nahe der Gefahr, lernte der Sohn des Nordens den Sohn des Südens als Bruder lieben, um, heimgekehrt, den schönen Glauben der Volksgemeinschaft auszubreiten, der unser Hort und unsere Stärke ist. Nun wir es wieder besitzen, das Glück der Vereinigung, strömt aus dem ganzen ein kräftigender Odem zurück in die alte traute Hei- math unserer Bildung. Größer geworden sind die Zwecke des Forschens und Strebens, dankbarer und folgenreicher der Beruf, sie lehrend zu verkündigen und lernend zu verstehen. Vaterland und akademisches Bürgerthum werden aber nur dann wahrhaft segensreich auf einander wirken, wenn Sie in ihrer Lebensthätigkeit die gleichen Tugenden bewahren. Je höhere Gipfel in Wissenschaft und im geschichtlichen Leben erstiegen sind, le stolzere Ziele winken, desto größerer Besonnenheit und Selbstverleugnung bedarf es. Die Wünsche und die Zuversicht, die ich heute der Ruperto-Garola mtgcgenbringe, umschließt der Zuruf an Lehrer und Schüler- eingedenk zu bleiben der Aufgaben, die uns gerade im Hochgefühle des Erfolges am Erndringllchsten die Seele erfüllen sollen; in Wissenschaft und Leben festzuhalten an der Wahrhaftigkeit und Strenge geistiger Zucht und der Förderung des Brudersinnes unter den Genossen, auf daß aus dem Geiste des Freimuthes und der Friedfertigkeit die Kraft zu der heilsamen Arbeit wachsen möge, die Lebensformen unseres Volksthums gedeihlich auszubilden. So möge dieser Universität, einer der ältesten Pflanzstätten deutscher Wissenschaft, beschieden sein, an Thalkraft die jüngste zu bleiben!
Hierauf ergriff der Prorector Bekker das Wort zum Dank. Die Kette, die er erhalten habe, sei ein Symbol des Verhaltens des Großherzogs, Glied an Glied gefestet solle auch die Treue der Universität zu ihrem Rector sein. Die Fürsten hätten der Hochschule Gedeihen gewünscht; es gäbe nur Rückschritt oder Fortschritt. In jeder Pflege sittlichen, politischen und wissenschaftlichen Lebens vorwärts zu schreiten, sei der Wille der von ihm vertretenen Hochschule. Daß das Können dem Wollen entsprechen möge, dafür erflehe er den Segen des Himmels.
Weitere Ansprachen wurden von dem Cultusminister Nokk, dem Präsidenten der zweiten Kammer, Lamey, vom päpstlichen Abgeordneten Stevenson, von Professor Zeller (Berlin), Namens der deutschen Universitäten und Akademien, von Jules Zeller (Paris) Namens der ausländischen Universitäten und Akademien gehalten. Der Festakt dauerte bis 1 Uhr und schloß abermals mit Musik.
Lokales.
Gießen, 4. August. Die bei dem gestrigen Feuer im Schmidt'schen Hause am Canzleiverg verunglückte Näherin befindet sich den Umständen gemäß in sorgsamster Pflege und hofft man, daß sie mit dem Leben davon kommt. Beiläufig bemerkt sei hier, daß das Kindchen, welches sie aus dem Fenster warf, bereits l3/< Jahre alt ist (im November 1884 geboren), Seine Mutter befindet sich seit Ende August 1884 in hiesiger Stadt.
Universität- - Chronik.
Berlin, 3. August. In der Aula der hiesigen Universität fand heute Mittag aus Anlaß des Geburtstages Friedrich Wilhelms III. ein Festact statt. Als Vertreter des Königlichen Hauses war der Kammerherr, Geheimer Rath Graf v. Bernstorff, von dem Cultusministerium der Unterstaatssecretär Lucanus und der Geheime Rath Althoff zugegen. Außerdem wohnten der Feier bei: Der Director der Königlichen Museen, Geheime Rath Schöne, der Commandeur des Kadettenhauses und andere hervorragende Persönlichkeiten. Die Feier begann mit dem Gesang des Psalms: „Wohl dem, der ohne Wandel lebet", woraus der Rector der Universität, Professor vr. Kleinert, die Festrede hielt, in welcher er die Beziehungen Friedrichs des Großen zur Universität beleuchtete. An die Festrede schloß sich die Mtttheilung
über die Erfolge der Bewerbungen um die Preisaufgaben, sowie die Verkündigung neuer Preisaufgaben. Mit dem Gesänge: „Herr gedenke unser nach deinem Worte", schloß die Feier.
Vermischte-.
Darmstadt, 3. August. Nach genau eingezogenen Erkundigungen befinden sich die sämmtlichen bet der Excursion nach Griesheim verunglückten Studenten der technischen Hochschule, sowie insbesondere der anscheinend am schwersten verletzte Professor Brauer außer jeder Gefahr für ihr Leben. Die Verletzungen sind sämmtlich glücklicherweise nicht so ernster Natur, wie es im ersten Augenblicke den Anschein hatte. Außer zwei Studenten, wovon der eine einen Bruch des linken Armes, der andere einen Bruch der linken Hand davontrug, befinden sich sämmtliche Verletzten in häuslicher Pflege. Professor Brauer, welcher schwere Gesichtswunden erhielt und besinnungslos vom Platze getragen wurde, befindet sich erfreulicherweise ebenfalls auf dem Wege der Besserung und haben innerliche Verletzungen, wie man im ersten Augenblicke angenommen, außer Contusionen an Brust und Rücken, nicht ftatt- gefunden.
— »Nichtswürdiger Betrug.) Ein wichtiger und ernstlich zu beachtender Hinweis für Näherinnen fei zur Warnung hier gegeben. Gewisse Fabrikanten scheuen nicht davor zurück, Näh-, Stick- und Knopflochseide mit Bleiweiß schwerer zu machen, um durch erhöhtes Gewicht einen höheren Preis zu erzielen. Dieses Bleioxyd ist ein ganz gefährliches Gift, welches die langwierige Krankheit, die „Bleikolik", hervorzurufen im Stande ist und auch schon oft jahrelanges Siechthum und Verdauungsschwäche heroor- gerufen hat. Ein Chemiker fand kürzlich in 1 Pfund Nähseide 18 Procent dieses Giftes und es ist daher nachdrücklich zu warnen, diese Seide, wie es viele machen, in den Mund zu nehmen, durch die Lippen zu ziehen oder die Spitze zum Einfädeln mit den Lippen zu berühren, weil auf diese Weise Blei birect verschluckt wird. Auch sollte keine Näherin mit de« bleigefärbten Fingern ihre Nahrung genießen, sondern dieselben zuvor recht gründlich waschen.
Bei Erschöpfung der Nerven wird Magenbehagen, kalt genossen, ärztlich empfohlen, weil er den Magen kräftigt und befähigt, die Nerven wirksamer zu nähren und sie widerstandsfähiger macht- Niederlage bei Emil Fischbach. 5590
Temperatur in Gießen.
Juli 1886.
Niederste.......+ 6,0 ®R.
Mittlere.......+ 14,41 „
Mittel früherer Jahre.....+ 14,46 „
Höchste . + 25,0 „
Anzahl der Sommertage (mit 20 unb mehr Grab im Schatten) 1886 bis Ende Juli 27, im Mittel früherer Jahre 20.
Sommertage im Juli 1886 14; früheres Maximum 25 (1859), Minimum 2 (1879).
Niederschlag an 13 Tagen .... 2,63 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,81 „ „
Die Vegetationsstufe am Enbe des Monats erweist sich, verglichen mit bem burchschnittlichen Verhalten früherer Jahre, als normal.
Temperatur der Lahn.
Am 4. August, zwischen 11 unb 12 Uhr: Wasser 143, Luft 16° R. im Schatten.
L. Cbr. Rübs amen.
Gberhesslslhe Eisenbahnen.
Die Lieferung von ca. 600 lfd. Meter Weichenschwetten aus Eichenhol; soll vergeben werben- Angebote sind bis zum 11- b. Mts. bahier einzureichen, bte Bedingungen können bei unserer Magazinsverwaltung eingesehen werden- 5587
Gießen, den 2. August 1886- Großherzogliche Direction.
In der Krivalklagesache des Daniel Ihm von Wieseck, vertreten durch Rechtsanwalt L a b r o i s s e in Gießen,
Privatklägers gegen den Heinrich Jacob Schnabel von Wieseck, Angeklagten, wegen Beleidigung,
hat das Großherzogl. Schöffengericht zu Gießen am 16. Juli 1886 für Recht erkannt:
Der Angeklagte wird der Beleidigung im Sinne des § 185 200 des St.-G.-Bs. für schuldig erkannt und in eine Geldstrafe von 20,00 v4L, im Falle der Uneinbringlichkeit vier Tage Ge- fängniß verurthellt. Auch werden ihm die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen auferlegt und dem Privatkläger die Befugniß zu- yesprochen, den entscheidenden Theil (des Urtheils innerhalb 14 Tagen nach Rechtskraft desselben einmal auf Kosten des Angeklagten im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen.
Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilssormel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. 5612
Gießen, den 30. Juli 1886.
Glässing, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts.
5610 Ein noch gut erhaltener Herren- smzirg billig zu verkaufen-
Wo f sagt bte Exped- d- Bl.
Allgemeiner Anzeiger.
Vergebung von Steinschlagarbeiten.
Das Zerschlagen von 432 cbm Decksteinen zum Neubau der Kreisstraße von Bettenhausen nach Bellersheim soll in Loosen von 20 cbm ä 60
Dienstag den 10. Angnst,
Vormittags 10 Uhr, auf dem Gemeindehanse zn Beller-Heim in mündlichem Abstrich vergeben werden.
Gießen, am 3. August 1886.
Der Kreisingenieur: 5608 Gnauth.
FruchtversteigeniDg.
Nächsten DienStag den 10. Angnst d. I., von Vormittags 9 Uhr an, sollen in der Gemarkung Londorf, aus der Oeconomie des verstorbenen Herrn Freiherrn Carl von Nordeck zurRabenau nachstehend verzeichnete Fruchtgattungen auf dem Halm, in Abheilungen, öffentlich meistbietend versteigert werden:
ca. 5 Morgen Weizen,
„ 6 „ Hafer,
„ 1 „ Gerste.
Die Zusammenkunft ist auf dem s. g. Marktplatz.
Londorf, am 3. August 1886.
Der Rechner. 5604 Schmidt.
Arbeitsverding.
Dienstag den 10. d. M., Morgens 10 Uhr, sollen dahier folgende Arbeiten f- d. Gern. Dutenhofen vergeben werden, veranschlagt: 1) für Tüncher, Maurer u. Anstreicher zu 644,50 JL, 2) für Schreiner 317,60 X, 3) für Zimmermann 47,85 JC. Kostenanschlag liegt hier offen.
Crofdorf, den 2. August 1886.
5616 DaS Bürgermeisteramt.
Montag den 9. d. Mts , von Vormittags 9 Uhr an, sollen auf dem städtischen Ban- bnrean versteigert werden:
</&
Maurerarbeit, veranschl. zu 213.— Steinhauerarbeit, „ „ 1387.20
Dachdeckerarbeit, „ „ 303.24
Schlofferarbeit, „ „ 115,50
Weißbinderarbeit, „ „ 94.52
Pflästererarbeit, „ „ 4217.52
Gießen, den 4. August 1886. Großh Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 5615
Donnerstag den 5. August,
Nachmittags 2 Uhr, sollen in der seitherigen Wohnung des von hier versetzten Herrn Oberstlieutenant Bertram, Neuenweg 41, verschiedene entbehrlich gewordene Hausmobilien, darunter 2 Kleiderschrürrke, 1 Küchen« schrank mit Glasaufsatz, 1 Glas- schrank, 1 Servante, Spiegel, wobei ein großer Pfeilersviegel mit Mahagonirahmen, Tische, darunter ein großer Ausziehtisch, 1 großer Zeichentisch, Blumentische, Sopha's, Bettstellen, 2 feine Salonlampen, 1 Lüstre, Cristall-, Glas-, Porzellan-, Nipp- Sachen und andere HauShaltgegen- stünde versteigert werden-
Im Auftrag: Bogt.
Zu dieser Versteigerung nehme ich Aufträge entgegen und können die Gegenstände von Donnerstag früh 10 Uhr an angesehen werden.
5599 I. Rothenberger.
Aeilgeöotenes.
Neue holl. Vollhäringe
per Stück 8 Pfg.
Ph. Bob,
5591 Bahnhofstraße 11.
Tricot Taillen
sind in großer Auswahl am Lager per Stück von JL 2.50 an in reiner Wolle.
5546 PH, Ellinger.
Zum Jugendfest empfiehlt in großer Auswahl verschiedene schöne Gegenstände, als: Feldflaschen, Nühschrüubchen, Schreibzeuge rc. rc., ferner mache auf die bekannten lebenden Epheukrünzchen, von 20 bis 25 4, aufmerksam- 5589
Friedrich Rüger, Kreuz 4-
Jleue Häringe
empfiehlt 5596
______Carl Hoffmann.
5609 Einige Waggons
Ziegelkohleu von meinem Lager billig abzugeben. ___________________Joh. Fischer.
5607 Ein Paar schwere
Wagenpferde braun (norddeutsche Race), welche sich auch für die La»dwirthschaft, sowie für jedes andere Fuhrwerk eignen, verkauft
Bauunternehmer Koch zu Gießen.
Lebendfr. Schellfische, Hechte und Zander, lebende Karpfen und
Schleien 5600 empfehle frisch eintreffend.
A. Hoch Nachfolger.
Hamburger Fischhandlung.
’* 5597 Ein gutes neues Haus mit Hinterhaus, Scheune und Garten, ist zum Preise von JL 28,000 unter günstigen Bedingungen zu verkaufen durch _____________I. Blitz.
Trauer-Hüte in reichhaltiger Auswahl, per Stück von «X 4 50 an. 5547
Ph. Ellinger.
Eine Chaife (Glas-Calesche) in sehr gutem Zustand, feinster Herrschaftsmagen, steht billig zu verkaufen bei
Schmied Schieferstein 5527 in Lich.


