-vollkommensten Sauberkeit feilgeboten. Da liegen jetzt auf prächtigen Marmorplatten, welche die fragwürdigen Fleischbänke verdrängt haben, die Fleischmaaren, und die Fische schwimmen in Marmorbecken, die hölzernen Tröge und Kübel sind verbannt. Der gewaltige Verkaufsraum ist planmäßig eingetheilt. Ta sind die Lerkaufsstände der Metzger, da die der Butter- und Käsehändler, der Vorkost-, Eier- und Brodhändler, der Obst- und Grünkramkrämer, der Gärtner und Bauern, der Fischer und Fischhändler. Die Hausfrau, die sich in dieser neuen Anordnung sehr schnell zurechtfinden wird, gewinnt nun mit einem Blick die Uebersicht über die ausgestellten Waaren.
Für die Versorgung des Marktes, die sich bisher im alten Schlendrian einer rührenden Krähwinkelei vollzog, sind alle Hilfsmittel, welche die Wissenschaft unserer Zeit den Bedürfnissen des täglichen Lebens zur Verfügung gestellt hat, nutzbar gemacht worden: Dampf' und Wasserkraft, die electrische Leitung des Telegraphen und des Fernsprechers und das electrische Licht.
Zu dem eigentlichen Mittelpunkte des hauptstädtischen Marktverkehrs, der Centralhallc am Alexanderplatz, die gewissermaßen die ernährenden Kräfte in sich sammelt und dann durch die verschiedenen Verzweigungen der Verkehrsadern und Verkehrsäderchen in alle Theile des hauptstädtischen Körpers ausströmen läßt, führt von der Stadtbahn aus ein besonderer Schienenstrang, der nun besondere Waarenzüge, deren Achsen und Zahl sich den Bedürfnissen anschließen werden, jede Nacht nach diesem Sammelpunkt leitet. Dort werden die Waaren abgeladen und alsdann ihrer Bestimmung gemäß behandelt, entweder durch Wasserdruck zur Verkaufsstätte am Alexanderplatz selbst gehoben oder nach den anderen Markthallen befördert. Zu dieser Beförderung werden später die Wagen der Pferdebahn herangezogen werden. Die Ausstattung der Markthallen mit den Verkaufswaaren beginnt um 1 Uhr Nachts. Die Hallen sind durch electtisches Licht taghell beleuchtet. Das Telegraphenbureau ermöglicht die schnellste Verständigung nach allen Richtungen für den Fall von außergewöhnlichem Bedarf. Die verschiedenen Markthallen sind durch die Fernsprechleitung miteinander verbunden, so daß bei Mangel oder Ueberflutz von bestimmten Waaren an dieser oder jener Stelle sofort eine Verständigung erzielt werden und eine zweckentsprechende Ueberweisung stattfinden kann.
Schon diese wenigen Andeutungen werden genügen, um zu zeigen, ein wie mächtiger und gewaltiger Umschwung sich in einer der wichtigsten Lebensfragen, in der Beschaffung gesunder und preiswürdiger Nahrungsmittel, bei uns jetzt vollzieht und wie segensreich die Früchte sein müssen, welche die Eröffnung der Markthallen zeitigt. Sieben den zahlreichen allgemeinen Verbesserungen erhofft man von dieser Neu-Ein- richtung aber auch durchgreifende Vortheile im Einzelnen, namentlich in der Hebung des Fischhandels, der in Berlin im Vergleich zu London und Paris in ganz erstaunlicher Weise darniedergelegen hat, obwohl das deutsche Meer und das deutsche Süß- wafser uns eine überreiche Ernte liefern könnten. Es würde an dieser Stelle, wo über die Markthallen eben nur in ganz allgemeiner Weise gesprochen werden soll, zu weit führen, sich auf eine Erklärung dieser eigentümlichen und vollkommen unberechtigten Erscheinung einzulassen.
Es sind zunächst vier Markthallen errichtet wokden: Die Central-Markthalle am Alexanderplatz, eine Markthalle in der Lindenstraße, eine in der Zimmerstraße und eine in der Dorotheenstraße. Die Grunderwerbskosten belaufen sich für die Central- Markthalle auf rund 2,600,000 X, für die Markthallen in der Linden- und Zimmerstraße auf rund je 1,600,000 X. Die Baukosten haben betragen für die Central- Markthalle über 2,000,000 X, für die Markthalle Lindenstraße 800,000 X, für die Markthalle Zimmerstraße 500,000 X und für die Markthalle Dorotheenstraße 350,000 X, so daß die Gesammtkosten für die vier Markthallen rund 10 Millionen X betragen. Bis jetzt Hst man nur eine überschlägliche Berechnung der Ausgaben und Einnahmen für die Central - Markthalle am Alexanderplatz vorgenommen. Da ist das Ergebniß folgendes: Die Derwaltungskosten, die persönlichen und sachlichen, sind ans rund 300,000 X, die Einnahmen auf etwas über diesen Betrag geschätzt. Die Stadt ist übrigens zufrieden, wenn das gesammte 20 Millionen fordernde Unternehmen der Versorgung der Stadt mit Markthallen seine Zinsen trägt; Ueberschüsse werden nicht verlangt.
— Der Arbeiter Rupp in Cöslin Hai seine Ehefrau buchstäblich zu Tode geprügelt. Sie war dem Trünke ergeben und er dem Spiritus auch nicht abhold. Als unter solchen Umständen wieder einmal Streitigkeiten zwischen den Eheleuten entstanden, band der rohe Ehemann zunächst, um seine Frau wehrlos zu machen, derselben die Hände zusammen, dann hieb er mit seinem Handstock unbarmherzig auf sie ein, bis der Tod erfolgte. Am Morgen holte er ruhig, als wäre seine Frau eines natürlichen Todes gestorben, eine Leichenwäscherin; diese erkannte natürlich sofort die wahre Todesursache und machte Anzeige bei der Polizei.
Karlsruhe, 2. Mai. Die Corps des Karlsruher Polytechnikums sind nach Beschluß des „Kleinen Rathes" auf drei Semester suspendirt worden. Die Sache verhält sich nach dem „Bad. Landesb." folgendermaßen: „Zwischen einem hiesigen Corpsstudenten und einem den Corps nicht angehörenden Polytechniker entstand angeblich wegen Nichterwiderung eines Grußes eine Differenz, welche den Corpsstudenten zu einer Forderung auf gewöhnliche Schläger veranlaßte. Dieser Forderung wich der Geforderte aus, d. h. er „kniff", wie der studentische Ausdruck ist. Hiervon machte das betreffende Corps dem Karlsruher Senioren-Conoent Anzeige, in Folge dessen der Geforderte von Seiten des Corps für „satisfactionsunfähig" erklärt wurde. Früher wurde dies den von solcher Maßregel Betroffenen schriftlich mitgetheilt, jetzt geschieht dies mündlich und bei der Ueberbringung dieser Mittheilung soll irrthümlich.die Bezeichnung „im Verruf" gebraucht worden sein. Nun machte der Geforderte beim. Directorium des Polytechnikums Anzeige und die Senioren der Corps erhielten mit dem Geforderten eine Vorladung vor den „Kleinen Rath", woselbst der Jrrthum aufgeklärt wurde und der Geforderte sich anscheinend mit dieser Wendung zufrieden gab. Nach einiger Zeit wurde nun der für satisfactionsunfähig erklärte frühere Polytechniker zum Militär eingezogen, um avanciren zu können. Da nun in den Augen aller Corpsstudenten jeder Officier, ob actio »der in Reserve, satisfactionsfähig fein muß, so erstatteten die hiesigen Corps dem Officiercorps des Regiments, in welchem der frühere Commilitone diente, die Anzeige von der über denselben verhängten Maßregel» worauf demselben, nach Bestätigung der Thatsache, von seinem Regimentscommandeur erklärt wurde, daß er ihn zum Avancement nickt Vorschlägen könne. Hiervon machte der frühere Polytechniker dem Directorium des Polytechnikums Anzeige und die Folge ist die oben mitgetheilte harte Maßregelung, welche verhängt wurde und die hiesigen Corps, wenn es dabei bleiben sollte, drei Semester lang des Rechtes beraubt, ihre Farben zu tragen und als Corporation aufzutreten." — Die Mitglieder des Corps „Bavaria" demonstrirten gegen die Maßregelung dadurch, daß sie heute Vormittag auf der Kaiserstraße und später während der Parademusik vor dem Großh. Schlosse statt in den blauen Mützen, die ihnen zu tragen verboten sind, in himmelblauen Cylinöerhüten einherpromenirten. Ein anderes Corps erschien in schwarzen Cylindern mit aufgespannten schneeweißen Sonnenschirmen.
Lüdenscheid, 1. Mai. Zu welchen Mißverständnissen gekürzte Telegramme führen können, davon weiß das „Lüdenscheider Wochenblatt" einen interessanten Fall zu berichten. Ein Fabrikant in Lüdenscheid hatte in Frankfurt a. M. eine Drehbank bestellt. Als dieselbe ankam, war ein Fuß derselben abgebrochen. Sofort wurde die liefernde Firma hiervon durch das Telegramm „Fuß gebrochen" in Kenntniß gesetzt. Zum Unglück war der Inhaber des Geschäfts verreist: die Frau desselben glaubte nun nicht anders, als ihr Mann befinde sich in Lüdenscheid und habe einen Fuß gebrochen, worauf sie sich dann sofort auf die Reise nach Lüdenscheid machte, um ihrem Manne in seinem Unglück beizustehen.
Frische Alpenmilch für Kinder!
Ans frischer Alpenmilch und Waizen - Exiract wird bei Harbatzhofen im bayr» Allgäu ein neues, leichtverdauliches Nährmittel, ^Loeflund's Kindermilch*, her- gestellt, welches durch einfache Beimischung von warmem Wasser die gesündeste und kräftigste Nahrung gibt, bei der die Kinder von der Geburt an sehr gut gedeihen.
Preis per Büchse X 1.20 in den Apotheken. Bei directem Versandt an Private 8 Büchsen per Post franco gegen X 9.20 (2 Probedüchfen franko X 2.80). Briefe an Ed. Loeflund in Stuttgart. 2162
Allgemeiner Anzeiger.
Montag den IO, I. MtS, Nachmittags 3 Uhr, sollen an der Grünberger-Straße
3 Bauplätze von je 20 m Front und 40 m Tiefe versteigert werden.
Gießen, den 6. Mai 1886.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 3556
Dienstag den 11. und Mittwoch den 12. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Seipp'schen Hinterhause, Südanlage Nr. 21, die Mobilien des verstorbenen Fräulein Koch versteigert; es befinden sich dabei gut erhaltenes Bettwerk, Sopha, Stühle, Kommode, Kleiderschrank , Weißzeug - Kiste, Tische, Stühle, Weißzeug, Küchengeschirr :e., an Büchern Goethes, Schiüer's Werke, sowie andere Klassiker, Gartenlaube, Daheim u. s. w. 3547 Im Auftrag:
Hofimann..
Die Gegenstände können Morgens von 9 bis 11 Uhr besichtigt werden.
L. Rothenberger.
Aeikgeöotenes.
SeWgrkklterten Apfelwein beste Qualität, empfiehlt 3459
____________o Metzger Seng.
Apotheker Bergmann’« K^üinvrolle 1006 zum augenblicklichen Stillen jedes Zahnschmerzes. Erfolg garantirt. Vorräthig Hälse 30 H bei Carl Schwaab.
Holzversteigerung.
Donnerstag den 13. Mai d. I. werden in den Domanial- walddistricten Brauhof la, Schinderskopf 21, Wüstekopf 23a, Zellenrod 28, Schiffenberg 31, 33a, Sommerberg 35c, Dörnergrund 46a—c, 56a, Tempel 12, 13b, 47, Rabenpfuhl 54a, Buchenberg 57, 58a, Unterwald 60, Wachholder- haide 62a versteigert: 9 Fichtenstämme von 12—21 cm Durchmesser und 13—17 m Länge — 3,18 fm, 27 Fichtenderbstangen — 1,25 fm, 15 Fichtenreisstangen — 0,21 fm, sodann Buchen: 2 rm Scheiter, 2,5 rm Knüppel, 12,8 Hundert Wellen, 4 rm Stöcke, Gichen: 7 rm Scheiter, 13,2 rm Knüppel, 18,5 Hundert Wellen, 32,7 rm Stöcke, Radel: 135 rm Scheiter, 602 rm Knüppel, 84,6 Hundert Wellen, 131,5 rm Stöcke. Das Holz aus den Districten Brauhof la, Tempel 12,13b, Schinderskopf 21, Wüstekops 23a, Zellenrod 28, Schiffenberg 31, 33a, Sommerberg 35c, Rabenpfuhl 54a und Buchenberg 57, 58a wird nicht vorgezeigt, sondern kommt gegen 11 Uhr am Eisenbahnübergang über den Watzenbornerweg zum Ausgebot. Forstwart Schlag zu Baumgarten erthellt nähere Auskunft. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr auf der Kreisstraße von Gießen nach Steinberg an der Theer- osenschneise.
Gießen, den 5. Mai 1888.
Großherzogliche Obersörsterei Schiffenberg.
3520 Heyer.
Bekanntmachung.
Diejenigen Steigerer, welche am 16. und 30. November v. I., sowie am 4. Januar d. I. im Gießener Stadtwalde in den Districten Neuhege, Heingesboden, Fernewald und Bruderwinter Holz gesteigert haben, werden aufgefordert, dasselbe binnen 14 Tagen abzufahren, widrigenfalls gegen die Säumigen Anzeige erhoben wird.
Gießen, den 4. Mai 1886.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 3515
Rothamel & Petry
Mndenpaltz 5
। (im Haufe des Herrn Sattlermeisters Ferber.) 1418 Specialltäten:
Bindfaden, Seilerwaaren, Watten, Strick- u. Webgarne.
Herren-, Damen- und Kinderwasche, Sommer-Unterjacken
i und Hosen
in allen Arten, empfiehlt sehr billig
Äug. Haubach.
Hemden nach Maaß.
Beste Stoffe. — Solide Arbeit.
Vorzügliche
Salz- u. Essiggurken empfiehlt 3472
__S. Elsoffer. ■ Tapeten! ■
Zu noch nie dagewesenen Preisen versenden:
Naturelltapeten von 12 H an,
Glanztapeten „ 35 „ „
Goldtapeten „ 25 „ „
in den großartig schönsten neuen Mustern, nur schweren Papieren und gutem Druck.
Gebrüder Siegler in Lüneburg.
Jedermann kann sich von der außergewöhnlichen Billigkeit der Tapeten leicht überzeugen, da Musterkarten franco auf Wunsch überall hm versenden. 1773
Casseler Pferdeloose h Stück 3 X, 11 Stück 30 X, Fritzlarer Pferdeloose h Stück 3 X, 3092 empfiehlt Julius Wallach.
Buckskin-Kester empfehlen unter Preis 3489
Gebrüder Scheel»


