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Chemnitz, 31. Mai. Hier ist eine Massenerkrankung ausgetreten, die, wie man vermuthet, durch den Genuß mit Anilin in fahrlässiger Werse vergifteten roh gehackten Rindfleisches herbeigeführt sein soll und das größte Aufsehen macht. Daß dieselben durch den Genuß des genannten Fleisches verursacht wurden, welchem beim Schlächter- Günther in der Klosterquergasse Hierselbst erkauft ist, steht amtlich fest, doch will man jetzt auch in ärztlichen Kreisen die Beschaffenheit jenes verhängnißvollen Fleisches und also den eigentlichen Grund der Erkrankungen nicht kennen. Die Sache nimmt in Folge dessen einen etwas mysteriösen Character an und es ist im Interesse des öffentlichen Wohles dringend zu wünschen, daß der beunruhigenden Bevölkerung von sachverständiger oder behördlicher Seite baldmöglichst klarer Wein eingeschenkt werde. Den betreffenden Schlächter beschuldigt man hier allgemein, durch arsenhaltiges Anilin das gehackte Fleisch aus dem Grunde gefärbt und fahrlässig vergiftet zu haben, um seiner Waare bei der großen Hitze der letzten Tage für längere Zeit ein frisches Ansehen zu geben. Der Mann bestreitet jedoch sehr energisch, sich solcher strafbaren Manipulation schuldig gemache zu haben, auch behauptet er, das Fleisch sei im Schlachthause in vorschriftsmäßiger Weise untersucht und für gesund befunden worden. Die Zahl der Erkrankten ist bis jetzt auf mehr als 160 gestiegen. — Ein späterer Artikel besagt Folgendes: Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Erkrankungen auf den Genuß rohen Rindfleisches zurückzuführen sind, doch auch noch heule will man über die eigentliche Beschaffenheit dieses Fleisches im Unklaren sein, obgleich aufgefundene Proben davon sofort den Sachverständigen vorgelegt sind. Es wird hier, wie schon erwähnt, allgemein eine Vergiftung mit arsenikhaltigem Anilin angenommen, doch wie von sachverständiger Seite mitgetheilt wird, dürfte eine solche ausgeschlossen sein, damit behält die aufregende Angelegenheit vorläufig noch immer ihren mysteriösen Charakter. Da die Krankheitserscheinungen von heftigem Erbrechen, Durchfall und Gliederlähmung begleitet sind, so hat sich in der Stadt und Umgegend das tolle Gerücht verbreitet, es sei die Cholera ausgebrochen und man suche das zu vertuschen. Auf das Widersinnige solcher Redereien braucht nicht erst hingewiesen zu werden. Aus Dresden waren Sachverständige hier, um die sensationellen Krankheilserscheinungen zu untersuchen.
Elpenrod (im Kreise Alsfeld), 2. Juni.
Am vorigen Sonntag, als den 30. Mai, beehrte uns der Gesangverein von Heuchelheim (circa 60 Mitglieder zählend), unter Leitung des dasigen Lehrers Schneider, mit einem erfreulichen Besuche in Elpenrod.
Nachdem derselbe bei Gastwirth Zoll u. Langohr das Frühstück genossen hatte, sang er zwei sehr schöne, der Sonntagsfeier angemessene Lieder, welche nicht störend auf den Gottesdienst waren, da derselbe erst Nachmittags um 1 Uhr hier beginnt.
Nach dem Mittagessen machte der Verein einen kleinen Ausflug nach Hainbach, welches von hier nur eine Viertelstunde entfernt ist und Lehrer Schneider früher da als Lehrer angestelll war.
Schade, daß die Mitglieder des Vereins, welche zum ersten Male in hiesiger Gegend waren, durch das trübe und regnerische Wetter die schöne Aussicht auf dem Bergrücken zwischen Elpenrod und Hainbach dem Ohmthal hinunter von Homberg bis Amöneburg nicht haben konnten.
In Hainbach trug der Gesangverein in dem geräumigen Saale bei Gastwirth Liehr einige Lieder vor und kehrte gegen 4 Uhr Nachmittags wieder nach Elpenrod zurück.
Hier angekommen, sang der Verein bis zu seiner Abreise noch mehrere sehr schöne und melodische Lieder, wofür wir demselben hiermit unseren öffentlichen Dank
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