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London, 4. November. Meldung des Bureau- Reuter aus Allahabads Der Pioneer" veröffentlicht eine Nachricht aus Ccmdahar, wonach verlautet, daß eine aus Leuten des Duranistammes bestehende Truppenabtheilung auf dem Wcge von Kabul bei Muklar von Ghilzais angegriffen und aufgerieben worden sei.

Montevideo, 4. November. Das neue Ministerium ist folgendermaßen zu­sammengesetzt: Blanco, Auswärtiges, Raminez, Inneres, Marquez, Finanzen, Aureliano. Justiz und Larreta, Krieg und Marine.

Hutt, 4. November. An Bord des DampfersCartago Nova" aus Newcastle fand heute Nachmittag, während die Ladung gelöscht wurde, eine Kesselexplosion statt, wobei sechs Personen getödtet und zwischen zwanzig und dreißig verwundet wurden.

New-Pork, 4. November. Bei den Wahlen zur Legislatur drohte dem Sprecher des Unterhauses, Carlisle, eine Niederlage. Derselbe erhielt nur eine geringe Majorität^ Indiana wählte republikanisch. Das Resultat der Wahlen in (Kalifornien ist noch nicht vollständig bekannt, wahrscheinlich siegten die Republikaner. Das Repräsentantenhaus der Legislatur von Vermont nahm ein Gesetz an, wonach weiblichen Personen, welche Steuern zahlen, das Stimmrecht verliehen wird.

Lokale-.

Gießen, 5. November. Die Stadtverordneten haben gestern Nachmittag in einer ad hoc berufenen Versammlung einem an dieselben gestellten Ansinnen wegen Errichtung eines Jsoltrhauses dahin entsprochen, daß die Errichtung einer Baracke beschlossen wurde. Mit der Erbauung derselben wurde bereits heute Morgen der An-^ fang gemacht und kommt solche in die Nähe der zu erbauenden neuen Kliniken an der Frankfurter Straße zu stehen. Die Baracke ist vorläufig für acht Betten projectirt» Möge dieselbe für ihren Zweck lange leerstehen.

Gießen, 4. November. Der zweite Vortrag des Herrn Oscar Zack fand am Mittwoch Abend vor fast überfülltem Saale statt und wurde mit enthusiastischem Beifall aufgenommen; selbst die Damen ließen es sich am Schlüsse nicht nehmen, herzlich in den Applaus mit einzustimmen, und so konnte die Wirkung des Vortrages als zündende betrachtet werden.

Die slovenische AlpensageZlatorog", welche den Kern zu Baumbach's Dichtung bildet, lebt noch heute bet alten Hirten im oberen Thal des Jssnzo (Soca) fort und kehrt in allen Theilen des Hochgebirges wieder, so auch in den julischen Alpen, wo sie sich an dw oben Felsenmeere des Triglav (Terglow) knüpft. In Baumbach's Dichtung tritt die Sage im flavischen Gewände auf und hat es der Dichter verstanden, seine vortrefflichen Gaben herrlich zu entfalten, im unübertrefflichen Humor Meister, wie in tiefempfundenen, ergreifenden ©eenen, die an dramatischer Gestaltung wahrhaft groß dastehen, um so mehr, wenn sie auf so charaeteristifche Weise vorgeführt werden, wie sie Herr Zack zu bringen verstand. Er .schien bei seinem Vortrage die ganze Begebenheit zu durchleben und entledigte sich feiner hohen Aufgabe mit dem besten Verstandniß.

Zum allgemeinen Ergötzen trug das lustige Abenteuer vom Häslein, ebenfalls erne Perle Baumbach'scher Poesie, welche den Schluß des Abends bildete, bet. Es wurde herzlich gelacht und wir glauben, daß selbst die sehr drastischen Momente, welche Baumbach nun einmal nicht übergehen kann, von Niemandem übel genommen wurden; denn der Vortragende wußte das ganze Merkchen so harmlos und unschuldig zu geben, daß man aus dem Lachen gar nicht herauskam. w. b.

BerurischteS.

Lich, 4. November. Gestern Abend mit Eintritt der Dunkelheit wurde die Einwohnerschaft durch plötzlichen Feuerlärm erschreckt. Es stellte sich heraus, daß das Feuer glücklicherweise nicht im Orte selbst ausgekommen, sondern daß es ein etwa eine Viertelstunde von Lich entfernt, im Felde nächst der Straße Lich-Laubach sitzender Strohhaufen war, welcher brannte. Hinsichtlich der Entstehungsursache des Feuers herrscht die Vermulhung vor, daß eine absichtliche Brandstiftung vorliege.

Darmstadt, 4. November. Auch in den letzten Tagen sind in den Gemeinden Gonsenheim und Finthen choleraverdächtige Erkrankungen nicht vorgekommen und scheint conftatirt, daß die in Finthen zuletzt erkrankte Person, die beinahe genesen ist, nur an Durchfall gelitten hat. Unter diesen Umständen hat der von dem Reichsamt des Innern in die gedachten Orte entsandte Regierungsrath Dr. Gafsky beschlossen, heute nach Berlin zurückzukehren. lD. Z.)

A. B. Mainz, 4. November. Entgegen den ungeachtet aller von berufener Seite gegebenen Versicherungen, daß von keiner Choleragefahr keine Rede mehr, immer ' Ä^oer in der Presse hie und da auftauchenden Allannnachrichten, wurde mir heute Morgen von der Medicinalbehölde amtlich mitgetheilt, daß seit den mehrerwähnten Krankheitserscheinungen in Gonsenheim und Finthen bis heute kein Krankheitsfall mehr vorgekommen und in Gonsenheim die Jncubationsfrist bereits dreifach und in Finthen mehr als je angenommen verstrichen, mithin wenn überhaupt eine gefahrvolle Kranke heitserscheinung vorhanden, solche als vollständig erloschen zu betrachten. Dr. Gaffky üom Reichsgesundheitsamt in Berlin ist heute Morgen wieder abgereift, nicht ohne oorrjer sich entschieden gegen die von dem Kreisamte Bingen erlassene Verordnung, daß Gemuseoerkäuferinnen von Finthen und Gonsenheim den dortigen Markt nicht mepr betreten dürfen, wie überhaupt gegen jede und insbesondere gegen die von einem unberufenen Rechtsanwalt in derFranks. Ztg." befürwortete Absperrung der mehr- genannten Orte durch Militär auszusprechen.

r [öelbftmorb aus Liebes Aus Wiesbaden wird geschrieben: Unwider­stehliche Sehnsucht nach seiner geliebten, ihm kurz nach der Verlobung durch den Tod entrissenen Braut hat einen reichbegabten jungen Mann, den Chemiker W. hier, den tragischen Entschluß fassen und ausführen lassen, sich das Leben zu nehmen. Am 31. v. M., Nachmittags gegen 3 Uhr, fand man links von der Platterstraße, zwanzig Minuten oberhalb der Poths'fchen Villa, 15 Schritte im Walde die Leiche des bedauerns- werthen ^urlglings. Die eine Hand umfaßte noch das Fläschchen, welches das tobt- bringende Gift (Cyankali) -enthalten hatte. In der Brieftasche fanden sich neben einem Blumenstrauschen die letzten Zeilen des Entschlafenen, in denen er seine An­gehörigen um Verzeihung für feine eigenmächtige That bittet und als letzten werden auS^rtc^' er möge "eben seiner geliebten Braut zur ewigen Ruhe bestattet ,, .. Arikou, 1. November. Ein entsetzlicher Doppelmord und Selbstmord hat die hiesige Bevölkerung in Aufregung versetzt und zwei Familien unglücklich gemacht. Seit H v. Mts. wurden die 23jährige unverehelichte Hillebrand von hier und deren lffahriger Bruder, sowie der unverehelichte Schmitz, ein Bursche von etwa 22 Jahren, vermißt. Dieselben waren am Montag früh gemeinsam in den Wald gegangen, um £>olj zu sammeln, kamen aber Abends nicht zurück, so daß am Dienstag Morgen die ^e}5) i cn veranlaßt sahen, Nachforschungen nach den Vermißten anzustellen, welche den ganzen Tag über fortgesetzt wurden, aber feinen Erfolg hatten. Gestern B!°rg-n begab sich wieder nun eine größere Anzahl Leute in den (südlich von der Stadt liegenden) ausgedehnten Wald aus die Suche. Obwohl ein Verirren in dem­selben sur Nichtortskundige leicht möglich ist, war die Annahme hier ausgeschlossen und blieb nur ein Unglück oder Verbrechen zu befürchten. Leider war diese Furcht be­gründet, denn die drei Vermißten wurden als Leichen aufgefunden. Die Hillebrand lag mit gespaltenem Kopfe am Boden, in ihrer Nähe der Knabe, dem mit der Axt ein Arm durchhauen war, wahrend Schmitz ebenfalls in unmittelbarer Nähe des schauer­vollen Ortes an einem Baume erhängt gefunden wurde. Der Anblick war ein Ent- faen erregender und ließ keinerlei Zweifel übrig, daß es sich hier um ein fürchterliches Verbrechen handelt.

^m^^sdruckerei in Berlin beschäftigt gegenwärtig 95 Künstler und ständige Arbeiterinnen, Lehrlinge und Burschen. Von dem Umfange der Dhatigkeit in diesem Institut gibt die Thalsache einen Begriff, daß die der Nel^dmckereian oder für Behörden zu liefernden gewöhnlichen Drucksachen rund 120 Millionen Bogc.l jährlich beträgt, davon für die Post- und ^-k^^^EUverwaltung allein über 13 Millionen Bogen und 60 Millionen Stück in Karten. An Postkartenformularen wird ein Bestand von 12 Millionen J?Ucmjm0er gehalten. Jin Ganzen hat die Reichsdruckerei im letzten Arbeitsjahre verschiedensten Werthzeichen im Nennwerthe von 2059,90 ta Ä icbtm Arb-'tst°g° ung-sähr 3,5 Millionen Stück

geführt hat. Der genannte District, den Serbien al« sein Gebiet reclamirte, war auch nach Beendigung de« serbisch-bulgarischen Krieges fettens der Bul­garen besetzt geblieben, bis diese nunmehr Bregova geräumt haben und hiermit dürste auch der letzte zwischen den ehemaligen Gegnern noch schwebende Differenz­punkt beseitigt sein.______________________________________________________________________

Berlin. DiePolitischen Nachrichten" schreiben:

Die Zeitungen brachten vor einigen Tagen den Gesetzentwurf, betreffend die Nachahmung französischer Erzeugnisse außerhalb Frank­reichs, welchen der Handelsminister Lockroy dem französischen Abgeordneten­hause unterbreitet hat. Es wurde dabei auf die Aehnlichkeit dieses Gesetzes mit dem Spionengesetz und auf die verwerflichen Verhältnisse hingewiesen, welche durch die, von falschen Gesetzen hervorgerufenen Verdächtigungen und Angebereien herbeigeführt werden müffen. Mit berechtigter Entrüstung be­richten die Zeitungen täglich auch über die Artikel der Patriotenpreffe, in denen französische Häuser denuncirt werden, weil sie deutsche Maaren führen oder Angehörige des Deutschen Reiches beschäftigen. Jetzt ist sogar ein Gesetz­entwurf eingebracht worden, nach welchem von fremden Arbeitern eine be­sondere Abgabe erhoben werden soll; damit sollen doch hauptsächlich die Deutschen getroffen werden.

Wir theilen die Entrüstung über ein solches Vorgehen vollkommen, ver­mögen uns denen aber nicht anzufchließen, welche zur Vergeltung von Deutsch­land ein ähnliches Vorgehen verlangen. Frankreich bekundet durch die erwähnten Maßregeln nur das Gefühl der Angst und Schwäche, welches alle Schichten der Bevölkerung im Hinblick aus Deutschlands Machtstellung und industrielle wie kaufmännische Befähigung durchdringt. Deutschland wird es' hoffentlich als unter seiner Würde liegend erachten, aus jene Aeußerungen der Schwäche zu antworten. Die Deutschen aber könnten immerhin noch etwas mehr thun, um, wenn auch nicht in der krankhaft chauvinistischen Weise wie die Franzosen, ge> rade auf dem Gebiete des geschäftlichen Verkehr- etwas mehr dem patriotischen Empfinden Rechnung zu tragen.

In dieser Beziehung möchten wir heute nur aus eine Aeußerlichkeit aufmerk­sam machen, in der jedoch ein weit verbreiteter Mißbrauch zu erblicken ist. Wenngleich wir sehr weit von denen entfernt stehen, die heute mit einem dem französischen ähnlichen Chauvinismus nach jedem Fremdwort aus der Jagd sind, um es auszumerzen und mit kaum möglichen deutschen Worten zu übersetzen, wenngleich wir von diesem, häufig an Simpelei streifenden Gebühren, wenn es dauerndeü Erfolg haben sollte, eine Verarmung unserer Sprache befürchten, so erscheinen uns doch, wie überhaupt alle unnütz angewendeten Fremdwörter, vor Allem abstoßend die französischen Bezeichnungen, welche wir auf den Schildern unserer Geschäftsleute häufig finden.

Gehen wir durch die Hauptstraßen unserer, doch wahrlich gut deutschen Reichshauptstadt, in denen die sich drängende Menge hoch aufjubelt, wenn sie zufällig das Glück hat, den geliebten Kaiser in seinem Wagen zu sehen, die auch freudig bewegt und mit Stolz erfüllt wird, wenn in straffer Haltung unsere Truppen vorüberziehen, welche die deutsche Einheit, in schwerem Ringen gegen d Franzosen, mit ihrem Blute erkämpft haben. Was sieht unser Kaiser, was lei^n diese Truppen, wenn sie im Vorüberziehen die Aufschriften jener Läden b.-trachten? Da steht in großen goldenen Lettern: Grand Magasin! Nouveautds de Paris, Confection Dentelles, Broderies, Soirie, Lingerie u. s. w. Jede Versertigerin von Damenhüten, auch wenn ste ihre Kundschaft nur unter den Küchenmädchen hat, schreibt groß über ihr FensterModes, und einen Schnei' dermeister sucht man vergebens, höchstens findet man einenMarchand tailleur Auch der Haarschneider und Barbier hält es für erforderlich, seine Dienste durch eine französische Aufschrift dem deutschen Publikum zu empfehlen. Wir haben keinen Ausdruck, um die Albernheit dieses Beginnens genügend zu kennzeichnen, welches sicherlich weniger auf Mangel an patriotischer Empfindung, als auf einen gedankenlosen alten Schlendrian zurückzusühren ist, mit dem die schlechten Gewohnheiten einer früheren Zett festgehalten werden.

Heute aber sollte man doch jenem rücksichtslosen Verfahren der Franzosen gegenüber etwas feinfühliger sein und den sich aus allen Gebieten bethätigenden Geist nicht durch französische Aufschriften verletzen. Wir glauben, daß dieser Hinweis, in gegebener Zeit wiederholt, genügen wird, um diese lächerliche Fran- zösischthuerei allmälig verschwinden zu lasten; die guten deutschen Patrioten könnten diese Verwandelung aber recht nachdrücklich beschleunigen, wenn sie die Geschäfte mit deutschen Aufschriften bevorzugen wollten.

......... .. .. .....................................Mimr

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 4. November. Unterstaatssecretär Jacobi ist unter Verleihung des Charakters eines wirklichen Geheimen Rathes zum Staatssecretär des Reichsschatzamts ernannt worden.

Berlin, 4. November. Der Kaiser empfing Vormittags den Prinzen Ferdinand von Hohenzollern und den Fürsten Anton Nadziwill, nahm sodann Vorträge des Kriegsministers und des Generals Albedyll entgegen und machte Nachmittags eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr hatte der Staatssecretär Bismarck Vortrag. Morgen Nach­mittag beabsichtigt der Kaiser zur Hofjagd nach Springe zu reifen.

Berlin, 4. November. Der Etatsentwurf des Reichsschatzamts weist auf- An Ausgaben JL 153,404,386 (weniger JK 2,130,280). Das Minus entfällt auf die Minderherauszahlungen an die Bundesstaaten aus den Erträgen der Stempelabgaben welche mit JL 19,684,000 gegen JL 22,375,000 im Jahre 1886 angesetzt sind Unter den Ausgaben sind hervorzuheben 2,600,000 Dispositionsfonds für den Kaiser au Gnadenbezeugungen (mehr M 200,000), die Ueberweisungen an die Bundesstaaten aus Zöllen und Tabaksteuer 129,083,000 (mehr JL 483,000). Die einmaligen Ausgaben betragen 7,400,000, nämlich JL 400,000 sechste Nate für den Bau des kaiserlichen Palastes in Straßburg, 4 resp. 3 Millionen Reichsbeitrag zu den Kosten des rroll- anschlusses von Hamburg und Bremen.

Marburg, 4. November. Landtagswahl. Amtsgerichtsrath v. Stiernberg (conf) wurde mit 114 Stimmen gewählt. ö v 1

Wie«, 4 November Cholerabericht. In Pest ist keine neue Erkrankung vor- gekommen. Zwei früher Erkrankte sind gestorben.

Paris, 4. November. Grevy präsidirte heute Vormittag einem Ministerratbe Ein Telegramm desTemps" ans Timowa meldet, daß die Sobranie eine aeheime Sitzung abgehalten und Mittheilungen der Regierung über Pourparlers mit den Zankowisten entgegengenommen habe. Die Bedingungen der Zankowisten seien als unannehmbar erachtet, weil sie die Demission der Regentschaft und Bildung eines neuen Mlmsteriums Vorschlägen, worin Kaulbars zwei Jahre die Functionen eines außer­ordentlichen Commissars ausüben solle. Stambulow theilte ferner mit, die Pourparlers über einen Rußland genehmen Thronkandidaten hätten nicht zum Aiele aefübrt weil der betreffende Candidat abgelehnt habe, lieber einen anderen von Stambulow an- gebeuteten, ebenfalls dem russischen Hofe verwandten Candidaten sei eine Entschließung

"^.?efaßt, weil man erst die Ansicht der Pforte hören wolle, welche vor zwei Tagen nicht erlangbar sei. 8