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dies- Colonisationen glückten und vermochten auch energischen Gegenbestrebungen aus die Dauer Widerstand zu leisten. Insbesondere die jüngste derselben, Preußen, vom deutschen Ritterorden, dessen Angehörige meist Oberdeutsche waren, mit niederdeutschen Bauern unternommen, alsoeine Thal Ganz-Deutschlands", war bestrmmt, dem gemein­samen Vaterland die Einheit wiederzugeben, die damals zu zerfallen anfing, als Preuße^^G^ermani^rmig ^begann.and) nid)t annähernd erschöpfend die Fülle der Gedanken angedeutet, welche der vorzügliche Vortrag entwickelte. v»-

Alsdann gab der Herr Rector noch eine Ueber ficht über die ^e .Hochschule be- treffenden Ereignisse des letzten Jahres und schritt darauf zur Preisvertheilung.

Von den gestellten Aufgaben waren die theologische zweimal, die philosophische und die mineralogische je einmal und zwar mit dem Erfolge bearbeitet, daß die vier eingelieferten Abhandlungen des Preises für würdig erachtet wurden; die Versasser sind die Herren stad, theol. K. Eger aus Darmstadt, stad, theol. ^oh. Wurth aus Wachenheim, stad. phiL Jac. Schäfer aus Mainz und stad. rer. nat. Gg. Greim

Mildem Chor aus derSchöpfung" von Haydn schloß die Feier um 12% Uhr.

Gieße«, 30. Juni. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts wurde Peter Geiß II. von Hain-Gründau wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit rm Sinne der SS 173 und 177 des R. St. G. B. abgeurtheilt. Der 56 Jahre alte An­geklagte ist verschiedener scheußlicher Verbrechen geständig, und überführt, weshalb die Geschworenen dasSchuldig" aussprachen und demgemäß Verurtheilung m eme Zucht­hausstrafe von 7 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer

^O(Kießen, 1. Juli. Wir erhielten nachstehende Zuschrift:Da wir von der Wichtigkeit des Unterrichts in weiblichen Arbeiten vollständig überzeugt sind und uns daher auch für Frauenarbeit in hohem Grade interessiren, so statteten wir gestern der Ausstellung von Schülcrinnen-Arbeiten, welche Fräulein Lina Moser, geprüfte Lehrerin für Frauenarbeit, im hiesigen Einhornsaale veranstaltet hat, einen Besuch ab. Wir trafen da mit mehreren uns wohlbekannten Damen, die über weibliche Arbeiten ein ganz bestimmtes und sicheres Urtheil abgeben können, zusammen und wir haben, in Gemeinschaft mit diesen alle Arbeiten einer eingehenden Besichtigung und Pru ung unterzogen, und das Resultat derselben war für Fräulein Moser ein so äußerst günstiges, daß wir uns veranlaßt fühlen, dasselbe hiermit der Oeffentlichkeit zu über­geben. Alle Arbeiten, welche die Bezeichnung vielseitig verdienen, sind in der That höchst sauber, acurat und geschmackvoll gefertigt und die weißen und bunten Stick­arbeiten haben unsere besondere Aufmerksamkeit erregt und dadurch unsere volle Be­friedigung gefunden, weil dieselben wirklich prachtvoll ausgeführt sind. Gauz^esoiiders aber möchten wir noch betonen, daß wir, nach einer Besprechung mit einer Schülerin, die feste Ueberzeugung gewonnen haben, daß alle Arbeiten nicht nur nut großem Fleiße, sondern auch mit Verst andniß angefertigt worden sind.

Alle Damen, die mil uns gleichzeitig benannte Ausstellung besuchten, haben höchst befriedigt den Einhornsaal verlassen und wir glauben in dem Sinne deNelben zu handeln, wenn wir hiermit öffentlich aussprechen, daß das Unternehmen des Fräulein Möser gewiß auch fernerhin verdient durch Zusendung von Schülerinnen recht reichlich unterstützt zu werden.

Univerfitäts - Chronik.

Marburg, 29. Ium. Das im Druck nunmehr erschienene amtliche Ver- zeichniß des Personals und der Studirenden hiesiger Universität enthält neben den Uebersichten über die Frequenz auch die endgiltige Feststellung der Hörerzahl im ver­gangenen Wintersemester, dieselbe beträgt hiernach 817. In dem gegenwärtigen Sommersemester ist nach der vorläufigen Feststellung die Gesammtzahl 939. Es studiren hiervon Theologie 193, Jurisprudenz 77, Medicin 300 und philosophische Wissenschaften 369. Davon entfallen auf die preußischen Provinzen 790 und zwar auf Ostpreußen 5, Westpreußen 10, Brandenburg 40, Pommern 31, Posen 6, Schlesien 25, Sachsen 50, Schleswig-Holstein 9, Hannover 63, Westfalen 100, Hessen- Nassau 353, Rheinprovinz 96, Hohenzollernsche Lande 2. Den übrigen Reichsländern gehören an 124 und zwar Anhalt 9, Baden 7, Bayern 4, Braunschweig 8, Bremen 9, Elsaß-Lorhringen 1, Hamburg 6, Hessen (Großherzogthuni) 12, Lippe-Detmold 5, Lippe- Schaumburg 2, Lübeck 2, Mecklenburg - Schwerin 8, Mecklenburg-Strelitz 5, Olden­burg 11, Sachsen (Königreich) 10, Sächsische Herzogrhümer 11, Schwarzburg-Sonders­hausen 2, Waldeck 11 und Württemberg 1. Oesterreich 3, den übrigen europäischen Staaten gehören an 14, und zwar Großbritannien 2, Frankreich 1, Oesterreich- Ungarn 2, Niederlande 1, Rußland 1, Schweiz 6, Türkei 1. Von den außereuropäischen Ländern sind vertreten Afrika mit 3, Amerika mit 1 und Asien mit 4, zusammen 3 Studirenden.

Vermischte-.

Neu-Ulrichstein, 1. Juli. sMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro Ium 1886.1 Ultimo Juni waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 35.

Hiervon waren: Hand-Arbeiter rc. 9, Bäcker 2, Bergleute 1, Gärtner 1, Loh-Gerber 1, Kaufleute (Commis) 1, Klempner 1, Maurer 1, Müller 2, Schlosser 2, Schneider 2, Schuhmacher 3, Weber 1, Schreiber 3, Scherenschleifer 1, Essigsieder 1, Portefeuillearbeiter 1, Strumpfwirker 1, Buchdrucker 1.

Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 9, Nassau 7, Bayern 2, Württemberg 1, Sachsen 2, Thüringen 1. Von Preußen auf die Provinzen: Hannover 2, Hessen (Cassel) 7, Westpreußen 1, Sachsen 1, Rheinprovinz 1, Russisch- Polen 1.

Abgegangen sind im Laufe des Monats Juni 7.

Davon gingen auf eigenen Wunsch 5, durch eigenes Bemühen rc. 1, durch Ent­lassung 1.

Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 314 Colonisten.

Frankfurt a. M., 30. Juni. In der Mittagstunde machte auf der ^ßeil gegenüber dem Römischen Kaiser ein junger unbekannter Mann einen Selbstmord­versuch, indem er ein Gift enthaltendes Fläschchen leerte. Das Gift wirkte sofort und

nach einigen Augenblicken fiel der Unglückliche wie leblos aus das Trottoir der Straße, wo sich bald eine große Menschenmenge ansammelte. Von dem Flur eines Hauses an der Reil wurde er in das Hospital gebracht, wo er sich in ärztlicher Behandlung be­findet. Das Fläschchen soll Kalilauge enthalten haben, lieber die Persönlichkeit des jungen Mannes erfahren wir Folgendes: Er heißt Julius Vogel, ist 19 Jahre alt, Kaufmann und stammt aus Mariahilf (Wien). Vogel war hierher gekommen, eine Stelle zu suchen; den Selbstmordversuch machte er vermuthlich, weil ihm alle Mittel ausgegangen waren. Auf ein Schreiben an seine Mutter hatte er vor einigen Tagen einen Gulden erhalten. a _

Stuttgart. Der Zug der Zeit, sich gegen die Wechselfälle des Lebens durch gegenseitige Unterstützung möglichst zu sichern, hat nun auch den yeb- ammenstand ergriffen. Dank den Anstrengungen der in Stuttgart unter der .Redaction des Herrn Dr. med. O. Zeller erscheinendenAllgemeine Zettschritt für Hebammen, Wochen- und Kinderpflege" kam am Pfingst-Montag in dem oberen Saale der Tioolibrauerei hier eine gut besuchte Versammlung zu Stande, welche die Gründung einerAllgemeinen Krankenunterstützungs- und Altersoersorgungskasse für Hebammen beschloß und den bereits schon vor einiger Zeit durch das Hebammenorgan verosfent- lichten Statutenentwurf einer gründlichen Durchberathung unterzog. Es wurde eine vollständige Einigung erzielt und die Kasse wird demnach, sobald die Statutku ge­nehmigt, in's Leben treten. Es wäre im Interesse des ganzen Hebammenstandes wünschenswerth, wenn die Unterstützungskasse, die nur den Anfang einer Reihe per von ersten medicinischen Autoritäten angestrebten Reformen bilden soll, allgemeine Unterstützung seitens der Hebammen fände.

Anmeldungen werden bei Frau Löb, Kreuzplah 4, entgegengenommen.

50jährige Jubelfeier der technischen Hochschule;u Darmstadt.

Darmstadt, 30. Juni 1886.

Mit dem heutigen Tage begannen die Feierlichkeiten der 50jährigen Jubelfeier der technischen Hochschule, indem die Frauen und Jungfrauen Darmstadts dem Akademi­schen Verein eine wunderbar schöne Fahne, sowie dem Ausschuß des Festes Schärpe, Schläger und Stulpenhandschuhe überreichten. ,r< _ ..c

Die Uebergabe erfolgte in der Aula des Gymnasiums. Der akademische Musik­verein eröffnete die Feier mit Vortrag eines Festmarsches, worauf Frau Braun-O hly eine Ansprache an die »ersammelte Studentenschaft hielt und hervorhob, daß diese Fahne ein Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung für die Bestrebungen sei, welche der Akademische Verein verfolge und daß bei der 100jährigen Jubelfeier aus der hier ver­sammelten Jugend lauter berühmte Männer geworden sein möchten. Sodann erfolgte nach Vortrag eines Gesanges die Ueberreichung der Fahne rc. durch Festjungfrauen, wobei Fräulein Wagner (Tochter des Herrn Prof. Wagner) eine Ansprache an den Akademischen Verein hielt, darin auffordernd, die Studentenschaft möge der überreichten Fahne treu bleiben und sie für die Interessen der Hochschule stets hochhalten.

Der Director der Hochschule Dr. Ed. Schmitt nahm hierauf Veranlassung, den Geberinnen Namens des Professoren-Collegiums, sowie der gesammten Studenten­schaft Dank abzustatten und die Versicherung abzugeben, daß diese Fahne stets als Zeichen der Ehrerbietung und Achtung vor den Stiftern bei allen festlichen Gelegen­heiten der Hochschule Verwendung finden werde.

Die ebenso schöne wie erhobene Feier schloß mit dem Absingen eines eigens für diese gedichteten Liedes, worauf die Fahne von der versammelten Studenteüschafl nach dem Saalbau gebracht wurde.

" Musik.

V Gießen, 30. Juni.

Das Concert des akademischen Gesangvereins in der Stadtkirche war nicht so besucht, wie man es hätte erwarten müssen. Wir können dies nur bedauern und gestehen offen, daß diejenigen, welche dem Concert fern blieben, viel versäumt haben, indem dasselbe wirklich eines besseren Besuches würdig gewesen märe.

Unter den zahlreichen Aufführungen von Haydn'sSchöpfung", welche wir bereits erlebten, darf der heutigen ein großer Vorzug eingeräumt weiden und der Verein kann stolz sein, obgleich finanzielle Opfer die Ehre erkaufen müssen.

Wenn der wahren Kunst gehuldigt werden soll, dann darf das materielle Interesse schon in den Hintergrund treten und darum mag auch diesmal der wackere Verein mit den Lorbeeren, die er geerntet hat, zufrieden sein. Alle die andächtigen Zuhörer, welche der Sinn für das Wahre, Gute und Schöne am Mittwoch in die Stadtkirche führte, werden dankbar sein für das, was ihnen geboten wurde und ein solcher Erfolg ist doch auch etwas werth.

Wenn wir mit den Chören anfangen wollen, so zeichneten sich solche durch Präcision aufs Vortheilhafteste aus, die Sopranstimmen bestrickten durch Anmuth und Wohlklang, die Altstimmen schmiegten sich denselben liebevoll an, die Tenöre wirkten sympathisch und die Bässe griffen markig und klangvoll ein, so daß man wirklich die himmlischen Heerschaaren zu hören glaubte. Dasgroße Werk wäre auch vollendet gewesen", wenn bei diesem Chore nicht die Blechinstrumente wieder zu vorherrschend hineingeschmettert hätten. Sonst hielt aber das Orchester vortrefflich Stand und die Hörner intonirten diesmal ganz ausnehmend schon.

Bei den Solisten begegneten uns zwei liebe Bekannte, Frau Minna Schubart- Tiedemann aus Frankfurt a. M. und Herr Augustin Ruff aus Mainz, elftere, die schon oft von uns lobend erwähnte Sopranistin mit der weichen, modulations- fahigen Stimme und letzterer, der kräftige, heldenhafte Tenor mit dem edlen Ausdruck des Vortrags, welcher in jeder Weise Die Achtung des Sängers vor der deutschen Sprache kundgiebt. Auch Herr Ernst Hungar aus Cöln zeigte sich der Baßpartie gewachsen. Wenn ihm auch des Basses Grundgewalt stellenweise fehlte, so füllte er durch seine ausgezeichnete Schulung die Lücke wieder glänzend aus.

Herr Musikdirector Felchner leitete das Ganze mit der größten Umsicht und hat somit den größten Antheil an des Werkes Gelingen.&

Temperatur der Lahn.

Am 1. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15°, Luft 17° R. im Schatten.

L. Chr. Rübs am en.

Jlflgetneiner Anzeiger.

Engi. Riesen-Futterriiben.

Diese Futterrüben, die ertragreichsten aller bisher bekannten, bedürfen nach der Aussaat keinerlei Bearbeitung mehr. Sie haben ausgewachsen 13 Fuß im Um­fange und sind 510; ja bis 15 Pfd. schwer. Erste Aussaat im April, zweite von Anfang Juni bis in den ersten Tagen des August. Letztere auf solche Felder, auf denen schon eine Vorfrucht abgeerntet wurde. In 14 Wochen sind die Rüben ausge­wachsen, die zuletzt gebauten werden, da sie ihre Dauerhaftigkeit und Nährwerth bis zum hohen Frühjahr behalten, zum Winterbedarf aufgehoben. Das Pfund Samen, größte Sorte, von den zuverlässigsten Züchtern Großbritanniens bezogene Original­saat, kostet 6 X, Mittelsorle 4 X Unter % Pfund wird nicht abgegeben. Cuttur- anweifung füge jedem Auftrage gratis bei.

Ernst Lanse, Nippervviese, Bez. Stettin.

Frankirte Aufträge werden umgehend per Nachnahme expedirt. 4825

Mein Geschäft befindet sich von heute au währ reud der Bauveränderung in meinem Hinterhause in der Wagengasse, gegenüber der Stadtpost.

Gießen, den 20. Juni 1886.

4588___________Wilhelm Orbig.

4715 Ein Mädchen vom Lande wird I 4771 Ein Pferdeknecht gesucht, in Dienst gesucht. Ludwigsplatz 8. 1 Hammstraße 4.

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