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1.7.1886 Erstes Blatt
 
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Temperatur der Lahn.

Am 30. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14°, Luft 14° R. im Schatten,

L. Chr. Rübsameru

VerzeichniH

der Mittel-reife der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Mai 1886.

Berdauungsbeschwerderr beseitigt schnell A. Widtfeldt's Aachener Magen­behagen u- sollte stets im Hause sein. Niederlage bei Emil Fischbach. 4793

sür welche sie gefaßt wurden. In Sofia verletzt man diese Beschlüsse ganz offen und in Konstantinopel scheint man deßhalb sehr wenig erregt zu sein; wer konnte leugnen, daß dieser Stand der Dinge ernste Gefahren und bedenkliche Ermutyigungen m fich birgt ?

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haben wir leider keinen Mann mehr, non dem da? Volk sagen konnte-Da ist er!

Man hat in den letzten Jahren Bayern als eine Art Operettenland dar- 'zustellen gesucht. Diese Täuschung muß man auigcbcn. Diese Leute nm|en, was Ne können und was sie wollen, und das ist eine ungeheure Kraft. Sie haben den Kronprinzen nicht mit begeisterten Zurufen begrüßt, aber im Herzen sind sie seine UnterthaneMb^ 0emet^et roorfon/ $af der Kaiser durch Erlaß vom 20. v. M. bestimmt daß bei Nachsuchung der Heiraths-Erlaubniß ein Hauptmann oder Rittmeister zweiter Klasse 1500 JL und ein Subaltern-Officier 2500 JL jährliches Einkommen nachweisen muß und den Kriegsminister mit Erlaß der Bestimmungen über die Voraussetzungen beauftragt, unter welchen das nachgemiesene Einkommen als sicher, beziehungsweise sichergestellt anzunehmen ist. Nack diesen Ausführungsbestimmungen sind unter anderen Erträgen aus städtischen oder ländlichen Grundstücken, aus Kohlengruben, Bergwerken,, Fabrikanlagen, kaufmännischen Geschäften u. s. w., insbesondere auch Gelvinnantheile (Dividenden) von Actien als sicheres Einkommen nur bis zur Halste des Ehrlichen Ertrages anzunehmen, welcher bei städtischen ober ländlichen Grundstücken aus den letzten fünf Jahren, in allen anderen Fällen aus den letzten zehn Jahren sich ergibt.. Das Einkommen aus zinstragenden Hypotheken ober Grunbschulben ist für sicher zu erachten, wenn letztere ben im § 39, Abs. 3, der preußischen Vormunbschaftsordnung aufgestellten Erfordernissen entsprechen. Zinsen von Werthpapieren gelten als sicher,, wenn die Reichsbank die betreffenden Werthpapiere als beleihbar anerkannt hat. Ein sicheres Einkommen bilden auch Zinsen einer Buchschuld des preußischen Staatsschulden­buches, welche auf den Namen des Bräutigams ober ber Braut nachgewiesen ist. Zu-- schüsse ober Zulagen aus bem Vermögen britter Personen gelten als sichergestellt, wenn dieselben dem Bräutigam ober ber Braut unb im Falle ihres Tobes nach geschlossener Ehe ben aus dieser Ehe entsprossenen Kinbern zur fortlaufenden Erhebung vollständig überwiesen sind. Entstammt das Vermögen ganz oder zum Theil eigenem Vermögen des Bräutigams, so gehört zum Nachweise der Sicherheit die pflichtmäßige Erklärung des Bräutigams, daß das aus diesem Vermögen nachgewiesene Einkommen nicht durchs bestehende Schuldverbindlichkeiten vermindert wird.

Von Ratib or aus war der Hamburger Polizei angezeigt worden, daß vow dort die Tochter eines Bankiers, nachdem sie sich in den Besitz einer Summe von 30,000 JL gesetzt, mit einem Eornrnis ihres Vaters durchgegangen sei und daß die Vermuthung vorliege, das Pärchen werde von Hamburg aus nach Amerika zu ent­kommen suchen. In ber That waren bie jungen Leute auch nach Hamburg gekommen unb hatten sich bereits bie erforberlidjen Vassagebillets zu verschaffen gewußt, ohne baß sie bis dahin entbeckt worben waren. Am Tage vor ihrer Abreise nun hatten sie dem Varietä - Theater einen Besuch abgestattet, waren aber auf dem Rückwege nach ihrem Hotel irre gegangen unb roanbten sich bebhalb enblich an einen ihnen begegnenden Herrn um Auskunft über ben richtigen Weg. Ihr Unstern hatte sie jedoch mit einem Polizeibeamten zusammengeführt, ber, in geschickter Weise ein Gespräch anknüpfend, bald heraus bekam, wen er vor sich hatte. Das Pärcken war nicht wenig, erschrocken^ als der Beamte es schließlich aufforderte, ihm zur Polizei zu folgen. Der Vater des jungen Mädchens wurde sofort benachrichtigt unb hat sein Töchterchen wiebel abgeholt.

Eine Bierwette, welche kürzlich durch eine Gesellschaft von Kennern auf ein- Dutzend Boxbeutel (Stein) eingegangen wurde, ist zu Gunsten der Liebhaber des- Stoffs aus dem bürgerlichen Brauhause Zell entschieden worden. Man hatte Proben der verschiedenen Biere, welche hier getrunken werden, an einen renommirten Chemiker gesandt und dieser hat das Zeller Bier als das gehaltreichste befunden.

(Auch ein Künstler.) Richter:Was haben Sie für ein Gewerbe?" Strolch:Ich bin Künstler!" Richter:Künstler?" Strolch:Ja, Schirmmacher." Richter:Aber das ist doch keine Kunst." Strolch:So? Machen Sie 'mal einen."

Schiff-nachrichten.

Bremen, 28. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Aller, Eapt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. Juni von Bremen und am 20. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Lokale-.

Gießen, 30. Juni. Am 13. und 14. Juli wird der konigl. Hofschauspiel- Lirector Ernst Poss art aus München im Verein mit hervorragenden Mitgliedern des Darmstädter Hoftheaters bie große Liebenswürdigkeit haben, unterer ©tobt einen Kunstgenuß ersten Ranges zu bieten. Poss art wirb nämlich für Zwecke ber Wohl- thätigkeil in Lessing'sNathan bem Weisen" unb am zweiten Abend tn ben be­kannten EinacternEine Partie Piquel",Unter bem Siegel der Verlchwiegenheit , Der Sinke ber Schmiebe", in ben Hauptrollen auftreten. Die ersten Kruste unserer Hofbühne werben ihm, bem Meister beutscher Schauspielkunst, bereitwillig habet zur Seite stehen unb so ein Ensemble schaffen, wie es vollenbeter wohl überhaupt nicht geboten werben kann. Es genügt gewiß dieser kurze Hinweis, um das Publikum von Stadt und Land zu veranlassen, sich diese seltene Gelegenheit, die mit so liebenswürdiger Liberalität geboten wirb, nicht entgehen zu lassen.

Aus ben von einem Ausschuß getroffenen oorbereitenben Maßregeln können wir folgenbe yervorheben: Die Aufführungen, zu benen berBurgerclub" die Buhne stellt, fiuben in Stein's Garten unb zwar voraussichtlich |o zeitig statt, daß Aus­wärtige noch bie Heimath erreichen können. Die Preise hat man so festgesetzt: 1) zwei Drittel bes Mittelraums 5 J4, 2) letztes Drittel (burch Pobium erhöht) 4 J£, 3) Seitenbau (Sitze schräg ber Bühne zugewanbt) 3 , 4) 2 JL (Seitenbau theil-

weise unb Musiktribüne). Der Billetverkauf beginnt Dienstag ben 6. Juli. Anbetracht ber außergewöhnlichen Leistungen unb auch bes wohlthätigen Zweckes wird man die Preise nicht zu hoch finden können, um so weniger, als wir versichern können, daß sämmtliche Plätze wirklich bequem sind unb baß man von allen sehr gut die Bühne überschauen kann. Um biesem Punkte Rechnung zu tragen, hat man von Stehplätzen vollstänbig Abstanb genommen und die Zahl der Sitze erheblich ein­geschränkt. Unordnungen ist dadurch vorgebeugt, daß alle Plätze fortlaufend nummerirt sind und jede Platzgruppe ihren eigenen Eingang haben wird. Den ursprünglichen Plan, eine Preisermäßigung für den Besuch beider Vorstellungen eintreten zu lassen, hat man fallen lassen müssen, da eine wirksame Controle nur sehr schwer durchgeführt werden könnte.

Gießen, 30. Juni. (Schwurgericht.) Der Schreiner Jacob Hahn I. von Ober-Mörlen, dessen Ehefrau und Karl Heil III. Ehefrau von da standen gestern unter der Anklage des betrüglichen Bankerutts vor dem Schwurgerichte.

Der Angeklagte Hahn trieb neben seinem Gewerbe als L-chreiner noch einen Handel mit Specereiwaaren und Wirthschaft. Er hatte kein eigenes Vermögen und lieh deshalb die Summe von 2000 um solche in feinem Geschäfte zu verwenden. Die Geschäfte gingen jedoch nicht nach Wunsch und bald wurde Hahn von seinen Gläubigern gedrängt und mit Exekutionen überhäuft. In Folge besten melbete er bei Großh. Amtsgericht Bab-Nauheim feinen Concurs an, welcher auch am 10. August v. I. von bemfelben erkannt würbe.

Der Angeklagte wirb nun beschulbigt, Vermögensstücke in ber Absicht, seine Gläubiger zu benachtheiligen. verheimlicht ober bei Seite geschafft zu haben unb bie Ehefrauen Hahn unb Heil, baß sie bem Hahn zur Begehung bieses Verbrechens burch Rath unb That wissentlich Beistanb geleistet haben. Es sinb nun eine große Anzahl von Gegenstänben bei Seite geschafft worben, z. B. ein Reisekoffer, ein kupferner Kessel, 1 Pflug, Blechkannen, Gläser, Porzellantassen u.bgl. Der Angeklagte behauptete jedoch bezüglich des Koffers unb bes Kessels, baß biete Gegenstänbe seiner Schwieger­mutter resp. seinem Schwager gehörten unb baß er solche nur vorübergehenb in Gewahrsam hatte unb bei Ausbruch bes Concurses an ben richtigen Platz habe bringen wollen. Bezüglich ber übrigen Gegenstänbe (Wollengarn, Eichorie, Hosenträger, Cigarren) räumt ber Angeklagte ein, bieselben in einen Sack gethan unb verborgen zu haben. Es wirb ihm ferner zur Last gelegt, ein Faß Rüböl, welches ihm vom Gerichts­vollzieher abgepfänbet worben war, unter Beihülfe ber Hahn unb Heil theilweise ent­leert unb mit Wasser aufgefüllt zu haben. Die Angeklagten stellen bies entschieden in Abrede; der Zeuge, welcher die diesbezüglichen Beobachtungen gemacht haben will, ist jedoch unbeeidigt vernommen worden.

Die Staatsanwaltschaft ließ die meisten unter Anklage gestellten Delicte fallen, hielt jedoch dasjenige bezüglich der Maaren, welche in dem Sack versteckt wurden, aufrecht und empfahl den Geschworenen die Bejahung der gestellten Schuldfragen bezüglick der Hahn Eheleute, bezüglich ber Heil beantragte sie Freisprechung.

Die Geschworenen bejahten jeboch nur bie Schulbfragen bezüglich des Hahn unter Zubilligung mildernder Umstände, die übrigen Fragen wurden verneint.

Das Gericht verurtheilte hierauf den Angeklagten Hahn in eine Gefängnißstrafe von 7 Monaten (in Verbindung mit einer von Hahn zuerstehenden Gejängnißstrafe von 6 Wochen wegen Jagdvergehens) und in 2/a der Kosten des Verfahrens; die Ehe­frauen Hahn und Heil wurden freigesprochen und der Staatskasse Va der übrigen Kosten, sowie bie baaren Auslagen ber Vertheibigung auferlegt.

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Mainz, 28. Juni. (Ausgrabungen.) Am Samstag Nachmittag würben in der Flachsmarktstraße bei ben Canalarbeiten in einer Tiefe von über 3 Meter eigen; tbümlich geformte Töpfe, aus dem Mittelalter stammend, aufgefunden und hat es den Anschein, als ob an dieser Stelle die gesammten Haushaltungsgeschirre einer Familie verschüttet worben wären. In der Zeughausgasse traten bei ben Canalarbeiten bie lleberrefte bes Lanbpfeilers ber alten römischen Brücke zu Tag unb besteht bieselbe zum Theil, wie bei ben Wasserpfeilern, aus eichenen Holzpfählen. In ber Fortsetzung des Landpfeilers sieht man deutlich die Spuren einer römischen Straße, welche, in gerader Linie gedacht, direct auf bie große Emmeransstraße stoßen würbe. Betreffs des in ber Bauerngasse aufgebeeften Mosaikbobens haben bie weiteren Nachgrabungen ergeben, baß sich unter bem Mosaikboben auch Heizanlagen befunben haben, so baß man es hier unzweifelhaft mit einer römischen Babeanlage zu thun hat.

Marburg, 28. Juni. Nächsten Samstag Nachmittaa, am 3. Juli dss. Js., wirb auf Burg Staufenberg eine gemüthliche Zusammenkunft berLehrer von Gießen unb Marburg ftattfinben, wozu auch bie Lehrer der Kreise Marburg unb Kirchhain, wie aus ber Umgegenb von Gießen willkommen geheißen werben. Nähere Ein­labungen erfolgen, wie wir hören, in berHessischen Schulzeitung" und imHessischen Schulboten".

Brüssel, 29.Juni. Der König hielt heute eine große Revue auf dem Manöver- felbe von Etterbeek über die Artillerie unter bem Oberbefehl bes Generallieutenants 9Hcaife ab. Dreizehn Batterien mit 78 Geschützen waren zusammengezogen. Gestern Abenb würbe in ber Vorstabt St. Gilles ein schreckliches Verbrechen entdeckt. In einem Hause der Straße Fonsny wurden frisch abgeschnittene Beine und Arme einer Frau in einem Sacke aufgefunden, der Rumpf und Kopf fehlen. Es herrscht große Aufregung in St. Gilles. Eine Untersuchung ist sofort eröffnet, jedoch sind bis jetzt nur wenig weitere Spuren des Verbrechens entdeckt worden. (F. Z.)

Nicht uninteressant sind folgende Stellen aus dem Bericht über das Leichen- begängnifj König Ludwig's in dem französischen BlatteParis":Soll ich Ihnen von der Haltung der bayerischen Soldaten sprechen? Warum nicht! In aller Wahr­heit, diese Armee ist prächtig. Der geringste Soldat zog so stramm, so selbstbewußt, mit so militärischem Stolze vorbei, daß es eine Freude war zu sehen. Der Vorbei­marsch des militärischen Trauerzuges war bewundernswerth vom Anfang bis zum Ende. Man muß auch seinen Feinden Gerechtigkeit widerfahren lassen und die Be­wunderung für die, von denen ich spreche, verstärkt und vergrößert sich in diesem Falle durch den Haß, den ich gegen sie empfinde. . . . Hinter dem Srauerwagen die Diener des Königs, sein Leibroß unb enblich bie bichte Menge ber Fürsten, an ihrer Spitze ber Erbe bes beutschen Kaiserthrones, alle mit ihren Stäben, blitzenb von Orben unb in glänzenben Uniformen. Es war wohlverstanben vom künstlerischen Stanbpunkte wahrhaft schön, unb unser enthusiastisches Volk von Frankreich hätte nicht verfehlt, biesem wunberbaren Vorbeimärsche laut Beifall zuzurufen. Hier fein Rut, fein Schrei - AllesEhrfurcht" . . . Als einziger Franzose stanb ich unter jwanjigtaufenb Deutschen, als ber Kronprinz fam, da horte ich von Allen mit unter­drückter Stimme:Da ist er!" und in diesemDa ist er!" lag etwas Unübersetz­bares, das ich nicht wiederholen kann. Seit bem Tobe unseres armen Gambetta

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lieber Retter'S Haarwasser.

Es kann nicht genug wieberholt werben, unb ist auch barüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worben, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, bie im blinben Vertrauen auf schwinbel- hafte Reclame unbebacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich sei Hunbert- taufenbe für schäbliche Haarmittel ausgeben unb in bem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, währenb sie bamit boch nur ben Charlatanismus unter­stützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zeiten van dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür ein wirklich gutes conservirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomaden zn gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das

Haarwasser von Carl Retter in München

nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v. Wittstein rc. rc-, Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glän­zend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie die lästigen Schuppew innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. Zu beziehen per Flacon ä 40 und JL 1.10 bei Herrn I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen-

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