Ausgabe 
7.11.1886 Erstes Blatt
 
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Lecker des Cholera-Bacillus, hierherkommen lassen. Dr. Koch scheint aber nur bei dem betr. Reporter seine Aufwartung gemacht zu haben, denn wie ich aus direk­tester Quelle erfahre weder die Medicinalbehörde noch irgend ein Arzt hier hat etwas von dem illustren Geheimrath gehört noch gesehen, wie über­haupt kein Mensch weiß, was Dr. Koch hier thun soll, da das Mitglied des Reichs­gesundheitsamts Dr. Gaffky gestern mit dem Bemerken abgereist, daß, da die Jncu- bationsfrist längst vorüber, seine Anwesenheit hier vollständig überflüssig sei. Mit Dr. Koch ist es also vorläufig hier noch Nichts. Interessant ist, was bei Lieser Gelegenheit erwähnt sei, wie überhaupt die ganze Alarmnachrichten über die vermeintliche Cholera in die Oeffentlichkeit gekommen sind. Obenerwähnter Lokal­reporter hat die erste Nachricht hierüber einer Reihe von Blätter mit dem Zusatz osficiell hierzu beauftragt" übermittelt. Nachforschungen haben nun ergeben, daß der Reporter die Nachricht von Herrn Polizeirath Travers, einem etwas ängstlichen Herrn, erfahren, der zufälliger Weise Kenntniß davon erhalten hatte, daß wegen mehrerer rasch auseinander folgender Cholerinefälle in Gonsenheim und Finthen eine Sitzung des Ortsgesundheitsraths einberufen werden sollte. Auf diese Art ist der ganze Skandal entstanden.

sEin verhängnißvoller Schuß.^ AuS Anna berg in Sachsen wird be­richtet: Der Fabrikant N. aus Raschau hatte auf einem Spaziergange nach dem nahen Wildenau Jagdhund und Flinte mitgenommen, um gelegentlich auf etwa ihm be­gegnendes Wild seines Jagdreviers einen Schuß abzugeben. Unterwegs jagte der Hund in 75 (Zentimeter hohem Grase einen Hasen auf. N. schoß; ein Klagelaut er­scholl darauf. Erschreckt trat N. näher. Vor ihm wälzten sich in dem hohen Grase zwei Kinder, der 6jährige Knabe und das 7jährige Töchterchen eines Raschauer Arbeiters, die sich, beim Graspflücken sich vor dem Gebell des Hundes fürchtend, in dem hohen Gesträuch versteckt hatten und von dem nichtsahnenden Jagdpächer ge­troffen waren. Der Knabe starb noch am selben Abend, das Mädchen ist weniger schwer verletzt.

♦anbei nnb Berike^r.

Gießen, 6. November. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfun'. «£ 0.90100, Hühnereier pr. St. 78 4, Enteneier St. 00 4, Käse pr. St. 59 4 KLsematte 30 4, Erbsen pr. Liter 20 4, Linsen 30 H, Tauben per Paar 50 bis 60 H, Hühner per Stück X 0 901.30, Hahnen pr. Stück JL 0.501.00, Enten per Stück 1402.00, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindste.fch 5456 H, Schweinefleisch 56-60 4, Hammelfleisch 50-66 H, Kalbfleisch 4650 A Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.505.00, Milch per Liter 1218 H, Zwiebeln per Centncr wtt 3.50-4.00.

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Auszug aus dm Staudesamtsreqiftrru des StaudrsamtS Gietzeu. (Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) Aufgebote.

Qctober: 30. Friedrich Eduard Rudolf Röhrle, Bierbrauereibesitzer dahier, mit Helene Clara Schmitt von Ettlingen. November: 2. Heinrich Schmidt, Sergeant

dahier, mit Christine Köhler aus Langsdorf. 2. Wilhelm Hansmann, Rangirer bei der Main-Wcser-Bahn dahier, mit Marie Euler von Albach, wohnhaft dahier. 5. Johannes Ludwig Karl Ratzlow, Sergeant dahier mit Anna Elisabethe Müller von Lang-Göns.

GheschtteHungerr.

November: 5. Johannes Kneifer, gebürtig von Breungeshain, Taglöhner dahier, mit Elisa Jochem von Ulfa, wohnhaft dahier. 5. Johannes Born von Homberg a. d. Ohm, Metzger dahier, mit Sophie Katharine Henriette Philippine Wacker von hier.

Geborene.

October: 30. Dem Gärtner Heinrich Eschmann eine Tochter, Katharine Elisabethe. 30. Dem Maschinenbauer Franz Brunow eine Tochter, Emilie Mathilde. 31. Dem Metzger Karl Keiner eine Tochter. November: 1. Dem Sergeanten und Bataillons­tambour Wilhelm Martiny eine Tochter, Elise Martha Elisabeth Christiane.

Gestorbene.

October: 30. Wilhelmine Krug, geb. Bott, 74 Jahre alt, Wittwe des Hof­gerichtsraths Carl Krug. 30. Wilhelmine Koch, geb. Gottschall, 39 Jahre alt, Ehefrau von schreiner Friedrich Koch. November: 1. Dem Metzger Jean Boller ein todt- geborenes Kind weiblichen Geschlechts. 2. Margarethe Zimmermann, 61 Jahre alt, ledig. 2. Max Adolf Weinmar, 1 Monat alt, Sohn von Fischhändler Adolf Weinmar. 4. Hermann Wilhelm Erich Gail, 4 Monate alt, Sohn des Tabaksfabrikanten Wilhelm Gall. 4. Calculator Louis Basiert, 51 Jahre alt.

Auszug aus dm Kirchenbücher« der Stadl Gießm.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 5. November. Johannes Kaiser, Taglöhner zu Gießen, und Elise Jochem. Tochter des Ackersmanns Johannes Jochem zu Ulfa.

Getaufte.

Den 31. October. Dem Schmied August Benk ein Sohn, Ludwig Wilhelm, geboren den 7. October.

Denselben. Dem Taglöhner Friedrich Weber ein Sohn, Heinrich Otto, geboren den 6. October.

Denselben. Dem Kleiderhändler Albert Handrich eine Tochter, Elsa Auguste, geboren den 30. September.

Denselben. Dem Fischhändler Adolf Weinmar ein Sohn, Max Adolf, geboren den 3. October.

Denselben. Dem Schneidermeister Jost Schneider ein Sohn, Otto Anton, geboren den 2. October.

Denselben. Dem .Kaufmann Friedrich Zöller eine Tochter, Erna Antonie Paula Therese, geboren den 26. September.

Den 3. November. Dem Ofensetzer Martin Melcher eine Tochter, Katharine Johanna Emilie, geboren den 10. October.

Beerdigte.

Den 1. November. Wilhelmine Koch, geb. Gottschall, Ehefrau des Schreiners an der Bahn Friedrich Koch, alt 40 Jahre, starb den 29. October.

Den 2. November. Wilhelmine Krug, geb. Bolt, Wittwe des .Hofgerichtsraths Carl Krug, alt 74 Jahre, starb den 30. October.

Den 4. November, Margarethe Zimmermann, ledige Tochter des verstorbenen Universitätsdieners Heinrich Zimmermann, alt 61 Jahre, starb den 2. November.

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Allgemeiner Anzeiger.

Christbescheerrrng

der Kleinkinder-Bewahranftalt.

Am 4. Adventssonntag den 19. December d. I. soll die Christ- bescheerung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden.

Wir haben in diesem Jahre für 227 arme Kinder so hoch war die Zahl niemals vorher den Christbaum zu schmücken und den Tisch mit Gaben zu decken

Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergl., besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen.

Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben; es hat also niemand das Recht, mit einer solchen Liste Gaben angeblich für unsere Anstalt zu sammeln.

Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Fräulein Bansa (Nord­anlage 41), Frau Bürgermeister Bramm (Ludwigsplatz 10), Frau vr. Brüel (Neuenbäue 41), Frau Amtsrichter Gebhardt (Gartenstraße 15), Frau Pfarrer Köster (Burggraben 15), Fräulein Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Fräulein Wortmann (Aster­weg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen.

Gießen, den 6. November 1886.

Der Borstand der Kleinkinder-Bewahranstalt.

Dr. Naumann, Pfarrer.

Totaler Ausverkauf.

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