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rden, auch getheilt^ miethen.

ch. d. Vl.

Wohnung

Mer Haus. [7965

Nr. 282. Freitag dm 3. Tccember 1886.

ießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

euttau t Schulftraße 7.

Erscheint tätlich mit Ausnahme beti Msn1«gA

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Drei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Brtnyrrlch«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Betr.: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes. Gießen, den 29. November 1886.

Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen

a» GroßherzoglicheS Polijeiawt Gießen und die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden de» Kreises.

Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß ± ,

Herr Gustav Patz in Gießen zum Vertrauensmann und

Robert Wegener in Blitzrnrod zum Stellvertreter desselben

weise den?Stellvertreter desselben, von der Einleitung einer jeden Untersuchung über einen emgetretenen Unfall Kenntmß zu geben und daß derselbe einzuladen ist, der Untersuchung beizuwohnen. Dr Soefmann.

Bekauutmachung.

rc.» bierdurck iiir öffentlicken Kenntnitz gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz der Commercial-Umon-Versicherungs- aesellscbaft in Berlin die Erlaubnis; zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen nach Maßgabe der in demselben bestehenden Vorschriften, insbesondre der in dem Gesetze vom 25. November 1871, die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten betreffend und in der zur Vollziehung derselben erlassenen Verordnung vom 11. December 1871 getroffenen Bestimmungen auf Widerruf Atheilt hat.

Gießen, am 26. November 1886. Großherzogüches Kreisamt Gießen.

vr. Boekmann. ............... .......... _

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Politische Uebersicht.

Gießen, 2. December.

Das Reichstags.Präsidium hatte am Montag Mittag die Ehre, vom Kaiser empfangen zu werden. Die Audienz dauerte etwa 10 Minuten und sprach der Kaiser, dessen Aussehen ein erstaunlich frisches war, während dieser ganzen Zeit fast ununterbrochen. Er erwähnte Ine auswärtigen Be- ziehunqen Deutschlands und gab hierbei seiner Zuversicht auf die Erhaltung der Friedens bestimmt Ausdruck. Mit größerer Ausführlichkeit verbreitete sich der hohe Herr über die Milttär-Vorlage; er betonte, daß ihm deren Zustandekommen sehr am Herzen liege und eine Nothwendigkeit gegenüber den Heerer-Verstär. kunqen, die in Rußland, namentlich aber in Frankreich vorgenommen worden seien, bedeute. Der Kriegsminister werde wohl Gelegenheit nehmen, dem Reichs- tage in letzterer Beziehung Ausschlüsse zu geben, die erstaunlich fein würden. Die Vorlage verlange von der Nation schwere Opfer, aber er, der Kaiser, hoffe, daß der Reichstag sie bringen werde, wie andere Parlamente es auch Utem Zum Schluffe richtete der Monarch an jeden der drei Präsidenten einige freundliche Worte und reichte ihnen beim Abschiede die Hand.

Der Reichstag ist mit der am Dienstag eröffneten General­debatte über den Etat in die eigentliche parlamentarische Arbeit einge- treten. Man glaubt, daß die erste Lesung des Etats an diesem Donnerstag werde beendigt werden, doch ist es durchaus nicht ausgeschloffen, daß die Debatte noch einen Tag mehr umfassen wird, denn wie in allen Parlamenten, so> wird auch im deutschen Reichstage die Generaldiscussion über da« Budget als d.e passendste Gelegenheit benutzt, alle möglichen Tagesfragen mit m die Vnhand- lunaen hineinzuziehen. Jedenfalls werden hierbei auch auf die Militärsrage schon recht bezeichnende Streiflichter gefallen sein, so daß vielleicht bereits die erste Etatsverhandlung einigen Aufschluß über ine Stellung der einzelnen Par­teien zu der neuen Militär-Vorlage ertheilen dürste Was die Opposition an- belangt, so liegen von sreistnntger Seite bereits Aeußerungen vor d e noch vo Beginn der eigentlichen parlamentarischen Verhandlungen über die Milttär Vorlage gefallen sind. In der am Sonntag staltgefundenen allgemeinen Ver- fammlung der deutsch-freisinnigen Wähler der ersten Berliner Reichstagswahlkrelses sprach u A. Eugen Richter auch über den Entwurf, betr. die anderweitige Festsetzung der Friedens-Präsenzstärke und erklärte der freisinnige Parteiführer, daß seine Partei nimmermehr dem Septennate zustimmen könne und betonte dann die enorme Wichtigkeit der Frage der zweijährigen Dienstzeit. Letztere Forderung und die Bekämpfung der siebenjährigen Festsetzung der Friedens- Präsenzstärke werden also allem Anscheine nach die leitenden Punkte für die Freisinnigen bei den Berathungen über die Militär-Vorlage bilden. Dagegen ist über den Standpunkt, welchen die hier ausschlaggebende Partei, dar Centrum, einzunehmen gedenkt, noch durchaus nichts Sicheres bekannt und scheint ei, datz die Centrums-Taktiker die Militärsrage einstweilendilatorisch behandeln wollen, um im entscheidenden Momente mit neuen kirchenpolitischen Forderungen hervorMreten.».rdentliche preußische BischofS-Conferenz soll demnächst, wie dasBerl. Tagebl." ersährt, in Fulda zusammentreten. Dre Conserenz würde allerdings gerade jetzt reichen Stoff zu Verhandlungen vor- sinden, man braucht nur an die neuesten Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan, an die bekannte Affaire des Bischofs Dr Kopp, an du Frag der Stellvertretung für dm kranken Fürstbischof von Breslau u. s. w. zu denken. Große Bedeutung legt man auch dem bevorstehenden Besuch des Prager Erzbischofs, Grafen Schönborn, in Berlin bet und bringt man die An­wesenheit des Erzbischofs mit den diplomatischen Verhandlungen zwffchen> dem Berliner Cabinet und dem Vatikan in Verbindung, obgleich sich der Besuch de»

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Anzeigen.

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in G. Löhr, osftatze 58.

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Prager Kirchenfürsten in Berlin schon dadurch rechtfertigen ließe, daß ein Theil Oberschlesiens mit zu seiner Diöceje gehört, er also auch Bischof über preußische ^"^°Die fortgesetzten Schwierigkeiten, welche Sultan Said Bargasch von Zanzibar den colontal-politischen Bestrebungen Deutschlands in Ostafrika bereitet, sollen zu einer abermaligen deutschen Flotten-Demonstratton vor Zan- zibar führen.. Bereits sind auf dortiger Rhede die KanonenbooteHyäne" und Möwe" eingetroffen und soll sich ihnen in kürzester Frist die Panzer-Fregatte Bismarck" hinzugesellen. Hoffentlich wird diesmal dem mißgünstigen afrikani« s'chen Fürsten deutscherseits der Standpunkt gründlich klar gemacht werden!

Die schweizer Kammern wenn man diesen Ausdruck für den Ständerath und dm Nattonalrath anwenden darf stnd am Montag eröffnet worden. Noch in der Eröffnungs-Sitzung wurde vom Ständerathe das Gesetz über die Organisation des schweizer Landsturmes mit großer Mehrheit ange­nommen. Vielleicht ersährt man aus dm wetteren Verhanolungm auch etwas Näheres über die Aussichten des neuen deutsch-schweizerischen Handels- 93ertrQQC6

Die österreichisch - ungarischen Parlaments - Ausschüsse stehen am Ende ihrer diesmal besonders bedeutungsvollen Thätigkeit. Am Montag genehmigte die österreichische Delegation debattelos und unverändert das außerordentliche Heeres-Ersorderniß und die übrigen verlangten Kredite; die Referenten conflaltrten die Übereinstimmung der Beschlüsse bei den Delegationen. Am gleichen Tage genehmigte die ungarische Delegation unverändert das Budget oes Ministeriums des Aeußern. Im Lause der Debatte war an die Regierung die Anfrage gerichtet worden, was ihr von dem Gerüchte bekannt sei, wonach Rußland die Ernennung des Fürsten von Mingrelien zum Gouverneur von Ost-Rumelien bei der Pforte beantragt habe. Sections>Chef Szegeny erwiderte hierauf, daß der österreichischen Regierung hierüber nichts bekannt sei, daß aber die Ernennung des General-Gouverneurs von Ost-Rumelien jedenfalls nur im Sinne des Berliner Vertrages und unter Zustimmung aller Signatarmächte vor- genommen werden könne.

Jenseits der Vogesen haben sich die drohenden Wolken, welche sich über dem Ministerium Freycinet zusammengezogen hatten, fast gänzlich wieder ver- zogen und nur dem parlamentarischen Auftreten de» Conseilpräsidenten selber ist diese günstige Wendung zu verdanken. Schon der Beifall, welchen die Programmrede Freycinet's in der Samstagssitzung der französischen Deputirtenkammer über die auswärtige Politik auf allen Seiten gefunden hat, ließ diese Wendung klar erkennen. Sowohl die friedlichen Auslassungen Freycinet's über die bulgarische Frage, wie auch seine energischen Erklärungen über den Standpunkt Frankreichs in der egyptifchen Angelegenheit stnd von der öffentlichen Meinung des Lande» mit gleicher Genugthuung ausgenommen worden und haben fie somit ohne Zweifel zur Wiederbesestigung der Stellung des gegenwärtigen französischen Ministerium» das Ihrige beigetragen. Dasselbe hat jedoch auch von den ferne­ren Erklärungen Freycinet's in der Montagssitzung der Deputirtenkammer zu selten. Dieselben betrafen den geforderten 30 - Millionen - Kredit für Tongktng unb befürwortete Freycinet lebhaft die Festhaltung Tongking». Die Kammer genehmigte schließlich den Tongking-Kredit mit 2TO gegen 249 Stimmen, wa, unter den obwaltenden Umständen als ein besondere» Vertrauenrvotum für Freycinet aufzufaffen ist, und genehmigte auch den Kredit für da» Protektorat in Tunis. V roh b(e g^otera aufgetreten, doch verläuft die Krankheit bis jetzt außerordentlich mild. Die von den Behörden angeordneten sanitären Maßnahmen bleiben jedoch bis auf Weitere» in Kraft.