Ausgabe 
29.9.1885
 
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Dienstag den 29. September

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B*re«e* t Lchulstraße 7.

Betreffend:

--------- ~ I . 7 _ . 7 Preis vierteljährlich 2 Wort 20f. mit

Ertchemt mit AsHnahme iteti Mont«rgv. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart Pi.

Amtlicher Hheil.

Die Taubstummenstatistik. Gießen, am 26. September 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen der Erstattung Ihres Berichts über das Vorhandensein taubstummer Kinder entgegen.

Dr. Boekmann. ___

Betreffend: Verwendung des vorgeschriebenen Formularpapiers zu Berichten. Gießen, am 26. September 1885.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

->n rubr Betreff verweisen wir aus unser Amtsblatt vom 1. Juni 1876 und erwarten, daß den darin enthaltenen Bestimmungen über das zu Berichten zu verendende Formularpapier von den Schulvorständen, die dieselben bisher nicht eingehalten haben, rn Zukunft genau nachgekommen wird.

Dr. Boekmann. _____

willkommen!

Die Stadt Gießen heißt die Festgäste, die von Nah' und Fern' zur XXXV111. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner im Laufe des heutigen Tages hier eintrcffen, herzlich willkommen. Es i)t eine bedeutsame Erscheinung, daß eine Versammlung von Männern der Wissenschaft, die zunächst zu wiffenschaftlichen Zwecken abgehalten wird, einer solch' warmen und ungetheilten Ausnahme Seitens der Bürgerschaft begegnet, wie sie nach den Festvorbereitungen zu erwarten ist: ein lebendiger Beweis für die That- sache, daß geistiges Streben und Wirken in immer weiteren Kreisen die gebührende Anerkennung findet, daß aber auch die Wiffenschaft nicht mehr in Zopf und Perrücke und vom Foliantenstaub umnebelt fernab vom Volke steht, sondern daß sie sozusagen volksthümlicher, freier und deutscher geworden ist. Und so erblicken wir denn in den heutigen Lehrern und Gelehrten die vor­nehmsten Hüter unseres deutschen Geistes, die Förderer deutscher Forschung und die Bewahrer deutscher Wissenschaft, vor Allem aber die Wächter, Pfleger und Bildner unserer deutschen Jugend. Darum empfängt Gießen seine Gäste feier- lich und festlich; denn die Stadt ist stolz darauf, zum Sitze einer Vereinigung erwählt zu sein, die sür Wissenschaft und Erziehung, für die heiligsten Interessen, die jedem Staatsbürger und Familienvater vor Allem am Herzen liegen müssen, mit warmem Eifer wirkt. Möge die Arbeit dieser Tage von reichem Segen begleitet sein! Und mögen die Stünden der Freude und des Genusses jedem Theilnehmer eine angenehme und dankbare Erinnerung an unsere Musenstadt mit in die Heimath geben! Und nun nochmals ein herzliches: Willkommen!

Deutschland.

Berlin, 26. September. Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine kaiserliche Ver­ordnung vom 25. September, welche das Unfallversicherungsgesetz, sowie das Gesetz über dessen Ausführung auf dem Betriebe der Post-, Telegraphen- und Eisenbahn­verwaltung und aus sämmtliche Betriebe der Marine- und Heeresverwaltungen für den 1. Oktober in Kraft setzt.

Berlin, 26. September. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Rote, welche die spanische Regierung anläßlich der am 4. d. M. vor der Kaiserlich Deutschen Ge­sandtschaft vorgekommenen Exzesse an den spanischen Gesandten in Berlin gerichtet hat. Die spanische Regierung habe, sobald sie von den Vorkomninissen Kenntniß erhielt, den Polizeichef, welcher die deutsche Gesandtschaft in Madrid bemacht, und die Polizei- Inspectoren, welche das deutsche Konsulat in Valencia bewachen sollten, ihres Amtes enthoben. Gleichmäßig hat sie die Einleitung des gerichtlichen Verfahrens angeordnet, demgemäß die gedachten Agenten der Polizei und ein gewisser Anastasio Albarran Gareia, sowie 15 verhaftete Individuen wegen Theilnahme an den Ruhestörungen vor Gericht zu stellen sind. Die spanische Regierung hat die Ausschreitungen gegen den Vertreter einer Macht, mit welcher Spanien enge Beziehungen unterhält, lebhaft be­dauert, verurtheilt dieselben in ausdrücklicher und formeller Weise und beauftragt ihren Gesandten, dies zur Kenntniß des Ministers des Auswärtigen zu bringen. Sie hofft, daß diese offenen freundschaftlichen Erklärungen von der Regierung des Kaisers in demselben Geiste der Aufrichtigkeit und des Entgegenkommens werden aufgenommen werden, von dem die spanische Negierung bei Ucbermittelung derselben beseelt ist.

Karlsruhe, 26. September. Unter Kanonendonner und Glockengeläute hielt das neuvermählte erbgroßherzogliche Paar um 3*/s Uhr seinen Einzug in Karlsruhe. Auf dem Bahnhof standen der Großherzog, die Großherzogin, das Staatsmiikisterium, das Offizierskorps und die Spitzen der Behörden zum Empfang bereit. Die Reu- vermählten stiegen nach herzlicher Begrüßung in einen ganz mit Myrthen und Rosep abgeschlagenen Wagen. Der Erbgroßherzog Friedrich trug die Leibgrenadier-Uniform, die Erbgroßherzogin ein Rosa-Kostüm mit Spitzenübcrwurf. Am Triumphbogen be­grüßte der Oberbürgermeister dieselben in kurzer Rede; ein Mädchen überreichte der Erbgroßherzogin ein Bouquet von Rosen, Veilchen und Myrthen. Der Erbgroßherzog dankte sichtlich bewegt. Dann fuhr der Wagen, begleitet von einer Abtheilung Ka­vallerie und den entgegengesandten Hofchargen zuni Schloß unter den Hochs der herzu- drängendcn Menge. Zwei Wagen mit dem persönlichen Hofstaat und dem Ehrendienst joioie eine zweite Abtheilung Kavallerie machten den Beschluß. (Fr. Ztg.)

Karlsruhe, 26. September. Die Beleuchtung der Stadt verlief überaus glanz­voll, ebenso das von Vidaccovich auf der Beiertsheimer Wiese abgebrannte Feuerwerk, in dessen Schluß-Tableaux ein kolossales Monogramm F. H. mit einer Krone darüber erschien. Das gefeierte Paar sah dem prächtigen Schauspiel von dem hinteren Portal der Fcsthalle zu, ebenso die Großherzogliche Familie und ihre Gäste. Die Musckkorps der Abordnungen in Landestrachten concertirten während des Feuerwerks am User des Stadtgartens, jetzt durchziehen sie musicirend die Straßen trotz des Regens, der seit 7 Uhr, leider immer stärker werdend, herniederrieselt. (Frkft. Ztg.)

Dresden, 26. September. Der Landtag ist auf den 10. November einberufen.

Frankreich.

. Paris, 26. September. DerTemps" bementirt die Gerüchte, wonach die Regierung beschlossen habe, die Unternehmung in Madagaskar aufzugeben und glaubt zu wissen, die Regierung halte an ihren letzten Erklärungen vor der Kammer fest und werde der neuen Kammer volle Freiheit lassen, um Befchlüffe betreffs definitiver Lösung der Angelegenheit zu fassen.

England.

London, 26. September. Im Proceß gegen Stead und Genossen wegen Entführung der Elisa Armstrong sind sämmtliche Angeklagte vor die Assisen vermiesen und gegen Caution aus freiem Fuß belassen worden.

Dänemark.

Kopenhagen, 26. September. DerBerlingske Tidende" zufolge würde in den nächsten Tagen Herr v. Giers erwartet.

Italien.

Rom, 26. September. In Palermo kamen gestern 74 Cholera- Todesfälle vor.

Wußland.

Petersburg, 26. September. Der Botschafter Schuwalow ist heute nach Berlin zurückgekehrt.

Aulgarien.

Sofia, 26. September. Das bereits signalisirte bulgarifche Rundschrei­ben besagt, der Fürst habe in Folge der vollzogenen Thatsachen es für feine heilige Pflicht gehalten, den Wünschen der Rumelier nachzugeben. Die Worte feiner Annahme-Erklärung zeichneten die neue Lage Ost'RumelienS, wie sie den ein- stimmigen Wünschen der Bulgaren entspreche und durch den Zwang der Ereig- nisse bedingt fei. Das Rundschreiben erinnert an die Depesche des Fürsten, worin er sich für die Ruhe des Landes und die Sicherheit aller Bewohner ver­bürge, an das einstimmige Votum der Kammer und an deren Wunsch, daß tue Mächte bei dem Sultan sich für die Anerkennung der Union verwenden möchten. Die europäischen Regierungen möchten ihre Stimme erheben, um einem Gon» flict vorzubeugen, denn die türkische Armee könne jeden Augenblick eine Angriffs­bewegung machen.

Hriechenlanv.

Athen, 26. September. (Havas"-Meldung.) Der Marineminister ordnete die Armirung aller Schiffe der Flotte, einschließlich der Torpedo-Boote, an. Die Truppen der Garnisonen des Peloponnes werden, feldmäßig ausge­rüstet, nach den Grenzen befördert werden.

, Amerika.

Rio de Janeira, 26. September. Beide Kammern nahmen den Gesetzentwurs wegen Aushebung der Sklaverei an.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. «Korrespondenz - Bureau.

Görlitz, 27. September. Die hiesige Industrie- und Gewerbe-Ausstellung ist heute durch den Oberpräsidenten v. Seydewitz geschlossen worden.