Mr. 149 Erstes Blatt. Donnerstag den 1. Juli iss«
Amts- und Anzeigevlatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Theil.
Die Viehpreisvertheilung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen in 1886 betreffend.
Die diesjährige Viehpreisvertheilung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen soll am Mittwoch den 7. Juli l. I. zu AlSfeld .^bgehalten werden.
Mit derselben ist eine Ausstellung von Producten landwirthschaftlicher Thätigkeit, sowie von Maschinen und Geräthen verbunden.
Prämiirt werden:
I. Pferde, und zwar:
1) Zuchtstuten mit Fohlen;
2) Zuchtstuten, bezüglich derer diesjähriger Deckschein vorliegt;
3) Fohlen, die nicht mehr saugen.
II. Rindvieh und zwar:
1) die einheimische Vogelsberger Gebirgsrace;
2) die Simmenthaler Nace und andere fremde Racen;
3) die Kreuzung der vorhergenannten Racen;
Im Einzelnen:
a. Bullen von Privaten, Gemeinden und Gemeindebullenhaltern im Alter von 1—2 Jahren;
b. Rinder, die sichtbar trächtig sind, von 2—3 Jahren;
c. Zuchtkühe;
d. ganze Zuchten von Rindvieh.
111. Schweine, und zwar:
1) Mutterschweine, trächtig oder mit Ferkeln;
2) Eber,
3) Zuchtschweine im Alter von wenigstens i/2 Jahr.
IV. Schafe, und zwar:
1) Zuchtschafe in Loosen von wenigstens 3 Stück,
2) Böcke.
V. Ziegen.
Vsm Aussteller selbst gezüchtete Thiere werden höher, prämiirt, als < gekaufte. Letztere muffen, insofern sie im Besitze von Privaten sind, eine .bestimmte Zeit lang angekauft sein und zwar Stuken mit Fohlen mindestens 1 Jahr; Bullen, Rinder, Zuchtkühe und Zuchtschweine Vs Jahr-
Fohlen- welche bis zum Alter von 2Vs Jahren noch nicht eingespaünt worden sind, sollen vor anderen den Vorzug haben.
Die Bewerber haben amtliche Bescheinigungen über die bezüglich der Thiere geforderten Voraussetzungen beizubringen.
Unrichtige Angaben des Ausstellers in Bezug auf die bestimmten An- forderungen an die concurrirenden Thiere haben zur Folge, daß etwa zuerkannte Prämien wieder zurückgezahlt werden müssen und daß der Aussteller in solchem Falle durch 5 Jahre von der Zulassung zu Prämiirungen ausgeschlossen ist.
Es kann nur wirklich preiswürdiges, den verlangten Leistungen entsprechendes Vieh prämiirt werden.
Eigenthümer solchen Viehes, welche wegen zu starker Concurrenz keine Prämien erlangen konnten, deren Vieh aber von den Preisrichtern besonders .ausgeschieden wurde, erhalten aus Verlangen eine durch die Preisrichter fest
zusetzende Wegentschädigung, wenn sie über 10 Kilometer weit hergekommeu sind, und zwar 10 für den Kilometer.
Die Musterung des Viehes durch die Preisrichter beginnt Vormittags 8 Uhr und' ist thunlichst mit Ausschluß des Publikums in abgegrenzten Räumen vorzunehmen. Das Vieh muß aber um 7 Uhr schon zur Stelle sein.
Die Namen der Aussteller dürfen den Preisrichtern vor der Prämiirung nicht mitgetheilt werden.
Die Thiere sind nach Nummern vorzuführen.
Zur Preisbewerbung sind alle Angehörigen der Provinz zugelaffen.
Viehhändler als solche sind von der Bewerbung ausgeschlossen.
Thiere, welche bereits bei einer Preisvertheilung eines Provinzialvereins oder dss ganzen Landes prämiirt worden sind, können in derselben Categorie nicht wiederholt einen Preis bei der bevorstehenden Preisvertheilung erhalten.
Ein Aussteller kann auf der bevorstehenden Ausstellung in einer Cate- gorie nur einen der bewilligten Geldpreise erhalten.
Mit der Ausstellung ist eine Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen und sonst nützlichen Geräthen sowie Maschinen verbunden.
Jeder Aussteller hat die Ausstellungszeit bei Meidung des Verlustes der zuerkannten Prämien oder Wegentschädigung auszuhalten.
Bezüglich der Erhebung eines Standgeldes bleibt Bestimmung vorbehalten.
Den auszustellenden Maschinen, Geräthen, Werkzeugen rc. sind die Verkaufspreise anzuheften.
Die Größe der einzelnen Preise wird von den Preisrichtern bestimmt, den aus dem Staatsfond fließenden 1000 X werden dieselben bei Großvieh nicht unter 60 JL und bei Kleinvieh nicht unter 30 Jt pro Stück oder Loos betragen. Im Uebrigen erfolgt die Zuerkennung der Preise nach Maßgabe der für die landw. Vereine gültigen, in Nr. 7 der Zeitschrift für die landw. Vereine von 1882 abgedruckten Prämiirungsordnung.
Im Ganzen stehen zur Verfügung:
1. Aus dem Staatssond .... 1000 JL
2. Aus Provinzialvereinsmitteln ... . 600 „
3. Aus dem Bezirksverein Alsfeld . . 1000 „
4. Aus den Mitteln des Alsfelder Viehzucht-
Vereins zur Prämiirung des Berner und
Vogelsberger Viehes der Vereinsmitglieder 400 „
zus. 3000 vä
Die Einlieferung von auszustellenden Erzeugnissen der Landwirthschast, insofern solche nicht dem Verderb ausgesetzt sind, landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthen wolle, wenn möglich, bis spätestens bis zum 5. Juli an Großh. Bürgermeisterei Alsfeld erfolgen.
Friedelhausen, den 24. Juni 1886.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.
Deutschland.
München, 29. Juni. Die „Allgemeine Zeitung" veröffentlicht nach- ' stehendes Handschreiben des Prinz-Regenten an den Kriegsminister:
„Nachdem ich die Regentschaft und den Oberbefehl über die Armee übernommen habe, lege ich die Stelle als Gencral-Jnspector der Armee nieder. Ich behalte mir die Wiederbelebung dieser Stelle vor, verfüge jedoch einstweilen den "Einzug der etatsmäßig daran geknüpften Competenzen. Der KriegSmtnister wird das hiernach Erforderliche veranlassen.
(gez.) Luitpold."
Breme«, 29. Juni. Die gestern zur Feier der Betriebs-Eröffnung der suboentionirten Dampserlinien als Ehrengäste hier eingetroffenen Mitglieder der rheinisch-westfälischen und sächsischen Handelskammern, der Vorstand des deutschen Handelstages und verschiedene industrielle Vereine wurden Seitens der hiesigen Betheiligten auf dem Bahnhofe empfangen. Nach einer gemeinsamen Spazierfahrt sand Abends 9 Uhr die Begrüßung der Gäste durch den Handelskammer-Präsidenten Louis Meyer im Rathskeller statt, woselbst sodann auch das Abendessen eingenommen wurde. Präsident Meyer hob in der Begrüßungs- Ansprache hervor, daß, wenn das Beisammensein auch nicht einer ernsten Arbeit gewidmet sei, man doch beweisen möchte, wie Bremen rastlos darnach strebe, Handel, Industrie und einen großartigen Schiffsahrts-Betrieb stets zu fördern, sowie, welche große Anlagen Bremen zur Verbesserung der Verkehrswege geschaffen habe. Bei dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit der Nationen könne es nicht ausbleiben, daß der deutsche Einfluß seine Macht im sriedlichen Wettbewerb der Nationen aus dem großen Weltmarkt siegreich entfalten werde. Eommercienrath Jansen-Dülken sprach Namens der Gäste den Dank aus.
— Heute findet eine Besichtigung der neuen Hafenbauten im Frethasen- bezirk und verschiedener großer Etablissements statt. Für Nachmittags ist ein
Festessen im Museum und für den Abend ein Gartenfest mit Illumination im Bürgerpark in Aussicht genommen.
Spante«.
Madrid, 29. Juni. In der gestrigen Deputirtenkammer tadelte General Lopez Dominguez die Haltung des Krtegsministers und erklärte, daß, wenn die dringenden BedürfniAe der Armee nicht befriedigt würden, Spanien bittere Früchte ernten werde.
Telegraphische Depesche«.
toolfPt tetear. Torresporrdenr - Bwttatu
Berlin, 29. Juni. Fürst Bismarck ist heute Mittag nach Schönhausen abgereist.
— Wie es heißt, wäre der socialdemokratische Reichstagsabgeordnete Singer aus Berlin ausgewiesen.
Petersburg, 29. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt, es wisse nicht, ob der russ. Gesandte Onou die Pforte auf die Verletzung des organischen Statuts seilens des Fürsten Alexander hingewiesen habe, wie kürzlich gemeldet wurde. Jedenfalls habe Fürst Alexander sich Schlimmeres zu Schulden kommen lassen, als nur eine Verletzung des organischen Statuts, er habe sich über europäische Vereinbarungen hin- weggesctzt und sein Vorgehen zeige wenig Respect vor dem europäischen Areopag: er erlaubte sich directe Eingriffe gegen die Rechte der Pforte, indessen scheine sein Verfahren in Konstantinopel mit Indifferenz, selbst mit Wohlwollen aufgenommen zu werden, so daß der vielfach gehegte Verdacht, als bestände ein Einvernehmen zwischen der Pforte und dem Fürsten Alexander, gerechtfertigt zu sein scheine. Wie dem aber auch sei, ob ein Einverständniß besteht oder nicht, man würde sich den offenen ^bal- sachen verschließen, wenn man annähme, daß das in Konstantinopel beobachtete Verfahren ohne Folgen bleiben würde. Was Rußland angehe, so kann es diesem nach Allem, was es bereits gethan habe, nicht mehr obliegen, sich als einzigen Vertheidlger der Beschlüsse Europas hinzustellen, von Beschlüssen, welche jeden Werth verloren zu haben scheinen sowohl in den Augen Derjenigen, von denen sie gefaßt, wie Derjenigen^


