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— In einem Berliner Briefe in der „Schles. Ztg." veröffentlicht Ludwig Pietsch folgende Erinnerung: . c
„Das an Furchtbarkeit und Seltsamkeit, wenigstens in der neueren curopatw» Geschichte wohl unerhörte Schicksal des Leibarztes Dr. v. Gudden erweckt die Erinnerung an ein ebenso einzig dastehendes Unglück, welches vor wenigen Zähren emes der zahlreichen Kinder dieses Opfers der Pflicht und der eigenen Unachtsamkeit betroffen hat. Einer seiner Söhne, schön, stattlich und riesen stark wie er, ein reich- begabter junger Maler in München, wurde durch das bekannte gräßliche Eretgntß auf einem Künstlermaskenfest zu München - das Verbrennen einiger als ^amojeben verkleideten Künstler in Folge der Berührung ihrer Costume mit Kerzenflammen — zu der kaum begreiflichen Tollkühnheit angeregt, bei nächster Gelegenheit auf einem anderen Maskenfest den praktischen Beweis liefern zu wollen, daß lenes Unglück nur durch dre Kopflosigkeit der von den Flammen Ergriffenen herbeigeführt worden wäre. Er wählte das gleiche Costüm und soll die Nähe der Flammen eher ausgesucht als gescheut haben. Fürchterlich wurde er für das Herausfordern des Schicksals bestraft Das Feuer ergriff auch ihn wie jene nicht lange zuvor verbrannten Eollegen. Er rettete zwar das Leben, trug aber so entsetzliche Brandwunden davon, daß er dre: Jahre lang fast hoffnungslos in den qualvollsten Leiden darniederlag. Besonders von den Armen schienen Haut und Fleisch völlig fortgebrannt zu sein. Die Aerzte verfielen darauf, das Experiment der Bedeckung dieser gänzlich zusammengeschrumpften und nur eme große Wundfläche darstellenden Extremitäten mit einer neuen künstlich darauf verpflanzten, lebendigen Menschenhaut zu wagen. Das Material zu derselben aber mutzte stückweise von gesunden lebenden Menschenkörpern dazu hergegeben werden. Da zeigte es sich einer wie großen und alloerbreiteten Liebe bei seinen Genossen, Künstlern, Studenten :c., sich der junge Gudden erfreute. Eine Schaar von mehreren hundert Freiwilligen erklärten sich bereit, die erforderlichen Hautstücke von ihren Armen ablosen zu lassen, damit aus denselben durch die behandelnden Chirurgen eine Art lebendiger Fleckendecke auf den wunden Gliedern des unseligen Freundes hergestellt werde. Sie haben sich dieser schmerzhaften Operation mit wahrhaftem Spartanermuth unterworfen. Tas unglaublich klingende Experiment ist wirklich an den Armen des jungen v. Gudden mit so gewonnenen mehreren hundert Hautstückchen ausgeführt worden. Ob und wie es möglich ist, daß auf diesem Wege bleibend eine neue eigene Haut durch organischen Proceß des Verwachsens gebildet werde, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß nur die Thatsache aus der allerbesten Quelle, daß die beiden, ob auch gänzlich verkümmerten, verschrumpften und mit Ausnahme der Hände fast durchaus bewegungsunfähigen Arme doch wenigstens erhalten geblieben und nun allmählich mit^etwas einer wunden und zerhackten Haut Aehnlichem bedeckt sind. Seine künstlerische Thätig- kcit fortzusetzen, ist dem so weit hergestellten jungen Manne freilich für immer unmöglich gemacht. Aber er vermag doch, trotz dieses Zustandes der Arme, mit der rechten Hand zu schreiben, er hatte es, Dank der eisernen Energie seines Willens, durch Hebung sogar erreicht, mit diesen Händen das Ruder zu führen. So sah man ihn im vergangenen Sommer auf dem Tegernsee seine Barke selbst bewegen und man mochte buchstäblich den eigenen Augen nicht trauen, welche das sahen. Kaum geringere Verwunderung und Bewunderung mußte bet allen ihm Nähertretenden der gefaßte, heitere Gleichmuth erregen, womit der so furchtbar Heimgesuchte sein allerdings selbst verschuldetes Unglück trug, und die heitere Liebenswürdigkeit seines Characters, welchen selbst ein solches Erlebniß nicht dauernd zu trüben und zu verbittern vermocht hatte. Dem neuen Schlage gegenüber, welchen nun der tragische Untergang des Vaters gegen das Herz eines solchen Sohnes geführt hat, wird jeder heitere Gleichmuth sich wohl machtlos erweisen."
— [„(Sin Wittelsbacher muß nicht.") Dem Wiener „N. Tagbl." wird aus München über eine merkwürdige Scene berichtet, die vor Jahren zwischen den beiden Helden des jüngsten furchtbaren Trauerspiels, zwischen König Ludwig und Professor Gudden stattfand. Es war im Jahre 1875, wenige Tage vor der Wahnsinns-Erklärung des jetzigen Königs Otto. König Ludwig hatte den berühmten Irrenarzt zur Audienz deschiedcn, um von ihm eine Meinung über den Geisteszustand seines unglücklichen Bruders zu hören. Die Unterredung hatte Zeugen, denn sie wurde bei offener Thür geführt und im Nebenzimmer, anstoßend an den Audienzsaal, arbeiteten mehrere Herren vom königlichen Secretariat. Zufällig war gerade auch der damalige Secretär des seither verstorbenen Prinzen Adalbert, Herr Baier anwesend, derselbe, der sich später nach dem Tode seines Herrn vergiftete. Dr. Gudden stand mitten im Zimmer, als der König stolz und hochaufgerichtet eintrat und ihn mit seinen flammenden Augen ansah. „Was halten Sie von dem Zustand meines Bruders?" fragte geradeaus der König. — „Majestät", antwortete der Arzt, sich tief verneigend, „nach meinem Dafürhalten sind Königliche Hoheit sehr bedenklich krank." — „Sol" Der König machte eine lange Pause und fuhr dann fort: „Würde mein Bruder genesen unter Ihrer
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I Pflege?" — „Das ist nicht zu versprechen", erwiderte Gudden, „aber es ist zu hoffen, wenn das geschieht, was ich thun möchte." — „Nun, und was würden denn das für Dinge sein ? Ich bin neugierig." — Gudden überlegte und sagte bann, dem König in's Auge sehend: „Ich muß bemerken, Majestät, daß in solchen Fällen Alles streng nach dem Gutheißen des Arztes befolgt werden müßte. Demnach müßte Königliche Hoheit ganz unter meine Aufsicht, ganz unter mein Cornmando gestellt werden. Der Prinz muß mit einem Worte Alles thun, was ich für geratheil erachte, dann kann ich Hoffnung versprechen — sonst nicht." Bei diesen letzten Worten ging Ludwig mit gekreuzten Armen vor Gudden auf und ab. Plötzlich blieb er stehen und sagte: „Ich danke, Herr Doctor — ein Wittelsbacher muß nicht, merken Sie sich das." — Der König drehte sich um und verschwand ohne Gruß. Gudden hat dann trotzdem die Oberaufsicht über den Prinzen Otto bekommen und der Prinz mußte. König Ludwig aber mußte nicht — er hat es dem Manne der Wissenschaft auf entsetzliche Art bewiesen.
— [Auch eine Verschwörung!j Eine hübsche „Verschwörungs-Geschichte" bringen die Münchener „Humor. Blätter": Ein alter Gymnasiallehrer hat es nie dahin gebracht, seine Classe im Zaume zu halten. Die Schüler kommen stets ohne Präparation zum Unterricht und erlauben sich während desselben allen erdenklichen Unsinn auszuführen. Der Professor ist schon so daran gewöhnt, daß er es kaum noch merkt. Aber eines schönen Tages verabreden sich seine Schüler, für den folgenden Tag einmal das Classenpensum ordentlich zu lernen und sich während des Unterrichts überhaupt musterhaft zu betragen. Gesagt, gethan. Als am anderen Tage der Professor in das Schulzimmer tritt, ist die Classe mäuschenstill. Er blickt sich verwundert um. Er geht nach dem Katheder und legt dort seine Bücher nieder. Er fängt an, unruhig zu werden. Der Unterricht beginnt. Es werden tadellose Antworten crtheilt. Der Livius in der Hand des Professors fängt an zu zittern. Die weiteren Fragen des Professors werden prompt beantwortet, während die Classe im tiefsten Stillschweigen verharrt. Da plötzlich erbebt der Professor am ganzen Leibe, er wirft sein Buch aus der Hand und ruft mit Stentorstimme über die ganze Classe hinweg: „Das lasse ich mir nicht gefallen, das ist eine ganz niederträchtige Verschwörung!"
— [Eine glückliche Mutter.j Emmy Winter, die Wittwe eines Beamten in London, welche von einer kleinen Pension ihren Lebensunterhalt bestreiten mußte, fristete mit ihren vier erwachsenen Töchtern ein sehr kümmerliches Dasein. Die Mädchen, die recht hübsch sind, beschäftigen sich mit Handarbeiten. In einem Wäschegeschäft, woselbst sie Hemdenkragen anfertigten, lernte Lizzie Winter, die Aelteste der Schwestern, einen Mohamedaner Namens Haledem - El - Salim kennen. Der Mann kundschaftete die Wohnung des Mädchens aus und die Nettigkeit, sowie das Wesen der Familie entzückte ihn so sehr, daß er bei der Wittwe um die Hände ihrer vier Töchter anhielt, die er sämmtlich zu heirathen wünschte. Mrs. Winter, sowie ihre Töchter batten nicht das Mindeste gegen den Antrag des Fremden einzuwenden, der auch die Schwiegermutter mit in sein Heim zu nehmen versprach; allein die Obervormundschast weigerte sich, den Handel zu sanctioniren. Die Wittwe hat die Angelegenheit einem Rechtsmanne übergeben. Sie findet es haarsträubend, daß man dem „Glücke" ihrer Kinder Hindernisse in den Weg legt.
— [Wann?j Ein Advokat hatte zwei Spitzbuben zu vertheidigen, von denen der eine bet Tag, der andere bei Nacht gestohlen hatte. Darauf fußend, sagte er in der „glänzenden" Verteidigungsrede: „Der Herr Staatsanwalt hat es bei meinem ersten Klienten als einen erschwerenden Umstand bezeichnet, daß derselbe bei hellem Tage mit unglaublicher Frechheit einen Diebstahl begangen. Jetzt wird bet meinem zweiten Klienten der Umstand, daß er zur gefährlichen Nachtzeit gestohlen, gleichfalls als erschwerend bezeichnet. Ich frage nun den Herrn Staatsanwalt: Wann soll denn der Kerl stehlen?"
— Wachtmeister (beim Reitunterricht): „Hirnmelsckockschwerenoth, sitzt der Kerl wieder auf seinem Gaul, wie das Orakel von Delphi, wenn es Leibschmerzen hat!"


