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6.6.1886 Erstes Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Vrri- vierteljährlich 2 Mark LH Pf. «A

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 M«r? 5$

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Gießen, am 5. Juni 1886.

Betreffend: Die Bildung der für das Jahr 1886|87 nöthigen Weinsteuereinschätzungscommifsionen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 20. Mai 1886 Gießener Anzeiger Nr. 118 binnen drei Tagen.

Dr. B 0 ekmann.

Gefunden: 1 Portemonnaie, 1 Kinder-Taschentuch, 1 Medaille, 1 Eßlöffel, 1 Lesebuch, 1 Gewichtstein, 1 Paar Militärhandschuhe, 1 Studenten­mütze, 1 Schraubenschlüssel.

Augeflogen. 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 5. Juni 1886. Großherzogliches Polizei amt Gießen.

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den 23. Mai d-A « Westphälischen tzl m den Müller Phi' ufen ausgesprochene ileumbung- wenn es ,1 hiermit als * liomehr. als solches Tritten geschehe»- ini 1886.

Heinrich Maa.

Mädchen arbeit auf,Johan»! Wrburgerstranc^ -^ol.-Mes übernimmt U»1^ fl£ Leichentvart-k hen.

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Aeutschkand.

Berlin, 4. Juni. Das Abgeordnetenhaus genehmigte nach unerheblicher Debatte die dritte Lesung des Gesetzentwurfes der nassauischen Gestndeocdnung, ebenso in zweiter Lffung die Vorlage, betr. die Kantongefängnisse in der Rhein­provinz nach den Commissions-Beschlüssen bis auf § 5, wonach die polizeilichen Strafgelder künftig in die Staatskasse fließen sollen; dieser Paragraph, welcher von der Commisston gestrichen worden, wurde nach der Regierungs-Vorlage an­genommen. Der Antrag Seer, betr. den Verkehr auf Kunststraßen, wurde in der Commissions-Fassung unter Ausdehnung des Entwurfes aus die Provinzen Schlesien, Wsstpreußeu und Posen in zweiter Lesung angenommen. Hieraus vertagte sich das Haus. Morgen definitive Abstimmung über das Lehrer- Anstellungsgesetz und dritte Lesung des Antrages Seer.

Die Branntweinsteuer-Commsssion lehnte in der heutigen zweiten Lesung den § 1 der Vorlage ab, womit die ganze Vorlage gefallen ist, und^ beschloß die Erstattung eines schriftlichen Berichtes an das Plenüm durch Spahn. Der Bericht soll am 22. Juni festgestellt werden.

England.

London, 4. Juni. Das Unterhaus vertagte nach achtstündiger Debatte die weitere Berathung der Homerule-Bill auf heute. Im Laufe der Debatte forderte der irische Obersecretär John Morley Diejenigen, welche das Schicksal der Vorlage in der Waage hielten, auf, die ernsten Folgen ihres Votums wohl zu bedenken.

Spanien.

Madrid, 4. Juni. DerJmparcial" veröffentlicht eine den Bot­schaftern am 18. Mai zugestellte Note, worin der Sultan von Marokko gegen das Einlausen europäischer Schiffe in Häfen ohne Zollämter protestirt und her­vorhebt, die Schiffs würden sich hierdurch Gefahren aussetzen, ohne daß sie deshalb Reciamationen erheben könnten.

Bulgarien.

Sofia, 4. Juni. Der Justizminister gab wegen einer Meinungsver­schiedenheit mit den übrigen Cabinets-Mitgliedern seine Entlassung. Die So- branje ist auf den 14. d. Mts. einberufen. Der Fürst ist abgereist, um den König von Rumänien zu besuchen und wird Montag zurückerwartet.

Telegraphische Depeschea.

teLegr. KorrespsndMz-VVres«.

Berlin, 4. Juni. Der Bundesrath beschloß, dem Anträge des Ausschusses, betreffend die Errichtung einer physikalisch-technischen Neichsanstalt, zuzustimmen, ferner der vom Reichstage am 4. April beschlossenen Abänderung des Gerichtsverfassungsgesetzes nicht zuzustimmen.

Nordhausen, 4. Juni. Zwischen Herreden und Hochstedt im Landkreise Nord­hausen sind abermals in Folge eines Wolkenbruchs Häuser eingestürzt und Brücken, darunter größere eiserne, fortgeschwemmt worden.

Breslau, 4. Juni. Nach derSchl. Ztg." treffen Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Theresia am 6. d. M. Hierselbst ein.

Brüssel, 4. Juni. Heute begann vor dem Geschworenengerichte der Proceß gegen den Aoookaten Defuisseaux als Herausgeber und gegen Mähen als Drucker des Eatechisme du peuple".

Rom, 4. Juni. Cholera-Bericht. Vom 3. bis 4. Juni, Mittags, kamen in Venedig 32 Erkrankungen und 21 Todesfälle vor, darunter 16 früher Erkrankte; in Bari 5 Erkrankungen und 1 Todesfall. Zwei gestern in Florenz vorgekommene, tödt- lich verlaufene Erkrankungen wurden für sporadische Cholera erklärt._________________

Lokale-.

Gießen, 5. Juni. Bei dem am 23. Juni hier stattfindenden Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission wird Herr Pfarrer mh eld von Arheilgen die Festpredigt halten und Herr Pastor Rade aus Schönbach im Königreich Sachsen die Verhandlungen überWeltlicher und christlicher Hausierbuchhandel" mit einem Referat einleiten. Herr Pastor Rade ist mit dieser Sache besonders vertraut. Be­müht, von seiner Gemeinde die verderbliche Colportageliteratur ferne zu halten, hat er sich mit einem Buchhändler, der dergleichen vertreibt, in Beziehung gesetzt und liefert ihm unter dem PseudonymPaul Martin" eine vortreffliche Lutherbiographie, '

die nun statt der schlechten Romane in kleinen Heften colportirt wird. So steht denn ein interessanter Vortrag zu erwarten.

Gießen, 5. Juni. Die am 26. Mai in Frankfurt a. M. abgehaltene All­gemeine Missionsconferenz für die Provinz Hessen-Nassau, das Großherzog- thum Hessen, den Kreis Wetzlar, nahm auf Grund eines Vortrags des bekannten Missionsinspectors Dr. Fabri über:Die Aufgaben, welche die neuen deutschen Colonialerwerbungen der evangelischen Missionsarbeit stellen", folgende beide Reso­lutionen an:

1) Die Conserenz spricht auf Grund des von Herrn Missionsinspector Dr. Fabri gehaltenen Vortrags ihre Ueberzeugung aus, daß dem deutschen Reiche aus der ihm nach Gottes Fügung zugefallenen Machtstellung in Mittelasrika die Aufgabe erwachsen sei, die offene Wunde Afrikas zu heilen und den dort im Schwange gehenden Sclavcn- raub und Sclavenhandel allmählig zu unterdrücken.

2) Die Conferenz fordert dringend zur Verbreitung des von der Halle'schen Missions-Conferenz erlassenen Aufrufs zur Sammlung von Beiträgen für evangelische Missionsunternehmungen in den neuen deutschen Colonien auf. Sie hält es im Ein­klang mit den Gutachten berufener Missionskenner für rathsamer, diese neuen Unter- .. ihmrwgen durch die schon bestehenden und dafür mit reichen Erfahrungen ausgestattetcn ^issionsgesellschaften, als durch dafür eigens zu gründende betreiben zu lassen und befürwortet daher die Ueberweisung der gesammelten Gelder an die Barmer und an die Baseler Mission, welche beide, jene in Neu-Guinea, diese iuKamerun, zum Eintritt in die neue Missionsaufgabe rüsten.

Nach Beschluß der Versammlung soll die Conferenz auch künftig in Frank­furt a. M. statt, wie früher, in Wetzlar, tagen.

Gießen, 0. Juni. sKreislehrerconferenz zu Gießen am 2. Juni, j Die Conferenz wurde in dem großen Saal der Stein'schen Besitzung abgehalten und nahm Vormittags 10 Uhr ihren Anfang. Von Mitgliedern der Kreisschulkommission waren anwesend der Vorsitzende Herr Provinzialdirector Dr. Boekmann und die Herren Kreisfchulinspector Büchner, Realgymnasial-Director Nodnagel und Kirchen­rath Dr. Strack. Lehrer nahmen Theil 157 und einige Gäste.

Nachdem der Herr Vorsitzende die Conferenz mit Begrüßung der Lehrer er­öffnet hatte, sangen die Lehrer des Confercnzbezirks Lich-Hungen das LiedMil dem Herrn fang alles an", welchem noch ein zweites folgte. Beide Lieder wurden gut vor- gettagen und den Sängern von d'em Herrn Vorsitzenden der Dank für ihre Leistung ausgesprochen.

Darauf gab Herr Kreisfchulinspector Büchner, nachdem er in einem kurzen einleitenden Wort auf die Bedeutung der Conferenzen für die Weiterbildung des Lehrers und Anregung zur freudigen und gewissenhaften Erfüllung seines practifchen Berufs hingewiesen, einen Uebei*blick über den Zustand der Volksschulen im Kreise Gießen, wie über die Ergebnisse der Lehrerthätigkeit in den letzten drei Schuljahren. Als von allgemeinem Interesse heben wir daraus hervor:

In dem Kreise Gießen bestehen zur Zeit 77 Volksschulen mit zusammen 148 Klassen, erweiterte Volksschulen 2 mit 4 Klassen, zusammen 152 Klassen mit 11387 Schulkindern, 864 Schüler mehr als am Ende 1882. Das Rettungshaus zu Arnsburg zählt 32 Schülerinnen gegen früher 28; der Unterricht wird von 2 staatlich geprüften Lehrerinnen ertheill, von welchen die eine Schwester aus dem Diakonissen­haus in Darmstadt ist.

Fortbildungsschulen bestehen in allen Gemeinden in 87 Klassen. Handarbeits­schulen sind ebenfalls in allen Gemeinden vorhanden. Für Neubauten Schulhäuser oder nur Schulsäle wurden von 6 Gemeinden 114,800 Mark, für größere Repara­turen 6310 Mark aufgewendet.

Lehrer - Conferenzen wurden jährlich 4 in jedem der drei Conferenz-Bezirke Gießen, Grünberg, Lich-Hungen abgehalten. Das Programm für dieselben ist: Probe- lection reinwissenschaftlicher Arbeit, eine Arbeit für den praktischen Beruf, Diskussion darüber, amtliche Besprechungen, Gesangübungen, manchmal Vorführung von Leistungen der Schüler im Turnen.

Erwähnen wir noch, daß von den 152 Lehrern des Kreises in den letzten drei Jahren 7 mit Tod abgegangen, 5 auf ihr Nachsuchen pensionirt worden sind. Ein Lehrer feierte das 50jährige Dienstjubiläum.

Nach Beendigung des Berichts, dem wir vorstehende Notizen entnommen haben, leitete der Herr Vorsitzende in einer längeren Ansprache auf den folgenden Gegenstand über. Hinweisend auf das alte wahre Wort: sana mens in sano corpore erging er sich über die Schäden, die durch ungenügende Zuführung frischer Luft für die Gesund­heit der Schüler hervorgehen. Er citirte einzelne Stellen aus einer in dem Programm: das Darmstädter Gymnasium von 1867 enthaltenen Abhandlung des jetzigen Geheimen Oberschulrath Dr. Becker, worin mit Zahlen nachgewiesen ist, wie gesundheitzerstörend ungenügende Schulräume und verdorbene Luft einwirken und wie viele Schulstuben geradezu Brutstätten verderblicher Krankheiten geworden sind.

Darauf ergriff Herr Baurauth Waller, der die Güte gehabt ein Referat zu übernehmen überdie zweckmäßige Einrichtung der Schulräume in Bezug auf Heizung und Ventilation, das Wort und besprach in eingehendem, klaren Vortrag auf Grund der Pettenhofer'schen Beobachtungen zunächst die Bedingungen der die Gesundheit erhaltenden und sördernden Luft, die wir einathmen; dann über die Nachtheilc und große Gefahren für Gesundheit und Leben, wenn wir längere Zeit ge- nöthigt sind, verdorbene Luft aufzunehmen, die durch das Ausathmen vieler Menschen