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Nr. 23S

Samstag den 9. Oktober

1886

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Vrrrearrr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Gießen, den 7. October 1886.

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 8. October.

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Berlin, 7. October. DieNordd. Allg. Ztg." kann bestimmt mittheilen, daß die Zeitungsnachrichten, wonach an Stelle des Mtlitärseptennats irgendwelche andere gesetzliche Grundlage für die Heeresstärke treten soll, auf willkürlichen Erfindungen be­ruhen. Im Schooße der Regierung hätten keine Erwägungen und Verhandlungen nach dieser Richtung hin stattgefunden.

In dem Proceß gegen den Maurer Müller und fünf Genossen wegen Aus­schreitungen gegen mehrere Gensdarmen gelegentlich eines am Himmelfahrttage nach Grünau unternommenen Ausflugs und wegen dabei begangenen Landfriedensbruchs verneinten die Geschworenen alle Schuldfragen. Die Angeklagten wurden demzufolge freigesprochen und in Freiheit gesetzt.

Zur Begründung der von mir gestellten Anfrage erlaube ich mir, auf die bei erwähnter Berathung des Budgets, und zwar tndirecte Abgaben betreffend, stattgefundenen Verhandlungen beider hessischen Kammern hinzuweisen.

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Unterdessen gehen in Bulgarien selbst ernste Dinge vor sich. Unge­achtet der brutalen Erklärung des Generals Kaulbars, Rußland würde die Wahlen zur Sobranje wie deren Beschlüsse als null und nichtig betrachten, sind von der Regentschaft die Wahlen zur großen bulgarischen Rattonal-Versammlung auf nächsten Sonntag bestimmt festgesetzt worden. Hat schon die Ablehnung

Neuerdings ist viel von Reformen aus dem Gebietendes juristi­schen Studiums die Rede und soll es sich bestätigen, daß sich diese Reformen nicht nur aus Preußen, sondern auch auf das Reich erstrecken werden. Dagegen soll es mit der gleichfalls angekündigten Reform des Medictnalwefens in Preußen noch gute Wege haben.

Laut Bekanntmachung des preuß. Cultusministeriums ist das theologische Studium am Klerikal-Seminar in Fulda dem Universitäts- Studium gleichzustellen, worin man den ersten praktischen Ausfluß des neuen Kirchengesetzes zu erblicken hat.

Der langjährige deutsche Militär-Bevollmächtigte in Petersburg, General v. Werder, hat am Mittwoch die russische Haupt­stadt verlassen, um seinen neuen Posten als Gouverneur von Berlin anzutreten. General v. Werder hat sich während seiner Wirksamkeit in Petersburg die auf­richtigsten Sympathien der dortigen Hoskreise zu erwerben gewußt, wovon u. A. die Widmung eines kostbaren Schreibzeuges Seitens des kaiserlichen Gefolges an den scheidenden General Zeugniß ablegt. Als Nachfolger v. Werders wird mit ziemlicher Bestimmtheit Flügeladjutant Oberstlieutenant .v. Villaume, zur Zeit erster Militär-Attache bet der deutschen Botschaft in Paris, genannt.

Erhebungen anstellen lassen, welches Resultat haben dieselben ergeben und wird dem jetzigen Landtage über fragl. Gegenstand wohl noch ein bezüglicher Gesetz-

Telegraptzische Depesche«.

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derjenigen Forderung, auf welche Rußland den meisten Werth legte, eben der v Verschiebung der Sobranje-Wahlen, den Riß zwischen Bulgarien und Rußland

Eine Begegnung, die in voriger Woche zwischen dem'deutschen Kron- erweitert, so ist dieser Riß durch die am Sonntag in Sofia stattgefundene anti- ~ ~ ~ * ' . - russische Volksversammlung, auf welcher Kaulbars eine so eigenthümliche Rolle

spielte, nur noch erweitert worden, und die Agitationsreise, welche der russische General durch Bulgarien angetreten hat, wird die Beziehungen zwischen Peters­burg und Sofia schwerlich verbessern. General Kaulbars will nach Beendigung seiner Rundreise Bulgarien wieder verlassen und dies ist für die Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen Rußlands speciell zu Oesterreich vielleicht sehr gut, denn das hochofficiöse WienerFremdenblatt" verurtheilt ganz offen das Auf­treten Kaulbars.

Kommenden Donnerstag den M. diese- Monat-, Nachmittag- 2 Uhr, soll eine Generalversammlung de- land- wirtbschaftlichen Bezirk-Vereins Gießen in Lich in der Turnhalle daselbst stattfinden. In dieser Versammlung hält Herr Hofgärtner Noack von Darmstadt einen Bortrag über Obstverwerthung. Im Anschluffe an diesen Vortrag wird in der Versammlung ein Dörrofen neuester Construction aus der Eisengießerei von Röder in Darmstadt in Betrieb gesetzt und erklärt. Diesen Ofen (im Werthe von 200 JL} kauft der landwirthschaftliche Verein zum Zwecke der Verloosung unter die Anwesenden an. Das Nehmen der Loose soll jedem Anwesenden, nicht blos den Vereins­mitgliedern, gestattet, und dem Gewinner nur die Verpflichtung auferlegt sein, nach Möglichkeit jedem Interessenten Einsicht dieses Ofens zu gestatten. Der Preis eines Looses ist auf 50 festgesetzt.

Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hiermit freundlichst eingeladen.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Nover.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf.

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Der Director des landwirthschaftlichen BezirksvereinS Gießen

an die Herren Bürgermeister de- Kreise-.

Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung auf geeignete Weise zur Kenntniß Ihrer Gemeindeangehörigen zu bringen und dieselben auf diese wichtige Versammlung noch besonders aufmerksam zu machen. Nover.

Die bulgarische Frage bildet fort und fort das A und O aller Be­trachtungen, Erörterungen u. s. w. nicht nur in der europäischen Journalistik, . .... w.. Vv.w.» VVi, .^uupuuvc w

sondern auch in der europäischen Diplomatie. Auf die Erklärungen Tisza'S schlüffen in Erwägung gezogen, beziehungsweise hat dieselbe über diese Frage über die bulgarischen Angelegenheiten ist nun gewissermaßen als Echo die Rede Lord Churchill's in Drathford über dasselbe Thema gefolgt und der halb und halb kriegerische Ton, den der englische Schatzkanzler in seiner Rede anschlug, hat allgemein Beachtung gesunden. Auch in Petersburg kann man sich diesem Eindruck der Churchill'schen Aeußerungen nicht ganz entziehen und das officiöseJournal de St. Petersburg" widmet denselben einen langen Artikel, dessen ironisirender Ton doch nicht verbergen kann, daß man in Peters­burg über die selbstbewußt klingende Rede Churchill'- Aerger empfindet. Das bisherige Verhalten Englands in der ganzen bulgarischen Frage erlaubt es frei­lich, dem pomphaften Auftreten des englischen Ministers gegenüber das ironische Wort Mephisto's anzuwenden:Wozu der Lärm? Was steht dem Herrn zu Diensten?"

Der Unterzeichnete erlaubt sich an Großh. Ministerium der Finanzen die Anfrage zu richten:Hat Großh. Staatsregierung die Frage der Besteuerung der Weineinlagen von Privaten entsprechend den bei Berathung des Bud­gets im Frühjahr 1885 von beiden Kammern der Landstände gefaßten Be-

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Prinzen und dem Grasen von Parts in Genua stattgesunden hat oder haben soll eine officiöse Mittheilung liegt hierüber allerdings nicht vor ist namentlich in französischen und englischen Blättern mit einem gewissen Nachdrucke hervorgehoben worden. Speciell derStandard" weist auf die zwischen beiden Fürstlichkeiten bestehenden verwandtschaftlichen Bande hin und sagt hierbei aller­dings, daß letztere das Zusammentreffen erklärlich machten. Alsdann meint aber das englischeTory-Blatt", es sei immer behauptet worden, die Thron­besteigung des Grafen von Paris würde das Signal zu einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland geben. Der deutsche Kronprinz und das Haupt der königlichen Familie von Frankreich hätten nun offenbar durch ihre Zusammen­kunft der Welt zeigen wollen, daß die früher zwischen ihnen bestandene Freund­schaft so stark sei, wie jemals und es spreche demnach ihre jetzige Begegnung gerade nicht für die erwähnte Behauptung. Ob die Freundschaft zwischen dem deutschen Thronfolger und dem orleanistischen Thron-Prätendenten wirklich eine so innige ist, wie derStandard" andeutet, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls sind die Schlüffe, welche das englische Blatt aus der angeblichen Zu­sammenkunft der beiden fürstlichen Persönlichkeiten zieht, sehr willkürlicher Art und lohnt es sich nicht, ihnen besonders entgegenzutreten.

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Hach längerer Pause werden aus Frankreich wieder Ruhe- störunM Seitens der Arbeiter gemeldet. Der Schauplatz derselben war dies­mal Vierzon, wo schon längere Zeit ein Strike unter den dortigen Gruben- Arbeitern im Gange ist. Als am Dienstag die Werkstätten der betreffenden Gesellschaft wieder eröffnet werden soAen, widersetzten sich die Strikenden der Wiederaufnahme der Arbeiten, so daß die Gensd'armerie einschreiten und meh­rere Verhaftungen vornehmen mußte. Unter den Verhafteten befindet sich bezeich­nender Weise auch Herr Baudin, radikales Mitglied des Generalrathes der Seine-Departements; Baudin hatte die ganze Kundgebung überhaupt erst arrangirt."

Das Stillleben der englischen Opposition hat soeben eine kleine Unterbrechung aus dem Munde Gladstone's erfahren. Der Ex-Premier empfing Deputationen der städtischen Behörden von Cork-Limerik und Water­ford, die ihm das Ehrenbürgerrecht der genannten irischen Städte überbrachten und wobei Gladstone äußerte, nur die Hoffnung, die irische Frage noch mit regeln zu können, halte ihn davon ab, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen. Die irische Nationalpartei wird nicht verfehlen, aus dieser Gladstone'schen Aeuße- rung neues Kapital für ihre Agitationen zu schlagen.

Der Begnadigungsfturm, der in der spanischen Hauptstadt zu Gun­sten der zum Tode verurtheilten Führer des verunglückten Militär-Aufstandes in Scene gesetzt worden war, hat den gewünschten Erfolg gehabt. Eine Ma­drider Depesche vom 5. October meldet kurz, daß Villacampa und seine Ge- noffen begnadigt worden sind.________________________________

Darmstadt, 6. October. Der Abg. Haustein in Gießen hat bei der zweiten Kammer folgende aus die Besteuerung der Weineinlagen von Pri­vaten bezügliche Interpellation eingebracht:

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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