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Weßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Htzeil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentliche Kenntmß gebracht, daß nach § 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21- Juli bis 1. September Ferien hält.
Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.
Gießen, am 1. Juli 1886. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen.
____________________________________________Dr. Boekmann._________________________________
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.
Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.
Gießen, den 1. Juli 1886. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
Dr. Boekmann.
Nr. 20 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. v. Mts, enthält: " “
(Nr- 1673.) Verordnung, betreffend die Inkraftsetzung des Gesetzes über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung vom 28. Mai 1885 (Reichs-Gesetzbl. S. 159). Vom 24. Juni 1886.
Gießen, den 1. IM 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Bremerhaven, 30. Juni. Die Mitglieder des BundesratheS und des Reichstages, sowie die übrigen bereits gestern in Bremen eingetroffenen Ehrengäste langten Vormittags 9Vi Uhr mittelst Extrazuges hier an. Die Gäste begaben sich sofort an Bord des auf der Rhede liegenden Dampfers „Oder." Sämmtliche Schiffe wie auch die Stadt sind reich beflaggt. Auf der Rhede liegen sechs transatlantische Dampfer in vollem Flaggenschmuck. Bei Besichtigung der „Oder" auf der Rhede wünschte der Consul Meier derselben in einer Ansprache eine glückliche Fahrt. Der Präsident der Handelskammer Bremens überreichte Namens der Handelskammer eine Ehrenflagge und brachte ein Hoch aus den Norddeutschen Lloyd aus. Kapitän Pseiffer sprach hierauf den Dank für die Ehrenflagge aus. Alsdann wies Staatsminister v. Bötticher in einer Rede auf die Bedeutung der neuen Dampferlinien hin und wünschte im Namen des deuschen Reiches der „Oder" immerdar glückliche Fahrten.
Telegraphische Depesche».
Wolff'S Selter, Serresponderrr ■ Brrrtsu.
Berlin, 30. Juni. Die Morgenblätter bestätigen die Ausweisung des Reichstagsabgeordneten Singer, mit dem Zusatz, daß derselbe bis Samstag Mittag Frist zur Abreise erholten habe.
Berlin, 30. Juni. Der Reichskanzler ist Nachmittags von Schönhausen hierher zurückgekehrt.
— Dem Bundesrath ging eine Vorlage des Reichskanzlers, betreffend die Ausprägung neuer Nickelmünzen in Zwanzigpfennigstücken im Betrage von fünf Millionen Mark, zu.
— Im Abgeordnetenhause erklärt auf eine Interpellation wegen der Ueber- schwemmungen in Schlesien Minister Puttkamer, daß die Nachrichten der Blätter über die Verheerungen übertrieben seien. Im Allgemeinen sei ein besonderes Einschreiten der Negierung also nicht nöthig; in einzelnen Nothfällen werde die Regierung gewiß helfend eingreifen, wozu die Mittel des Dispositionsfonds ausreichen. Nach kurzer Besprechung der Interpellation werden die übrigen Gegenstände von der Tagesordnung abgesetzt. Der Präsident gibt dann eine Uebersicht über die Geschäfte der Session. Die Sitzung wird mit einem dreimaligen Hoch auf den König geschlossen.
— Die beiden Häuser des Landtags werden Nachmittags nach Erledigung der Tagesordnung in gemeinsamer Sitzung geschlossen.
— Das Herrenhaus nahm in definitiver Abstimmung das Lehreranstellungsgesetz für die ehemals polnischen Landestheile an und genehmigte den Antrag Kleist- Retzow aus Gewährung größerer Freiheiten an die evangelische Kirche.
— Die Abend-Ausgabe des „Berliner Tageblatt" vom 15. d. M., welche wegen einer falschen Proklamation des Königs Ludwig II. von Bayern mit Beschlag belegt wurde, ist gestern wieder freigegeben worden.
München, 30. Juni. Der Archiv - Vorstand v. Löher erklärt in der „Allg. Zeitung", er habe im Auftrage des Königs im Jahre 1873 die kanadischen und die griechischen Inseln 3i/r Monate, 1875 Creta, Cypern und die Krim 2Vr Monate bc- rerst, um einen passenden Ansiedelungsplatz für den Aufenthalt des Königs auf längere oder kürzere Dauer ausfindig zu machen und zugleich zu erforschen, ob für die Lebenszeit des Königs dort die ganze oder halbe Souveränität oder doch Unabhängigkeit von den dortigen Behörden erreichbar oder ob solche eventuell zu entbehren sei. In seinen Berichten über die Reisen stehe kein Wort von einem absolutistischen Königreich oder dessen Eintausch gegen Bayern; er habe vielmehr sehr eingehend und dringend von den Ausmanderungsplänen abgerathen. Der König verzichtete auch schließlich auf die Auswanderung.
. München, 30. Juni. Die Abgeordnetenkammer nahm gemäß dein Beschluß des Ausschusses in namentlicher Abstimmung ohne Debatte und einstimmig den Antrag an, den Finanzminister zu ermächtigen, die dem Prinzregcnten zur eigenen Verfügung anzuweisende Summe von jährlich 200,000 fl vorläufig aus den verfügbaren Mehreinnahmen des Verkvaltungsjahres 1884 zu entnehmen. Der Antrag der Regierung betreffend die definitive Anstellung von Beamten während der Regentschaft ist inzwischen vom Ministerium zurückgezogen worden. Beim Schlüsse dieser voraussichtlich letzten Sitzung der 1881 gewählten Kammer hielt der Präsident eine Schlußrede, welche mit einem dreifachen. begeistert aufgenommenen Hoch auf den Prinz-Regenten schloß. Der Abg. Frhr. v. Stauffenberg sprach dem Präsidenten den Dank des Hauses aus. Heute Abend findet eine Reichsrathssitzung statt. Morgen wird der Landtag Lurch den Prinz-Regenten im Ständehause feierlich geschlossen.
Paris, 30. Juni. Das Schreiben, womit der Herzog von Nemours der Gesellschaft zur Hilfeleistung bei Verwundeten seine Niederlegung des Vorsitzes anzeigt, sagt: Das gegen meine Familie erlassene Ausweisungsgesetz setzt mich jeden Augenblick in die Eventualität, .meines Wohnsitzes in Frankreich, unseres gemeinsamen Vaterlandes verwiesen zu werden, und bereitet mir eine Lage, worin ick die Obliegenheit eines Vorsitzenden der Gesellschaft erfolgreich nicht ausüben kann." Das Schreiben wurde in der Gesellschaft verlesen; dieselbe ernannte den Herzog zum Ehrenpräsidenten.
Paris, 30. Juni. Dem Vernehmen nach würde in Folge eines Conflicts mit der obersten Militärbehörde in Tunis betreffs einer an der Grenze von Tripolis unternommenen Occupation der Generalresident Catnbon abberufen. Es heißt, derselbe sei für den Botschafterposten in Konstantinopel bestimmt.
— Die französische Negierung hat der englischen angezeigt, daß sie das Pro- tectorat über die Gruppe der Comoren-Inseln übernommen hat.
— Es bestätigt sich, daß General Saussier, Gouverneur von Paris, seine Entlassung eingereicht hat. Das Entlassungsgefuch ist begründet mit der Entfernung des Generalstabschefs Saussiers, Boussenard.
— Mehrere Mitglieder der vereinigten Linken beabsichtigen eine Interpellation wegen des Rücktritts des Generals Saussier einzubringen.
London, 30. Juni. Lord Salisbury dementirt kategorisch die Behauptung Parnell's, daß das conservative Cabinet einen Plan zur Herstellung eines irischen Parlaments erwogen oder gar begünstigt habe, ebenso die Behauptungen Parnell's in Betreff seiner Unterredungen mit Lord Carnarvon.
Rom, 30. Juni. Cholera - Bericht. Vom 29. bis 30. Juni, Mittags, kamen in Brindisi 5 Erkrankungen und 11 Todesfälle vor, in Latiano 67 Erkrankungen und 24 Todesfälle, in Sanvito 13 Erkrankungen und 11 Todesfälle, in Francavilla 27 Erkrankungen und 15 Todesfälle.
Mons, 30. Juni. In mehreren Kohlengruben in Paturages, Guaregnon und Wasmes ist wiederum eine Arbeitseinstellung eingetreten. Die Sttikenden verhalten sich ruhig.
Rangun, 30. Juni. Laut Berichten aus Tumu (Oberbirma) vom 19. Juni griffen englische Truppen unter Major Hailes 1500 Birmanen an, welche hinter Pallissaden stark verschanzt waren. Obgleich die Engländer zwei Batterien Artillerie hatten, gelang es ihnen doch nicht, den Feind zu vertreiben, sie mußten sich vielmehr nach heftigem fünfstündigen Kampfe wieder zurückziehen. Hailes selbst würbe verwundet.
Lokale-.
Gießen, 1. Juli. In der gewohnten, einiach'würdigen Weise beging heute Vormittag 11 Uhr die Universität die Feier ihres Stiftungstages, deren Programm wir jüngst veröffentlichten.
Unter Vorantritt der Universitätsdiener, von welchen der erste das Scepter trug, erschien präcis ll1/* Uhr das Professorencollegium. Nach Erledigung einer musikalischen Piöce nahm der Rector, Herr Prof. Dr. Goswin Freiherr von Der Ropp, das Wort zur Festrede.
Derselbe gedachte zunächst in üblicher Weise der huldreichen Fürsorge unseres Fürstenhauses für die Hochschule, eine Fürsorge, welche sich im verflossenen Jahre in ganz hervorragendem Maße dadurch bewährt, daß unter der anregenden Theilnahme Sr. K. H. des Großherzogs von den gesetzgebenden Körperschaften unseres Landes die Mittel für die Erbauung von medicinischen und chemischen Unterrichtsgebäuden bewilligt worden seien. Redner hofft dauernden Nutzen von diesen Maßnahmen für die Hochschule und das ganze Land und wünscht, daß das Bewußtsein, daß dieselbe für letzteres im Ganzen, nicht nur für einen Theil desselben ihre segensreiche Wirksamkeit entfaltet, immer mehr durchdringen möge.
Sodann behandelte der Vorttagende die Geschichte der colonisatorischen Thätigkeit unseres Volkes, woraus wir Folgendes entnehmen: Nachdem in der Völkerwanderung eine umfassende Germanisirung zur Erscheinung gekommen, tritt allmälig durch das Vordringen der Slaven und Aoaren eine Reaction ein, welcher erst Karl der Große Stillstand zu gebieten vermag. Allein fein System der Marken Verfassung vermochte nicht sich auf die Dauer zu halten. Unter feinen Nachfolgern nahm die slavische Invasion wieder überhand. Eine neue Epoche colonisatorischer Thätigkeit beginnt bann erst mieber mit bem 12. Jahrhundert unb diese erstreckt sich über den größten Theil des heutigen Deutschland jenseits der Elbe, von welchem sie hauptsächlich die Mark, Pommern, Schlesien unb Preußen in ihren Bereich zieht. Weber bie Ausgangspunkte noch bie Träger ober Ziele finb babei gleichartig. Weltliche unb geistliche Fürsten, Mönchs- unb Ritterorben versuchen theils zu germanisiren, theils zu christianisiren, vielfach liegen ihren Bestrebungen auch finanzielle Absichten zu Grunbe. Alle


