London, 31. Mai. Das Oberhaus nahm die erste Lesung des irischen Waffen- gesetzes an.
— Die „Pall Mall Gazette" veröffentlicht Details der militärischen Organisation in der Provinz Ulster, welche behufs thatsächlichen Widerstandes gegen die Autorität eines irischen Parlaments in Dublin angeblich ausgeführt werden soll. Danach hätten sich 78,561 Mann einzeichnen lassen.
— In dem heutigen Meeting der Anhänger Chamberlain's beschlossen von 92 Theilnehmer 45, gegen die zweite Lesung der Home-Rule-Bill zu stimmen. In Parlamentskreisen nimmt man an, daß damit die Niederlage der Regierung entschieden und eine Auflösung des Parlaments fast sicher sei.
Petersburg, 31. Mai. Die Majestäten sind gestern in Gatschina eingetroffen.
Belgrad, 31. Mai. Das „Amtsblatt" dementirt die Nachricht auswärtiger Leitungen, die Negierung beabsichtige sämmtliche Bergwerke zu verpachten.
Rom, 31. Mai. Cholera - Bericht. Vom 30. bis 31. Mai, Mittags, kamen in Venedig 30 Erkrankungen und 19 Todesfälle vor, worunter 8 von früher Erkrankten. In Bari 1 Todesfall.
Catania, 31. Mai. Da die Lava nur noch 450 Meter von Nicolosi entfernt ist, haben die Einwohner die Stadt verlassen. Die Zugänge wurden mit Militär abgesperrt. Obwohl die Bewohner die Stadt in großer Erregung verließen, kam kein Unfall vor.
Verwischtes.
Offenbach, 29. Mai. sUnglücksfall.j Der Arbeiter August Schmidt von hier, 16 Jahre alt, in der Eisengießerei des Herrn F. L. Vombach beschäftigt, gerieth gestern Mittag 1 Uhr in die Transmission; er wurde beim Anstellen der Maschine erfaßt und mit herumgeschleudert. Derselbe war dort hinaufgeklettert, um, wie man vermuthet, sein Mittagsschläfchen zu halten. Er erlitt einen Ober- und Unterschenkelbruch und zwar derart, daß am rechten Bein ein Stück Knochen abgesägt werden mußte. Die Kopf- und Hirnhaut hat sich dermaßen losgelöst, daß der ganze Schädel blosliegt. Der durch sein eigenes Verschulden so schwer Verletzte wurde in's Hospital verbracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
— Heute Morgen 10 Uhr passirte in der Bleiweißfabrik von Maynz u. Wolf ein schwerer Unglücksfall. Der verheirathete Fabrikarbeiter Peter Schroth gerieth nämlich mit der rechten Hand in die Teigmaschine und wurde derart verletzt, daß die Hand nur noch mit einem Hautfetzen am Arme hängt. Wie wir hören, muß dem Unglücklichen die Hand abgenommen werden. (O. Z.)
— sVersichert Eure Früchte gegen HagelschadenDiese Mahnung richten wir jetzt, wo die Gewitter bereits vielfach Schaden verursachten, an die Landwirthe. Alljährlich findet man in den meisten Fällen, in denen ein Besitzer von Hagelschaden betroffen wird, die bedauernden Bemerkung in den Zeitungen, „daß er gegen Hagelschaden nicht versichert war". Ja, warum versichert er sich denn aber nicht? Es werden alle Ackerbautreibende gut thun, sich bei Zeiten vorzusehen und gegen Hagelschaden zu versichern. Die Versicherungsprämie ist in Anbetracht des möglichen Schadens eine so geringe, daß es unverantwortlich erscheint, sich „auf gut Glück" zu verlassen, um dann bei eintretendem Mißgeschick an die öffentliche Wohlthätigkeit zu appelliren. Darum versichert zeitig!
Geschichts-Kalender.
2. J«Ni.
' 1794. Einführung des allgemeinen Landrechts in Preußen.
1849. Gefecht zwischen den badischen Insurgenten und den preußischen Truppen in Baden.
1878. Attentat Nobiling's auf Kaiser Wilhelm.
Handel und Verkehr.
Gießen, 1. Juni. Auf dem heutigen Markt rostete r Butter per Pfund X 0.85-0.93, Hühnereier 2 Stck. 9—0 H, Enteneier St. 5—0 4/ Käse pr. St. 5—8 Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 22 Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,65 bis 0,80 Hühner per Stück X 0.90-1.30, Hahnen pr. Stück X 1.50-1.70, Enten per Stück X. 1.00—1.50, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 52—56 H, Schweinefleisch 54-60 H, Hammelfleisch 50-66 Kalbfleisch 40-48
Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—4.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner
X 7.50—8.00, Kirschen per Pfund 50—00 H.
Frankfurt, 31. Mai. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 17,50-17,75, fremder X 17,50-19,75, Roggen eff. hies. X 14,75-00,00, fremder X 14,25—14,50, Gerste effectio hiesige und Wetterauer X 13,00—14,00, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 14,00-14,50, fremder X 00,00-00,00.
Frankfurt, 31. Mai. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- trieben waren 353 Ochsen, ca. 14 Bullen, ca. 298 Kühe und Rinder, ca. 266 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 62—64, 2. Qual. X 48—56, Kühe und Rinder 1. Qual. X 54—56, 2. Qual. X 42—48 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 58—60 H, 2. Qual. 50—52 H per 1 Pfund Schlachtgewicht. '
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 31. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 348 Stück Rindvieh und 1043 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 21. Juni l. I.
— Es kursiren falsche „Hundert MarkReichsbanknoten". Dieselben sind'an Folgendem kenntlich: 1. Die Buchstaben der Strafandrohung unter dem rothen Con- trolstempel sind etwas zusammengedrängt und größer als auf den echten Scheinen. Die blaue Färbung der Vorder- und Rückseite ist Heller. 2. Die am oberen Rande der Kehrseite eingedruckten Ziffern sind größer als bei den echten und braunroth statt hellroth. Die Farbe der Banknoten ist fast immer weißlich grau statt hellblau.. 3. Das Wasserzeichen fehlt den falschen Noten und der Druck der Sttafandrohungen auf der Vorderseite ist schlecht, auch der des Adlers undeutlich. Die Nummern der falschen Noten sind nicht gleichlautend, sondern verschieden. Die rothen Nummern auf der Rückseite sind nicht aufgedruckt, sondern mit einem Pinsel ausgetuscht. 4. Die Ausführungen der Schraffierung, Muster und Reliefs sind ungenau. Der obere Kreiszierstrich in dem „H" bei dem Worte „Hundert" ist beinahe zirkelrund, während er auf den echten sich oval darstellt. Das „N" in dem Worte „Reichsbank" ist auf den nachgemachten Scheinen mehr breit als hoch. Der Aufstrich vom „v" zum „K" in dem Namen „v. Koenen" ist auf den falschen Noten nach außen, also konkav, bei den echten aber nach innen, also konvex, gebogen.
Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde.
Gottesdienst.
Himmelfahrttag, den 3. Juni.
Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 2 Uhr in der Friedhofskapelle: Pfarrer Schlosser.
Temperatur der Lahn.
Am 1. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15°, Luft 21* R. im Schatten.
L. Ehr. Rübsamen.
welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen, ^1111 vl?WlC/ bitten wir bis längstens Vormittags 10 Uhr i an uns gelangen zu lassen. Im Interesse der
rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt.
Die Expedition des „Gießener Anzeigers".
Allgemeiner Anzeiger.
HohgklScrhedung. Samstag den S. Juni d. I., von Vormittags 8 bis Nachmittags 2 Uhr, soll die letzte Diesjährige auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'schen Holzgeldern in der Wirtschaft des Herrn Kaspar Ran st zu Beuern stattfinden.
Londorf, den 31. Mai 1886. Der Rentmeister.
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