Donnerstag den 8. Juli
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In der spanischen Deputirtenkammer ist es am vorigen
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Samstag recht lebhaft zugegangen. Es handelte sich um die Adresse an die _ In Londonderry fanden anläßlich der Verkündigung des Wahlresultates, Königin und nahm hierbei der Ministerpräsident Sagasta Gelegenheit, sich scharf I Ruhestörungen statt. Bet einem Zusammenstoß der Polizei mit den vor der Wohnung
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Sonntag den
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gegen die Republikaner auszusprechen, die er als Feinde des Vaterlandes bezeichn nete. Die sehr erregte Verhandlung endigte mit Annahme der Adresse.
In Moskau tritt eine merkwürdige Krankheit auf, welche die Aerzte als acuien Eingeweide-Katarrh bezeichnen. Es sind bereits zwei Fälle mit tödtlichem Erfolg vorgekommen, doch wird geleugnet, daß die Krankheit einen epidemischen Charakter habe. Der General-Gouverneur ordnete die Errichtung einer bacteriologischen Station für die entsprechenden Untersuchungen an. Wenn sich dieser merkwürdige Katarrh schließlich nur nicht als die Cholera entpuppt — denn das ist in Moskau schon einmal dagewesen!
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Vogler, niederlegen.
*U ''^München, 6. Juli. Das heutige Kriegsminifterialblatt veröffentlicht die Verleihung der Jnhaberstelle des 5. Eheveauxlegers-Regiments an den Erzherzog Albrecht von Oesterreich. - Die „Allgem. Ztg." theilt das an den Prinz - Regenten eingelaufene Telegramm des neuen Inhabers aus Hof bei Kettenberg mit, dasselbe, lautet: „Tief gerührt durch diesen Beweis brüderlicher Freundschaft, danke ich von Herzen und bin stolz, mich zu der braven bayerischen Armee zählen zu dürfen."
London, 6. Juli. Nach den neuesten Resultaten sind gewählt: 187 Eon- servative, 43 dissentirende Liberale, 88 Gladstonianer, 39 Parnelliten. Bei der Wahl im Ostbezirk Edinburgs unterlag Goschen gegen den Gladstonianer Buchanan; letzterer
Darmstadt, 5. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 21. April dem Königlich Preußischen Eisenbahn - Stations - Kaffen- Rendanten Jacob Schwarz in Gießen das silberne Kreuz und
am 30. Juni dem Ministerial-Revisor bei dem Ministerium der Finanzen, Rechnungsrath Joseph Jäger das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienst>Orden- Philipps des Großmüthigen — zu verleihen.
Berlin, 6. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt in Erwiderung auf die in der „Mosk. Ztg." und der „Nowoje Wremja" gewünschte Erhöhung der russischen Eisenzölle: die für die Erhöhung der Eisenzölle geltend gemachten Gründe sprächen auch für die Erhöhung der deutschen Getreide- und Holzzölle, gegen die Ueberproduction sei das einfachste Mittel die Zurückführung der Pro- ductionsmenge aus die angemessenen Beträge. Rußland und Deutschland könnten durch ihr Zollsystem zu diesem Zwecke gemeinsam wirken, indem Rußland die deutsche tleberproduction durch die Eisenzölle und Deutschland die russische Ueberproduction durch russische Agrarzölle einschränken könnte. Die Frage lasse sich bei den gegenseitigen politischen Beziehungen freundschaftlich prüfen, eine weitere Steigerung der russischen Zölle müsse eine Steigerung deutscher Zölle für land- wirthschastliche Produkte Hervorrufen.
Politische Ueberficht.
Gießen, 7. Juli.
Die Prager Polizei kann sich eines besonderen Schwabenstreiches rühmen. Der deutsche Handwerker-Verein in Prag hat in seinem Vereinsgarten eine Kaiser-Josef-Statue ausstellen lassen und sollte die Enthüllung derselben am Sonntag durch eine einfache Festlichkeit gefeiert werden. Die Polizei hat nun aber die Enthüllurgsseier, obwohl dieselbe doch nur im Verein, ohne irgend einen officiellen Anstrich, statlfinden sollte, mit Rücksicht aus die „öffent' liche Ruhe und Ordnung" verboten und auch em an die Statthalterei Seitens des Handwerker-Vereins gerichteter Recurs blieb erfolglos. Wie eine in einem abgeschlossenen Garten stattfindende Festlichkeit durchaus privaten Charakters die öffentliche Ruhe und Ordnung stören kann, bleibt dem einfachen Menschenverstände unerfindlich, aber der czechischen Polizei-Direction in Prag ist diese merkwürdige Entdeckung doch gelungen! In hohem Grade befremdlich muß es erscheinen, daß sich die Statthalterei, also eine kaiserliche Behörde, nicht veranlaßt fühlte, das Verbot einer Huldigungsseier für den großen Kaiser aufzuheben und es ist sehr bemerkenswerth, daß das osficiöse Wiener „Fremdenblatt" gerade unter diesem Gesichtspunkte das Verhalten der Prager Statthalterei scharf tadelt. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß sich Polizei-Direction Wie Statthalterei in Prag aus Wien eine Nase holen werden.
Die Cholera-Epidemie in Italien hat ganz und gar den Charakter einer Landes-Calamität angenommen. Das inficirte Gebier erstreckt sich von Brindisi im Süden der Apenninen-Halbinsel an längs der ganzen Ostküste des Adriatischen Meeres bis nach Venedig; zwischen diesen beiden Endpunkten bilden Francavilla, etwa 5 Meilen westlich von Brindisi, und Latiano. weiter nördlich, am Abhange der Abruzzen gelegen, die Haupt-Seuchenheerde. Die sanitätswidrigen Lebensgewohnheiten der Bevölkerung an der Ostküste Italiens, besonders die Verwendung des Seewaffers zu Trinkzwecken, die Unreinlichkeit der niederen Bevölkerungsklaffen, dann aber auch die unverzeihliche Lässigkeit und Energielosigkeit der dortigen Behörden sind die Ursachen, daß sich die Seuche aus der langgestreckten Linie Triest-Brindisi so hartnäckig behauptet und ihre Weiterverpflanzung wird durch dis eingetretene heiße Jahreszeit nur begünstigt. Das italienische Kriegsministerium hat wegen der Cholera die großen Manöver, welche bei Pordemme und Somena hätten stattfinden sollen, bis zum Herbst verschoben. Der Generalsecretär im Ministerium des Innern, Morana, ist in Latiano eingetroffen, um die Maßregeln gegen die Epidemie persönlich zu leiten.
Eine ossiciöse Zuschrift der „Polit. Corresp/ aus Petersburg oer* Mtheilt auf's Schärfste das Vorgehen des Fürsten Alexander. Der Fürst habe durch Einberufung der vereinigten Nationalversammlung und durch seine Erklärung, tue Vereinigung fei vollzogen, die Verträge verletzt und die übernommenen Verpflichtungen verleugnet. Die vollständige Vereinigung von Bulgarien und Mumelien bedeute den Beginn der Zerstückelung der Türkei und somit eine Ge- sährdung des allgemeinen Friedens. Die Haltung des Fürsten fei empörend, diejenige des Sultans aber, der das Vorgehen des Fürsten dulde, befremdlich und wecke Vermuthungen, die durch die Rüstungen der Türkei genährt würden. Rußland könne weder das Vorgehen des Fürsten, für welches der Ausdruck fehle, noch die Mitschuld der Pforte dulden. Hierzu bemerkt die „Köln. Ztg.": Inhaltlich scheint dieser Bries nicht viel Anderes zu bieten, als was man schon durch die vielbesprochenen Auslassungen des „Journal de St. Petersbourg" erfahren hat, aber er ist eine neue Illustration zu der seltsamen Thatsache, daß Rußland in demselben Augenblicke, wo es selbst mit gewohnter Rücksichtslosigkeit die Verträge bricht, sich als den berufenen Hüter internationaler Vereinbarungen ^usgeben möchte. Wenn nicht Alles trügt, ist übrigens diese russische Entrüstung .über Bulgarien augenblicklich nicht so ernsthaft zu nehmen, und Rußland wird gegen die Zustimmung der Mächte zur Aufhebung des Art. 59 des Berliner Friedens von 1878 seinerseits gern das Zugeständniß machen, die bulgarische Frage vorläufig aus sich beruhen zu lassen.
Der Fischereistreit zwischen Canada und den V reinigten Staaten verschärft sich durch das energische Eingreifen Englands zusehends. Eine Kabel- Depesche aus New-Dork besagt, daß das englische Kriegsschiff „Terror" abermals zwei amerikanische Fischerei-Fahrzeuge bei Shelburne an der Küste von Neu-Schottland mit Beschlag belegt. Es deutet dies darauf hin, daß man sich in London um die Vorstellungen, welche amertkanischerseits wegen der wiederholten Beschlagnahme amerikanischer Fahrzeuge in den canadischen Gewässern erhoben worden sind, einstweilen herzlich wenig kümmert.
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ichmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen
w hie Großherzoglichen Bürgermeistereien des Landbezirks (ausgenommen: Mach, Mendorf a. d. Lahn, Annerod, Burkhardsfelden Großen-Linden, Mainzlar, Leihgestern und Staufenberg).
Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben in Nr. 146 des Gießener Anzeigers ersuchen wir Sie um umgehende Einsendung der verlangten Verzeichnisse nebst Erklärungen, eventuell um verneinende Anzeigen.
Gießen, am 6. Juli 1886. Süsfert.
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Nachfrage bei • Müller, ÜtWpoiteur. ^"ing gefuebt >• Bl.
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München, 6. Juli. Der Prinz-Regent Luitpold hat das Demissionsgesuch des Ministeriums Lutz soeben ablehnend beschieden.
München, 6. Juli. Der Prinz - Regent Luitpold hat dem gesammten Staatsministerium auf dessen Entlassungsgesuch folgendes Antwortschreiben zugehen lassen:
„Die sämmtlichen Minister haben mir mit gemeinsamer Vorstellung vom 5. d. M. die Bitte um Enthebung unterbreitet und in eingehender Begründung der Bitte namentlich die sich mehrenden Angriffe auf das Gesammtministerium heroor- gehoben. Diese Angriffe vermögen jedoch nicht die in mir feststehende Ueberzeugung zu erschüttern, daß das gesammte Staatsministerium unter den schwierigsten Verhältnissen seine aufopfernde Hingebung an die Krone und das Land bewährt hat und für die Interessen, welche dasselbe zu schirmen und zu fördern berufen ist, in ersprießlichster Weise eingetreten ist. Das Bestreben des gesammten Staatsministeriums ist, wie ich in eigener reger Antheilnahme an den Staatsangelegenheiten seit Jahren wahrzunehmen Gelegenheit hatte, fortdauernd darauf gerichtet, in pflichtmäßiger, objectioer Sachlage die geistigen und materiellen Güter des Volkes zu erhalten und zu mehren. Von dem hierzu Erzielten steht mir der Schutz der Religion und die Wahrung des Friedens unter den Confessionen obenan und ich empfinde es mit ganz besonderer Freude, daß zu öfteren Malen von der höchsten katholischen kirchlichen Autorität die vollkommene Befriedigung über die Lage der katholischen Kirche in Bayern ausgesprochen morden ist. Von großer Bedeutung sind auch die zahlreichen Bestrebungen des Ministeriums, welche die Stärkung des Wohlstandes und der Steuerkraft tat Lande bezweckt und nach beiden Beziehungen, soweit die Regierung hierzu beizutragen vermag, relativ günstige Zustände angebahnt und gefestigt haben. In Erwiderung der Vorstellung der sämmtlichen Minister spreche ich denselben meine volle Anerkennung für ihr seitheriges Wirken, insbesondere für ihr treues gewissenhaftes Aushalten in den letzten schweren Zeiten, sowie mein volles Vertrauen mit dem Beifügen aus, daß ich des Rathes so diensterfahrener erprobter Männer nicht entbehren möchte, vielmehr deren Verbleiben im Amte ausdrücklich wünsche. Ich hoffe und erwarte, daß immer mehr alle Jene, denen das Wohl unseres theueren Vaterlandes am Herzen liegt, dazu Mitwirken werden, dem Lande vor Allem die Segnungen des inneren Friedens
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