Ausgabe 
31.10.1885
 
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sMetallgewerbliche Gesundheitspflege.] Bei der Ausübung der Metall­gewerbe sind leider sehr zahlreiche Möglichkeiten vorhanden, daß mehr oder minder große Schädigungen der Gesundheit vorkommen. Die Lage der Arbeitsräume selber, sowie ihre innere Beschaffenheit sind in der Regel aus hier nicht zu erörternden Gründen selten der Art, daß auf die Gesundheitsoerhältnisse der in ihnen Arbeitenden völlig Rücksicht genommen werden könnte. Vieles wird oft genug, jedoch nur aus Unterschätzung der vorhandenen Gefahren oder aus Unkenntniß derselben versehen. Da es überflüssig ist, auf die Wichtigkeit besonders aufmerksam zu machen, welche für die Erhaltung der Gesundheit und der ungeschwächten Körperkraft für Jedermann hat, so mögen folgende Andeutungen und Winke für die Gesundheit, die vorhandenen Gefahren Ihunlichst zu vermeiden oder doch zu vermindern, beitragen:

Schmelzen der Metalle. Beim Schmelzen der Metalle sind es besonders Dämpfe von Arsen- und Antimon-Verbindungen, welche in Betracht zu ziehen sind, vorzugsweise bei antimonhaltigen Legirungen. Zinkhaltige Legirungen geben Zink- dämpse, die, eingcathmet, gefährliche Wirkungen Hervorrufen können; noch mehr ist letzteres der Fall beim Schmelzen von Blei und Bleilegirungcn; das hierbei oft auf- trctcnde staubförmige Bleioxyd ist ein starkes Gift.

Feuervergoldung und Arbeiten mit Quecksilber. Alle Arbeiten mit Quecksilber müssen mit größter Vorsicht ausgeführt werden, da die Quecksilberdämpfe schon, in geringer Menae in den Körper gelangt, gefährliche Krankheiten, anhaltendes Siechthum und den Tod hcrbeizuführen vermögen.

Beizen und Aetzen. Bei den Operationen des Aetzens und Beizens ent­wickeln sich sehr häufig Dämpfe, welche Chlor oder Stickstoffoxyde (Stickoxyd, Unter­salpetersäure, salpetrige Säure) enthalten, welche eingeathmet in hohem Grade die Gesundheit gefährden, besonders letztere Körper, die in der Regel beim Arbeiten mit Salpetersäure oder Salpetersäure enthaltenden Mischungen (Gelbbrennen) entstehen, haben bereits eine große Reihe von Todesfällen herbeigeführt.

Cyankalium. Bei der in der Galvanotechnik so vielfachen Anwendung des Cyankaliums ist nie zu vergessen, daß man mit einer der giftigsten Substanzen arbeitet, welche uns bekannt sind, die nicht nur im festen oder gelösten Zuastnd in den Körper gelangend, diesen hohen Grad von Giftigkeit besitzt, sondern auch die bei gewöhnlicher Temperatur von Cyankalium-Bädern ausgehauchten Dämpfe enthalten Blausäure, von der bereits geringe Mengen sehr starkgiftige Eigenschaften besitzen.

Auftreten von Kohlenoxyd. Richt selten ist es erforderlich, Arbeiten über glühenden Holzkohlen auszuführen. In solchen Fällen ist daran zu denken, daß hierbei fast stets erhebliche Mengen desselben gasförmigen Körpers entstehen, welcher im Winter bei zu frühem Schluß der Ofenklappen schon so zahlreiche Opfer ge­fordert hat.

Jeder Metallarbeiter sollte daher folgende Regeln befolgen:

1. Alle Operationen seines Gewerbes, welche schädliche Dämpfe oder Gase heroorbringen, stets im Freien oder unter einem stark ziehenden Schlote vorzu­nehmen.

2. In den Arbeitsräumen thunlichst das Einnehmen von Mahlzeiten zu ver­meiden; ist dies unthunlich, sich jedoch stets vorher Hände und Gesicht mit Seife tüchtig zu waschen.

3. Die Arbeitsräume sind möglichst oft zu lüften, besonders während der Mittagspausen. . (V1

4. Im Sommer ist wöchentlich mehrmals, im Winter wenigstens ein Bad zu nehmen. Derjenige, für den dies nicht thunlich ist, soll das Bad wenigstens durch ebenso häufige Abwaschungen des ganzen Körpers zu ersetzen suchen.

5. Bei Arbeiten, die durch Splitter und dergleichen zu Verletzungen der Augen führen lönnen, soll man sich thunlichst der Schutzbrillen von Glimmer bedienen. .

Vorstehende Vorsichtsmaßregeln erfordern kaum Opfer von Geld und Zett und werden, befolgt, zur Vermeidung zahlreicher Gesundheitsstörungen beitragen und dementsprechend sehr oft das Eintreten eines vorzeitigen Lebensendes verhindern.

[ Entl arvt.] Mehrere Zeitungen brachten in letzter Zeit folgendes Inserat Ein älterer Pfarrer,

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Diejenigen Personen, welche an die bezeichnete Adresse Anfragen gerichtet hatten, erhielten eine aus Anerkennungsschreiben bestehende Broschüre mit dem Titel:Er­folge der Haar-Conservirungs-Apparate von Edmund Büligen, ^Lolmsstraße 45, vor­

mals in Leipzig. Durch die Anerkennungsschreiben, welche zum Theil mit gerichtlicher Beglaubigung versehen waren, ließen sich Viele, welche mit ihrem Haarwuchs un­zufrieden waren, bewegen, das angepriesene Mittel anzuwenden und die Präparate, hie in Kisten zu 2 Fl. für den Preis von 12.50 JL versendet wurden, zu beziehen, natürlich ohne die geringste Wirkung durch den Gebrauch zu erzielen. Den hierüber geführten Klagen trat Büligen mit der Bemerkung entgegen, es fei Geduld erforder­lich, beim ersten Male sei der Erfolg noch nicht wahrzunehmen, bei zweiter und dritter Wiederholung werde derselbe aber nicht ausbleiben. In der That haben sich auch Personen gefunden, welche trotz der Wirkungslosigkeit des Mittels eine zweite Sendung sich kommen ließen. Wie groß der Umsatz mar, geht daraus hervor, daß die Ein­nahmen ausweislich der Bücher in manchen Monaten 1500 Ji. überstieg. Da der 2C. Büligen wegen ähnlicher Betrügereien in Leipzig bereits zu einer hohen Gefimgniß- strafe verurtheilt worden ist, erfolgte seine Festnahme und Vorführung.

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Kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzeu.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag den 31. Oktober.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.

22. Sonntag nach Trinitatis, 1. November. Reformationsfest.

Vormittags 9V-2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Feier des heiligen Abendmahls.

Nachmittags 5 Uhr: Professor Dr. Gottschick.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Zwecke des Gustav-Adolf- Vereins.

Kinderkirche fällt aus; dieselbe beginnt wieder am Sonntag, den 8. November.

Montag, den 2. November, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinder­schule, Joh. Kap. 17, von Vers 1 an, Pfarrer Dr. Naumann.

Anmerk. Die am Ernte-Dankfeft erhobene Kirchenkollekte für unseren Kirchen­baufonds betrug 26 JL 31 H.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1. bis 7. November besorgt Pfarrer Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

23. Sonntag nach Pfingsten.

Fest Allerheiligen.

Von 7 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com- munion. Um VzlO Uhr: Hochamt und Festpredigt. Um 2 Uhr: Andacht.

Allerseelen.

Montag den 2. November.

Von 7 Uhr an: Beichte. Um u Uhr ein Todtenamt für alle Abgestorbenen.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 5 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 550 Uhr.

Holzversteigerung.

Montag den 2. November,

Nachmitiags 1 Uhr, sollen an der Kreisstraße nach Holz­heim

11 Pappelstämme, von 4055 Ctm. Durchmesser und 611 Meter Länge,

5 Erlenstämme von 2540 Ctm. Durchmesser und 67 Meter Länge, versteigert werden.

Die Zusammenkunft ist auf der Kreisstraße nach Holzheim beim Via- duct.

Lang-Göns, den 28. October 1885.

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