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Berlin, 3. Juli. Der bekannte Abgeordnete und Rittergutsbesitzer Sombart, welcher bereits vor längerer Zeit sich lebhaft für die Colonmrung dünn bevölkerter Gegenden des Ostens bemüht hat, hat in der Provinz Bran­denburg ein Rittergut von 3000 Morgen bei dem gerichtlichen Verkauf erstan- den. EL soll dasselbe in sechs Vollspänner- zu je 240 Morgen, oier Halb­spänner- zu je 160 Morgen und 10 Kossaten-Höfe zu je 80 Morgen erngerrcytet werden, deren Preis sich auf je 36,000, 24,000 und 12,000 «4L stehen soll. Bei der Uebernahme soll ein Viertel der Kaufsumme baar ausgezahlt werden, während das zweite Viertel 10 Jahre lang zu 5 pCt. stehen bleiben kann; die beiden ersten Viertel sollen durch an erster Stelle einzutragende 4procentige Central-Pfandbriefe des neuen Brandenburgischen Credit-Jnstituts gedeckt werden. Kürzlich fand nun bereits die Vorlegung des Colonifations-Planes an Ort und Stelle statt. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt nun darüber Folgendes: Mehr als 100 Personen aus nah und fern waren erschienen, namentlich mar die Zahl der Bewerber um kleinere Stellen eine sehr große. Nachdem Herr Somdart die Karte und Planberechnung erläuternd vorgelegt hatte, wurden die Kaufbe­dingungen verlesen und besprochen. Während man im Allgemeinen dagegen nichts zu erinnern fand, stieß ein besonderer Punkt, nämlich die Bildung einer Walogenossenschaft, auf lebhaften Widerstand, sodaß derselbe gestrichen werden mußte. Darauf nahm man die Abfindungspläne an Acker, Wiese und Holzun­gen, welche geometrisch abgesteckt und durch große Pfähle bezeichnet waren, sowie die Gehöfte und Baustellen örtlich in Augenschein, wobei die Vertheilungsart der Grundstücke in den verschiedenen Culturorten ungetheilte Anerkennung ge­funden hat. _________

Telegraphische Depeschen.

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EmS, 5. Juli. Seine Majestät der Kaiser setzte heute früh die Brunnen­kur fort und machte nach derselben eine Promenade mit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Später nahm Allerhochstderselbe die Vorträge des Ober-Hof- marschalls, Grafen von Perponcher, und des Wirkl. Geh. Rathes von Wilmowsky entgegen. Zum Diner sind geladen der Militärbevollmächtigte in Petersburg, General ». Werder, Graf Adlerberg und einige andere hervorragende Personen.

Der Großherzog und die Frau Großherzogin von Mecklenburg - Schwerin statteten heute Mittag 12 Uhr Ihrer Majestät der Kaiserin in Coblenz einen Be­such ab.

München, 5. Juli. DieAllg. Ztg." meldet: Das Gesammtminifterium unterbreitet noch heute dem Prinzregenten sein Entlassungsgesuch. Morgen em­pfängt der Regent den Senat der Universität, am Mittwoch den österreichischen Gesandten.

Paris, 5. Juli. Das Strafgericht von Bourgoin erklärte sich in der An­gelegenheit der Vorgänge der Schließung der Kapelle von Chatauvilain übereinstimmend mit den Anträgen der Verteidiger für incompetent. Die Angeklagten kommen daher vor das Schwurgericht.

Belgrad, 5. Juli. Der Unterrichtsminister beabsichtigt, an Stelle der bis­herigen Gelehrten-Gesellschaft eine königliche Akademie der Wissenschaft und Künste zu begründen und die bisherigen Lehrer- und Priester-Seminare zu reorganisiren. Der Kriegsminister stellte ein Project der Militär-Reorganisation fest. Der Minister geht am 10. ds. nach Risch.

Zara, 5. Juli. Die aus drei montenegrinischen, ehemals türkischen, im Mai gewaltsam besetzten Dörfern ausgewanderten Mohamedaner überfielen, angeblich zwei­tausend Mann stark, in der Nacht zum 2. ds. Mts. Moikovac und fingen zwei mon­tenegrinische Capitäne, wurden jedoch mit Verlust zurückgetrieben und 60 Mann von ihnen eingescklossen.

Paris, 5. Juli. Der Senat hat die Vorlage, betreffend die allgemeine Welt­ausstellung im Jahre 1889, angenommen und die mit Deutschland unter dem 24. De- cember 1885 geschlossene Vereinbarung bezüglich der Grenzabsteckung in den west­afrikanischen Gebieten genehmigt.

London, 5. Juli. Die Morgenblätter veröffentlichen einen zwischen dem früheren Präsidenten des Lokal-Regierungs - Amts, Balfour, und Gladstone geführten Briefwechsel. Aus demselben ergibt sich, daß Gladstone im December v. I. den Tories seine Unterstützung zur Lösung der Frage der künftigen Verwaltung Irlands anbot und dabei hinzufügte, er besitze authentische Nachrichten darüber, daß hinter Parnell eine Macht stehe, welche zu Gewaltacten in England schreiten würde, wenn dem Verlangen der irischen Partei nicht durch ein wesentliches Zugeständniß Rechnung ge­tragen werde.

Konstantinopel, 5. Juli. Die über Triester Provenienzen, welche nach der adriatischen Küste der Türkei bestimmt sind, verhängte zehntägige Quarantäne ist auf sämnitliche österreichisch - ungarische Provenienzen des adriatischen Meeres ausgedehnt wordcn.

Lokale-.

Gießen, 6. Juli. Tagesordnung für die Stadtoerordneten-Sitzung am Donnerstag den 8. Anli 1886, Nachmittags 4 Uhr.

1. Vergebung der Hastischen Stiftungszinsen.

2. Revisionsbemerkungen zur Rechnung 1883/84.

3. Beschaffung des Bedarfs an Brennmaterial für das Jahr 1886/87.

4. Hagelschlag vom 1. Juni 1886.

5. Uebertragung der städtischen Armenpraxis an das akademische Hospital.

6. Neubau von Kliniken.

7. Die Erbauung einer neuen Caserne.

8. Die Herrichtung eines Militärbadeplatzes.

9. Die Erhöhung des Trottoirs auf dem Marktplatz.

10. Reparatur des Straßenpflasters vor dem Kreisamts-Gebäude.

11. Ausbau der Ostanlage.

12. Uebermölbung des Stadtbachs in der Westanlage.

13. Gesuch des Redacteurs E. Laris um Bauerlaubniß.

14. Desgleichen des Jean Böck.

15. Desgleichen des Jacob Helfenbein.

16. Desgleichen des Mechanikus F. W. von Gehren.

17. Gesuch des Vorstandes der katholischen Kirchengemeinde um Erlaubniß zur Ableitung von Abfallwasser.

18. Gesuch der Actienbrauerei Gießen betr. die Anlegung von Eisteichen.

. 19. Anschaffung von Schulöfen.

Gießen, 6. Juli. Ein recht gemüthliches Waldfest feierte am Sonntag der hrenge Veteranenverein am Hirtenbrunnen. Die große Menge der Festtheilnehmer zetgte so recht, welcher Sympathie sich dieser noch junge Verein bei dem Publikum erfreut und wir find überzeugt, daß unter den Hunderten der Anwesenden sich Niemand befand, der mcht befriedigt das schattige Waldplätzchen verlassen hätte. Selbst der gänzliche Mangel an Tischen und Bänken wurde von dem Publikum nicht so sehr empfunden, da nach Beginn der Spiele die Aufmerksamkeit nach allen Richtungen in Anspruch genommen wurde. Die erste und Glanznummer war eine Kinderpolonaise welche Die jungenDamen" undHerren" recht flott aussührten. Nach derselben bei gannen tue verschiedenen Spiele (Schaukeln, Sacklaufen, Springen, Topfschlagen, Wurst­schnappen u.s. w ), bei welchen es manche lustige Scene und Amüsement genug für Jung und Alt gab. Unter Absingen von Liedern und auf dem Tanzplatze gingen die Stunden rasch dahm und Manchem, namentlich aber dem jungen Volk kam der bei Eintritt der Dunkelheit erfolgte Rückmarsch etwas verfrüht vor. Die Veranstalter und Letter des Festes haben, sich ein Denkmal in den Herzen der Kinder gesetzt, ebenso diejenigen Kameraden, die der edlen Bäcker- und Metzgerzunft angehören, welche d e Lur Vertheilung gekommenen Bretzeln und Würstchen unentgeltlich lieferten. Die öftere

Wiederholung derartiger wohlgelungener Festlichkeiten wird dem Verein gewiß viele neue Freunde zuführen.

Gietzen, 6. Juli. Es dürfte noch nicht allgemein bekannt sein, daß der Eoong. Kirchcngesangverein seit Anfang dieses Jahres eine Ehorschule für Knaben unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Cantor Steiner, eröffnet hat.

Der Zweck dieser Einrichtung ist, für den Gottesdienst geiajultc Sanger zu ge­winnen, die einmal den Gesang der Gemeinde anführen, dann aber auch durch mehr­stimmigen Vortrag der Choräle den Gottesdienst 'beleben können. Angesichts der Ein­führung des neuen Choralbuchs, das doch nicht wenige der Gemeinde noch unbekannte Melodien enthalten wird, ist ein solcher Knabenchor für eine größere Gemeinde geradezu unentbehrlich. Die Knaben werden für ihre Mitwirkung im Gottesdienst nicht bezahlt» dagegen erhalten sie für jede Probe, die sie mitmachen (wöchentlich zwei), eine kleine Vergütung, die jedoch erst bei der Confirmation ausgezahlt wird. Auch nach dieser Richtung ist die Chorschule nicht ohne Bedeutung, da dereinst den Eltern diese vorr ihren Kindern selbst erworbene Beihilfe zur Confirmation sehr willkommen scm wirb«. e Um hierfür die Mittel zu gewinnen, wird der Kirchengesangverein Ende dieses Monats ein großes Kirchenconcert veranstalten, in dem ein historisches Programm mit Musik aus fünf Jahrhunderten, Chöre, Soli und Instrumentalmusik zum Vortrag, kommen wird. Auch die Chorschule selbst wird dabei mitwirken. Wir machen schon jetzt auf dieses Concert mit seinem interessanten Programm aufmerksam und wünschen ihm um seines Zwecks willen guten Erfolg.

Gießen, 6. Juli. In Berichtigung einer gestern gebrachten Notiz theilen wir mit, daß Herr General v. Wulfsen nicht zur Jnspection des hiesigen Regiments,, sondern zu der gestern und heute hier stattfindenden General-Musterung ein­getroffen ist.

50jährige Jubelfeier der technischen Hochschule ;u Darmstadt.

(Von unserm Specialberichterstatter.)

Darmstadt, 4. Juli Abends.

Der Ausflug nach Auerbach, von welchem wir soeben mittelst Extrazuges nach Darmstadt zurückgekehrt sind, hat der Jubelfeier unserer hiesigen Hochschule den richtigen Abschluß gegeben.

Heute Vormittag 9* Uhr entführte uns die Bahn nach Auerbach, von wo mir uns ohne Aufenthalt durch das Hochstädter Thal nach der Ruine Auerbach begaben.. Herrliches Wetter machte die an und für sich schon sehr lohnenswerthe Partie durch die herrlichen Laubwälder zu einer höchst genußreichen.

Durch den festlich geschmückten Eingang zur Burg hindurch gelangten wir in den Burghof, wo ein sehr opulentes Frühstück servirt war; Alles war aufs beste vorgesehen. Während man sich an Speise und Trank erquickte, spielte eine Musik­kapelle.

An Se. Königl. Hoheit den Großherzog und an Se. Majestät den Kaiser wurden Telegramme entsendet; ersteres lautete:

Des Großherzogs Königl. Hoheit bringt die in Auerbach vereinigte Fest­versammlung ein tief ehrfurchtsvolles tausendstimmiges Hoch!

worauf folgende Antwort einlief:

Für das auf mich ausgebrachte Hoch sage ich herzlichen Dank und freue mich, daß auch heute das Fest vom Wetter begünstigt war.

Ludwig.

Das Telegramm an den Kaiser hatte folgenden Wortlaut:

1000 Festtheilnehmer der 50jährigen Jubelfeier der technischen Hoch­schule zu Darmstadt entbieten in der von den Franzosen zerstörten Burg Auerbach Ew. Majestät den ehrfurchtoollften Gruß.

Gegen 12 Uhr wurde eine von einem früheren Schüler der technischen Hochschule verfaßte PosseEinst und Jetzt" durch Angehörige der Anstalt aufgeführt. Das launig geschriebene Stück erntete rauschenden Beifall. Der Inhalt desselben ist kurz folgender: Ein früherer Besitzer von Auerbach erscheint und sieht die große Versammlung, von der er nicht begreift, wie sie hier in sein Eigenthum eindringen darf, sieht die total veränderte Umgebung, die ihm ebenso räthselhaft bleibt. Der Maschinenbau, welcher mit seiner Gattin (Jngenieurwissenschaft) und seiner Tochter (Electrotechnik), der alten Tante Chemie, der Baukunst und einem Studio auftritt, klärt den Ritter Ehrenfried von Auerbach und dessen Sohn auf, indem er sich und seine Begleiter als die Ver­treter eines neuen Geistes, als die Mächte der Neuzeit einführt. Jedes Einzelne setzt nun seine Thätigkeit auseinander. Der Ritter ist befriedigt, verlobt seinen Sohn mit dem jüngsten Kinde des neuen Geistes, der Electrotechnik und ladet die Gesellschaft zu einer gemüthlichen Kneipe, worauf ein Salamander auf die technische Hochschule gerieben wird.

Nachdem wir noch die Ruine und die Aussicht vom Thurme nach der Rhein- ebene und in den Odenwald in Augenschein genommen, geht der Marsch nach dem Fürstenlager und Auerbach.

In der Krone daselbst erwartete uns ein sehr seines Diner, bei welchem der Director der Hochschule, Dr. Schmitt, für die vielen Huldigungen, die der von ihm vertretenen Anstalt dargebracht wurden, dankt.

Ein Tänzchen schloß sich an und dann zurück nach Darmstadt um im Saale der vereinigten Gesellschaft weiter zu tanzen.

Wenn wir nun auf die ganze Feier einen Blick zurückwerfen, so müssen wir sagen: Das Arrangement war ein äußerst gelungenes, der Festausschuß hat das Menschenmögliche geleistet, der Stadt Darmstadt gebührt ganz besonderer Dank

Einalter Herr" in den Sechzigern, einer der ältesten Schüler der Anstalt, der wett hergereist war, sagte uns:Wenn ich noch 50 Jahre lebe, komme ich wieder nach Darmstadt zur Säcularfeier und wenn ich mich überall hintragen lassen muß'" Wir glauben's ihm gerne.

Universität- - Chronik.

Die Errichtung eines neuen Lehrstuhls an der Universität Berlin für die Chemie der Nahrungsmittel wird geplant. Man darf jedoch mit Bestimmt­heit annehmen, daß es sich nur um eine außerordentliche Professur handelt AIS in Aussicht genommene Lehrkraft wird ein Mitglied des Reichsgesundheitsamtes genannt.

In Breslau wird eine ordentliche Professur für Hvgicine errichtet werden. '

Hannover sind von 43 Theologen, die sich zum ersten Examen ge- nelde hatten, 2 zuruckgeteeten und 9 wurden zuruckgewiesen (2 für Immer wegen bodenloier Unimstenhctt). Jin zweiten Examen sind 2 zuruckgcwiescn worden. b

Vermischt« ».

?uli. Eine großartige Schenkung von hcroorragcndcr wissen- schastsicher Bedeutung hat der h.enge Umversttätsi-rofessor Freiherr v. Fritsch uns rem Mmeraloguck-n Museum gemacht. Dieselbe bestehl in einer Sammlung von Ber- fteinerungen im Weilhc von 50,000 JL "6 0011 ^er'

. _ - die'-m Jahre sind 800 Jahre verflossen, seitdem Ludwig II. (der Svrinaerl das Benediklmerkloster Remhardsbrunn (R-inherigsbrunn) erbaute Er batte den ersten Mann semer Gattin Adelhaid/den Pfalzgrafen Friedrich III. von Sachs n auf der Jagd ermorden lasten und als Sühne dafür legte er im Jahre 1086 den Grund zum Kloster. Er itarb als Mönch daselbst im Jahre 1123. 9 Uöb ® ®

~ . (Ehrentafel.) Der in Straßburg verstorbene Professor Dr Cunitz bat nach Abzug ewiger unbedeutender Legate sein Vermögen im Betrage von etwa 180 000 sowie feine werthvolle Bibliothek der dortigen Universität vermach? ' 1

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