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Politische Uebersicht.

Gießen, 29. Januar.

Der Kaiser hat die Folgen seine« jüngsten Unwohlsein« »sreulicher »eise säst gänzlich überwunden und nur eine geringe Schwäche ist noch zurück, aediieben Da er indessen noch nicht so weit hergestellt ist, um dre gewohnten Ausfahrten unternehmen zu können, so benutzt er die Zeit nach dem Dmer, um m den Parlerre-Räumen de« Palai«, die an sein Arb-.trz,mm-r stoßen, dem «Ubiern- unb dem Fahnenzimmer, durch längere« Auf. und Nredergehen üch Bewegung zu verschaffen, wie die« der hohe Herr beispielsweise am verflossenen Sonntag gelhaii Hal. - Für die Opfer der Erdbeben m Spanien hat der Kaiser 20,000 Frc». gespendet.

Reichstage scheint aus Die stürmischen Debatten, welche bie vorige Loche anläßlich der Erörterungen über die Adreßbewegung für den £dn*ler brachte. mit der am Samstag begonnenen Berathung des Etat- oer göUe und Verbrauchssteuern wieder eine ruhigere Stimmung gefolgt zu fern. Wenigsten« ist die Sa,n«lag«.Sitzung, in welcher die Spccial>Elat« der Zolle und der Tabakssteuer ohne große principielle Debatten erledigt wurden, m durch, au« geschäftsmäßiger Weise verlaufen und ebenso die darauf folgende Montag«. Sitzung die zum größten Theile durch die Dircussion über die Rubenzuckersteuer «»»gefüllt wurde und in welcher Die Erörterungen über die gegenwärtige Krtsir in der Zucker-Industrie felbstverständlich die Hauptrolle spielten. Da dieselben für die den Kreisen der Zucker-Industrie Fernstehenden nichts Jniereffante« barboten, so begnügen wir uns an dieser Stelle, zu erwähnen, daß der Antrag des Aba. Gras v. Hacke, den Bundesrath zu ersuchen, einen Beschluß dahm zu fassen, daß für das Ereditjahr 1884/85 die Frist für die Entrichtung der Rübenzuckersteuer von sechs aus neun Monate verlängert werde, an bie Budget-Commission verwiesen wurde. Den Etat der Mbenzuckersteuer selbst genehmigte das Haus unverändert, ebenso den der Salzsteuer.

Der Bundesrath hat in voriger Woche die erste Lesung der neuen Zolltarif-Novelle beendigt und ist am Dienstag in die zweite Lesung ein* getreten' man erwartet, daß die Novelle noch in der ersten Februarwoche dem Reichstage zugehen wird. Inzwischen nimmt die von linksliberaler Seite ange- sachte Bewegung gegen die Erhöhung der Kornzölle ihren ungehinderten Fort- aanq. In einer Reihe größerer Städte, wie Danzig, Königsberg, Stettin, findet diese Bewegung ihren hauptsächlichsten Rückhalt, da die Vertretungen der betreffenden Städte beschlossen haben, sich petitionirend an den Reichstag um Ablehnung der Kornzollerhöhung zu wenden. Dieses Vorgehen hat bereits zwi­schen der städtischen Vertretung von Stettin und dem Regierungs-Präsidenten von Pommern zu einem Conflict geführt, indem derselbe dem Stettiner Magi­strate verboten hat, die von der dortigen Stadtverordneten'Versammlung be­schlossene bezügliche Petition an den Reichstag abgehen zu lassem Gegen dieses Verbot will der Stettiner Magistrat R-curs erheben unb bie Angelegenheit m allen Instanzen verfolgen. . , , , ,

Der von dem Abg. Ackermann im Reichstage emgebrachle und von einem Theile be« Centrum« unterstützte Antrag zur Gewerbeordnung, welcher einen Befähigungs-Nachweis eingeführt und bie JnnungLvorrechte erweitert wissen will, dürste schwerlich eine Majorität finden , da ihn auch die Freicon- fervativen zurückweijen. Wenigstens kann man dies aus einem Artikel der freiconferoatioenPost" entnehmen, der sich gegen den Antrag wendet, daß auf dem Gebiete des Gewerbewesens endlich einmal Ruhe noththue. Man will wissen, daß der Artikel zugleich die Anschauungen der Regierung in dieser Frage vertritt. Ä

Die in Frankreich dieser Tage vollzogenen Ersatzwahlen zum Senat waren diesmal von besonderer Bedeutung, indem fie zum erstenmal auf Grunb der Senals-Wahlresorm staNfanben, welche ben größeren Städten ba« Recht erlheilt, neben je einem Delegirten auch eine Anzahl von Senatswählern zu entsenden Durch bicse Anordnung der Wahlmodu, mußte naturgemäß die wahre Meinung de« VolkrwAen« auch bei den Senatrwahlen mehr als bisher hervortreten unb bie« ist denn diesmal zu Gunsten der herrfchenden repubhtam- leben Partei in entschiedenster Weise geschehen, indem von den 87 gewählten Senatoren 67 Republikaner und nur 20 Monarchisten sind. Allerdings befinden sich unter ersteren auch 5 Radikale, welche bekanntlich gleich den Conservativen Front gegen das Ministerium Ferri, machen, das ändert aber nichts an der Thatfache, daß die ministerielle Partei durch die längsten Wahlen auch tm Senate einen erheblichen Zuwachs erfahren hat, Eine kleine Schlappe bedeutet

Bekanntmachung.

«e, der am 28. d. M. vorgenommenen Wahl ist Herr Fabrikant Isaak Hanau zum Mitglied des Vorstandes der i.rael. Relig,°n«gemeinde dahier gewählt worden. . nt acma6t ba6 während 3 Tagen, nämlich den 30. und 31. d. M. sowie den 2. Februar d. I. bat

,, ®4 J1^. b«n|b" bin Bureau des 1 Vorsteher» Herrn Meier Hornberger offengelegt fein wirb unb daß während der unerstrecklichen

Wahlprotokoll mit allen Anlagen aut »nn Bureau de . I b bem Wahlprotokoll und deffen Anlagen Einsicht nehmen und auch Einwendungen gegen ^^P^H!^ol^^g^m^d^GewähEn,^"ezw^ auch Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschluffe, bei Grobherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen kann.

Gieß-"», den 29. Januar 1885. _

2S Freitag den 30. Januar 188®

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

für bie Regierung der Ausgang der Wahlen in der fiauplflabt, wo der oppor­tunistische Kandidat Spuller in der Stichwahl seinem radikalen Gegen-Candi- daten Martin unterlag.

Die beiden Dynamitexplosionen, deren Schauplatz die eng­lische Hauptstadt am Samstag wiederum gewesen ist, find ein drohende- memcnlo für bad Cabinet Gladstone, über den auswärtigen Angelegenheiten nicht der Gefahren zu vergessen, welche England von den senisch-irischen Dyna- mitverschwörern fortgesetzt drohen. Die Explofionen im Londoner ParlamentS- gebäude und im Tower sind ein beredtes Zeichen, daß jene politische Verbrecher­bande ihre unheimliche Thätigkeit sortzusühren entschlossen ist unb offenbar wächst die Dreistigkeit der irischen Dynamithelden um so mehr, je weniger e» der englischen Regierung gelingen will, die Urheber der sich so rasch auseinander folgend i Dynamitattentate zu ermitteln. Allerdings meldet eine Londoner SDepeftT vom Montag bie Verhaftung eines ber Teilnahme an den beiden letzten 'Dynamit-Attentaten verdächtigen Mannes; ob aber die Regierung hier­mit der.cUrhebern derselben auf bie Spur gekommen i|t, erscheint noch sehr fraglich Inzwischen haben bie jüngsten Unternehmungen ber infchen DMa- mitarbö ein doppeltes aber ganz entgegengesetztes Echo auf amerikanischem Boben gefunden. Bei einer in Chicago am Sonntag stattgehabteii Socialisten- versamnllung wurden bie letzten Lonboner Dynarniterplosionen von mehreren Rebnern sehr gepriesen und empfahlen dieselben ganz unverfroren den Ge­brauch des Dynamits gegen die besitzenden Klassen. Dagegen meldet eine De­pesche aus Washington, daß durch die Londoner Ereignisse die Einbringung des, von der amerikanischen Regierung längst ausgearbeiteten Gesetzes gegen den Mißbrauch von Sprengstoffen im Senate beschleunigt worben sei und bars man nunmehr wohl hoffen, baß die Untonsregierung, befonberS auch trn Hinblick auf bie freche Sprache ber Chicagoer Socialisten, zu einem that- kräftigen Vorgehen gegen alle jene staats- unb gesellschaftsseindlichen Clemente entschließen wird, bie in wirklich unerhörter Weise ben ihnen vom Sternen­banner gewährten Schutz mißbrauchen.

Der amerikanische Senat hat in einer Resolution fast einstimmig sein- Entrüstung über bie Lonboner Dynamit-Attentate unb feinen Abscheu vor derartigen Verbrechen ausgesprochen.

Darmstadt, 28. Januar. Se. König!. Höhest der Grobherzog em« psingen heute den Hauptmann Frhrn. v. S-narcl-ns-Grancy vom 1. Grotzh. Jnsanterie. (Leibgarde«) Regiment Rr. 115, den Premier-Lieutenant Werner i h suite des 4. Rheinischen Infanterie«Regiment« Rr. 30, Adjutant der 50 Jnfanterie-Brigabe; eine aus ben Gastwirlhen Sememer von Darmstadt, Weigand von Gießen und Ganß von Mainz bestehende Deputation de« Hefii« scheu Gastwirthe-Verbandes, zum Vortrag den Staatsminister Finger, dm Ministerial-Präsibent-n Weber, den Oberstkammerl^rrn °. Grolman den Hof« Geremonienmeifter v. Werner, den Geheimerath Dr. Becker, ben Hofbaurath Melior aus Büdingen. _

»erlitt 2H Januar. sReichStagl Der Reichstag derteth heute zuerst den »on dem «dg/Junggreen (Däne) beantragten Gesetzentwurf. wonach« tu Thetlcn des deutsche Reichs, wo eine nichtdeutsche Sprache die BolkSfarache tft d Ben mil ber 8«ält7rune unb beten Organen in bet »° »'-^»^,7-».« -n° foUen tn der auch alle Verordnungen, dte speciell diese Thelle 0 . «...

geben,' zu veröffentlichen find. Ebenso sollen tn den Smannt d

Rechtsoerhandlungen, wenn der Angeklagte e« -erlangt, tn der Beintprocec » rnv WKbra3tat6 Begründung de« Antrag« durch den Antragstellereewtdert^ Staat-sicreid e. Schelling, daß fich die Grenzen der deutschen Sprache weder na« vn « «

Nordm seststellen lassen, e« fehle dem«E°ae nach dieser R^chwng

Norm, wie tn strettigen Fällen -u verfahren sei. 3® 0 2B'oUc man den Landesregierungen, über die VerrvotungSsprache zu b Mmmen f(6fr ober

Sprache vor Gericht oer«

WÄnttttT Debatte, an der die «b°e°rdneim Lenzmann^ Wndthorst, Hari« S^7n.«,°-l^un77'e^oechi chi.ln°7men° wurde die Uederweisung an e.ne Com- Mission abgttehnt. aL^Htenimarf betreffend die unbefugte AuSsühruva von

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guf «ushrduug bei sog. Dikt-iurp-ragraphen.