Darmstadt, 28. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben am 22. d. Mts. Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Georg von Wales, zweiten Sohn Sr. König!. Hoheit des Prinzen von Wales, sowie dem Marquis o f Lome, Gemahl Ihrer König!. Hoheit der Prinzessin Louise von Großbritannien und Irland, das Großkceuz des Ludewigs-Ordens zu verleihen geruht.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorresporrdenz - Bureau.
Gastein, 28. Juli. Der Kaiser unternahm gestern Abend eine Spazierfahrt nach Kötschachlhal und wohnte sodann der Soiree der Gräfin Lehndorff bei. Heute nahm der Kaiser das siebente Bad und machte darauf in Begleitung Lehndorffs eine Promenade auf dem Kaiserwege.
Berlin, 28. Juli. In der heutigen Versammlung der Baugewerksmeister gelangte der Aufruf der Meister-Commission an die Maurergesellen in der Provinz zur Verlesung, wonach thatsächlich 5/e sämmtlicher Maurer die Arbeit wieder aus-
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Nr. 1$M. Donnerstag den- 30. Juli ISS»
ießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Politische Ueberficht.
Gießen, 29. Juli.
Die „Nordd. Allg. Zeitung" schreibt: Die deutschen Behörden und besonders Das auswärtige Amt enthalten fortgesetzt aus den verschiedensten Theilen Deutschlands und auch aus dem Auslande Gesuche um Anstellung oder Verwendung in den unter deutschem Schutz stehenden überseeischen Gebieten, um kostenfreie Beförderung dahin und um Belehrung und Auskunfts-Ertheilung über die dortigen Verhältnisse. ES ist daher wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß das Reich Stellen in den Schutzbezirken nicht mehr zu vergeben hat, daß auch keine Fonds zur kostenfreien Ueberführung dorthin zur Verfügung stehen und sich die Behörden somit nicht in der Lage befinden, derartigen Ge- suchen näherzutreten. Soweit es sich um Auskunfts-Ertheilungen über die Ver- hältmffe in den Schutzgebieten handelt, wird es sich empfehlen, sich an Gesell- schäften zu wenden, welche in jenen Gebieten Niederlassungen besitzen, wie z. B. an das Syndikat für Westafrika in Hamburg, die Deutsche Ostasrikanische Gesellschaft und das Comitä der Neu-Guinea-Gesellschaft in Berlin.
Das Ordinariat des Erzbischofs Orbin in Freiburg erläßt folgende Verordnung: „Das sog. Reichswaisenhaus in Lahr betreffend. Es ist zu unserer Kenntniß gebracht worden, daß da und dort Versuche gemacht werden, katholische Waisen dem sog. Reichswaisenhaus in Lahr zuzuführen. Da diese Anstalt nicht die nöthigen Garantieen für eine katholische, das Elternhaus ersetzende Erziehung bietet, so beauftragen wir die Pfarrämter, daraus zu achten und auf gesetzlichem Wege dahin zu wirken, daß katholische Waisen nicht diesem unkatholischen sog. Reichswaisenhaus zur Erziehung übergeben werden."
Die Ernennung detz Fürsten Hohenlohe zum Statthalter von Elsaß-Lothringen stellt sich nach osficiöser Andeutung der Form nach als eine Fortsetzung des bisherigen Regierungs-Systems in den Reichslanden dar.' .Thalsächlich bedeutet sie indessen eine wesentliche Aenderung desselben. Der verstorbene Freiherr -v., Manteuffel schaltete vollkommen -selbstständig und entschied auch die wichtigsten Fragen selbstständig und ganz nach eigenem Er- mesien und häufig genug keineswegs im Sinne des Fürsten Bismarck. Fürst Hohenlohe dagegen ist durch jahrelanges ungetrübtes Zusammenwirken mit dem leitenden Staatümanne so sehr mit dessen Ansichten nach jeder Richtung vertraut, daß er schon deshalb weit eher als jede andere Persönlichkeit in der Lage ist, den Straßburger Statthalterposten in Uebereinstimmung und in fortgesetzter Fühlung mit dem Reichskanzler zu verwalten. Man brauchte deshalb nicht an üne Verlegung des Schwerpunktes der elsaß-lothringischen Verwaltung von Straßburg nach Berlin zu denken, doch aber darf man voraussetzen, daß sehr zum Vortheil der Allgemeinheit fortan auch die Regierung in den Reichslanden mehr als es in den letzten 6 Jahren der Fall war, mit den Grundsätzen der Reichspolitik und der geschichtlichen Ueberlieserung preußisch-deutscher Verwaltung im Einklang stehen wird. Im Elsaß selbst scheint die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Nachfolger des Herrn v. Manteuffel den besten Eindruck gemacht zu haben. So begrüßt das „Elsässer Journal" dieselbe mit folgenden Worten: „Nach allen Mittheilungen, welche uns von verschiedenen Punkten des Landes spontan zugegangen sind, und nach denjenigen, die wir selbst gesammelt haben, ist die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Statthalter von Elsaß-Lothringen fast überall mit einer ungekünstelten Sympathie ausgenommen worden.. Einer der von uns erhaltenen Briefe bemerkt u. A., daß Fürst Hohenlohe nach einem 11jährigen Aufenthalte in Paris die Schwierigkeiten aller Art kennen muß, mit welchen die nach der Annexion im Lande gebliebener Elsaß-Lothringer zu kämpfen gehabt und noch zu kämpfen haben; Schreiber dieses Briefes, welcher den zugleich festen und wohlwollenden Charakter des Fürsten von Hohenlohe kennt, spricht die fast sichere Hoffnung aus, der zukünftige Statthalter werde diesen Schwierigkeiten willig Rechnung tragen und, fügt unser Correspondent hinzu, es wird für ihn das beste Mittel sein, sich die Enttäuschungen zu sparen, welche sein Vorgänger, trotz der vortresfitchen Absichten, von welchen er beseelt war, empfunden hat."
Aus Veranlassung des Reichskanzlers und in Uebereinstimmung mit den Reden, welche Fürst Bismarck in der Reichstagssitzung vom 9. Mai d. Js. gehalten hat, werden, wie amtlich bestätigt wird, in den Einzelstaaten amtliche Erhebungen über die Frage der Sonntagsruhe stattfinden. Eine Verordnung für Preußen ist bereits ausgearbeitet und wird wohl binnen Kurzem im „Staats-Anzeiger" veröffentlicht werden. Wie verlautet, würden nicht nur Meister und andere Arbeitgeber, sondern auch Gesellen und Gehülfen von den mit der Untersuchuna dieser Angelegenheit betrauten Behörden befragt werden. In der erwähnten Sitzung erklärte der Reichskanzler ausdrücklich: „Wir bedürfen der Belehrung über die Sache und sind sehr bereit, aus eine Unter» fuchtlng etr zugehen. Dabei sind die Arbeitgeber sowohl, wie namenllich die Arbeiter zu hören, denn deren Stimmung ist bisweilen am wichtigsten, ob die diesen Zwang wollen, ob ihnen damit gedient ist. Dazu würden die verbündeten Negierungen wenigstens nicht die Hand bieten, ehe sie nicht besser als jetzt unterrichtet find — möge die Untersuchung gründlich sein — und ehe sie nicht namentlich die Stimmung der Arbeiter in den weitesten Kreisen über den von der Arbeiterschutz-Commission des Reichstages vorgeschlagenen Entwurf sondirt haben werden." Nach diesen Auslassungen des Fürsten Bismarck wird man s^hr umfangreiche und genaue Ermittelungen im ganzen Reiche erwarten und dem Ergedniß derselben mit Spannung entgegensehen dürfen.
Das Programm des in Wien jüngst gegründeten czechischeu Vereins, welches als Haupt- und Cardinalpunkt die Erhebung des czechifchen Idioms zur zweiten Landessprache in Nieder-Oesterreich enthält, hat begreiflicher Weise nicht wenig überrascht. Wenn man schon auf etwas Unverfrorenheit von czechischer Seite gefaßt sein dürste, so konnte man doch nicht eine so ungeheuerliche Forderung, wie die Zulassung des Czechifchen als zweite Staatssprache nehen dem Deutschen in Nieder-Oesterreich, erwarten. Daß die Czechen es wagen, mit einer solchen Forderung an'S Tageslicht zu treten, beweist eben, daß siv schon jetzt Wien und Nieder-Oesterreich für ihre Czechisirungs-Versuche als reif erachten. Uebrigens scheint es in czechifchen Kreisen selber unangenehm berührt zu haben, daß die Ziele des neuen czechifchen Vereins in Wien so un- verhüllt an die Oeffentlichkeit gedrungen sind; beispielsweise meint die Prager „Politik", das bekannte deutsch geschriebene Czechcnblatt, es wäre durchaus nicht notwendig genasen, das sozusagen privatim erörterte Programm dec vorbereitenden Versammlung, welches noch nicht als officielles Programm des Vereins anzusehen fei, an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. — Nun, Dank diesem gerügten liebereifer, ist es aber glücklich heraus, was den Wiener Czechen so sehr am Herzen liegt und darf man nur gespannt fein, wie sich die Regierung des Grasen Taaffe zu diesem neuesten Manöver ihrer czechifchen Freunde stellen wird.
Die in Paris tagende lateinische Münz-Convention stößt auf ernstere Schwierigkeiten, als sich bei ihrem Zusammentritt erwarten ließ. Die von Frankreich vorgeschlagene Clausel, daß bei einer etwaigen Liquidation der lateinischen Münz-Union ein jeder Staat für fein Geld verantwortlich fein solle, bildet-einen bedenklichen Stein des Anstoßes, denn die belgischen Delegirten haben sich gegen den Vorschlag erklärt, doch wollen sie ihrer Regierung Bericht erstatten. '»Es ist nicht zu bezweifeln, daß die belgische Regierung die Haltung ihrer- Delegirten billigen wird und stünde demnach der Austritt Belgiens aus der lateinischen Münz-Convention zu erwarten, aus welcher auch bereits Griechenland so. gut-wie ausgeschieden ist. Es-würde demnach die lateinische Münz- Union künftig nur noch von Frankreich, Italien und der Schweiz gebildet werden, welche Staaten den Vertrag, wie es heißt, auf drei Jahre erneuern wollen.
Aus Hus meldet eine Depesche des Generals Courcy vom 25. Juli, daß Thuyet, der Oberbefehlshaber der anamitifchen Armee, welcher mit 1500 Mann die Citadelle von Camlo besetzt hielt, von einem Theile feiner Anhänger verlassen worden fei und sich mit dem Rest feiner Truppen nach dem unweit von Camlo gelegenen Tamso zurückgezogen habe. Die durch das Gebirge führenden Wege würden sranzösischerseits, und zwar durch die Tirailleurs von Tongking bewacht, auch seien die erforderlichen Vorbereitungen zur Besetzung der Provinz Thanhoa getroffen. Letztere Meldung läßt erkennen, daß die militärischen Operationen der Franzosen gegen die versprengten Reste des anamiti* scheu Heeres noch keineswegs zum Abschluß gelangt sind
Der türkischeFerman, welcher die egyptische Neun-Millionen-Anleihe genehmigt, ist noch in voriger Woche an den Khedioe abgesandt worden und hiermit steht einer kräftigen Action der englischen Regierung auf dem Gebiete der egyptischen Finanzpolitik nichts mehr entgegen. Hoffentlich wird es Lord Salisbury wenigstens nach dieser Richtung hin gelingen, etwas Ordnung in das egyptische Chaos zu bringen, denn Mr. Gladstone hatte auch in finanzieller Beziehung den egyptischen Staatskarren gründlich verfahren. Auch wird jetzt von einem Versuche der Sudan-Rebellen, sich mit den Engländern und dem Khedioe auözugleichen, berichtet. Hussein Pascha Khalisa, der frühere Gouverneur von Berber, hat dem Khedioe im Auftrage des Mahdi Depeschen Überbracht und führt man diese Mission auf einen großen Rath zurück, den die Chefs der aufständischen Sudanstämme noch vor dem 28. Juni, dem angeblichen Todestage des Mahdi, abgehalten haben sollen. Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt allerdings noch abzuwarten.
Die Meldungen über den Stand der englisch-russischen Verhandlungen wegen der afghanischen Grenzfrage lauten fortdauernd friedlich. Nach Petersburger Mittheilungen der „Daily News" beantwortete Rußland den Vorschlag Salisbury's, die russischen Truppen sollten, um einen Conflict zu vermeiden, die Positionen in der Nähe Zulfikars zu räumen, günstig. Nur hat Rußland hierbei die Bedingung gestellt, daß die Afghanen diese Positionen nicht besetzen dürften.


