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Lucker in Broden sollen 21,45 AL bezw. 20,20 AL und für alle übrigen Hartzuckerarten sollen 20 AL resp. 19 AL vergütet werden.

Abg. Bormann und Genossen verlangen eine Rübcnsteuer von 1,70 AL und eine Vergütung von 18 AL bezm. 17,50 AL, ferner eine Steuer von 22,20 AL auf Kandis und Zucker in Broden, für alle übrigen Hartzuckerarten 20,30 AL resp. 20,45 AL

Abg. Racke verlangt Beibehaltung der Commissionsanträge in der zweiten Lesung bezw. Festsetzung der Rübensteuer auf 1,60 AL, der Rückvergütung auf Roh­zucker zu 16,40 A auf Kandis und Zucker in Broden 20,20 AL; auf alle übrigen Hartzuckerarten 19 AL Außerdem verlangt er die Annahme einer Resolution zu Gunsten einer einzuführenden Fabrikatsteuer; am wünfchenswerthesten wäre eine hierauf bezügliche internationale Vereinbarung. An deren Stelle folle eine Consumsteuer spätestens mit dem 1. April 1890 treten.

Die Debatte, an der sich die Abgg. Dr. Barth, Graf Stolberg, Trimborn, Racks, Graf Hacke, Staatssecretär v. Burchardt und einige Regierungscommiffarien betheiligten, war rein technischer Natur.

Nach längeren Ausführungen dieser Redner wurde der Antrag Racke abgelehnt, für den die Freisinnigen und ein Theil des Centrums stimmte.

Zur Annahme gelangte der Antrag des Abg. Graf Stolberg; dafür stimmen außer den Freisinnigen ein Theil des Centrums und der Rechten.

Ferner gelangte folgende Bestimmung zur Annahme:

Ten Inhabern von Zuckerrafsinerieen kann zur Entrichtung der Steuer für den zu Raffineriezwecken aus den Niederlagen entnommenen Rohzucker Credit bewilligt werden."

Der Rest des Gesetzes wird nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen und danach das ganze Gesetz mit großer Majorität.

Nächste Sitzung Montag. Kleinere Vorlagen.

Telegraphische Depeschen.

LSolsf'S telegr. rorrespouhem'vurea«.

Danzig, 4. April. Die Verschließung des Werderdamm-Bruches bei Weszlinken ist gestern Abend wieder gebrochen. Soldaten sind gegenwärtig beschäftigt, diefen Bruch abermals zu schließen. Heute Vormittag wurde auch die provisorisch hergestellte Wand der Schleuse bei Plehnendors durchbrochen und der Danziger Hasen ist von Neuem durch das Hochwasser gefährdet. Es wird mit Ausbietung aller Kräfte eine neue Ver­stopfung des Schleusenkanals versucht. Der Strom ist bei Neufähr jetzt eisfrei, es wird aber ein weiteres Anwachsen des Wassers um mehrere Fuß erwartet. Die Ort­schaften Babnfack und Neufähr find, arg verwüstet.

Karlsruhe, 4. April. In dem Befinden des Erbgroßherzogs ist keine wesent­liche Veränderung eingetreten, nur wurden in der letzten Nacht zwei kleinere Gelenke wieder etwas schmerzhaft.

Paris, 4. April. Aus Dccazeville wird gemeldet, daß die Redacteure des Jntransigeant", Ducquercy und Roche, daselbst heute früh wegen Aufreizung zur Arbeitseinstellung und Erregung von Ruhestörungen von Gensdarmen verhaftet wurden.

London, 4. April. Morgen findet ein Cabinetsrath statt. Lord Salisbury ist hierher zurückgekehrt.

Der Ministerialsecretär im Local-Gooernement Board, Jesse Collings, hat mit Rücksicht darauf, daß seine Wahl in Ipswich für ungiltig erklärt worden ist, feine Entlassung gegeben. In Halifax ist der frühere Deputirte Stansfcld unbeanstandet wiedergewählt worden.

Franz Liszt ist gestern Abend in Sydenbam eingetroffen, woselbst er von Lord Littleton empfangen wurde, bei welchem er während seines Aufenthalts als Gast verweilt. Lord Littleton gab Liszt zu Ehren eine große Soir6e, an welcher die Elite der Gesellschaft und hervorragende Künstler der Musik tbeilnahmen. Unter den Anwesenden befand sich auch der deutsche Botschafter am hiesigen Hofe, Graf Hatzfeldt. K>

Petersburg, 4. April. Der bisherige rumänische Gesandte Kretzulesco ist gestern von hier abgereift.

DerNeuen Zeit" zufolge find dem Münzhofe in der jüngsten Zeit aus Sibirien 222 Pud Gold und 260 Pud Silber zugegangen.

Belgrad, 4. April. Garaschanin hat die Bildung des neuen Eabinets über­nommen.

Konstantinopel, 4. April. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Die Einberufung der Conferenz ist erfolgt, nachdem die Antworten der Mächte auf die letzte Circularnote der Pforte eingegangen war.... Dem Vernehmen nach würde sich die Thätigkcit der Conferenz auf die Unterzeichnung eines Protokolls beschränken, zu dessen redactioneller Feststellung die Botschafter bereits morgen zu einer Besprechung zu­sammentreten würden.

Lokales.

* Gießen, 4. April. In der gestern Abend im Lenz'schen Felsenkeller abge­haltenen Monatsversammlnng der Nationalliberalen sprach Herr Realgymnasiallehrer Schwabe über den Jesuitenorden und leitete seinen inhaltsreichen Vortrag mit einem Hinweis auf die Gegenwart ein, in welcher der Culturkampf wiederum eine bedeutende Nolle spielt.

Erst vor wenigen Tagen hat der hervorragendste Führer jener Partei, die in unserer höchsten parlamentarischen Körperschaft die Trägerin jenes unglückseligen Con- sticts ist, sich dahin ausgesprochen, daß eine Hauptbedingung der Beilegung des Cultur- kampses die Zurückberufung der Jesuiten in das deutsche Reichsgebiet wäre. Wenn Redner auch nicht um Politik zu treiben gekommen sei, so müsse er doch darauf Hin­weisen, in wie inniger Beziehung das zu behandelnde Thema zum politischen Leben der Gegenwart stehe.

An diese Worte knüpfte der Vortragende nun die Geschichte des Jesuitenordens, die wir in Kürze hier wiedergeben wollen.

Ton Inigo de Necalde wurde 1491 als der jüngste Sohn des Ritters Beltram von Loyola auf dem gleichnamigen Schloß in den Gebirgen der Basken geboren. Er verbrachte feine Jugend in ritterlichem Thatendrang und in devoter Ehrfurcht vor den Heiligen am Hofe Ferdinands des Kath., nahm im Jahre 1521 an der Vertheidigung der Burg Pampelona gegen die Franzosen Theil, wobei er schwer verwundet wurde. Das einsame Krankenlager ließ sich seine Phantasie an Heiligengeschichten erregen und sein Her; erglühte in Sehnsucht, wie ein St. Franziskus durch der Erde Elend des Himmels Herrlichkeit zu erwerben.

Kaum genesen, wandte er sich nach dem Kloster Montserrat, legte eine General­beichte ab, vertauschte seine Kleider mit dem Bettlergewand, hängte seine Rüstung vor dem wunderthätigen Maricnbilde auf und hielt nach alter Rittersitte Wacht vor seiner neuen Gebieterin mit dem Pilgerstab in der Hand. In strengen Fasten, schwärmerischen Visionen, Büßungen und Wallfahrten verbring! er alsdann lein Leben in völliger Armnth und lernt als 33jühriger Mann unter Knaben fitzend die Anfaiigsgründe des Latein. 1528 zieht er mit einem Esel, der seine Bücher trägt, nach Paris auf die Universität, dort gleichgesinnte Genossen findend, die nach seinen Ordnungen leben. Am 15. August 1534 begaben sich alle nach der Kirche von Montmartre und gelobten feierlich, einen Orden zu gründen zur Bekehrung der Heiden, indem sie sich jeder Mission des Papstes ohne Widerspruch unterziehen wollten.

Nach Vollendung seiner Studien wendete sich Ignaz nach Rom, beim Papste um Erlaubnis, einen Orden zu stiften, nachsuchend und nach mancherlei Bedenken erhält der neue Orden endlich 1540 durch Paul III. die päpstliche Bestätigung mit der Aufgabe, Heiden und Ketzer zu bekehren, wo und wie es dem Papst gefallen möchte. Der Orden nannte sichDie Gesellschaft Jesu" und stand unter der Leitung eines Generals, zu welchem Ignaz gewählt wurde und welcher feinen Wohnsitz in Nom halte. Derselbe war aber der Verwaltung im Großen nicht gewachsen und seine Entwürfe zur Organisation des Ordens gewannen erst ihre mustergiltige Ausgestaltung durch den Nachfolger Lainez.

Die Väter des Ordens erkannten auf Erden keinen anderen Herrn als ihren Ordensobern und den Papst. Mit den weitgehendsten Vollmachten ausgerüstet, trat der Orden als mächtigste Stütze der Hierarchie gerade zu jener Zeit in's Leben und gelangte schon unter dem 2. General zu seiner vollsten Bedeutung, nämlich die Sache

der Hierarchie zu führen gegen den Protestantismus. Schon das rasche Wachsthum läßt ihn als historisches Bedürsniß erkennen, hatte er doch bereits beim Tode des ersten Generals (1556) über 1000 und 50 Jahre später über 10,000 Mitglieder.

Im Weiteren führte Redner aus, daß ein von einem General begangenes Ver­brechen sorgfältig verheimlicht würde und nur feine Abdankung zur Folge hätte, daß ferner jedem in den Orden Eintretenden die Liebe zu feinen Blutsverwandten verboten ist, er darf nicht mehr sagen: ich habe Eltern und Geschwister, sondern nur, ich hatte sie; selbst die Eorrespondenz mit ihnen ist nicht gestattet oder nur unter Auf­sicht eines Superiors. Der Jesuit wird allrnälig zu einer Maschine des Ordens, selbst sein Gesicht muß sich den Vorschriften desfelben fügen, wie fein Denken uns Handeln.

Getragen von der Idee eines überall durchgreifenden Organismus, hat dieser Orden im 1. Jahrhundert seiner Entstehung Wunder gewirkt, den in Orthodoxie er­starrenden Protestantismus auf der ganzen Linie geschlagen, durch seine Schulen Glanz um sich verbreitet und in Deutschland aus Ingolstadt ein katholisches Witten­berg gemacht. (Schluß folgt.)

Gießen, 5. April. Gestern Vormittag wurde die Leiche des am 24. März er­trunkenen Posteleven Wolf unterhalb der Neumühle durch Bleicher Schmitz auf- gefunden. Dieselbe wird heute durch Angehörige der Familie in die Heimath nach Bingen verbracht. Dem Leichenbegängniß, welches heure Vormittag von der Leichen­halle nach dem Bahnhofe stattsand, folgten zahlreiche Freunde, sowie fast sammtliche Postbeamte und Vorgesetzte des leider zu früh Verschiedenen, ein Zeichen, welcher Beliebtheit sich derselbe in seinen Kreisen erfreute.

Verwischter.

Darmstadt, 2. April. sPostpersonalnachrichten.) 1. Ernannt find die Tele- graphenassistenten Diem er in Mainz und Henkel in Darmstadt zu Ober-Telegraphen- affiftenten.

2. Angestellt ist der Postassistent Merz in Mainz.

3. Versetzt sind der Telegraphen-Jnspector Treu tler von Potsdam nach Darm­stadt, der Postsecretair Krischen von Cöln nach Darmstadt behufs Uebernahme einer Bureaubeamtenstelle 1. Cl., der Postsecretair Bischoff von Mainz nach Darmstadt, der Postsecretair Merz von Metz nach Mainz, der Telegraphenmechaniker Fenner von Frankfurt (Main) nach Darmstadt.

4. Uebertragen ist dem Telegraphenfecretair de Ah na in Mainz eine Ober- Telegraphensecretairstelle daselbst.

5. Gestorben ist der Postoerwalter a. D. Greb in Grebenhain.

Mainz, 31. März. sHaussuchungen.j Gestern Nachmittag fanden bei hervor­ragenden Mitgliedern der focfaldemokratischen Partei Haussuchungen statt, indem man einer geheimen Verbindung auf der Spur zu sein glaubt. Es wurde nicht allein eine Reihe wichtiger Actenstücke, sondern auch bei einem Mitgliede dieser Partei eine Kasse mit mehreren hundert Mark Inhalt (oermuthlich eine Agitationskasse) mit Beschlag belegt. Außerdem wurde auch, wie wir vernehmen, eine als socialdemokratischer Agitator bekannte Persönlichkeit, die sich vornehmlich mit der Verbreitung von socialisttschen Schriften befaßt haben soll, verhaftet; derselbe ist ein Oesterreicher. Auch bei Herrn Landtagsabgeordneten Jöst fand eine Durchsuchung statt, die aber einen nennenswerthen Erfolg nicht hatte, indem nur einige Zeitschriften confisciri wurden.

Auf der mecklenburgischen Ostsee-Insel Pöl waren 7080 Männer auf das angetriebene Eis gegangen, um Aale zu stechen. Als sie mitten in der Arbeit waren, bemerkten einige von den Fischern, daß die Scholle, worauf sie sich befanden, in Bewegung war und seewärts trieb. Sie sahen auch bald, daß es ohne Hilfe un­möglich war, wieder an's Land zu kommen. Ihre Hilferufe verhallten umsonst, endlich aber bemerkte doch der auf der Lootsenstation anwesende Oberlootse Vogt ihre gefähr­liche Lage und holte aus Timmendorf die weibliche Bevölkerung die Männer waren alle auf dem Eise und unter des Lootsen einsichtiger Leitung gelang es richtig, die treibende Eisscholle mit Booten zu erreichen und die Männer zu retten.

Riga, 3. April. Die Geepassage bei Domesnäs ist eisfrei. Der Eisgang auf der Düna wird stündlich erwartet.

Paris, 3. April. DieAgence Havas" meldet: Im Walde von Saintfargean bei Joigny fanden bedeutende Brände statt, die man der Böswilligkeit der dort be- schäfligten Holzfäller zuschreibt.

Hande! «nd Verkehr»

Grünberg, 3. April. (Fruchtpreise.) Weizen AL 17.20, Korn AL 13.90, Gerste AL 13.30, Hafer AL 13.60, Erbsen AL 17.60, Linsen AL 00.00, Lein AL 00.00, Samen AL 22.00, Kartoffeln AL 3.50, Wicken 16.00.

Geschichts-Kalender.

6. April.

1415. Das Konstanzer Concilium faßt mit großer Mehrheit den Beschluß:Daß die allgemeine Kirchenversammlung in Konstanz über dem Papste stehe, also auch ohne die Gegenwart desselben rechtsverbindlich verhandeln und ent­scheiden könne." Unmittelbare Folge desselben war das Recht des Con- ciliums, Päpste ab- und einzusehen, sowie die Verpflichtung der letzteren, allen Anordnungen der Versammlung Folge zu leisten.

1528. Alb. Dürer, berühmter Maler, Kupferstecher und Holzschneider, stirbt zu Nürnberg.

1622. Schlacht bei Wimpfen, in welcher der Markgraf von Baden dem kaiserlichen Feldherrn Tilly eine empfindliche Niederlage bereitet.

1809. Die österreichische Kriegserklärung gegen Frankreich, obgleich Erzherzog Karl die Rüstungen noch nicht für vollendet erklärt hatte, und die englischen Hilfs­gelder auf sich warten ließen.

1850. Preußen übernimmt Hohenzollern.

große Auswahl, sol. Ausführung, mäßige Preise Photographien z. Ansicht. Dio. gebrauchte Wagen.

J. G. Rumpf, Wagenbauer, Frankfurt a/M., Eisernehand 18. 1344

Repertoir der vereinigten Stabttfjeater zu Frankfurt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 6. April: Hans Heiling.

Mittwoch den 7. April: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Prinz von Homburg. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Außer Abonnement.

Donnerstag den 8. April: Loheng rin.

Freitag den 9. April geschloffen.

Samstag den 10. April: Mignon.

Sonntag den 11. April: Gastspiel des Herrn Perotti. Martha. (Lyonel: Herr Perotti.)

Schauspielhaus.

Dienstag den 6. April: Götz von Berlichingen.

Mittwoch den 7. April: Don Cesar.

Donnerstag den 8. April geschlossen.

Freitag den9. April: Alfreds Briefe. Vorher: Im Bunde der Dritte.

Samstag den 10. April: Zuin ersten Male: Alte Mädchen. Lustspiel in 1 Akt von Schütz. Hierauf zum ersten Male: Vom landwirthschaftlichen Ball. Lustspiel in 1 Akt von Emil Pohl. Zum Schluß: Neu einstudirt: Kur- märfer und Picarde.

Sonntag den 11. April: Zum ersten Male wiederholt: Alte Mädchen. Hieraus: Zum ersten Male wiederholt: Vom landwirthschaftlichen Ball. Zum Schluß: Kurmärker und Picarde.

Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Matth» Kap. 5, von Vers 7 an, Pfarrer 0r. Naumann. >

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