Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hßeil.
Bekanntmachung.
Nachdem Philipp Wingenfeld zu Reinhardshain als Wasenmeister für die Gemeinde Reinhardshain bestellt und in dieser Eigenschaft verpflichtet worden ist, so wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, am 30. März 1885. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. __________________________
Hesterreich.
Pesth, 3. April. Im Abgeordnetenhause brachte Jstoczy einen Antrag -ouf Besteuerung der Börsengeschäfte ein.
Irankreich.
Paris, 3. April. Der Kardinal Guibert richtete ein Schreiben an den Präsidenten Gröoy, worin er bittet, der Präsident wolle seinen Einfluß geltend machen, daß die belästigenden Maßnahmen gegen die Katholiken aushörten. Die Katholiken stünden den republikanischen Staatseinrichtungen, vorausgesetzt, daß die Religion respectirt werde, durchaus nicht feindselig gegenüber.
— Ein Telegramm der Generals Warnet aus Tongking meldet: Die Franzosen besetzten Laokai ohne Zwischenfall.
— Nach Decazeville gehen demnächst wieder Truppen ab, da die jetzige Lage dort zu größeren Besorgniffen Anlaß giebt. Im Departement Nord herrscht vollständige Ruhe; die Strikes sind auf dem Wege friedlicher Beilegung. Eine Bande strikender belgischer Arbeiter, welche nach Frankreich übertreten wollten, wurde an der Grenze von den französischen Behörden angehalten und zwei Individuen, von denen einer 650 Francs bei sich trug, verhaftet.
— Die Verhandlungen behufs Abschluffes eines französisch-chinesischen Handels-Vertrages werden demnächst beendet.
Belgien.
Brüssel, 2. April. Hier herrscht große Besorgniß wegen des starken Zuzugs von Streikenden. Am Sonntag werden wieder mehrere anarchistische Versammlungen stattfinden, in denen Protest erhoben werden soll gegen die Maßregeln, welche der Bürgermeister gegen die Bettelei in den Straßen verordnete. Die Behörden treffen umfaffende Vorsichtsmaßregeln, um Ruhestörungen im Keim zu unterdrücken. L ~ ipr „ m
. Mons, 3. April. General van der Smrflen erbeb em Rundschreiben an die Commandanten der unter seinen Befehlen stehenden Truppenabtheilungen,
Deutschland.
][ Darmstadt, 4. April. Der Grobherzog empfing gestern in Ab- ichieds-Audienz den königlich preußischen Gesandten am grobherzoglichen Hose zu Karlsruhe, Herrn v. Eisendecher, welcher seit dem Weggang des früheren Gesandten Stumm und bis zum Eintreffen des jetzigen Gesandten Le Maistre auch am hiesigen Hofe die Gesandtschafts-Geschäfte interimistisch wahrgenommen batte. — Am selben Vormittag empfing der Großherzog den neucreirten Freiherrn Heyl von Herrnsheim. Der Großherzog hat nämlich den Großindustriellen Geheime Comrnerzienrath Heyl zu Worms, deffen Kinder und einzigen Bruder, der Major ä la suite der Kavallerie und zugleich persönlicher Adjutant des Herzogs von Edinburgh ist, in den Adelsstand erhoben. Der jedesmalige Besitzer des von den Dalberg'schen Besitzungen in Herrnsheim herrührenden Fidei- commißgutes führt den Titel eines Freihecrn, während die übrigen Familien- Mitglieder das einfache Adelsprädikat erhalten.
Augenblicklich weilt der Graf zu Sayn - Wittgenstein - Berleburg in unserer Stadt, um den Orchester- und Vocalproben zu der von ihm componirten Oper „Antonius und Cleopatra" beizuwohnen, welche am Sonntag, 11. April, hier erstmals in Scene gehen soll.
Der Nachricht gegenüber, welche jüngst durch die Blätter gegangen ist, daß die zweite Stänöekammer am Mittwoch nach Ostern wieder zusammentreten werde, wird uns aus Abgeordnetenkreisen versichert, daß ein Wiederzusammen- tritt der Kammer vor Ende Mai mcht wahrscheinlich sei.
Berlin, 3. April. Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurs, betr. die Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Posen, durchweg nach den Commisfions«Anträgen an, begann sodann die Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Schulversäumniffe in Preußen, Schlesien und der Grafschaft Glatz, und vertagte dieselbe ohne Beschlußsaffung aus Dienstag.
Berlin, 3. April. Dem Bundesrathe ging ein Gesetzentwurf über die mit Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen zu. Danach kann der Vorsitzende den bei den Verhandlungen Betheiligten die Geheimhaltung des Inhalts der Verhandlungen zur Pflicht machen. Die Preffe darf über solche Verhandlungen keine Berichte bringen, die Verkündigung der Urtheis- sormel erfolgt öffentlich.
— Der „Reichs-Anz." meldet: In Folge der gefährdeten Lage der Stadt Danzig und des unteren Theiles der Thorner Niederung durch Eisstopfungen in der Weichsel, sandte der Arbeitsminister den Geheimen Baurath Kozlowski in die bedrohte Gegend.
worin er befiehlt, sorgfältig aus die Vertheilung anarchistischer Schriften in der Armee zu achten und die Soldaten über die Pflichten zu instruiren, welche sie gegenüber dem Aufruhr zu erfüllen haben.
England.
London, 3. April. Nach einer der Regierung zugegangenen Mittheilung hat das russische Geschwader gestern Nachmittag Syra verlaffen und ijl nach der Suda-Bai zurückgekehrt.
— In Portsmouth sollen bis zum 7. April vier Torpedoboote in Dienst gestellt werden, um zum englischen Geschwader im Mittelmeec abzugehen.
Atalien.
Mailand, 2. April. Die Exceffe von Seiten der Arbeiter, welche gestern Abend die Aushebung der Brodtaxe verlangten, führten im Laufe des heutigen Tages zu mehrfachen Verhaftungen; der Domplatz ist militärisch besetzt ; die Municipalität erließ eine beruhigende Kundmachung.
— Die Veranlaffung zu den gestern Abend hier vorgekommenen Ausschreitungen gab eine Collision zwischen einer Gruppe Arbeiter und Octroi- beamten, welche von den ersteren die übliche Eingangsgebühr für das von ihnen mitgesührte zum Tagesgebrauch bestimmte Brod forderten. Bei dieser Collision tduf^ ein Arbeiter verwundet. Am Abend sammelte sich aus dem Domplatze eine große Menge an, um gegen die Maßregeln der Octroibeamten zu protestiren. Die Polizei zerstreute die Menge, welche sich jedoch wieder sammelte und nun zu allerlei Exceffen überging, so daß zwei Compagnien Infanterie aufgeboten werden mußten, um die Ordnung wieder herzustellen. Es fanden gegen 30 Verhaftungen statt. Die Municipalität desavouirte die Octroibeamten und man glaubt, daß die Arbeiterbevölkerung sich durch diesen Entscheid beruhigen wird.
Bulgarien.
Sofia, 3. April. fHavas-Meldung.j In der Antwort des Fürsten Alexander an den Großvezier heißt es: Seine Wünsche und Bemühungen gingen dahin, Bulgarien entsprechend den von ihm gebrachten Opfern sicherzustellen, sowie die einzige gesetzmäßige Souveränetät des Sultans aufrechtzuerhalten. Er werde seine Hände nicht zur Wiederherstellung des Zustandes leihen, welcher den Interessen des Friedens schädlich wäre. Er halte das türkisch-bulgarische Abkommen vom 4. Februar aufrecht und lehne ein türkisch-europäisches Arrangement ab, wenn seine Forderung hinsichtlich der Form der Ernennung nicht in Erwägung gezogen werde. Er erfülle eine heilige Pflicht gegen das Volk und glaube, das Interesse seines Souveräns zu vertreten. Er habe zahlreiche Beweise seiner Ergebenheit gegenüber seinem Souverän gegeben, um glauben zu dürfen, der Sultan werde die Weigerung, die durch des Sultans eigene Interessen dietirt seien, würdigen.
Kriechenlauv.
Athen, 3. April. Die Regierung wird heute der Kammer Vorlagen machen, welche eine Erhöhung des Betrages der mit Zwangscours umlaufenden Bankbillets, sowie eine Erhöhung der Kadres d»r Land- und See-Streitkräfte betreffen. Eine ministerielle Erklärung wird nicht erwartet, jedoch wird der Minister jede gewünschte Auskunft über finanzielle und militärische Fragen erthei- len, eventuell diplomatische Actenstücke vorlegen.
Türkei.
Konstantmopcl, 3. April. Said Pascha hat die Conferenz auf den nächsten Montag einberufen.
Amerika.
New-Nork, 3. April. Die Strikenden bei dem Fort Worth griffen heute die Beamten an, welche die Abfahrt eines Güterzuges zu bewirken suchten. Es wurden hierbei 7 Personen getödtet und viele verwundet. Hunderte von bewaffneten Bürgern patrouillirten durch die Straßen. Die Verkaufsläden sind geschloffen.
Montevideo, 2. April. In einer Schlacht zwischen den Regierungs- Truppen von Uruguay, unter General Täjes, und den Aufständischen wurden letztere geschlagen und erlitten große Verluste. (General Castro soll mit allen Osficieren und 400 Mann gefangen genommen sein und Arredondo soll hart verfolgt werden).
Reichstag.
E. R. Berlin, 3. April 1886.
Die heutige dritte Berathung über die Zuckersteuer bewegte sich ausschließlich in Einzelheiten, betreffend die festzustellenden Steuer- und Steuervergutungssatze.
Abg. Graf Stolberg verlangt die Festsetzung der Rübensteuer auf 1.60 JL, hingegen für die Rückvergütung eine abwärts gleitende Skala von 17.40 Jü bis zum 30. September 1887, von da ab weiter eine Verminderung um M Für Kandis und»


