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Literarisches.

Paul Lindau überrascht uns soeben in der im Verlage von W. Spemann in Berlin und Stuttgart erscheinenden illustrirten Zeitschrift Dom Fels zrrm Meer" mit dem ersten Theil eines größeren Roman-Cyklus, Berlin I Der Zug nach dem Westen, welche mir als die reifste und bedeutendste Arbeit dieses Schriftstellers be­zeichnen möchten. Es ist die Absicht des Verfassers, in einer Reihe von Romanen, die miteinander nur lose verbunden sein werden, das hauptstädtische Leben zu schildern, wie es sich in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Die Handlung bewegt sich mitten im vollen Leben der Gegenwart. Es sind keine Romanfiguren, die uns entgegentreten, es sind lebende Menschen, die man mit Händen zu greifen glaubt, aneinander ge­knüpft durch eine ebenso natürliche wie einfache Handlung, die sich fast ausschließlich in jenen Kreisen bewegt, welche man als die spectfischeBerliner Gesellschaft" zu be­zeichnen pflegt.

Was sott ich deklamiren? Eine Auslese der besten älteren und neuesten Deklamationsstücke ernsten und heiteren Inhalts. Unter Mitwirkung der ersten deutschen Bühnengrößen gesammelt und herausgegeben von Elise Henle, Verfasserin oes PreislustspielsDurch die Intendanz". Mit Lichtdruck-Porträts berühmter Bühnen­künstlerinnen. Brosch. 3 x Eleg. geb. mit Goldschnitt 4.50 X Verlag von Levy & Müller in Stuttgart.

Mehr als 50 Mitglieder der ersten deutschen Bühnen haben sich an der Heraus­gabe dieses originellen Werkes betheiligt. Es kann also nicht Wunder nehmen, daß dasselbe eine reiche Auswahl der deklamatorisch wirksamsten Vorträge jedes Genres enthält, wie solche wohl in keinem zweiten Buche anzutreffen ist. Außer den Damen Hermine Elaar-Delia (Frankfurt a. M.). Minona Frieb-Blumauer (Berlin), Eleonore Wahl mann (Stuttgart), Charlotte Wolter (Wien), Klara Ziegler (München), deren vortreffliche Lichtdruck-Porträts dem elegant ausgestatteten Buche zur Zierde gereichen, begegnen wir in demselben noch den Herren Siegwart Friedmann (Berlin), Ernst Possart (München), Vortragsmeister Prof. Strakosch (Wien), und zahlreichen anderen Namen, die zum Theil in ganz Deutschland guten künstlerischen Klang besitzen. Manche der Mitarbeiter haben aus ihrem Repertoire neue oder doch seither ungedruckte Poesien, welche sich für den Vortrag besonders dankbar erweisen, der Herausgeberin mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt. Wohl in der richtigen Erkenntniß, daß ein dem Bedarfe der Damenwelt angepaßtes Dekla- mationsbuch seither fehlt, hat Frau Henle das Werk der deutschen Mädchen- und

ich will die Hohe segnen" in dem LiedeEr der herrlichste von allen" dürfte auch Chamisso kaum für möglich gehalten haben.

[Der Unverbesserliche.) Principal:Aber Peter, was habt Ihr wieder gemacht! Da schreibt mir eben ein jüngerer Geschäftsfreund, zu dem ich Euch gestern schickte, Ihr wäret im höchsten Grade anmaßend gewesen. Ihr hattet gethan, als ob Ihr nicht der Markthelfer, sondern der Eompagnon des Hauses wäret hättet ge­sagt- da können wir mit Ihnen keine Geschäfte machen, wir missen unsere Waare billiger zu bekommen rc. Ihr habt ihn sogar durch Euer herbes Wesen beleidigt, und er ersucht mich Euch einen ernsten Verweis zu geben. Ich weiß es recht wohl, Ihr seid ein alter biederer Mann und Ihr meint es nicht so, wie es klingt, der junge Herr kennt Euch eben noch nicht, Ihr bringt mich stets in Verlegenheit-, da habt Jhr's wieder einmal, der Brief - was ist da zu thun?" Peter (zutraulich):Wissen Sie was Herr Principal, dem Kerl dem antworten wir gar nicht."

[Ein Perpetum mobile.] Es hat schon wieder Jemand ein Perpetum mobile construirt! Diesmal ist es ein Schwabe, ein Herr Braun aus Ochringen in Württemberg, welchem es gelungen ist, die Naturgesetze auf den Kopf zu stellen und ein Rad zu construiren, welches sich dauernd bewegt und durch seine Bewegung eine ( Maschine treiben kann. Das Rad besteht aus 16 sinnreich getrennten Röhren, welche halb mit Wasser gefüllt sind, das in Folge der sinnreichen Eonstruction niemals in's Gleichgewicht kommt und somit bei dem Suchen nach diesem Gleichgewicht eine immer­währende Bewegung des Rades erzeugt. Der Erfinder preist diese seine billige Arbeitskraft an und bemerkt, daß sein Rad allenthalben angebracht werden könne, nur wenig Raum einnehme, daß es ohne Auslagen für Heizmaterial, Bedienung 2c., ohne Rauch und Gefahr, Sägen, Futterschneidmaschine und anderes treiben könne. Darüber, ob schon irgend eine Fabrik diese neue Betriebskraft benutzt, schweigt er. Wir unsererseits glauben allerdings, daß es sich bei der neuen Maschine um ein g^ störtes Gleichgewicht handelt, aber nicht um das des Wassers, welches in den sinnreich construirten Röhren eingeschlossen ist, sondern um das geistige Gleichgewicht des Erfinders. .

(Familienangelegenheiten.] Ein Beamter tn Glmpelstngen reicht oielev Tage bei der Verwaltung ein Urlaubsgesuch auf einen Tag ein mit der Begründung: wegen Familienangelegenheiten". Auf die Frage, worin diese beständen, antwortete er treuherzig:Mer schlachte unser Sau!"

Vor einigen Jahren wurden in Lauscha auf dem Walde, wo die Glas­perlenindustrie zu Hause ist, eine neue Sorte Perlen verlangt, die sogenannten Matt­perlen. Große Aufträge aus dem Auslande liefen ein, hohe Preise wurden geboten und nun fehlte nur noch der Schlüssel, auf welche Weise die Perlen matt 511 machen seien. Die eingesandten Originalperlen gingen von Haus zu Haus, verschiedenartige Versuche, z. B. Mattätzen mit Säuren u. s. w., wurden gemacht, jedoch alles ohne Erfolg, man konnte nicht hinter das Geheimniß kommen- Da bringt eines Tages zufälligerweise ein Arbeiter eine der eingesandten Originalperlen in den Mund, dabei spürt derselbe, daß sich von der Perle ein winzig kleiner Gegenstand ablost, er nimmt denselben aus dem Munde und sieht, daß es ein Sandkorn ist. Das Sandkorn an der Originalperle zeigt ihvi, daß die Perlen durch Sand matt gemacht werden. Ein sofort vorgenommener Versuch bestätigt seine Vermuthung, er erzielt durch Reibung viustergetreue Perlen. Nun gibt der uneigennützige Mann sein Geheimniß preis und 8 Tage darauf wurden schon von Hunderten von Arbeitern matte Perlen angefertigt, ein ©egen für die armen Perlenmacher, deren Verdienst bis dorthin ein kärglicher ge­wesen und die nun auf lange Zeit der äußersten Nothdurft entrissen sind.

Theater-Vorstellung mit Schweine - Verloosung gab es am 2. Weihnachts­tage in Kappeln in Schlesien. Um dem dürftigen Theaterbesuch gründlich abzuhelfen, war eine daselbst weilende Schauspieler - Gesellschaft auf den Einfall gekommen, eine solche Vorstellung zu veranstalten. Laut großer gelber Zettel und Plakate wurde an diesem Tageauf vielseitigen Wunsch" derBibliothekar" von Moser gegeben. In der ersten Zwischenpause wurde dann unter den Theaterbesuchern ein lebendiges Schwein verloost; Jedermann erhielt ein Loos gratis. Heiliger Lessing!

[10,000 Lire Belohnung.] Sämmtliche italienische Behörden im In- und Auslande zahlen diese Prämie Demjenigen, welche den Verbleib des berühmten Manu- scripts von Cicero'sDe offioiis mit Sicherheit nachweist. Das kostbare Opus ist aus der Biblioteca Civica in Perugia gestohlen worden und wurde, wie verlautet, in Rom von einem Unbekannten an einen englischen oder deutschen Bibliophilen für nur 600 Lire verkauft. Etwaige Anzeigen nimmt die italienische Botschaft oder das Con- sulat in Berlin entgegen.

[Unbestellbare Postsendungen im Jahre 1884.] Ein unerfreuliches Kapitel im Verkehrswesen bildet die Unbestellbarkeit von Postsendungen. Nach der Statistik der Reichspostoerwaltung für 1884 waren in diesem Jahre 782,396 Postsendungen un­bestellbar. Derartige Sendungen werden von den Postanstalten an die vorgesetzte Oberpostdireclion eingesandt, wo sie veröffentlicht werden, um aus den Angaben im Innern der Briefe rc. den Adressaten oder den Auftraggeber zu ermitteln; gelingt das, so wird die betreffende Sendung nachträglich bestellt, bezw. dem Auftraggeber zurück- gegeben, andernfalls werden Briese rc. vernichtet, Geld und Werthe ober dem Post- armensonds überwiesen. Durch die Eröffnung gelang es nun noch 527,643 Sendungen zu bestellen, bezw. den Aufgebern wieder zurückzugeben. Dagegen blieben 254,753 Sendungen enbgiltig unbestellbar; weder der Adressat erhielt sie, noch konnten sie den Ausgebern zurückgegeben werden. Und diesen großen Verlust hat nur das Publikum selbst verschuldet, weil es die Adresse nicht richtig schrieb, und weil auch im Inneren der Sendungen nicht zu ersehen, wer die Briefe rc. abgesandt hatte. Auf die ge­jammte Postcorrespondenz berechnet, ergibt der Verlust auf 1 Million aufgegebener Sendungen 245 Stück. Die alte, aber ewig neue, vom Reichspostamt durch Be­kanntmachungen dem Publikum so oft empfohlene Regel:Das Hauptersorder- niß für jede Postsendung ist eine richtige Adresse", wird immer noch nicht genügend beachtet.

Frauenwelt gewidmet. Doch soll hiermit offenbar keineswegs gesagt sein, daß ber Inhalt sich hauptsächlich nur zur Deklamation durch Damen eigne, beim die meisten, wenn nicht alle darin vorkommenden Gedichte können mit der gleichen inneren Be­rechtigung auch von Jünglingen und Männern zum Vortrage gebracht werden. Vielen wird es von Interesse fein, daß jedem Gedichte der Name des Künstlers beigedruckt wurde, welcher dasselbe zur Deklamation empfiehlt. Von Künstlerhänden geschaffen und in seiner Art einzig vorhanden wird das Buch der Frau Henle gewiß von allen Freunden der Deklamation freudig begrüßt und namentlich von Jünglingen und Jung­frauen, sowie zu Geschenken für dieselben auch ohne nachdrücklicheren Hinweis mit Vorliebe angeschafft werden.

Mahnung an die Hausbesitzer.

Hebt immer Eure Bürgerpflicht, Und wenn es schneit und friert, Vergeßt das Aschestreuen nicht, Sonst werdet Ihr notirt! Der Paragraph steht nicht zum Spaß In unser'»! Ortsstatut, Und wer schon auf dem Pflaster saß, Der weiß, wie weh das thut.

Vorstehender poetischen Mahnung fügen wir den prosaisch gehaltenen Hinweis bei, daß mit Geldstrafe bis zu 60 X oder mit Haft bis zu 14 Tagen diejenigen Haus- eigentfjümer ober deren Stellvertreter bestraft werden, welche den polizeilichen Vor­schriften zur Reinhaltung der Ortsstraße nicht nachkommen. Wir wollen daher im Interesse unserer Leser nicht unterlassen, das Wichtigste aus den desfallsigen Bestimm­ungen hier mitzutheilen. Nach Eintritt des Schneewetters sind die Steinpflaster bis über die Floßrinnen hinaus und an Kreuzstraßcir in Bairquetbreite bis zur Mitte der Hauptstraße vom Schnee alsbald und wenn nöthig, wiederholentlich zu reinigen. Bei am Tage eintretenbem Glatteise sind die Seitenpflaster in einer Breite von 3 bis 4 Fuß alsbald mit Sand oder Asche ober einem andern ähnlichen Stoffe zu bestreuen und wenn bas Glatteis zur Nachtzeit eintritt, ist bas Bestreuen am anderen Morgen vor 8 Uhr vorzunehmen. Sobald von ber Localpolizeibehörde dazu aufgefordert wird, muß nicht nur das Seitcnpflaster und die Floßrinne, sondern auch die Fahrbahn voin Schnee vollständig gereinigt, das Eis auf derselben innerhalb der hierzu bestimmten Frist aufgehauen und weggebracht merben. In engen Straßen und Gäßchen, an welchen sich keine Seitenpflaster befinden, müssen von den anliegenden Häuserbesitzern ober den deren Stelle vertretenden Personen nach jedem Schneefall auf der fülltte mindestens 5 Fuß breite Pfade, je zur Hälfte gekehrt und bei Glatteis mit Sand ober Asche bestreut werden. Schnee, welcher von den Dächern auf die Straße geworfen wird, wobei das erforderliche Warnungszeichcn aufzustccken ist, oder welcher von selbst von den Dächern auf die Straße fällt, muß alsbald wieder weggeschafft werden.

Handel und Deekehr.

Limburg, 7. Januar. Rother Weizen X 13.90, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10.65, Gerste X 8 20, Hafer X 6.40, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.

12 Medaillen und Diplome.

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Für die Hinterbliebenen des verunglückten Conrad Keßler gingen bis jetzt ein:

Bei Herrn Pfarrer Naumann: Von Herren Professor Dr. Naumann 10 x, Herrn Professor Dr. Harnack 20 X, Herrn Rath Zierenberg 3 X, Herrn Dr. Klewitz 4 X, Frau Rentner K. B. Noll 1 X, Fräulein Bansa 10 X, Herrn Georg Hoß 50 H, Herrn Kaufmann August Will 2 X, Herrn &r . . r 10 X, Herrn Rentner- Ludwig Bücking 10 X, Frau H. Rudolph Wittwe 3 X, Frau Appel Wittwe 1,50 X, N. N. 03.) 2 X, Herrn Carl Sack I. 3 X, Frau M. K. 3 X.

Bei Herrn Bürgermeister Bramm: Von mehreren Herren, welche ungenannt bleiben wollen, 30,80 X.

Bei Herrn Postdirector Ritsert: Von Herrn Postdirector Ritsert 10 X, Herrn Haupikassicr I. Kreuder 3 X, Herrn Sigmund Heichelheim 5 X, Frau Kirchenrath Nits er k in Darmstadt 5 X, Fräulein Ottilie Ritsert in Darmstadt 2 x, Fräulein Marie Stockhausen in Darmstadt 2 X, Fräulein H. Schellenberg 2X, Herrn Rechts­anwalt Hirschhorn 5 X, Herrn Professor Dr. Will 3 X , Herrn Balthasar Lenz 1 X, Herrn Landgerichtsrath Dr. Gilmer 9 X, Herrn Pfarroerwalter Philippi in Ruppertenrod 2 X, Herrn Postassistent Meiski in Ulrichstein 1 X, Herrn Post- verwalter Meiski in Ulrichstein 2 X, Henn August Heß 10 X, Herrn Wagenbauer Carl Leib 1 X.

Bei ber Expedition desGießener Anzeigers" : Laut Quittung in Nr. 6 des­selben 22 X, ferner von Herrn Ehr. Bautz, Lollar, 1 X, Herrn Oberbaurath Eicke- meyer 3 X, Herrn A. Wbrd. 2 X, Herrn Hormann 1 X, Herrn v. R. 3 X, Ung. 1,50 X, F. A. 1 X.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

1. Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar. Landes-Mis sionsf eft.

Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst.

Nachmittags, 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die äußere (Heiden-) Mission.

Die Kinderkirche fällt aus.

Am Montag, den 11. Januar, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinder, schule, 1. Johamresbrief Kap. 3. Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag, den 17. Januar, wird Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgottesdienst gehalten werden.

Die am Neujahrstag für die Armen der Gemeinde eingegangene Kirchenkollekte betrug 26 X 5

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 10. bis 16. Januar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

1. Sonntag nach Epiphania.

Von 7 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com- munion. Um V210 Uhr: Hochamt und Predigt. Um 2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 4 Uhr, Samstag Morgen 83o Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr^. Samstag Abend 510 Uhr.