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Dienstag den 5. Januar

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Amts-

und

für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Vnreanr Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerUch«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Zum 25jährigen Regierungs-Jubiläum Kaiser Wilhelms als König von Preußen.

Berlin, 3. Januar. Zur Feier des Königsjubiläums ist die Stadt auf das 'Reichste beflaggt, die Straßen sind von einer festlich bewegter! Menge belebt. Ins­besondere die Straße Unter den Linden, wo sich vor dem kaiserlichen Palais Tausende von Menschen angesammelt haben. Die Zeitungen bringen ohne Ausnahme begeisterte Begrüßungsartikcl, welche das Wirken des Kaisers und Königs in Krieg und Frieden preisen. Die Feier wurde durch Choralmusik eingeleitet, welche durch das Trompeter­corps des Garde-Ulanen-Regiments auf der Kuppel der Schloßkapelle geblasen wurde. Ilm 10 Uhr sand Gottesdienst für die Garnison in der Garnisonskirche und der Michaelskirche, um 11% große Paroleausgabe unter gleichzeitiger Lösung von 101 Salut­schüssen statt. Die Garnisonskirche war von Militär-Deputationen und einem bistinguirten Publikum des Civilstandes überfüllt. Den Altarraum schmücken exotische Gewächse; Guirlanden umranken die Empore, die Hoflogc trägt ein Wappen aus weißen Jmortellen, mit einem W in rothen, sowie der Zahl25" in blauen Blumen, darüber' eine grüne Krone. Divisionsprediger Wülfing hielt die Liturgie ab, Hof­prediger Frommel hielt die Festpredigt unter Zugrundelegung des Psalm 79, Vers7 biö 10. Eine Militärkapelle führt die Begleitung des ChoralgcsangS aus. Auch alle übrigen Kirchen, in denen überall Festgottesdienst gehalten wurde, waren überfüllt. DaS Geläute aller Glocken von sämmtlichen Gotteshäusern Berlins, mit welchem die Feier schon gestern Abend eingeleitct wurde, rief vom frühen Morgen an zur Kirche. Viele Häuser tragen grünen Tanncnschmnck und Guirlanden. Zahllos sind die mit ben Büsten des Kaisers und der Kaiserin, sowie mit Standbildern des Kaisers besetzten, mit Stoffen und Bändern in den deutschen und preußischen Farben dekorirten Fenster. Die Auffahrt zum kaiserlichen Palais verlief überaus glanzvoll. Als der Kaiser und bie Kaiserin sich zu Wagen ins königliche Schloß begaben, um dein Gottesdienst in der Schloßkapelle beizuwohnen, wurden dieselben von der überaus zahlreichen Menschen- inenge, die zwischen Palais und Schloß Spalier bildete, mit ununterbrochenen be­geisterten Hochs und Hurrahs begrüßt.

Gestern Abend waren die Mitglieder der kaiserlichen'Familie und die hier an­wesenden Fürstlichkeiten zum Thee bei dem Kaiser und der Kaiserin. Heute Vormittag 10V2 Uhr gratulirten die Mitglieder der kaiserlichen Familie dem Kaiser und brachten tthm Geschenke dar. Vormittags 11% traf unverhofft der König von wachsen hierein; > derselbe begab sich sofort ins Palais und gratulirte dem Kaiser. Sodann fuhr der -König ins sächsische Gesandtschaftshotel. Um 5 Uhr Nachmittags findet im Palais Familientafel statt. In sämmtlichen Kasernen Berlins traten heute früh 7 Uhr alle .hier garnisonirenden Truppen im Paradeanzug an. Die Negimentsmusiken bliesen den Ehoral: Nun danket alle Gott! worauf die Eommandeure patriotische Ansprachen Metten, welche mit einem Hoch auf den kaiserlichen Kriegsherrn schlossen. Die Truppen stiinmten dreimal begeistert in dies Hoch ein; das Heil Dir im Siegerkranz beschloß die feierlichen Akte. Mittags 1 Uhr hellte sich der Himmel, der bisher von Wolken bedeckt war, theilweise auf, so daß die Sonne von Zeit zu Zeit durchbrach. Der Kaiser und die Kaiserin erschienen kurz bevor sie sich ins Schloß begaben an dem historischen Eckfenster und ivurden von den dort versammelten Tausend und aber Tausenden mit brausenden Hochs begrüßt. (Fr. Ztg.)

** Gießen, 3. Januar. Die vom nationalliberalen Vereine veranstaltete Feier des Negierungs - Jubiläums unseres Kaisers als König von Preußen nahm einen würdigen, höchst befriedigenden Verlauf. Der Saal desStein'schen Etablissements" war von Damen und Herren dicht besetzt. Zunächst hielt Herr Professor vr. O ncke n die Festrede. Sie zeichnete sich durch lichtvolle Uebersichtlichkeit in der Gruppirung, leichtverständliche, aber dabei schöne und edle Sprache, durch wohlthuende Herzens- wärine und freudige Begeisterung aus. Er ging davon aus, daß das, was Kaiser Wilhelm für Preußen und Deutschland gethan, zu tief in den Blättern der Geschichte und in den Herzen seines Volkes eingegraben sei, als daß die gegenwärtige festliche Veranlassung, welche der fünfundzwanzigjährigen Regierungszeit des Kaisers gilt, eine Herzählung seiner Großthaten erforderlich machte; wie wäre es auch möglich, diese in einem kleinen Bilde zusammenzufassen und sie in ihrer ganzen unermeßlichen Bedeutung in kurzen Zügen angemessen zu würdigen? Nur an die hervorragendsten Momente in des Kaisers segensreichem Wirken woUe er erinnern.

Seine Kindheit fällt in eine trübe, schmachvolle Zeit. Preußen liegt gedemüthigt und zermalmt zu den Füßen Napoleons. König Friedrich Wilhelm Hl. muß noth- gedrungen mit Frankreich ein Bündniß eingehen, jubelt aber im Geheimen über Aork's Abfall. Das Unglück des Landes bricht der Königin Luise das Herz. Da fährt auf brausendem Fittig der Geist der Freiheit durch das Land, da kommt ein großes, unvergleichlich großes Jahr, das Jahr des heiligen Kampfes von 1813.

Theodor Körner's prophetisches Wort in seinem Gedicht:Vor dem Marmor- .bilde der Königin Luise" geht in Erfüllung:

Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache, Dann ruft dein Volk; dann, deutsche Frau, erwache. Ein guter Engel für die gute Sache!

Dem Prinzen Wilhelm ist es beschieden, an den Kämpfen auf französischem Boden ruhmvollen Antheil zu nehmen.

Nach menschlichem Ermessen nicht für den Thron bestimmt, wird er mit Leib und Seele Soldat; dem Heere widmet er seine besten Kräfte. Sein Bruder, eine blendende Erscheinung von hohem Fluge der Gedanken, mit glänzenden Gaben besteigt den Thron. Aber die Kaiserkrone ist seiner Hand zu schwer, er rann, er darf sie nicht annehmen, denn Preußen ist nicht gerüstet für die Kämpfe, die daraus hervorgehen würden. Auf der Zusammenkunft nut Louis Napoleon in Baden-Baden tritt der Prinz- Regent als Deutschlands Hort auf, aber ebenso entschieden vertritt er gegen die deutschen Fürsten Preußens freisinnige Entwickelung und die nationale Idee. Von hohem Interesse waren die Mittheilungen, die der Herr Redner aus der noch unedirten, für das Staatsministerium bestimmtenDenkschrift" des Prinz-Regenten über jene Zusammenkunft gab.

In dem italienischen Kriege erklärte sich der Prinz-Regent zwar zur thätigen Hilfe für Oesterreich bereit, aber er verlanate auch den unumschränkten Oberbefehl. Ehe Oesterreich das zugab, opferte es lieber die Lombardei.

Es folgen die Eonflictsjahre. Die fanatisirten Parteien und wir gehörten damals alle zu ihnen! erhoben gegen die Reorganisation des Heeres, des Königs eigenstes Werk, Widerspruch. 2)eni Könige wird es schwer, in den Kampf mit Oester­reich zu ziehen, einen Kampf, den früher selbst ein Otto von Bismarck verabscheut hatte. Größer als die errungenen Siege ist die Selbstverleugnung, mit der der Monarch denr-Landtage Versöhnung anbictet und um Indemnität für das budgetlose Regiment bittet.

Der Krieg mit Frankreich bringt uns eine nationale Monarchie.

In einem Briefe an ihren Vater, den Großherzog von Mecklenburg-Strelitz hatte die Königin Luise das häusliche Glück des preußischen Königshauses geschildert und zum Schluß eine Charakteristik ihrer Kinder gegeben. Von Dem jetzigen Kaiser Wilhelm sagt sie:Unser Sohn Wilhelm wird, wenn mich nicht alles trügt, wie sein

Vater einfach, bieder und verständig fein. Auch in feinem Aeußern hat er die meiste Achnlichteit mit ihm rc." Diese Eigenschaften: einfach, bieder und verständig, sie bezeichnen am besten das Wesen unseres Kaisers.

Einige Tage vor seiner Confirrnation batte der Prinz in einem von ihm auf­gesetzten Glaubensbekenntnisse geschrieben:Meine Kräfte gehören der Welt, dem. Vaterlande; Ich will daher unablässig in dem mir angewiesenen Kreise thätig fein, meine Zeit auf das beste anwenden und soviel Gutes stiften, als in meinem,Vermögen steht." Was der Knabe versprochen, das hat der Mann gehalten!

Dies dürfte der leitende Faden einer überall aus der Fülle des geschichtlichen Stoffes schöpfenden, gedanken- und beziehungsreichen Betrachtung sein. Reicher Beifall folgte dem Vortrage, der über eine Stunde gedauert hatte, während deren der Redner seine Hörer ganz im Banne seiner Redeweise zu halten wußte.

Herr Rechtsanwalt Dr. Dittmar feierte in feinem mit Begeisterung aus- genommencn Txinkspruche den Kaiser, in dem uns, so oft wir seiner gedenken, die ganze Bedeutung seines geschichtlichen Wirkens vor die Seele tritt, in dessen Namen uns das Bild des großen Herrschers, heldenhaften Siegers und FriedenshütcrS ver­körpert erscheint und den die Nachwelt noch mehr feiern und würdigen wird als bie Gegenwart es thut.

Jetzt erklang von unserer Militär-Kapelle die Weise der Nationalhymne und die Versammlung sang stehend die erste Strophe derselben. Der gehobensten Stimmung folgte bald die ungezwungenste, heiterste Unterhaltung.

Im Laufe des Abends wurde Sr. Majestätvon den versammelten Patrioten und Patriotinnen Gießens" ein telegraphischer Gruß ehrfurchtsvoll übermittelt.

][ Darmstadt, 3. Januar. Zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Regierungs- Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers als König von Preußen wurde heute früh 8 Uhr in der evangelischen, sowie in der katholischen Kirche Militärgottesdienst abgehalten, welchem das gesammte Offieiereorps und Deputationen von sämmtlichen hier garni- fonircnben Truppentheilen beiwohnten. In der evangelischen Kirche predigte der Tivisionspfarrer Strack, in der katholischen Dekan Beyer. Um 9% Uhr wurden: 101 Salutschüsse gelöst, zu welchem Zwecke eine Batterie des Großh. Feld-Artillerie- Negiments Nr. 25 (Großh. Artilleric-Corps) auf dem Infanterie - Exereierplatze Auf­stellung genommen hatte. Um 3/412 Uhr sand auf dem Paradeplatz in Anwesenheit des Großherzogs, des Erbgroßherzogs, der Prinzen Heinrich und Alexander, sowie des Prinzen Ludwig von Battenberg Paroleausgabe für die Generale und das Offieier­eorps statt. Die Schloßwache paradirte und die Musik spielte dann auf dem Platze mehrere Stücke. Eine große Menschenmenge wohnte diesem militärischen Schauspiele bei. Um 2 Uhr Nachmittags vereinte sich das gesammte Offieiereorps der Garnison im Militär casino zu einem solennen Festmahl, nachdem vorher die Mannschaften in den verschiedenen Kasernen- festlich bewirthet worden. Für heute Abend ist eine Illu­mination der Militärgebäude in Aussicht genommen.

Frankfurt a. M», 3. Januar. Zur Feier des Negierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers hat die Stadt reichen Festschmuck angelegt, in den Kirchen fanden Festgottesdienste statt, zahlreiche Bürger und die Mitglieder der Behörden versammeln sich Nachmittags zu einem Festmahl im Zoologischen Garten.

Köln, 3. Januar. Die Regierungs-Jubelfeier Sr. Majestät des Kaisers wurde heute früh mit dem Blasen von Chorälen von den Kirchthürrnen eingeleitet, hierauf fand in allen Kirchen feierlicher Gottesdienst statt, welchen im Dom der Erzbischof Dr. Crementz persönlich eelebrirte. Der Divisions - Cornmandeur v. Hilgers wohnte dem Gottesdienste im Dome bei. Mittags fand Paroleausgabe für die Öfficiere der Garnison statt, wobei von den Wällen 101 Salutschüsse gelöst wurden. An dem Feste im Gürzenichsaale nahmen gegen 500 Personen, darunter die Spitzen der Militär- und Civilbehorden, Theil, der Toast auf den Kaiser wurde von dem Gouverneur, General-Lieutenant v. Rosenzweig, ausgebracht, worauf die Versammlung die National­hymne anftimmte. Die Stadt ist festlich beflaggt, für heute Abend ist eine allgemeine Illumination vorbereitet.

Aachen, 3. Januar. Zur Regierungs-Jubelfeier Sr. Majestät des Kaisers fanden heute Vormittag in der evangelischen Kirche, sowie im Münster und in der Synagoge zahlreich besuchte Festgottesdienste statt, von den Behörden und der Bürger­schaft ist ein Festmahl im Kurhause, von den Kriegervereinen ist eine patriotische Feier, im Stadttheater ist für heute Abend eine Festvorstellung veranstaltet. Die Häuser der Stadt sind reich mit Flaggen und Fahnen geschmückt.

Weimar, 3. Jan. Anläßlich der heutigen Negierungsjubelfeier hat der Ober­bürgermeister Xiamens der Stadt eine telegraphische Glückwunschadresse an Se. Majestät den Kaiser gerichtet. Hier rvurde die Feier durch Festgottesdienst und eine Kirchen­parade der Garnison, sowie durch ein Festmahl und eine von hiesigen Vereinen ver­anstaltete festliche Versammlung begangen.

Kiel, 3. Januar. Die hiesigen städtischen Collegien haben Sr. Majestät dem Kaiser und König zur heutigen Regierungsjubelfeier in einer künstlich ausgestatteten Cassette eine Glückwunschadresse übersandt. Die ganze Stadt ist mit Fahnen geschmückt, alle Kriegsschiffe haben geflaggt, von Seiner Majestät PanzerschiffHansa" wurde heute Mittag der Konigssalut abgegeben. Die Kampfgenossen haben einen großen FestcommerS veranstaltet, bei welchem der Marinepfarrer Langheld die Fest­rede hielt. .

Braunschweig, 3. Januar. An dem Festbaukct zur Feier des Negcerungs- jubiläums Sr. Majestät deS Kaisers nahmen gegen 500 Personen Theil. Staats­minister Graf v. Görtz-Wrisberg brachte den Toast auf den Kaiser Wilhelm als den Wiederhersteller und Mehrer des Reiches aus, in welchen die Versammelten begeistert einstimmten. .

Breslau, 3. Januar. Die Feier des Königsjubiläums Sr. Maiestat des. Kaisers ist gestern in den späten Nachmittagsstunden durch Glockengelänte aller Stadt­kirchen in würdiger ernster Weise eingeleitet worden. Heute Morgen eröffnete die große Neveille der Garnison die Feier des Tages. Am Vormittag finden Festgottes­dienste statt, später auf dem Palaisplatze große Paroleansgabe unter gleichzeitigem Lösung von 101 Salutschüssen, Mittags von 12 bis 1 Uhr Choralmusik vom Nath- hausthunn. Am Nachmittag halten Die Behörden offizielle Festtafeln ab. Für dem Abend sind allseitig Vorbereitungen zu einer großartigen Illumination getroffen. Die Stadt ist in prächtigstem Festgewande. .

Straßburg i. E., 3. Jan. Zur Feier des Neglerungsinbllaums Sc. Majestät: des Kaisers fand heute große Wachtparade der piefigen Garnison auf dem Kaiserplatt statt, woraus die Abfeuerung von 101 Salutschüssen erfolgte. Bei dem Nachmittags im HotelStadt Paris" stattgehabten Festessen, welchem der Statthalter Fürst Hohen­lohe'sowie die Spitzen der Civilbehörden und der Generalität beiwohnten, brachte der commandirendc General des 15. Armeecorps, Generallieutenant v. Heuduck, den Toasr aus Se. Majestät den Kaiser aus.

Wien, 2. Januar. Anläßlich der Jubiläumsfeier Kaiser Wilhelms schreib- dieWiener Abendpost":Gleich ihrem erhabenen Monarchen, welcher durch Ent sendung eines Specialgesandten zur Jubelfeier seines erlauchten Freundes und Vem,