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Bttrea«r Schulstraße 7.

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8tr< 278. Samstag den 28. November L88K

WWW Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen.

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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

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«nd an die Gendarmerie des Kreises

--------------------------------------------- vr. Boekmann.

S.lr.ff.nl.: W«, »<r S..««Wlg.. d,n 2«. ------

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen an die Kirchenvorstände des Dekanats. b -» *'r87 «*** W. «MM, «. «Nita,. SU» uW«

Betreffend: Hessische Landes-Gewerbe.AuSstellung iw Mainz.

Bekanntmachung.

Feier des ^9^1^11 ^fle^ens be§ Sanbge§deTOerBverein§ würbe Muffen, im Jahr ISST eine Gewerbe-Ausstellung und zwar in Mainz zu veranstalten. - Der Loealaewerbverein in Mainr fiat hi, Landes-

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3U9ef4itft3Zw?rb?n.enbi9Un9 $iorar6eiten roirb D-nftnigen, welche sich auf diese Weise angemeldet haben, ein Formular behufs definitiver Anmeldung Darmstadt, den 18. November 1885. Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein

Fink. Busch.

Politische Ueberficht.

Gießen, 27. November.

Au« Spanien kommt die Kunde, daß König Alfons XII., dessen Gesundheitszustand zwar schon seit längerer Zeit Besorgniß einflößte, jedoch eine rasche Katastrophe nicht erwarten ließ, am Mittwoch gestorben ist. Ein Anfall von Diphtherie hat sein Brustleiden binnen kaum 24 Stunden dem tödtlichen Ende entgegengefuhrt. Mit diesem Schicksalsschlage wird bas unglückliche Land, welches in dresem Jahrhundert kaum je zum Genüsse einer längeren Zeit inne­rer Ruhe gelangt ist, von Neuem in Unfrieden uno Wirren gestürzt.

Es war in den letzten Tagen des Jahres 1874, als General Martinez Lampos das sechrjährlge Interregnum von provisorischer Regierung, Republik, Regentschaft, Königthum Amadeos und wiederum Republik, welches auf die Wer- lreibung der Königin Isabella gefolgt war, durch das Pronunciamiento von Sagunt zum Abschlüsse brachte und in dem Königreiche Spanien wieder den alten Thron der Bourbonen aufrichtete. Jsabellens Sohn, Alfons, hatte am . 28. November 1874 mit seinem 18. Lebensjahre die Mündigkeit erreicht und diesen Zeilpunkt alsbald durch einen Aufruf bezeichnet, in welchem er feinen rechtmäßigen Ansprüchen auf die spanische Krone Ausdruck gab. In den ersten Tagen des Jahres 1875 hielt der junge König feinen Einzug in das Schloß seiner Väter an der Plaza del Oriente. Fast ohne Blutvergießen war das Werk der September-Revolution von 1868 durch die December-Revolution von 1874 vernichtet worden. Der böse Feind, der seit vier Jahrzehnten Spaniens Ruhe bedroht hatte, der Carlismu», erhob zwar sein Haupt aufs Neue; aber er bewirkte nur, daß König Alfons seinen Thron durch einen siegreichen Feldzug befestigen konnte. Auch die republikanischen Wühler, an ihrer Spitze Ruiz Zor- rilla, versuchten im Laufe der Jahre mehrere Schilderhebungen; doch ohne wei« tat Erfolg, als daß hin und wieder eine Anzahl verführter ö [freiere und Soldaten dem Kriegsgericht versielen. Eine erfreuliche Regierung war dem Wnige freilich unter den hartnäckigen Parteikämpfen, in deren Mitte er stand, «icht beschieden. Weder Sagasta noch Canovas del Castillo, welche um die Minister-Präsidentschaft rangen, hat sich das Lob erworben, seine Kraft dem ilönige und dem Vaterlande in selbstloser Hingabe gewidmet zu haben.

Der hellste Glanz, welcher in König Alfons Regierung fiel, strahlte von Deutschland aus; es war der Besuch des deutschen Kronprinzen, welcher mit »Nim königlichen Wirthe gewissermaßen im Triuinphe durch das leicht in Be- Nietung zu versetzende Land zog. Aber auch einer der düstersten Schatten mte von Deutschland her auf seine Regierung fallen. Der Streit um die «arolinen, in welchem Alfons den deutschen Ansprüchen gemäß gern gerecht ge- Arden wäre, wenn die argwöhnische und irregeführte spanische öffentliche Mei- »mg es ihm gestaltet hätte, wird die letzten Monate seines Lebens schmerzlich «erbittert haben.

Kraft der pragmatischen Sanction vom Jahre 1830, durch welche das

Saltsche Gesetz des bourbonischen Hauses aufgehoben wurde, geht die Krone nunmehr auf die älteste der beiden Töchter des Königs, die erst fünfjährige PrlMessin Maria de las Mercedes, über, für welche die Mutter, Königin Maria dte Tochter des Erzherzogs Kard Ferdinand von Oesterreich, die Regentschaft tu Wren beru en rst. Möge es nicht von dem viel und schwer heimaesuchtm Spanten heißen: Wehe dem Lande, dessen König eilt Kind ist! 8 fr«, i,enc®?"Je-rüaÄ* ie.n im Reichstage eingedrachte An-

Ii!. 5.®"totung Manger Legislatur-Perioden gilt schon jetzt als ge- scheitert, da sich das Centrum gegen ihn erklärt hat. 8

Der preußische Fiscus hat auch seinen dritten Diäten. wit0« *r M diesmal gegen den socialdemokratischen Reichstags-Abgeordneton für Breslau-West, Herrn Kräcker, angestrengt war, verloren. Das Breslauer Landgericht wies die Klage des Fiscus unter Berufung auf Art. 32 der Ver­fassung zuruck, welcher ein Verbot der Diäten-Annahme ans Privatmitteln tiicpt enthalt.

Am Mittwoch sinb gleichzeitig 16 österreichische Einrel- and tage zusammengetreten wahrlich ein vielstimmiger Chorus. Wie in ben früheren Jahren, so wirb stch auch Heuer bas Haupt-Interesse den gemischt nationalen Landes-Vertretungen von Böhmen und Mähren zuwenden, zumal da stch in der Brünner Landstube ein gewaltiger Sturm vorbereitet. Hier haben die Deutschen gegenüber den mährijchen Czechen noch die knappe Majorität und diese wollen nun einem soschandbaren Zustande" ein Ende machen, indem sie eme erneuerte Wahlordnung einzubringen beabsichtigen, durch welche auch das mährische Landtags-Wahlsystem wie schon vorher das böhmische im ©inne der Czechenresormirt" werden soll. Letztere hoffen dies durch eine preflton auf die Vertreter des allerdings nicht ganz zuverlässigen Großarund- besttzes zu bewerkstelligen Auch die Landtagssession in Böhmen wird jedenfalls heiße Kampfe bringen, sind doch auch aus dem Prager Landtage - vielleicht mit Ausnahme des kroatischen die nationalen Gegensätze immer am schärfsten aufernandergeprallt.

3h Frankreich beschäftigt die bevorstehende Kammerdebalte über die Tongklng- Kredit - Vorlage der Regierung lebhaft die Gemüther. Am Dienstag wurde die Commission zur Vorberathung der Vorlage gewählt, von ihren 33 Mitgliedern gehören 10 der Rechten und 23 der Linken an. Die Mehrheit der Commission, nämlich die Mitglieder der Rechten und 16 republikanische Abgeordnete, ist für eine unbedingte Räumung Tongkings, während die Mino­rität eine beschränkte Occupation befürwortet. Da sich die Regierung durch den Minister Goblet dahin ausgesprochen hat, daß sie nie in eine Räumung Tongkings einwilligen werde, so kann man ihre Niederlage in der Commission falls kein Compromiß zu Stande kommt, als ziemlich sicher betrachten. Dann läßt sich aber auch die Ablehnung der Tongking-Kredit-Vorlage im Kammerplenum mit einiger Gewißheit voraussagen, woraus sich wiederum die