch lange mit Ungleichheiten zu kämpfen, indem sie in der Regel erst bei der zweiten Lesung zum Wort gelassen wurde; so geschah es denn fast immer daß wenn der Abgeordnete Lasker bei der ersten Lesung nach links sprach, die Fraction in der zweiten Lesung nach rechts stimmte, weil sie erst dann gefragt worden war Bei dieser Gelegenheit gab Herr Prof. Oncken ein Bild von Lasker's Redeweise und'schilderte dessen Characterftärke, seine Selbstlosigkeit, sein ganzes Aufgehen in den Arbeiten des Parlaments und wie, so lange Lasker lebte, es nie möglich gewesen wäre daß ein solches Wort im Reichstage fallen konnte, wie es der Abgeordnete Rickert dem Abgeordneten Böttcher zuwarf:Reptilienpresse", ein Wort, wie es nicht kränkender für einen Patrioten fein könne. Die Polendebatten hatten endlich im December 1885 eine kaiserliche Botschaft zur Folge, welche Fürst Bismarck dem Reichstage kundgab und welche die Ausweisung der Polen rc. aus deutschem Gebiet behandelte. Die Polen­frage war von jeher Btsmarck's Specialität, er wußte so genau Bescheid mit allen Verhältnissen und beschäftigte sich derart mit denselben, daß man hätte annehmen können, er habe seine Erfahrungen nicht aus sich selbst heraus entstehen lassen; aber Bismarcks Thalkraft und seine genaue Kenntniß der Dinge überzeugte bald Alles von der Notb- wendigkeit der geplanten Ausweisung und wenn letztere auch mit vielen von dem Ab­geordneten Rickert hervorgehobenen Härten zu kämpfen hatte, so wurde dieselbe endlich doch, nachdem noch zwei Anträge als wichtig verworfen worden waren, beschloßen.

Der Abgeordnete Böttcher trat als Vertheidiger in einer sehr ungünstigen Lage auf und deshalb mußte er auch jene anfangs erwähnte Schmähung über sich ergehen laßen. nun auch s. Z. alle möglichen Schreckensergebnisse auftauchten, die sich an die Ausweisung der Polen knüpften, fo entbehrten sie doch jeder Wahrheit und die Einrichtung konnte der deutschen Ration nur zum Segen gereichen; denn der Patrio­tismus Polens besteht lediglich in einem festwurzelnden Deutschenhaß, das Losungs­wort der Polen heißt: Tod allen Deutschen.

Wir können den ausführlichen bis in die kleinsten Details ausgearbeiteten Vor­trag natürlich nur stückweise hier bringen, hoffen aber unseren Lesern wenigstens ein ungefähres Bild von den stürmifchen Begebenheiten, welche Herr Prof. Oncken vorführte, gegeben zu haben.

Vermischtes.

Mainz, 8. November. Mit Rücksicht auf die gestern erfolgte polizeiliche Auflösung einer Wählerversammlung hat der Landtagsabgeordnete Jöst der Großh. Regierung heute folgende Interpellation zugehen lassen:Hat die Großh. Regierung Kenntniß davon, daß in letzter Zeit ohne alle Veranlassung, in rein willkürlicher Weise, Volksversammlungen verboten und aufgelöst wurden, wodurch das den Staatsbürgern durch Gesetz vom 16. Mai 1848 gewährleistete Versammlungsrecht illusorisch gemacht wird. Insbesondere ob die Großh. Regierung weiß, daß gestern eine dahier tagende Wählerversammlung wegen der Aeußerung:August Bebel zähle zu den besten Rednern des Reichstags", durch den Polizeicommissar Schüler auf Grund des Socialistengesetzes aufgelöst wurde, und wenn ja, was gedenke die Großh. Regierung zu thun, um der­artigen Mißbräuchen der Amtsgewalt entgegenzuwirken."

Die Scharlach- und Diphtheritis-Epidemie in Hannover hat ihren Höhe­punkt überschritten. Die schlimmste Woche war die dritte Octoberwoche, in welcher iilsgcsammt 256 Erkrankungen und 38 Todessälle angemeldet wurden.

In Nord hausen ist ein schwerer Confltct zwischen den städtischen Eollegien ausgebrochen (in Folge der Ablehnung der Biersteuervorlage, mit der der Magistrat die finanziellen Verlegenheiten der Stadt zu heben gedachte). In einer stürmischen Sitzung setzten sich die Stadtverordneten mit dem Magistrat auseinander, indem sie eine motivirte Tagesordnung annahmen.

Frankfurt a. M., 4. November. Vor einiger Zeit erkrankte eine Schülerin eines hiesigen Pensionates, da die Betreffende über sehr starke Schmerzen klagte, glaubte man, sie litte an Gelenkrheumatismus; 14 Tage nach der Erkrankung starb das Mädchen und zwar, wie aus der stattgefundenen Section hervorging, an Blutvergiftung. Letztere entstand, wie die Untersuchung ergab, durch Lecken an giftiger blauer Farbe und zwar an demselben Tage, an welchem das Mädchen sich einen Zahn hatte aus­ziehen laßen. Die Farbe kam mit der Mundwunde in Berührung und verursachte die Blutvergiftung.

Frankfurt a. M., 4. November. Ein hiesiger Rentier ordnete an, daß er der Bequemlichkeit halber" in seinem Schlafrock begrüben fein wollte, seine Familie leistete diesem letzten Willen Folge. Einevornehme" Dame, die bereits mehrfach wegen Mißhandlung ihrer weiblichen Dienerinnen Entschädigungssummen zahlen mußte, hat sich erlaubt, die Gouvernante ihres jüngsten Sprößlings taub zu schlagen. Das Mädchen verlangt, zumal es aus gebildeter Familie stammt und seither Anspruch aus eine gute Heirath machen konnte, eine einmalige Entschädigung von nicht weniger als 20,000 vtl 5000 vH. sind bis jetzt von beklagter Seite geboten. Das Gutachten von 6 Aerzten geht dahin, daß das Gehör des hübschen Mädchens auf einem Ohre für immer verloren fein wird.

[23acante Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 11. ArmeecorpsJ Cassel, Garnisonslazareth, Eivilkrankenwärter, auf sechswöchentliche Kündigung, 600 JL nebst freier Wohnung und den Feuerungs- und Erleuchtungsmaterialien-Deputaten von 27 Ctr. Steinkohlen, 22^ Kloben Weichholz und 30 Pfd. Petroleum. Jena, Postamt, Postschaffner, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 vH. Gehalt und 108 JL Wohnungsgeldzuschuß. Meiningen, Postamt, Briefträger, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 JL Gehalt und 108 vH. Wohnungsgeldzuschuß. Im Bezirk der Großh. Hessischen (25.) Division. Gießen, Großh. Direction der Oberhessischen Bahnen, 2 Bremser beim Fahrpersonale, nach bestandener Prüfung und Probezeit widerruflich auf Lebenszeit, je 720 vH fixes Gehalt und Fahrgebühren gemäß Reglement.

Literarisches.

Eine ganz ausgezeichnete Lectüre für die Jugend zur Unterhaltung und Belehrung bietet die mit reizenden Farbenbildern gezierte ^Kinder-Gartenlaubes welche in zwei Heften monatlich in Nürnberg in Earl Mayers Kunstanstalt erscheint. Der Preis stellt sich vierteljährlich auf 60 Pfennige. Geistliche, Lehrer, Familien­väter und Familienmütter werden hiermit auf diese in Octavformat erschienene, Geist und Gemüth harmonisch bildende immer weiter sich verbreitende Zeitschrift aufmerksam gemacht. Selbst Erwachsene müssen Freude daran haben.

Gebrüder Karl u. Adolf Müller.

Handel und Verkehr.

Gießen, 9. November. Auf dem heutigen Markt fofieit: Butter per Pfund A 1.00105, Hühnereier pr. St. 78 H, Enteneier St. 00 H, Käse pr. St. 59 ä, Käsematte 30 H, Erbsen pr- Liter 20 H, Linsen 30 Tauben per Paar 50 bitz 60 H, Hühner per Stück X 0-901.30, Hahnen pr. Stück JL 0.501.00, Enten per Stück 1-402.00, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindflt-ffch 5456 Schweinefleisch 56-60 Hammelfleffch 50-66 Kalbfleisch 46-50 Kartoffeln per 100 Kilo vH. 4.005.50, Milch per Liter 1218 L, Zwiebeln per Centner vM 3.50-4.00.

Frankfurt. 8. November. Der heutige Niehmarkt warf stark befahren. Anges trieben waren 383 Ochsen, ca. 27 Bullen, ca. 348 Kühe und Rinder, ca. 231 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. vH 6467, 2. Quall vH 5860, Kühe und Rinder 1. Qual. vH. 5456, 2. Qual. vH 4446 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 5863 2. Qual. 5055 $ per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Frankfurt, 8. November. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer v*L 16,75-17,00, fremder vH 16,50-19,00, Roggen eff. hies. vH 13,50-13,75, fremder vH. 13,6013,75, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer vH. 15,0018,00, fremd« vH 00,0000,00, Hafer eff. bies. vH 12,5013,00, fremder vH 00,0000,00.

Wöchentliche Uebcrsicht der Todesfälle in der Stadt Gießen.

45. Woche.

Vom 31. October bis 6. November 1886.

Einwohnerzahl: 19 327. Sterblichkeitsziffer (auf das Jahr berechnet): 24,2°/w.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr.

Lungenschwindsucht 2 2

Lungenentzündung 11

Diphtherie 3 3

Magen-Darmkatarrh 1 1

Rose 1 1

Unmittelbar nach der Geburt

an Lebensschwache 1 1

Summa: 9

3

3

3

Frankfurter Stadttheater.

Im Opernhause zu Frankfurt a. M. hat das Gastspiel von Mr. N. D'Oyly- Eart6s engl. Opern-Gesellschaft einen so großen Erfolg errungen, daß sich die Intendanz veranlaßt sah, eine weitere Vereinbarung zu treffen, der zufolge die Gesellschaft noch an zwei Abenden gaftiren wird und zwar Mittwoch den 10. und Donnerstag den 11., | an welchen Tagen außer der mit so großem Beifall aufgenommenen Burlesk-Oper |Der Mikado" noch eine einaktige NovitätIm Schwurgericht" zur Darstellung, i kommt.

Allgemeiner Anzeiger.

Freitag den 12 November,

Vormittags 10 Uhr, werden bei der neuen Kaserne, Licher Chaussee, in der Nähe des Bahn­wärterhauses Nr. 3, im Auftrag des Herrn Bauunternehmer I. D. Schenk von Frankfurt a. M. ca. 400 ge­brauchte, theilweise noch gute

Eisenbahnschwellen in kleinen Parthien gegen Baarzah­lung versteigert.

F. Hoffmann, 8047 Ortsgerichtsmann.

Freitag den 12. November,

Nachmittags 3 Uhr,

sollen die durch die Consolidation im Neu- ftädter Feld gebildeten Massengrundstücke: Flur XXX Nr. 4 1650 Meter Wiese, XXXI Nr. 34 - 1097 Mtr. Acker an Ort und Stelle zum letzten Male an den Meistbietenden versteigert werden.

Gießen, den 8. November 1886.

Großh. Ortsgericht Gießen.

I. A.

Vogt. 8049

Mittwoch den 10. November,

Nachmittags 2 Uhr, werden im Darmstädter Hause zur Beck er'scheu Konkursmasse gehörige Colonialwaaren aller Art versteigert. 10 Brode Raffinade, einige Säcke Kaffee, Reis, Gerste, Kleesaat rc. können vorher aus der Hand verkauft werden.

Im Auftrag der Konkursoerwaltung:

7958 F. Hoffmann.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 1. Bataillon des Großherzoglichen Infanterie-Regiments Nr. 116

drn 9., 10., 11 und 12 November l. I., von 1 bis 4 Uhr Nachmittags,

das gefechtsmäßige Einzelschießen in der Sandgrube bei Wieseck mit der Schußrichtung gegen den Hangelstein abhalten wird und daß an den genannten Tagen vsn 14 Uhr Nachmittags das Betreten des Hangelsteiner Waldes zwischen den beiden Straßen WieseckAltenbuseck und GießenDaubringen, im Norden begrenzt durch den Hangelsteiner Bergrücken, untersagt ist und daß von Seiten des Bataillons alle in das gefährdete Terrain führenden Wege abgesperrt werden.

Gießen, am 8. November 1886.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm. 8050

Nadelstammhoh-Derlraus.

Das Nadelstammholz-Ergebniß der 'S 887er Holzernte aus den Waldungen der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau ca. 700 fm Fichten-Stammholz von 15 bis 35 und mehr cm mitt(. Durchm. u. ca. 500 fm Kiefern- 15 30 cm

soll auf dem Submissionswege, unter den im Termin näher bekannt gemacht werdenden Zahlungsbedingungen zum Verkauf gebracht werden.

Gefällige Offerten mit Preisangabe beliebe man bis zum 20. No­vember l. I. bei unterzeichneter Verwaltung einzureichen.

Die Hiebsorte liegen 15 bezw. 20 bis 25 Kiüimeter von den Station Lollar der Main-Weser-Bahn und Grünberg der Oberhessischen Baha entfernt.

Papiermühle, am 8. November 1886.

Freiherrliche Oberförsterei Rabenau.

8042 Ebel.

Freitag den 12. November sollen folgende zum Nachlaß des ver­storbenen Bürgermeisters Hunrath zu Lohra gehörigen Gegenstände an Ort und Stelle öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden:

1 Pferd, 2 Kühe, 1 Rind, 1 Schwein, Getreide, Stroh, Heu, Grummet, Kartoffeln und Gemüse.

Der Konkursverwalter.

8038 Wilh. Finger.

Ieikgeöotenes.

Aechte Frankf. Würstel, diverse Goth. Würste, Aus­schnitt feiner Fleischwaaren 8060 bei G, Kleiuhenu.

Einen großen Posten

Teppiche, Tischdecken, Zimmerläuser

in allen Größen und Qualitäten, sowie

Gardinen

in weiß, creme u. Jutestoffen empfiehlt zu außergewöhnlich billigen Preisen 8044

Carl Stückrath,

Möbelfabrik, Wallthorstraße 21-