Hinter schwarzen, regenstromenden Wolkenwänden verborgen hielt, plötzlich hervor und gibt der Hoffnung auf eine mögliche Besserung des ganz abscheulichen Wetters von Neuem Raum. Morgen trifft als Vertreter Les Deutschen Kaisers auch der Kronprinz von Preußen ein und wenn er das sprichwörtliche Hohenzollernwetter mitbringt, dürften Arrangeure wie Theilnehmer des Festes ihm herzlich dankbar sein. Spricht man doch schon davon, den großen Festzug, wenn das Wetter am Freitag gar zu ungünstig, auf Samstag oder noch später zu verlegen. Die 3-400,000 Jt, welche die Jnscenirung des Zuges kostet, im wörtlichen Sinne zu Wasser werden zu lassen, kann man dem Comitä allerdings nicht zumuthen. Dessenungeachtet wäre eine Verlegung des programmmäßig festgesetzten Tages aus tausend Gründen sehr unangenehm. Jedenfalls ist es rathsam, das Beste zu hoffen. Das Schlimme kommt von selbst.
Die von auswärts zum Feste eintreffenden Gäste mehren sich. Nicht nur die Universitäten Deutschlands, auch die der übrigen europäischen Lande, ja selbst die Hochschulen Amerikas haben Deputationen angemeldet, denen morgen in der stilvollen und mit reichem Geschmack neu eingerichteten Aula ein herrlicher Empfang bereitet werden soll. Gegenüber meiner Wohnung, im Hause des Professors Gegenbaur, hat Ernst Häckel aus Jena Quartier genommen. Ick sah ihn flüchtig auf dem Balkon. Kopf- und Barthaar des Gelehrten sind fast weiß geworden, aber sein edles Anlitz und seine hohe männliche Gestalt erscheinen noch in alter Schöne und Jugendkraft.
Von anderen auswärtigen Gelehrten begegneten mir die Herren Professoren Geh. Rath Veit aus Bonn, Geh. Rath Ab egg aus Prag, Schloßmann aus Kiel, v. Meyer aus Zürich, Lippmann aus Wien, v. Her ter aus Petersburg, Fastenrath aus Köln u. a. m. Selbst das ferne, heiße Afrika hat in der Person des im Orange-Freistaat wohnenden Dr. jur. M. van Dyck einen Abgeordneten geschickt.
Der Empfang in der Aula wird übrigens bedeutend abgekürzt werden. Ursprünglich intendirte man, jede Deputation der fremden Universitäten einzeln zu empfangen und setzte für die Feierlichkeit eine Zeitdauer von vier Stunden an. Auf Großherzoglichen Befehl ist diese Zeit jedoch auf die Hälfte reducirt worden und wird die Empfangsfeierlichkeit in der Weise vereinfacht, daß nicht die Deputirten jeder einzelnen Universität, sondern sämmtlicher Universitäten desselben Landes begrüßt werden.
Eine ähnliche, wenn auch bedeutsamere Vereinfachung ist bezüglich eines andern Punktes des Festprogramms eingetreten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hatten die Absicht, die hervorragenderen Festtheilnehmer nach Schwetzingen einzuladen und ihnen dort ein Fest zu bereiten. Dieser Plan ist fallen gelassen und dafür desto mehr Gewicht auf die Ausstattung und Einrichtung des Sckloßfestes gelegt worden, womit der edle Fürst seine Gäste morgen Abend erfreuen will. Dasselbe soll, wenn auch in beschränkterer Weise, Donnerstag Abend für die große Zahl der Nichteingeladenen wiederholt werden.
Die Decoration der Stadt selbst entwickelt sich immer reicker und würde, wenn nur die entsetzliche Farbenzusammenstellung des augenkrankheitbefördernden Gelb-Roth nicht so vorherrschend wäre, entschieden wohlthuend wirken. An den Tribünen für den Fest- und Fackelzug wird noch fortwährend gezimmert, hier und da wird auch noch eine Fahnenstange eingepflockt oder ein Triumphbogen mit einer mehr oder weniger passenden Inschrift errichtet. Die Inschriften scheinen überhaupt die schwache Seite der Heidelberger zu bilden. Man merkt, daß Scheffel noch keinen Nachfolger gefunden hat. Das interessanteste und verhältnißmäßig witzigste Earmen, das ich entdeckte, stand an der Front eines ansehnlichen Bürgerhauses auf dem Ecke des Schloßbergwcgs vor dem Denkmale von Earl Metz gelegen. Es lautet wie folgt:
„Der Hexenthurm erhob sich allhier seit alter Zeit, Daneben war ein Keller voll Fässern hoch und weit. Das hat sich nun geändert: Der Thurm hat längst 'nen Rutsch, Die Hexen sind verschwunden, doch auch der Wein ist futsch." Das erste ist erfreulich, das zweite thut mir weh',
Drum richt' beim Jubiläum ich diesen Wunsch zur Höh': O brächen alle Hexen nur immerdar den Hals Und wüchs dafür in Fülle der Wein der „Fröhlich Palz!" Heute Abend 8Vt Uhr nahm in der Festhalle mit dem Empfang der Festgäste durch die Vertreter der Stadt die Feier ihren offictellen Anfang. Der colossale Raum, ein langhingedehntes Tonnengewölbe, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Selbst im Mittelgang und in den Seitenaängen standen die neugierigen Menschen Schulter an Schulter und harrten unter dem künstlich gestirnten Himmel der Decke im Scheine von 40 großen elektrischen Glühlichten der Dinge, die da kommen sollten. Und sie kamen.
Am hinteren Ende des gewaltigen Bauwerks, wo die Estrade für die Sänger aufgeschlagen war, sah der am Eingang Stehende ein paar kleine Puppengestalten auftauchen, von denen eine mit den Geberden eines Sprechenden sich auf und ab bewegte. Es war der Oberbürgermeister von Heidelberg, Herr Wilkens, welcher dort die Gäste Namens der Stadt willkommen hieß. Verstehen konnten nur die Nächststehenden den Redner und auch diese nur unvollkommen. Die außerordentlichen Raumverhältnisse und das dumpfe Mecresbrausen des tausendfachen Stimmengewirrs ließen den Klang eines einzelnen Organes und wäre es das eines Danton gewesen, nicht zur Geltung kommen.
Glücklicherweise faßte der Redner sich kurz. Er brachte den althergebrachten Inhalt einer solchen Begrüßungsrede in herzliche, lakonische Worte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, welchem, begleitet vom Orchester, die allgemeine Absingung der preußischen Nationalhymne folgte, eine Vocalleistung, die durch ihre elementare Massenwirkung entschieden nachhaltiger wirkte, als der nachfolgende Vortrag des von dem verewigten Victor von Scheffel gedichteten Festliedes durch die Heidelberger Mannergesangvereine. Der Raum ist zu groß für künstlerische Productionen und abgesehen Davon und mit allem schuldigen Respect vor der musikalischen Bedeutung von Vincenz Lachner — die Composition, die der alte Musiker zu dem Scheffel'schen Texte geliefert hat, schien mir offen gestanden etwas gesucht-populär und, die geschickte Verwebung einiger Studentenlieder abgerechnet, inhaltlich wie formell ziemlich banal. Trotzdem mußte die Composition, in welcher auch ein Solosänger sich vergeblich ab- rnühte, dem Verlangen der Menge folgend, wiederholt werden. Lachner, welcher persönlich dirigirte, willfahrte gerne und wenn die vox populi wirklich wie es heißt auch vox Dei ist, so habe ich mit meiner musikalischen Kritik entschieden Unrecht und muß den Altmeister um Verzeihung bitten. Seiber aber hat mir die vox populi weder in künstlerischen noch in anderen Dingen besonders imponirt und ist es mir selten gelungen, meine Prioatmeinung mit jener in Einklang zu bringen.
Am Interessantesten bei dem ganzen Festact war unstreitig die Beobachtung des geselligen Lebens, welches sich später entwickelte und Dank dem vorzüglichen „Stoff" des Restaurateurs bis zum frühen Morgen fortdauerte. Die Studentenschaft, vor Allen die hier bestehenden Corps und Burschenschaften, die Sueoia, Guestphalia, Saxo- Borussia, Rhenania, die Allemania, Franconia und Teutonia, waren selbstverständlich vollzählig vertreten und hatten ihre „Activen" durch Hinzuziehung ihrer „alten Herren" mehr als verdoppelt. Ueberall in der unendlichen Halle leuchteten gelbe, grüne, carmoisinrothe, dunkelblaue und rothe Mützen oder die weißen Stürmer der Saxo- Borussen. Namentlich die „alten Herren" des letztgenannten Corps schienen vollzählig auf der Wahlstatt erschienen zu sein und es berührte höchst eigentümlich, manche verwitterte, weißbärtige, ehrfurchtgebietende Häupter, die im gewöhnlichen Leben vielleicht nur der Generalshelm, der Ministerhut, der Dreimaster- des Commerzienraths oder höchstens der salonfähige und höfisch gesinnte Chapeau claque bekleidet, gegenwärtig mit dem koketten, weißen Stürmer verziert zu sehen. Die alten würdigen Herren kamen einem so maskirt vor, der Ton, in dem der „Herr Präsident" oder der „Herr -Legationsrath" mit seinem blutjungen Corpsbruder sprack, die vertrauliche Weise, in welcher er mit ihm anstieß, so übertrieben kameradschaftlich, so äußerlich begeistert. Aber spielen wir Menschen nicht alle und immer mehr oder weniger Komödie im Leben ? Und sollen wir uns darüber alteriren, wenn ein Jeder es in der seiner eigenen "Persönlichkeit am Meisten zusagenden Weise thut? Ich glaube, nein. Und dann, welch' eine Fülle der gegenseitigen Anregungen schließt ein solches Zusammentreffen der Alten mit Ihresgleichen und den Jungen nicht in sich ein! Man muß selbst Student und Corpsstudent gewesen sein, um dies ermessen zu können. Leider war für mich das letzte Zeichen des Verjüngungsprozesses, den das Alter bei solchen Gelegenheiten durchmacht, diesmal eine etwas zweideutige Scene. Ich sah nämlich, wie ein Trupp Corpsstudenten ein „altes Haus" nach dem Hotel escortirte. „Hast Du auch leinen Schlüssel?" fragte einer der Activen den anderen. Ich wußte genug.
Heidelberg, 3. August. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz ist um 8 Uhrmittelst Extrazuges von Bayreuth eingetroffen, am Bahnhofe vom Großherzog, dem Prinzen Ludwig Wilhelm, dem commaudirenden General v. Obernitz, dem Gesandten v. Eisendecher, dem gcsammten Großherzoglichen Hofstaat, dem Prorector an der Spitze des engeren Senats, dem gesammten Stadtrath, den Spitzen der Civil- und Militärbehörden empfangen worden. Nach herzlichster Begrüßung des Großherzogs schritt der Kronprinz, welcher die Uniform seines Schlesischen Dragoner-Regiments mit dem badischen Hausorden angelegt hatte, die als Ehrenwache aufgestellte 8. Compagnie des 2. Badischen Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 110, geführt von Hauptmann Keller, ab und gab bei der darauf folgenden Vorstellung der Anwesenden dem Prorector Bekker gegenüber seiner Freude Ausdruck, von Sr. Majestät dem Kaiser hierher geiandt zu sein. Jedes einzelne Senatsmitglied ward mit huldreichster Ansprache seitens des Kronprinzen und seitens des Großherzogs mit Händedruck begrüßt, welcher letztere den Dank der mit Rangerhöhung oder Ordensdecorationen Ausgezeichneten in huldreichster Weise erwiderte. Auch die beiden Bürgermeister Doctoren Wilckens und Walz wurden vom Kronprinzen in die Unterhaltung gezogen. Nach viertelstündigem Aufenthalt bestiegen der Kronprinz, der Großherzog und Prinz Ludwig die bereitstehenden offenen Großherzoglichen Equipagen, denen Spitzenreiter voraufritten und begaben sich durch die dichten Zuschauermassen, von den begeisterten Zurusen derselben begleitet, nach dem Großherzoglichen Palais, woselbst auch der Kronprinz Absteigequartier genommen hat.
— Heute Vormittag fand in der Heiligegeistkirche zur Einleitung der Jubiläumsfeier ein feierlicher Festgottesdienst statt. Daran schloß sich um 11 Uhr der Festact in der Aula der Universität, bei welchem Se. K. Hoheit der Großherzog und Se. K. u. SL Hoheit der Kronprinz Ansprachen hielen.
Der Festact in der Aula begann mit Musik. Auf einer Estrade hatte der Großherzog, von den Würdenträgern der Universität umgeben, die gekreuzten Scepter vor sich, Platz genommen. Neben der Frau Großherzogin saß Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz.
Zunächst verlas der Großherzog nachstehende Anrede:
Durchlauchtigster Kronprinz, höchste, hohe und verehrte Gäste! Als mein erhabener Ahn, der unvergeßliche Karl Friedrich, in den Tagen, da das Sckwert allein zu gelten schien, in hoher Gesinnung und Erkenntniß dessen, was dem Staatswesen- dauernd frommt, der Universität neues Leben einhauchte, ein wahrer zweiter Gründer derselben, erklärte er: Rektor der Universität wollen wir selbst sein und unfern Nachfolgern in der Kur diese Würde hinterlassen. In meiner Eigenschaft als Rektor der Hochschule begrüße ich heute an dem stolzen Tage, welcher die fünfhundertjährige- Jubelfeier der ältesten Universität des deutschen Reichs einleitet, die glänzende Versammlung, die uns die Ehre und die Freude erweist, an dem bedeutungsvollen Feste theilzunehmen. Ich freue mich vor Allem der uns beglückenden Anwefenheit Sr. L und k. Hoheit des Kronprinzen des deutschen Reiches uno von Preußen, des erhabenen Vertreters unseres Kaisers Wilhelm, unter dessen glorreicher Regierung, unter dessen gnädiger und warmer Theilnahme wir dieses herrlicke Fest feiern dürfen. Auch gereicht uns zu hoher Genugthuung, daß Seine Heiligkeit der Papst Leo XIII., hierin nicht weniger feinen erhabenen Vorgängern folgend, der alten Bildungsstätte durch die. Widmung einer kostbaren wissenschaftlichen Gabe sein freundliches Interesse bekundet.. Ich danke insbesondere allen den Abgesandten der deutschen Sckwesteranftalten, sowie der vielen Hochschulen und Akademien befreundeter Stationen, welche durch die Beglückwünschung der Jubel-Universität ein so schönes Zeugniß abgeben von der Einheit der Wissenschaft. Freundlich begrüße ich die Männer aus allen Lebenskreisen, denen die Förderung der Wissenschaft und Kunst anvertraut ist, welche unserem Ruf gefolgt sind. Ein halbes Jahrtausend deutscher Geschichte hindurch hat sich diese große Anstalt allen politischen Wechseln, allen äußeren Einflüssen gegenüber oft in schweren Kämpfen behauptet, und immer wieder erhoben in lebendiger Kraft, auf den verschiedensten Wegen nach Wahrheit strebend, die Jugend bildend. Sie hat das Kapital menschlichen Wissens gemehrt, sie hat den Samen edler Sitte und humaner Gesinnung in die Herzen der Jugend gelegt. Ehre sei barum dem Grünber ber Universität, Ruprecht L. unb allen ben erhabenen Fürsten geistlichen unb weltlichen Stanbes, welche dieser Bildungsstätte im Laufe Der Jahrhunderte werkthätige Theilnahme und mächtigen Schutz gewährt haben. Ich nenne dankbar unter Vielen Philipp den Aufrichtigen, Otto Heinrich, den großen Kenner und Freund von Kunst unb Wissenschaft, ben unverzagten Regenerator Karl Ludwig, auch Johann Wilhelm möchte ich nicht vergessen, welcher dieses Haus unb biesen Saal, ben ausgezeichnete Künstler unserer Tage neu geschmückt haben, ber Hochschule hat erbauen lassen. Stolz erfüllt mich, wenn ich ber Verdienste meines weisen Ahnherrn gebenfe, unter dessen freisinniger unb freier Regierung bie Universität, mit Recht Ruperto-Carola aenannt, roieber erstanden ist unb eine neue Blüthe gejunben hat. Wieberholt hat Die Hochschule schöpferisch eingegriffen in bas wissenschaftliche Denken, neue Anregungen, neue Richtungen sind von diesem herrlichen Musensitze ausgegangen. Auch ber Kunst hat bieselbe Stätte nicht nur Motive geliefert; von ber beutschen christlichen Kunst bürfen wir wohl sagen, daß sie hier ihre Wiebergeburt gefeiert hat. Unb die heutige Universität ist ihrer großen Geschichte würdig geblieben, in Forschung und Lehre. Jugendfrisch steht sie in lebendigem Wechselverkehr mit den Schwesteranstalten in der ernsten Geistesarbeit unserer Tage, bleibende Werke in den Geisteswissenschaften, große Entdeckungen auf dem Gebiete der sich mächtig entwickelnden Naturwissenschaften, glänzende Beredtsamkeit ausgezeichneter Lehrer haben in den letzten Decennien Heidelbergs Ruhm erhalten und treu gemehrt. Bei dem Eintritt in das sechste Jahrhundert ihrer gesegneten Arbeit bringe ich ber großen Korporation meinen Glückwunsch bar belegten unb freubigen Herzens, in dankbarem Aufblick zu der göttlichen Vorsehung, bie so Ebles hat ge= lingeh lassen. In Erinnerung an das heutige Jubelfest unb als Zeichen meines fürstlichen Dankes übergebe ich der Universität diese Medaille und Kette, welche der jeweilige Prorektor als Auszeichnung tragen soll. Indem ich in dieser feierlichen Stunde Ihnen, Herr Prorector, meine Jubelgabe anvertraue, gebe ich gerne die Versicherung, daß ich, hierin unterstützt von der Weisheit und Liberalität meiner getreuen Stände, auch in Zukunft diese große Bildungsanstalt hegen und pflegen, ihr Schaffen mit allen Mitteln fördern, ihr ein treu gesinnter Rector sein werde» Möge der Ruperto Carola unter dem Schutze meines Hauses, der großen Vergangenheit würdig, eine herrliche Zukunft beschieden fein! Das walte Gott!"
Nachdem der Großherzog geendet, hielt der deutsche Kronprinz nachstehende Ansprache:
Seine Majestät der deutsche Kaiser hat mir den Auftrag zu ertheilen geruht» Eurer königlichen Hoheit unb den hier versammelten Vertretern und Gästen der Universität Heidelberg Heil, Gruß unb Glückwunsch zur Jubiläumsfeier zu entbieten. Es erfüllt mich mit Stolz unb Freube, Zeuge zu sein von ber Begeisterung, mit welcher in biesen festlichen Tagen alte unb junge Söhne ber Ruperto Carola sich um ihren fürstlichen Rector schaaren, um mit ihm zurückzuschauen auf bie ruhmreiche Geschichte dieser Hochschule und mit Dank zu Gott inne zu werden, baß sie in bem halben Jahrtausend ihres Bestandes nie glücklichere Zeiten geschaut hat, als bie, in benen wir leben. Begrünbet in ber ersten Frühe unseres Kulturlebens hat bie Heibelberger Universität alle die Schickungen an sich erfahren, welche dem deutschen Wesen im Ringen nach selbstständiger Ausprägung verhängt gewesen sind. Sie hat wechselnd geblüht und gewelkt, geduldet und gestritten um Glaubens- und Forschungsrecht; hat Trübsal und Exil ertragen, um endlich, gehoben von ber starken unb milben Hanb ihres erlauchten Beschützers, bie ehrenvollen Wunben mit dem Festkleibe des Sieges zu decken. Wie dem deutschen Volke, um dessen höchste Güter sie sich redlich verdient gemacht, so ist auch ihr erfüllt, was Jahrhunderte ersehnten. Ihr Ehrenschild strahlt glänzender in der Sonne des einigen Vaterlandes! Mit tiefer Bewegung gedenke ich heute der großen Stunde, da Eure königliche Hoheit als der erste dem Führer unseres sieghaften Volkes gehuldigt. Diese Erinnerung ist mir bedeutsam für die Feier, die wir jetzt begehen. Denn voranzuschreiten mit großem gutem Entschlüsse ist ein Anrecht des jnlaudjten Zahrmger Hauses und dieser ruhmvollen Universität. Es ist die schönste Pflicht meiner Sendung, rühmend zu bekennen, wie treu dies Heidelberg beflissen war» die geistigen und sittlichen Bedingungen der Wiedergeburt unseres Volksthums zu pflegen. Lehrenden und Lernenden war von jeher hier die gastliche Stätte bereitet, ^lus allen Gauen strömten sie herzu unb in den liebenden Armen ber Alma water er-
l s"^sich.. als Söhne ber größeren Mutter wieber. So hat sich hier in der Studienlebens verbreitet, was uns Deutschen nach langen Irrungen die Geschichte offenbart. Im Südwesten des Reiches, nahe der ehemaligen Grenze und


