Die Minorität des Ausschusses hält dagegen die Einrichtung von Vorschulen aus Staatskosten für eine Maßregel, deren finanzielle Tragweite sich heute noch gar nicht vollständig übersehen lasse und welche eine Umgestaltung der seitherigen Verhältnisse des Schulwesens Hervorrufen würde. Ta die Elementarien auch in Volksschule gelernt werden können, so seien die Vorschulen kein dringendes Bedürsniß. Durch die organische Verbindung der Vorschulen mit den Gymnasien zu Darmstadt, Gießen, Worms und Bensheim würden die seither bezüglich des Volks- und Gymnasialschulwesens geltenden Grundsätze nicht etwa nur principiell vermindert, sondern einseitig durchlöchert, indem die Verbindlichkeit des Staates, für die Gymnasialbildung zu sorgen, um ein Viertel, d. h. um drei volle Jahre erweitert und den genannten vier Städten resp. den betr. Eltern aus Staatskosten die Vorbildung der späteren Gymnasiasten abgenommen würde. Ein solch weittragender Schritt sei doch wohl der Erwägung werth. Es habe auch seine socialpolitischen Bedenken, die Kinder der besser situirten Eltern von Anfang an und damit für immer von den Kindern der Armen zu trennen und den Riß zu erweitern.
Der vom Abg. M öllinger erstattete Bericht des ersten Ausschusses der zweiten Kammer über die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, „die Verwendung des Brückenwärterpersonals oer ehemaligen Schiffbrücke bei Mainz betr.", geht, im Sinne dieser zum Theil durch die verspätete Ucbergabe der festen Nheinbrücke bei Mainz (1. Juni 1885) veranlaßten Vorlage, dahin: der Ausschuß beantragt, die Kammer wolle, dem Ansinnen der Großh. Regierung entsprechend^ zusätzlich zu dem Hauptvoranschlag der Staatseinnahmen und Ausgaben pro 1885/88, Kap. 108, Lit. 1 und 3, und zu Lasten der Ueberschüsse dieser Finanzperiode die Weiterverwendung der für das Brückenpersonal in Mainz, soweit dasselbe am 1. April 1885 vorhanden war, für die verflossene Finanzperiode verwilligten Gehalte bis zu der theils am 20. Juni, theils am 1. Juli 1885 erfolgten Pensionirung, bezw. anderweiten Verwendung dieses Personals gutheißen und weiter nachträglich die Zustimmung zur Verleihung von Gehalten im Betrage von 1500 und bezw. 1400 JL an Stelle der für zwei Brückenwärter in Worms vorgesehenen Gehalte von je 1200 JL an die von Mainz nach Worms versetzten beiden Brückenwärter unter der Beschränkung ertheilem daß der Betrag von 500 JL in Wegfall zu kommen hat, sobald und insoweit durch Erledigung höher dotirter Oberbrückenmärter- und Brückenwärterstellen Gelegenheit gegeben ist, die beiden hier fraglichen Brückenwärter in höhere etatsmäßige Gehalte einrücken zu lassen. (Darmst. Ztg.)
Berlin, 6. Januar. Neben dem großen Jubiläum der letzten Tage ist noch ein kleineres, saft ohne daß von demselben Notiz genommen wäre, vorübergegangen. Am 1. Januar waren es 10 Jahre, seit die neue deutsche Münzgesetzgebung für ganz Deutschland in volle Wirksamkeit getreten war. Der Umstand, daß kaum Jemand dieses Erinnerungstages Erwähnung gethan, meint die „Nordd. Allg. Ztg.", zeige wohl am besten, wie tief wir uns in die neuen Münzverhältnisse hineingelebt haben, und wie gering die Neigung sein dürfte, zu der früheren Vielgestaltigkeit mit ihren mannigfachen Arten von Groschen, Kreuzern, Batzen, Schillingen rc. 2C. zurückzukehren.
Aegypten.
Kairo, 7. Januar. Die Conferenzen des Khedive mit Drummond Wolff und Mukhtar Pascha über die sudanesische Frage werden gemäß der Convention demnächst beginnen. Wie es heißt, wünscht der Khedive die Convention durchgeführt zu sehen. Mukhtar Pascha äußerte sich heute anläßlich einer vorläufigen Besprechung zu Gunsten einer Vermehrung der egpptischen Armee auf 16,000 Mann, wodurch die egyptische Regierung in den Stand gesetzt würde, selbst die Grenze des Sudan zu vertheidigen. Wolff macht seinerseits geltend, daß das Budget für die hierzu erforderlichen Ausgaben nicht ausreichen würde.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorresporrderrr- Bureau.
Berlin, 7. Januar. Ein Dankschreiben des Kaisers an den Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin für die Glückwunschadresse anläßlich des Jahreswechsels und der Regierungs-Jubelfeier gedenkt der ruhmreichen Waffenerfolge und der weltgeschichtlichen Ereignisse, welche die Einheit und die Macht des deutschen Reiches neu begründet. Die Erinnerung daran erfülle das Herz des Kaisers mit heißem Danke gegen den Höchsten, der ihn zum Vollstrecker seines Willens erwählt. Mit Wohlgefallen sieht der Kaiser durch die Adresse die Wahrnehmung bestätigt, daß Berlin unter dem gesegneten Schutze des Friedens durch die Thatkraft und Fürsorge seiner Vertretung eine fortdauernde Steigerung und Fortentwicklung auf den verschiedensten Gebieten oes öffentlichen Lebens gewonnen habe. Die unter der Führung der Kaiserin lur Blüthe gelangte Pflege der freien Liebesthätigkeit habe in dem hilfsbereiten Sinn oer Berliner Bürgerschaft stets nachhaltige Unterstützung gefunden. Der Kaiser habe es gleich der Kaiserin mit lebhafter Genugthuung begrüßt, daß der Magistrat und die Stadtverordneten zum Gedächtniß der Jubelfeier 300,000 JL für Erweiterung der Wtlhelm-Augusta-Stiftung bestimmt hätten. Dem Jubiläumstage sei damit eine wahrhaft würdige Feier bereitet worden. Es dränge den Kaiser, mit seinem Danke gleichzeitig seine volle Anerkennung für diesen gemeinnützigen Beschluß auszusprechen.
Berlin, 7. Januar. Der „Reichsanzeiger" publicirt die Erlaubniß für den Fürsten Bismarck, den päpstlichen Christusorden in Brillanten zu tragen.
Berlin, 7. Januar. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurden die neugewählten Stadtverordneten durch den Oberbürgermeister v. Forckenbeck eingeführt und Verpflichtet und demnächst Büchtemann mit 112 von 117 Stimmen zum Vorsitzenden, Stryck mit 80 von 119 Stimmen zum Stellvertreter des Vorsitzenden erwählt.
— Eine hier von Trinidad unterm 5. Januar eingegangene amtliche Meldung besagt: Das Gerücht von einer Explosion auf dem Schiffe „Stein" ist gänzlich erfunden. Alles wohl.
Stuttgart, 7. Januar. Nach dem „Staatsanzeiger" befindet sich der König in Nizza unter dem Einflüsse des milden Klimas der Riviera und Dank der strengen Zurückgezogenheit, welche der König sich auferlegt, befriedigend. Die Gesundheit hat sich, soweit dies gehofft werden kann, gebessert. Bei fortgesetzter Schonung darf eine wettere Besserung erwartet werden.
Dresden, 7. Januar. Die zweite Kammer bewilligte 822,000 JL als erste Rate des auf 2,004,225 JL. veranschlagten Gesammtbedarfs für den Umbau des Bahnhofs in Chemnitz.
7. Januar. Dcr Laudesausschuß ist durch kaiserliche Verordnung zum 18. d. M. unberufen worden.
Paris, 7. Januar. Die Constituirung des neuen Cabinets soll noch im Laufe des heutigen Abends erfolgen. Als Mitglieder werden genannt: Freycinet, Präsident: Auswärtiges, Sarrien: Inneres, Sadicarnot: Finanzen, Goblet: Unterricht, Boulanger: Kneg, Aube: Marine, Demole: Justiz, Vaihaut: Arbeiten, Develle: Landwirthschaft, Lockroy: Handel, Granet: Posten und Telegraphen.
davis, 7. Januar. Grevy unterzeichnete die Decrete über die Ernennung der neuen Wtliiistcr heute Abend um 6 Uhr. Das Ministerium ist wie gemeldet zusammengesetzt. Da„Journal officiell" veröffentlicht morgen die Ernennungsdecrete. Die Verwaltung der unter das Protectorat Frankreichs gestellten Länder, wie Anam, Tong- kmg, Madagaskar, Cambodscha, ist von den Ministern der Marine und der Colonien abgezweigt und untersteht künftig dem Ministerium des Auswärtigen. Der Conseils- p^sideitt wollte die Organisation dieser Protectorate sich selber vorbehalten. Mit Rücksicht auf die Ausdehnung der die Arbeiterklassen interessirenden Fragen nahm ^uftri^ §UUnt CnUm Mc ^Zeichnung „Ministerium für Handel und Jn-
~ Sine Depesche des Generals Courcy meldet, Aufständische hätten Ende Dccember da ^ katholische Missionsgebaude in dem Gebirge von Nghan-Annam zerstört. Ein französischer Missionar und gegen 500 Christen seien getödtet worden. Eine ^ruppenabtheilung unter dem Oberbefehl Chaumonts hätte die Aufständischen verfolgt und ihnen Waffen und Munition abgenommen.
London, 7. Januar. Der Werth der Einfuhr im letzten Jahre betrug 373% Millionen Pfund Sterling; Abnahme 16 Millionen gegen 1884. Die Ausfuhr betrug 213 Millionen, Abnahme 20 Millionen.
Universität- - Ghronik.
— An Stelle des Professors der Matbemattk Klein in Leipzig, der bekanntlich einem Rufe nach Göttingen folgt, ist der bekannte schwedische Mathematiker Lie in Upsala an die Universität berufen worden. In Fachkreisen hat diese Berufung großes Aufsehen erregt.
Vermischte-.
Darmstadt, 7. Januar. (Meteor.] Gestern Morgen zwischen 7 und halb 8 Uhr wurde hier und, wie von auswärts gemeldet wird, auch in vielen anderen Orten ein Meteor beobachtet. Dasselbe bewegte sich in der Richtung von Nordwest nach Südost hin und erstrahlte in hellstem Lichte; von einigen Beobachtern wird es von der Größe einer großen Billardkugel geschildert und daß es einen starken, hellglänzenden, funkensprühenden Streifen, ähnlich einem Feuerwcrkskörper, hinterlassen habe.
— Unterm 17. November 1797 erließ die Fürstlich Hessische Polizeideputation zu Darmstadt nachstehende Bekanntmachung: „Nachdem seit einiger Zeit mehrere hiesige Einwohner z. B. auf dem Ballonplatz, in der neuen Vorstadt rc. Wasche von allerlei Art auf den öffentlichen Straßen gehoefnet haben; diesen Mißstand aber — zumalen in hiesiger Hochfürstl. Residenz — schlechterdings nicht weiter nachgesehen werden soll; so wird zu Jedermanns Nachricht und Warnung hiermit öffentlich bekannt gemacht, daß die Polizeidiener von heute an autorifirt und befehligt worden, alle diejenigen Seiler, worauf die auf den öffentlichen Straßen befindliche Wasche, sie gehöre auch, wem sie wolle, gehängt worden, ohne weitere Rückfrage auf der Stelle entzwei zu schneiden, und somit die Wasche auf die Straße fallen zu lassen." — Eine weitere Bekanntmachung vom 29. April 1803 besagt: „Es wird hiermit wiederholt verordnet und öffentlich bekannt gemacht, daß niemand irgend einen Hund so Tage als Nacht allein auf den Straßen herumlaufen lassen, — widrigenfalls aber der auf den Straßen ohne Begleiter vorgefunden werdende Hund auf der Stelle todtgeschlagen werden — und der Eigenthümer desselben dem Wasenmeister für seine hierbei gehabte Mühe sogleich einen Reichsthaler erlegen soll."
Mainz, 6. Januar. (Hessische Landesgewerbe-Ausstellung 1887.] Bis heute haben sich 180 Aussteller angemeldet, welche Anzahl indeß nicht genügt, um daraufhin definitive Baupläne zu entwerfen. — Die Frist der vorläufigen Anmeldung muß daher zweifelsohne, wie vorauszusehen war, verlängert werden.
In Offenbach stellten feiner Zeit aus 238 Offenbacher, 102 Mainzer, 64 Darmstädter, 35 Wormser, 25 Gießener und 216 aus anderen hessischen Orten. Dem gegenüber sind bis heute angemeldet: 12 Offenbacher, 82 Mainzer, 19 Darmstädter, 3 Wormser, 6 Gießener und 58 aus anderen hessischen Orlen. Besonders stark vertreten sind unter den bis jetzt Angemeldeten die Möbelbranche und die Maschinenfabrikation.
Mainz, 7. Januar. Die Verhaftung eines Arztes, welcher nebst feiner Gattin in einem hiesigen Hotel abgestiegen war, erregte dem „Mainzer Journal" zufolge gestern großes Aufsehen. Der Mann soll sich eines „Verbrechens wider das Leben" schuldig gemacht haben. Der Verhaftete wurde noch gestern Abend durch Gensdarmerie zu seiner Heimathsbehörde gebracht.
Frankfurt a. M., 5. Januar. Ein Unglücklicher kehrte gestern Mittag in den Kreis seiner Familie hierher zurück. Mit dem Unglück dieses Mannes hat es folgende ganz besondere Bewandtniß. Am 24. December 1875, also am heiligen Abend, saß der Betreffende in Gesellschaft fröhlicher Zecher in einem Gasthause in London. Seine Familie wohnte damals in Berlin. Er selbst hatte in einem Londoner Waarenhause eine Stellung inne. Bei erwähnter Gesellschaft ereignete es sich gegen Morgen, daß mehrere Männer, welche in das Local eintraten, mit den Dasitzenden Streit anfingen, der sogleich in Thätlichkeiten ausarlcte. Dabei wurde ein sehr braver Mensch, ein junger Engländer, der Freund des oben Erwähnten, gestochen. Letzterer gerieth darüber in Wuth, erfaßte eine Gabel, stieß nach dem Thäter und traf ihn so unglücklich in die Brust, daß der Getroffene schon nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab. Ter Mörder wurde festgenommen und der Gerechtigkeit überliefert. Das Gericht nahm bedeutend ^nildernde Umstände an und verurtheilte ihn zu 10 Jahren Kerker. Vor mehreren Tagen hätte der Eingekerkerte das letzte halbe Jahr seiner Strafe antreten müssen. Dasselbe wurde ihm jedoch in Gnaden geschenkt. Der Freigelassene hatte sich während seiner Haft etwas über 800 JL verdient. Mit diesem Gelde hüllte er sich in ein anständiges Kleid und begab sich nach Berlin, um seine dort wohnenden Angehörigen aufzusuchen. Da Vater und Mutter aber inzwischen gestorben und feine einzige Schwester sich nach Frankfurt verheirathet hat, so suchte er dieselbe hier auf, von der er mit großer Freude begrüßt wurde. Der unglückliche Vater hat seinem Sohne die Summe von 850,000 JL hinterlassen, welcher Betrag sich schon bedeutend vergrößert haben dürfte, da derselbe feit 1877, dem Todestage des Vaters, auf Zinses- Zins angelegt ist.
Ihlenfeld bei Neubrandenburg (Mecklenburg), 5. Januar, Mittags. Der „Kreuzzeitung" wird gemeldet: Soeben wurden bei heftigem Schneegestöber vereinzelte Blitz- und Donnerschläge wahrgenommen.
— Der Rheumatismus ist unstreitig das Aschenbrödel unter den Krankheiten. Nicht nur, daß er von den Aerzten mit Verachtung gestraft wird, weil er trotz oder vielleicht gerade wegen seiner großen „Volksthümlichkeit" in feilten Ursachen noch nicht genügend bekannt ist — er muß sich auch viel von allen möglichen und unmöglichen Heilmitteln, Bade- und Knetkuren gefallen lassen. Mit jedem jungen Jahre taucht ein neues Heilmittel auf, verschwindet aber oft ebenso rasch vom Schauplatz. Gegenwärtig ist bekanntlich das Ichthyol in Mode. Ein ärztlicher Mitarbeiter der „Tägl. Rundschau" schreibt darüber: Das Ichthyol ist ein ölartiges, schwefelhaltiges, durch Destillation aus vorweltlichen, bituminösen Fischen (daher der 9iame) gewonnenes Erzeugniß einer Hamburger Firma, die angeblich auf Grund einer Dolkssage auf den Gedanken der Ausbeutung dieser vorweltlichen Masse gekommen ist. Wie es leider bei allen neuen Mitteln geschieht, wurde seine Wirksamkeit überschätzt, dann kam eine Zeit, wo man ihm überhaupt jede Wirksamkeit absprach und jetzt erst beginnt sich die Anwendungsweife zu klären. Man weiß jetzt, daß das Ichthyol in der That gegen manche frische (Hexenschuß) und ältere Formen von Muskelrheumatismus und in einzelnen Fällen auch gegen chronischen Gelenkrheumatismus ein schätzenswerthes Mittel ist, dessen Versuch sich recht wohl lohnt. Der bekannte Arzt für Hautkrankheiten, Dr. P. G. Unna in Hamburg, hat eine Methode angegeben, wie sich das Ichthyol zu einem bequemen Pflastermull verarbeiten läßt, den man einfach auf den leidenden Theil auflegt. Diese letztere Methode der Anwendung hat sich auch bei manchen veralteten Hautkrankheiten bewährt, die den meisten anderen Mitteln trotzten. Eine große Schattenseite ist leider der wenig angenehme Geruch — er läßt schon darauf schließen, daß die Fische, aus denen das Mittel dargestellt wird, recht alt (!) sind. Ein solcher Geruch macht natürlich auch die innerliche Anwendung, die von manchen Aerzten erprobt worden ist, wenig erfreulich. Fügen wir noch hinzu, daß Fürst Bismarck das neue Mittel mit Erfolg in Anwendung gebracht hat, und daß es äußerlich durchaus unschädlich, selbstverständlich aber niemals ohne ärztliche Verordnung anzuwenden ist.
— (Noch nicht dagewesen.] Im „Berliner Tagebl." lesen wir: „Es ist Alles schon dagewesen, hört man stets, wenn man glaubt, etwas Außergewöhnliches gehört oder gesehen zu haben. Allein von dem, was ich zu berichten habe, so schreibt uns ein Freund unseres Blattes aus Wiborg in Finnland, glaube ich das „noch nicht da- gewesen" behaupten zu können. Hier in unserem Städtchen lebt ein wohlhabender Tischlermeister, der sich von kleinen Anfängen xu seiner jetzigen Höhe emporarbeitete. Als armer Geselle heirathete er ein armes Mädchen, welches damals seinen Ansprüchen genügte. Da er nun aber inzwischen in die besseren Handwerkerkreise aufgenommen wurde, fand er, daß feine bisherige Frau ihm nicht mehr ebenbürtig war und ließ sich in Folge dessen scheiden, behielt dagegen ihre drei Kinder. Hierauf nun heirathete er eine ihm ebenbürtigere Frau. Soweit wäre nun Alles nicht gerade ungewöhnlich. Aber jetzt fommt die gemächliche Seite. Nachdem der Herr Tischler sich einen neuen Hausstand gegründet, nahm er seine frühere Frau als Mädchen für Alles und so dient nun die ftühere Frau bei ihrer Nachfolgerin, sowie bei deren und ihren eigenen Kindern iur vollen Zufriedenheit ihrer Herrschaften/' Eine solche Illustration zu feinem „Unb


