Mr. 127
Mittwoch den 2 Juni
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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einberufen werden. Jedenfalls wird die belgische Regierung dieser Bewegung gegenüber gut thun, ihre Hände nicht müßig in den Schooß zu legen.
öbl. Zimmer nebst riethen.
Ebersttaße 8.
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Dre französische Prinzenfrage ist ihrer Lösung näher gekommen, als noch die jüngsten Meldungen über die im Schooße des Ministeriums Frey- cinet herrschende Uneinigkeit erwarten ließen. Der Gesetzentwurf, welcher der französischen Kammer in voriger Woche in der Ausweisungs-Angelegenheit von der Regierung vorgelegt worden ist und für welchen die Kammer die Dringlichkeit beschlossen hat, ermächtigt den Minister des Innern, den französischen Thron- prätendenten den' Aufenthalt im Lande zu verbieten und setzt die Maximalstrafe für ein Zuwiderhandeln gegen dieses Verbot auf 5 Jahre Gefängniß fest. Die Radikalen benutzen diese Gelegenheit, um den Prinzen rücksichtslos zu Leibe zu rücken, indem von dem aus der Decazeviller Arbeiterbewegung bekannten soeia- listischen Deputirten Basly der Antrag gestellt worden ist, die Güter der ehemaligen Regentenhäuser Frankreichs zu veräußern und den Erlös zu einer Altervsrsorgungs-Anstalt für Arbeiter zu verwenden und Clemenceau soll sogar beabsichtigen, die obligatorische Ausweisung der Prinzen zu beantragen. Offenbar hat die Sache für letztere eine sehr kritische Wendung genommen und der orleantstische Thronprätenoent, der Graf von Paris, welcher mit seiner Gemahlin von den Liffabonner Hochzeits-Feierlichkeiten zur Stunde nach Paris zurückgekehrt ist, dürste leicht den französischen Boden sehr bald wieder verlassen müffen. Die Einbringung des erwähnten Gesetzentwurfes führte natürlich in der Kammer zu lärmenden Demonstrationen von Seiten der Monarchisten und
Durch die belgische Arbeiterwelt geht eine abermalige Bewegung. Von der Arbeiterpartei ist beschlossen worden, für den 13. Juni, den Pfingstsonntag, in allen Provinzial/Hauptorten Belgiens Manifestationen zu veranstalten. Falls diese — wie wahrscheinlich — untersagt werden sollten, so würde zu dem genannten Tage ein großer Socialiften-Congreß nach Brüssel
r SchiUßraßr 7. Erscheint t-Mch mit Stetere W
Deutschland.
?^Slau, 31 Mai. Die „Schlesische Volks-Ztg." meldet über dm Toast des Erzbrschofs Dmder bet dem gestrigen Diner: Er (Dinder) sei sich hn« trr^fe ner ?euen amte8 bewußt, tröste sich aber, daß er sich
ba« «mt nich selbst verliehen. Der Kaiser habe ihm die Anerkennung zu Theil werden lassen; vom Papste sei er berufen. Nach dem Gebote: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, Gott was Gottes ist", werde er wie bisher auch lm neuen Amte handeln. Auf den hohen Schutz der beiden von Gott qe- I ordneten erhabenen Gewalten bauend, trinke er auf das Wohl des heiliam
Vaters Leo und unseres ruhmreichen Kaisers Wilhelm. V B
zz- dosen, 31 Mai. Das „Posener Tageblatt" meldet, Erzbischof Dinder treffe am 6. Juni hier ein, seine Inthronisation finde am 8. statt.
Schweiz.
Bern, 31. Mai. Zn der gestrigen Volksabstimmung von Basel-Land M^das Gesetz über die Einführung des Impfzwanges abgelehnt, das Jnitia- tlvbegehren um Frergebung der ärztlichen Praxis angenommen.
In der Volksabstimmung im Kanton Solothurn wurde die von den Con- fervativen vorgeschlagene Revision der Verfassung mit 7166 gegen 3459 Stimmen abgelehnt.
England.
saa- 3L ®!ai- .?ie „Times" sagt, die Blokade der griechischen
Küste muffe sortdauern, b.s ,hr Zweck, die Abrüstung Griechenlands und die Beseitigung der Quelle der Gefahr für Europa vollständig erreicht sei: Europa verlange eine Versicherung der griechischen Regierung, daß sie an der Politik, berm erster Schritt das Abrüstungsdeeret gewesen sei, festhalten wolle.
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Politische Ueberficht.
_ v m Gießen, 1. Juni.
Sei der Vertagung des Reichstages ruht der parlamentarische Schwerpunkt (n der zur Vorberathung des Branntweinsteuer-Entwurfes eingesetzten Commission, deren Arbeiten aller Voraussicht nach die Zeit bis Pfingsten aussüllen werden. Nachdem die Commission am vorigen Donnerstag die Generaldebatte, welche sich hauptsächlich um die Bedürfntßsrage drehte, zum Abschluß gebracht, ist sie am gestrigen Montag in die Specialberathung der Vorlage ein* getreten, wozu zahlreiche Amendements von den einzelnen Parteien eingebracht worden sind, ja, conservativerseits ist sogar durch Herrn v. Mirbach ein ganz neuer Entwurf angekündigt worden. Jedenfalls werden sich die weiteren Verhandlungen der Commission sehr complicirt gestalten und ob sie einen neuen kbenskrästigen Entwurf zu Tage fördern werden, steht vorläufig noch dahin. Nur das Eine kann wohl jetzt schon als ziemlich gewiß betrachtet werden, daß nämuch von der ursprünglichen Regierungs-Vorlage nicht viel übrig bleiben wird und davon, inwieweit sich die Regierung den gestellten Abänderungs-Anträgen gegenüber entgegenkommend verhalten wird, dürfte es abhänqen, ob überhaupt noch etwas zu Stande kommt.
. In verschiedenen Blättern ist die Behauptung aufgetaucht, . der Reichskanzler, welcher bekanntlich schon seit vorvoriger Woche auf feinem ^uenburgischen Landsitze Friedrichsruhe weilt, werde den ganzen Sommer von Berlin fern bleiben. Dies muß aber als eine bloße und noch durch nichts begründete Vermuthung bezeichnet werden. Fürst Bismarck ging einfach auf ärztliches Anrathen nach Friedrichsruhe und wollte ursprünglich nur einige Tage daselbst verweilen; inzwischen erfolgte aber die Vertagung des Reichstages und hiermit entfiel der Hauptgrund für eine rasche Rückkehr nach Berlin. Wahr- schernlich ist, daß Fürst Bismarck bis Pfingsten in Friedrichsruhe bleiben, dann aber voraussichtlich nach der Reichshauptstadt zurückkehren wird, um den Special- Berathungen des Reichstages über die Branntweinsteuer-Vorlage beizuwohnen.
Der Zollkrieg zwischen Oesterreich-Ungarn undRumänien hat thatsächlich begonnen. Eine österreichische Ministerial-Verfügung verbietet vom 1. Juni er. ab die Durchfuhr von aus Rumänien stammenden Schafen, Schweinen, Pferden u. s. w. Die Verfügung wird durch Veterinär-Rücksichten motivirt, aber in Wahrheit handelt es sich darum, durch dieses den lebhaften rumänischen Viehhandel nach Oesterreich empfindlich treffende Verbot aus Rumänien eine starke Pression auszuüben. Bei der in Bukarest gegenwärtig herrschenden anti-österreichischen Stimmung dürfte aber das Verbot vorläufig nur Gegenmaßregeln rumänischerseits zur Folge haben.
. Das österreichische Landsturmgesetz ist nun auch vom Herrenhause definitiv genehmigt worden und hat somit diese für die Stärkung der Wehrkraft Oesterreichs bedeutsame Vorlage die vollständige parlamentarische Sanction erhalten.
Telegraphische Depesche«.
wolff's Megr. CsLs<t?psrrderrz>Brrr«arr»
„ , 3?‘ Mm. Staatssecretär Graf Bismarck begab sich heute Nachmittag
nach Frreorichsruhe. ö
eingetroff?n^ Mai. Der Graf von Paris ist am Sonntag früh wieder hier
i ^er ,/Temps" spricht sein Erstaunen darüber aus, daß nach dem über die Prtnzen-Porlage gemachten Lärm keine größere Majorität für die Ausweisung in der Kommission vorhanden sei. Man scheine die Cäsarische oder die Jacobini'sche Methode adoptiven zu wollen. Dagegen könne man nichts thun, da einmal eine Majorität vorhanden, aber man dürfe an deren Scharfblick und Erfolg zweifeln.
, 3 ~ Mehrere Zeitungen meinen, die Prinzenfrage sei mehr aufgeworfen, um zuführen JU b^Mgen, als um wirklich die Ausweisung der Prinzen herbei- .Paris, 31. Mai. Der Graf von Paris ist heute Vormittag nach Eu aogererst.
~ Heute Vormittag wurden auf dem Bahnhofe von St. Marthe bei Marseille durch Zusammenstoß zwischen einem Personen- und einem Güterzuge 15 Reisende verletzt, darunter 5 ziemlich schwer.
London, 31. Mai. Unterhaus. Harcourt kündiat an, er werde morgen eine betreffend die Weinzölle, einbringen. — Gladstone erklärt, er habe nicht die Absicht, mit der irijchen Landankaufsbill weiter vorzugehen, bis die Kammer in einer spateren Session die irische Verwaltungsbill wieder aufnimmt. Fowler setzt die Debatte über die irische Verwaltungsbill fort.
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au$ inder Commission, an welche der Entwurf verwiesen wurde kam es m stürmischen Scenen. Uebrigens erklären sich selbst gut republikanische Blätter wie der „Temps und das „Journal des Döbats", gegen die Ausweisuna der utlm T &cr daß diese Maßregel einen Mangel an allem
politischen Verstand verrathe. — Neben der Ausweisunas-Affaire beftfiäftiat
Deputirtenkammer gegenwärtig
FL.0....... v, hbr Kirche vom Staat. Anlaß hierm
haben die von der Kammer gemachten theilweisen Abstriche am Cultusbudaet gegeben, em endgiltiger Beschluß der Kammer in dieser Hinsicht steht indessen noch aus. — Am Freitag hat in Paris das Leichenbegängniß des Obersten ^°^>"ger staitgefunden, ohne daß es hierbei zu der angekündiqten großen focialistischen Demonstration gekommen wäre. uagemnoigien großen
... D°s russische Kaiserpaar hat Moskau nach säst einwöchent- lrchem Aufenthalte Ende voriger Woche wieder verlassen und die Heimreise nach Petersburg angetreten. Der diesmalige Aufenthalt der Majestäten in der alten der rusirschen Herrscher erhielt durch die bekannten Kundgebunaei- @^snUpt,eS “"k- be™ Moskauer Metropoliten ein bffondere- poli- tlsch^s Relief. Indessen kann die Art und Weise, wie der Czar die Ansprachen der oeiden Würdenträger beantwortete, nur dazu beitragen, etwaige Besorgnisse der Bedrohung des europäischen Friedens zu zerstreuen.
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©iefeen, am 29. Mai 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
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