Ausgabe 
31.5.1885 Zweites Blatt
 
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Höcker. In den letzten-Tagen producirten sich mit ihm zwei den Ton angebende Damen der Pariser Welt. Ein Schrecken durchfuhr die gradegewachsenen schönen beim ersten Anblick der Monstrosität aber wer weiß, vielleicht erleben wir es in vier Wochen, daß die ganze elegante Pariser Welt bucklig umherläuft.

fJe nachdem.! Ein Engländer, der lange in Indien geweilt und dort der Tigerjagd abgelegen, wurde gefragt, ob das die richtige Waidmannslust sei.Es ist ein ganz angenehmer Sport", erwiderte dieser,so lange als Sie den Tiger jagen, jagt er aber Sie, so hat es seine Schattenseiten."

(Ungarischer Kammerton.j Es ist 2 Uhr. Ministerpräsident Tisza erhebt sich, um eine Rede zu halten. Die Opposition murrt:Es ist zwei Uhr, man möge die Sitzung schließen!" Aus dem Gewirr der Stimmen hebt sich die des Abgeordneten Professor Thaly scharf hervor:Dauert denn die Sitzung bis drei Uhr?" worauf Ministerpräsident Tisza fragt:Hält denn der Abgeordnete Thaly die Abgeordneten für Maurer, die den Hammer und die Kelle wegwerfen, wenn es zwölf Uhr schlägt?" Der Abgeordnete entgegnete:Ich bin zwar kein Maurer, würde aber das Maurer- gesellenthum recht gerne acceptiren, wenn mir die Aufgabe zufiele, den Ministerpräsi­denten lebendig in eine Nische einzumauern!"

Newyork, 25. Mai. Die Postkutsche, welche am letzten Freitag mit Touristen von Madera, in Californien, nach dem Nosemite-Thale abging, wurde von Straßen­räubern angefallen und beraubt. Letztere nahmen nicht nur den Reisenden ihr Geld, ihre Juwelen und andere Werthgegenstände ab, sondern schleppten auch den Kassen- behältcr der Post mit sich fort. Das Ereigniß verursachte in der ganzen dortigen Region große Aufregung und vier Sheriffs verfolgen die Räuber, auf deren Habhaft- werdung eine große Belohnung ausgesetzt ist.

Literarisches.

Das Geographische Institut zu Weimar hat kürzlich die zweite Lieferung der Kettler-Müller'sckien vierblättrigen großen Karte von Afrika ausgegeben. Dieselbe umfaßt den Nord westen des dunkeln Erdtheils^: Tripolis, Tunis, Algerien, Marokko, Senegarnbien und die westliche Hälfte der Sahara nebst dem Gebiet des Tsad-See. Den neuen Fortschritten in der Theilung Afrikas Rechnung tragend, zeigt die Karte bereits die langgedehnte Küstenstrecke, welche kürzlich von Spanien besetzt worden ist, sowie unsere neue Monte an der Mündung des Dembia-Flusses, die von dem Stuttgarter Handelshause Colin unter den deutschen Schutz gestellt wurde. Ein in der Ecke der Karte eingefügter Carton enthält ein in kleinerem Maßstabe gezeichnetes Uebersichtskärtchen Afrikas, auf dem sämmtliche deutschen und österreich-ungarischen Consulate eingezeichnet find und giebt so einen inftnictiöen Ueberblick über die Ver­tretung, die deutsche und österreichische Interessen bis jetzt in Afrika gefunden haben. Die auf dem ersten Blatte der Karte in Anwendung gekommenen Grundsätze der Bearbeitungsweise, welche den Beifall der namhaftesten Fachleute (so z. B. in einer

Besprechung durch Prof. Zöppritz in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Erdkunde, in einer anderen durch Prof. Fischer in der deutschen Colcmialzeitunr u. a. m.) gefunden haben, sind natürlich auch auf dieser zweiten Lieferung überall zu erkennen. Der Preis jeder der vier Lieferungen beträgt für die jetzige Subscriptions- ausgabe nur zwei Mark, später tritt eine Erhöhung des Preises der ganzen Karle auf 12 Mark ein.

Neue hygienische Milchprodukte.

Vor 20 Jahren hat Liebig durch seineSuppe für Säuglinge" die allgemeine Aufmerksamkeit auf eine bessere Ernährung der kleinen Kinder hingelenkt. Ist auch diese Liebig'sche Suppe ihrer schwierigen Zubereitung wegen nicht zu sehr großer Ver­breitung gelangt, so gab sie doch den Anstoß zu einer Verbesserung der Muttermilck- Surrogate. Immerhin sind noch mancherlei Nährmittel im Gebrauch, die an de» Kindermagen große Anforderungen stellen durch schwerlösliche Mehlstoffe, die sie ent­halten. Auch die eondensirte Milch, wie sie in der Schweiz unter Zuckerzusatz her- gestellt wird, entspricht dem Zweck nicht, indem der Rohrzucker leicht säuert und deshalb auf die Dauer den Kindern wenig zusagt.

Nun hat in jüngster Zeit eine Stuttgarter Firma (Ed. Loeflund) es unter­nommen, nach den Anforderungen unserer neueren Physiologen und Aerzte eine Milch­nahrung herzustellen, die ohne Zuckerzusatz oder mehlige Bestandthelle ben größten Nähreffeet neben einer höchst einfachen und sicheren Bereitungsweise erzielen soll.

Diese Loeflund'sche Kinder milch wird nach patentirtem Verfahren im bayr. Allgäu hergestellt und zwar aus bester Alpenmilch mit Zusatz eines Extraetes aus Cerealien, das nur lösliche Nährsubstanz enthält. Dadurch werden die Bestandthelle der Kuhmilch so ausgeglichen, daß sie für den Säugling paßt und eine ebenso leicht verdauliche als kräftige Nahrung abgiebt. Die Zubereitung ist höchst einfach, das Präparat braucht nur in heißem Wasser gelöst zu werden, um zum Gebrauch fertig zu sein.

Daß ein solches Mittel den Aerzten und Müttern sehr willkommen ist und lebhafte Nachfrage findet, bedarf kaum der Erwähnung.

Außer der Kindermilch wird in der Loeflund'schen Fabrik noch keine Allgäuer Milch prefervirt, gleichfalls ohne Zuckerzusatz, ein Product, das für Schiffsbedarf und zur Verbesserung der Marktmilch sehr gute Dienste leistet.

Ein weiteres Product ist die Loeflund'sche Rahm-Conserve, für zehrende Kranke und schwächliche Kinder anstatt Leberthran empfohlen, ein vortrefflich schmeckenbes Mittel, daß trotz seines hohen Fettgehaltes sehr leicht verdaut wird und das ganze Jahr hindurch gebraucht werden kann.

In Gießen und Umgegend haben sich schon die meisten Apotheken diese Milch- producte beigelegt.

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HohgkMerhetmng.

Donnerstag den 4« Juni, von Vormittags 8 bis Nachmittags 2 Uhr, soll zum zweitenmal eine Er­hebung von Freiherrlich von Rabenau scheu Holzgeldern, zu Beuern, in der Wirtschaft des Herrn Kaspar Ranft, stattfinden.

Londorf, den 23. Mai 1885.

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Aufgebot.

Anna Maria Weid en Haus, geb. am 25. November 1807, und Sophie Weidenhaus, geb. am 19. April 1815, Töchter des Friedrich Weidenhaus und dessen Ehefrau Johannette Margarethe, geb. Heller, von Grüningen haben sich vor länger als 50 Jahren nach England begeben und sind seitdem verschollen. Nach dem Tode seiner Ehefrau ist im Jahre 1837 Friedrich Weidenhaus mit feinem großjährigen Sohne Gottfried Weidenhaus nach Russisch-Polen ausgewandert; Beide sind ebenfalls verschollen. Das mütterliche Vermögen der Anna Maria Weidenhaus und der Sophie Weidenhaus wurde seither curatorisch verwaltet und beträgt der­malen ungefähr 2000 JC. Da dieselben das 70. Lebensjahr zurückgelegt haben, so ist von den Curatoren Jacob Wilhelm Engel und Christian August Jsheim von Grüningen der Erlaß eines Aufgebots beantragt worden. Es werden hiernach Anna Maria Weidenhaus und Sophie Weidenhaus resp. deren Leibes- oder Testamentserben aufgefordert, spätestens im Termin

Mittwoch den 13, Juli 1. IS., Vormittags 9 Uhr, ihre Rechte an das fragliche Vermögen vor dem unterzeichneten Gericht anzu­melden und zu begründen, als sonst Anna Maria und Sophie Weidenhaus für tobt erklärt und das Vermögen den nächsterbberechtigten Verwandten aus­geliefert werden würden.

Zugleich ergeht an alle Diejenigen, welche Erbansprüche an das fragliche Vermögen zu haben vermeinen, die Aufforderung, diese Ansprüche spätestens in dem oben anberaumten Aufgebotstermin geltend zu machen, als sonst Ver­zicht unterstellt und das Vermögen als bonum vacans dem Fiskus überwiesen werden würde.

Lich, den 3. Mai 1885.

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