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N,». 122 Samstag den 30. Mai 188S
Kiehmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
t Schulstraße 7.
„ 3 t an j. fi Brei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringers
Erscheint täglich rmt «uSnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pi.
Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Nachdem der Rheinischen Viehversicherungsgesellschast in Cöln die Erlaubniß zum Geschäftsbetriebe im Großherzogthum ertheilt worden ist, so wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. . ,
J Gießen, den 28. Mai 1885. Großherzogliches Krersamt Gießen.
p Dr. Boekmann. _ _ —
Betreffend: Aufsicht über das Faffelvieh. , Gießen, am 29. Mar 1885.
Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.
Die Besichtigung der Gemeinde-Zuchtstiere und -Zuchteber durch die von dem landwirthschastlichen Bezirks-Verein gewählte Commrfston wrrd an fol8en^n ^“se" V,,.. in Daubringen, Mainzlar, Treis a. d. Lda., Allendorf a. d. Lda, Staufenberg Ruttershaufen Dollar und Wieseck.
DonnerÄaa den 4. Juni: in Gießen,'Heuchelheim, Allendorf a. d. Lahn, Groß-Linden, Lang-Gons, Lechgestern und Klemlinden.
SawStaa än 6. Juni: in Alt-Buseck, Trohe, Rödgen, Grob-Buseck, Beuern, Bersrod, Winnerod und Reiskirchen.
LieE n di7Bullen-und Eberhalter anweisen, zur ftaglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen
der Transportkosten Entscheidung erfolgen werde- vr. Boekmann.
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Politische Ueberstcht.
29. Mai.
Die Besserung im Befinden des Kaisers ist bisher Aetig und regelmäßig fortgeschritten und steht in diesen Tagen die vollständige Wiederherstellung des greisen Monarchen mit Sicherheit zu erwarten. Es durfte alsdann wohl auch der Veröffentlichung der diesjährigen Reise-Dispositionen des Kaisers entgegengesehen werden, über welche bis jetzt noch nichts Bestimmtes zu erfahren aeweien ist»
Was die Angelegenheiten der inneren Politik anbelangt, so ist hierüber so gut wie gar nichts Neues zu melden. Dies gilt auch von der braunschweigischen Thronfolge-Frage, welche durch den vorläufig noch beim Justiz- ausschusie des Bundesrathes ruhenden preußischen Antrag, den Herzog von Eum- berland von der Thronfolge in Braunschweig auszuschließen, zum Brennpunkt der inneren Politik geworden ist. Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die verbündeten Regierungen durch ihre Vertreter im Bundesrathe dem erwähnten Anträge zustimmen werden, nachdem der leitende Bundesstaat in so scharfer und präciser Weise darauf hingewiesen hat, welche stete G^ahr der welfische Prätendent auf dem Throne von Braunschweig für das Reich bilden würde. In Braunschweig selbst ist der Antrag Preußens von der Landesversanlmlung und von der Bevölkerung mit Genugthuung begrüßt worden und man hegt daselbst das feste Vertrauen, daß diese für das Land so wichtige Angelegenheit nunmehr einen Ausgang nehmen werde, wie er den wahren Interessen des braunschweigischen Landes entspricht. -
Der bekannte Conflict des Sultans von Zanzibar mit der deutsch, afrikanischen Gesellschaft, welcher dadurch acut geworden ist , daß der Sultan eine Abtheilung seiner Soldaten in das der Gesellschaft rechtmäßig gehörende Gebiet hat einrücken lassen, dürste für diesen Herrscher einen unangenehmen Ausgang nehmen. Aus den Kriegsschiffen „Prinz Adalbert , „Srosch" und „Elisabeth" soll ein Geschwader geblldet und bet Zanzibar zusammengezogen werden. Hoffentlich genügt diese Demonstration, um den Sultan von Zanzibar zum Einlenken zu bewegen, anderseits würde er wohl in empfindlicher Weise erfahren, daß die Reichsregierung nicht gesonnen ist, von ihm die deutschen Jntereffen verletzen zu lasten.
In Oesterreich steht die gesammte Politik unter dem Zeichen der Wahlmänner-Wahlen zu den Reichsrathswahlen. Die Wahlresultate laufen verhältnißmäßig langsam ein, was aber bisher über dieselben bekannt ist lautet mcht sehr ermuthigend für die deutsch-liberale Partei und wird letztere allem Anscheine nach die Zeche bezahlen muffen. In Ober-Oesterreich und Salzburg sind die Wahlen der Landgemeinden überwiegend, in Nieder-Oesterreich und Steiermark theilweise zu Gunsten der Klerikalen oder, wie sie sich im Gegensätze zu den Deutsch-Liberalen zu nennen pflegen, der Deutsch-Conservativen, ausgefallen ; außerdem kommt in den steiermärkischen Landgemeinden ein guter Th eil oer'Wahlerfolge auf die Slovenen. Auch in Böhmen und Mähren ist die Stellung der Deutsch-Liberalen nicht brillant; hier haben sie es neben den Czechen und Klerikalen mit einem mindestens ebenso gefährlichen Feinde zu thun, der Zwietracht in den eigenen Reihen, und diese wird den Heberaten Deutsch- Oesterreichern in der gegenwärtigen Wahlcampagne noch manche unangenehme Ueberraschung bereiten. , ,, . ,,
Mitten in die großartigen Vorbereitungen hinein, welche man in Paris zum Leichenbegängnisse Victor Hugo's trifft, fällt als schriller Mißton die Kunde von dem blutigen Zusammenstöße, zu welchem es wahrend .ber Pfingstfeiertage zwischen den Pariser Communards und der Polizei gekom-
men ist. Anlaß zu diesem beklagenswerten Vorgänge gab eine auf dem Pore la Chaise, dem großen Pariser Kirchhofe, am Pfingstfonntage stattgefundene Kundgebung der Communards an den Gräbern ihrer erschoßenen Genosien. Es wurden hierbei revolutionäre Embleme entfaltet, deren Entfernung die Polizei gebot und da die Communards diesem Bei langen nicht Folge leisteten, so kam es zwischen beiden Parteien zu einem förmlichen Gefechte, in welchem die Communards wie die Polizisten zahlreiche Verwundete hatten; das Gerücht, es seren auch mehrert Communards hierbei getödtet worden, hat sich indessen nicht bestätigt; die THeilnehmer an der Kundgebung wurden schließlich zerstreut. Dieser Vorfall erregte unter den Communards und den Anarchisten große Erbitterung, die sich in einer Maffen-Demonstration bei dem am Dienstag stattgefundenen Begräbnisse des Commune-Mitgliedes Amouroux äußerte. Demselben wohnten ca. 4000 Personen, darunter die Majorität des radikalen Gemeinderathes von Paris, bei und wobei eine Menge Reden im anarchistischen Sinne gehalten und wiederum die revolutionären Zeichen und Flaggen hervorgefucht wurden, ohne daß die Polizei diesmal etwas dagegen einwandte. Diese ganzen Vorfälle haben natürlich in Paris große Aufregung hervorgerusen und auch m der^Deputirten- kammer wurde speciell der Zusammenstoß aus dem Pöre la Chaise lebhaft erörtert, wobei die Abgeordneten der äußersten Linken das angeblich provoca- torische Verhalten der Polizei scharf tadelten. Die Verhandlung endete indessen mit einem Vertrauensvotum für die Regierung. Trotzdem werden sich für dieselbe noch manche unangenehme Folgerungen aus diesen Vorfällen ergeben; so hält man die Demission des Ministers des Innern, Allain Targa, jur wahrscheinlich und im Uebrigen tadeln selbst gemäßigt-republikanische Organedie mcon- sequente Haltung der Polizei, welche an dem einen Tage Die Entfaltung revolutionärer Flaggen verbot, dies aber an oem andern stillschweigend gestattete. Jedenfalls haben die erwähnten Vorgänge die anarchistische Gefahr, von welcher die französische Hauptstadt fortwährend bedroht ist, wieder einmal m den Vordergrund gerückt und klar vor Augen gestellt.
Das Schwergewicht der in Rom jüngst zusammengetretenen internationalen Sanitäts-Conserenz ruht einstweilen in der gewählten technischen Commission. Dieselbe hielt am Dienstag eine Sitzung, m welcher dre Frage der Quarantäne-Maßregeln erörtert wurden, wobei sich tiefgehende Meinungs-Verschiedenheiten der Commissions-Mitglieder zeigten. Der Rietet ber Vereinigten Staaten sprach der Quarantäne zur See rundweg Existenz- Berechtigung ab, während der türkische und der dänische Delegrrte erklärten, daß ihre Regierungen die See-Quarantäne aufrecht erhalten wurden. Wetter behauptete der erste Delegirte Indiens, daß die Cholera jemals von Indien nach Europa verschleppt worden sei, eine Behauptung, welcher Rochard einer der fran Mischen Delegirten, entschieden widersprach, und dies wohl mi, RerU. Dir Arbeiten der Commission dürften sich unter diesen Umstanden in die MiW ziehen. Wie ein römisches Telegramm meldet, hat die technische Commission schließlich beschlossen, die Quarantäne-Frage vorläufig beiSette zu taffen und genehmigte den Antrag Brouardel's auf Errichtung von Musterhafen und Constatirung der allgemeinen Gesundheits-Verhältnisse m den Hafen.
Darmstadt, 28. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: t . , , „ , 3 m ,x. , ,
Am 20 Mai den Kreisveterinärarzt des Kreisvetermaramtes Reichelsheim, Heinrich Renner, zum Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramtes Dieburg, mit dem Wohnsitze zu Dieburg, mit Wirkung vom 1- Juni l. Js. an, zu ernennen;


