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Vesange des Domchors verließ der Kaiser unter lebhaften Hochrufen des zahlreiche^ Publikums die Capelle.

Berlin, 26. October. Der Kaiser empfing heute Vormittag um 10 Uhr den Prinzen Albrecht mit dem Minister Görtz - Wrisberg in nahezu einstündiger Audienz.

In der Ansprache, womit Oberbürgermeister Forckenbeck dem Schriftsteller­tage die warme Sympathie der Gemeindebehörden ausdrückte, wies derselbe auf die den Gemeindebehörden zur Lösung vorliegenden wichtigsten Culturaufgaben hin. Die Lösung dieser idealen Aufgaben in einem Gemeinwesen, das sich so plötzlich zur Groß­stadt entwickelt hat, sei nur mit Hilfe der öffentlichen Meinung erreichbar. Die Ver­treter derselben seien aber die hier Anwesenden, welche die Bausteine herstellten. Dem Schriststellertage, welcher den Schriftstellern Rückhalt gewähre, rufe er deßhalb ein herzliches Willkommen zu.

Berlin, 26. October. Generalsynode. Das Kirchengesetz, betreffend die Für­sorge für die Wittwen und Waisen der Geistlichen, wird, entgegen dem Anträge der Commission, welche den Gegenstand mangels genügender Unterlagen in einer baldigst einzuberufenden außerordentlichen Session anderweit vorgelegt zu sehen wünschte, mit unwesentlichen Abänderungen angenommen. Das Kirchengesetz über die Dienstvergehen der Kirchenbeamten wird in zweiter Lesung genehmigt.

In 15 Kirchengemeinden Berlins fanden gestern die Ergänzungswahlen statt. In 6 Gemeinden siegte die positive, in 8 die liberale Partei, in einer die ge­meinsamen Candidaten. Bisher waren in der Stadtsynode von 232 Mitgliedern 110 Liberale und 100 Positive, welches Verhältniß jetzt zu Gunsten der letzteren ver­ändert erscheint.

Braunschweig, 26. October. DasTageblatt" schreibt über die Reise der Deputation nach Kamenz: Nachdem die Deputation in der Audienz dem Prinzen einzeln vorgestellt waren, hielt Görtz-Wrisberg eine Ansprache, worin er sich des Auf­trags der Deputation entledigte. Der Prinz hob in seiner warmen herzlichen Er­widerung hervor, daß er gern auf Wunsch des Kaisers die Wahl annehme, und be­tonte, wie sehr es ihn freue, daß die Wahl einstimmig von der Landes-Versammlung erfolgt sei. Die Deputaten rühmen den freundschaftlichen Empfang und die liebens­würdige zwangslose Weise, in welcher der Prinz und seine Gemahlin mit ihnen ver­kehrten. Die Abreise der Deputation erfolgte Sonntag früh; vor der Abfahrt kam der Prinz noch mit seinen beiden ältesten Söhnen, um sich von der Deputation zu verab­schieden. Die Deputation ist in der vergangenen Nacht hier wieder eingetroffen. Minister Görtz ist noch in Berlin und trifft erst morgen ein. Es verlautet, der Ein­zug des Prinzen werde bereits in 8 Tagen stattfinden.

Köln 26. October. DieKöln. Dolksztg." meldet aus Rom, die vatikanische Note in der Karolinenfrage sei fertig gestellt.

Hirschberg, 26. October. sReichstags-Ersatzwahl.s Die bisherigen Resultate aus 29 Bezirken ergeben Stimmen für Barth 3501, Göring 1004, Fläschel 369, Porsch lklerik.) 106.

Paris, 26. October. Eine Depesche Courcy's meldet vom 24. d. Mts.: Der eine starke Stellung einnehmende Ort Thanmai, nördlich von Honghoa, wurde nach dreitägigen Operationen durch drei unter dem Befehl Jamonts stehende Truppen- abtheilungen eingenommen. Der Feind leistete Anfangs tapferen Widerstand, floh schließlich unter Zurücklassung einer großen Anzahl von Todten nach Lakssat. Der Verlust der Franzosen beträgt 8 Todte. Courcy fügt hinzu, er sei nach der Einnahme Thanmai's aufgcbrochen, um sich mit der Truppenabtheilung des Generals Negrier zu vereinigen, welcher augenblicklich zwischen Bambuscanal und Stromschnellencanal eine militärische Operation ausführe.

Paris, 26. October. Die Steinbrüche von Chancelade bei Perigueux sind ein- gestürzt. Das auf dem Hügel erbaute Dorf wurde mit fortgerissen und zwei vorüber­gehende Personen getödtet. Acht Arbeiter des Steinbruchs und viele Einwohner des Dorfes sind verschüttet.

London, 26. October. Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Auflösung des Parlaments am 18. November statt.

Rom, 26. October. Gestern gab es in der Provinz Palermo an der Cholera 38 Erkrankungen und 30 Todesfälle, davon in der Stadt Palermo 21 Erkrankungen und 19 Todesfälle.

Der apostolische Verein von Süd-Japan überreichte am 12. ds. Mts. dem Kaiser von Japan ein Schreiben des Papstes, in welchem um den Schutz der Christen in Japan nachgesucht wird. Der Kaiser sagte zu, den Christen dieselben Freiheiten zu gewähren wie den Japanesen, und er wird einen außerordentlichen Botschafter nach Rom entsenden.

Moskau, 26. October. DieMoskauer Zeitung" meldet: Der Fianzminister brachte im Reichsrathe einen Entwurf über einen Einfuhrzoll auf Kupfererz von 4 Kopeken ein, wodurch der Zoll auf einen Rubel für ein Pud erhöht wird.

Madrid, 26. October. sHavasmeldung.1 In der Antwortnote Elduayen's vom 12. d. M. auf die deutsche Note vom 1. o. M. heißt es: Spanien halte die Ansprüche Deutschlands hinsichtlich der Karolinen nicht für begründet, es sei denn, daß eine neue Eonferenz zusammentrete, um analog den Bestimmungen der Generalakte der Berliner Eonferenz Bestimmungen für die oceanischen Gebiete zu treffen. So lange dies nicht geschehe, halte Spanien seine Souveränität auf den Karolinen- und den Palaos-Jnseln im Princip aufrecht, übereinstimmend mit den Vorschriften des alten internationalen Rechts, das bis jetzt nicht aufgehoben sei.

Konstantinopel, 26. October. Drummod Wolff ist nach einer Audienz beim Sultan nach Egypten abgereist.

B2 iterarischeS.

Gießen, 27. October. sDer römische Grenzwall in Deutschland nach den neueren Forschungen von Br. Jpaupt] Vom neuen Bibliothekar an der hiesigen Universität ist unter obigem Titel jüngst eine Broschüre erschienen, welche eine große Lücke in der Limeslitteratur mit Geschick ausfüllt, indem der Verfasser sowohl die Notizen und Abhandlungen über den Pfahlgraben nach Möglichkeit für den Forscher zusammengestellt hat, als auch dem großen Publikum einen kurzen Ucberblick über den heutigen Stand der Limesforschung gibt. Wir empfehlen unseren Lesern das Schriftchen recht angelegentlich, weil es eine historische Hinterlassenschaft betrifft, die mit zu den interessantesten und wichtigsten der näheren Umgebung von Gießen ge­hört. Zu beziehen ist die Broschüre von Adalbert Stuber's Verlagsbuchhandlung in Würzburg. p.

Vermischte-.

Darmstadt, 24. October. Unter den Städten, welche durch die neuen Steuer­gesetze in ihrem Steuerkapital, trotz Befreiung der Einkommen unter 500 X, ganz wesentlich in die Höhe geschraubt wurden, nimmt Darmstadt den ersten Rang ein, da die Steigerung des Gesammtsteuerkapitals gegen das vorige Rechnungsjahr nicht weniger als 47 pCt. beträgt, Dann folgt Mainz mit 42,3 pCt., Gießen mit nahezu 42 pCt. und Worms mit 40 pCt., während Seligenstadt und Dieburg z. B. nur um «twa 8 pCt. in die Höhe gesetzt erscheinen.

][ Darmstadt, 25. October. Im Commissions-Verlag von Arnold Bergsträßer hier erscheint im November d. I. der Anfang des Werkes: Kunstdenkmäler int Großherzogthum Hessen. Jnventarifirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architectur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluß des 18. Jahrhunderts. Herausgegeben durch eine im Auftrage Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zu diesem Zweck bestellte Commission.

Wie wir dem soeben ausgegebenen Prospect entnehmen, hat das Werk zum Zweck, die im Titel bezeichneten Denkmäler, insoweit dieselben in kunst- und cultur- geschichtlicher Beziehung von Werth sind und den unserem Jahrhundert vorangegangenen Epochen angehören, in Beschreibung und bildlicher Darstellung zu einem übersichtlichen Ganzen zu vereinigen. Das Werk wird sonach die Jnventarifirung aller derjenigen Kunstdenkmäler im Großherzogthum umfassen, die durch ihr Alter, ihre Darstellung, Formen, Schicksale und historische Bedeutsamkeit Beachtung beanspruchen, gleichviel ob dieselben im Besitz des Staates, von Gemeinden, Corporationen, Vereinen oder von Privaten sich befinden.

Die Großh. Staatsregierung hat sich zu diesem Unternehmen entschlossen in Anerkennung des hohen Werkhes, den eine vollkommene Kenntniß der Denkmäler des Landes nach verschiedenen Seiten hin für den bildenden Künstler als Hilfsmittel beim Studium vaterländischer Kunst, für den Kmfftgelebrten als Archiv und Repertorium zu fachwissenschaftlichen Arbeiten, für den Kunstfreund zur Kenntniß und Würdigung der Monumente, für den Architecten, Bildhauer, Maler und Kunsttechniker in praktischen Fragen der Erhaltung und stylvollen Erneuerung solcher Werke, wie nicht minder für die gesunde Fortentwickelung des eigenen Landes haben mußte. Nicht minder wurde Werth gelegt auf die von einem solchen Werke zu erwartende Vervollständigung der Landeskunde in Bezug auf die Geschichte des Großherzogthums und auf die Kunst und deren Entwickelung in diesen Landen. Es wird den Behörden die Monumente be­zeichnen, welche besondere Beachtung in Bezug auf ihre Erhaltung verdienen; es wird aber auch allgemein darthun, welche Schätze des Alterthums in dem Lande befindlich sind und es wird somit den Sinn und die Theilnahme der Bewohner für die Erhaltung der Alterthümer erwecken und beleben. Die Jnventarifirung wird sich auf folgende Gegenstände erstrecken: a) Römische und germanische Denkmäler, einschließlich der Kunst der Merowingerzeit; b) Denkmäler der Karolinger-Aera, der romanischen und gothischen Stylepoche, sowie der Renaissance, einschließlich des Barockstyls, des Rococo und des sog. Zopfes bis zum Beginn der classicirenden Reactionszcit, umfassend die Werke der Architeetur, Plastik, Malerei einschließlich der Miniaturen, die Erzeugnisse der kirchlichen und profanen Kunstindustrie, wie Holzschnitzerei, Elsenbeinplastik, Glas­malerei, Mosaik, Geräthe und Gefäße in Edelmetall, Broncegusse, Schmiedearbeiten, textile Kunsterzeugnisse; c) Denkmäler der Jngenicurkunst: Befestigniigen, Aqiiäducte, Straßen- und Brückenbauten; d) Angaben nicht mehr existirender Baudenkmäler, insofern dieselben für die Kunstbewegung einer Epoche Erwähnung beanspruchen; v) Literatur der Monumente und kunstarchäologische Karte des Großherzogthums. Jeder der achtzehn Kreise des Landes wird als eine besondere Abteilung des Werkes behandelt, und es wird die Denkmäleraufzeichnung in alphabetischer Reihenfolge inner­halb der Orte jedes Kreises geschehen. Zunächst erscheint die Abtheilung Kreis Offenbach, bearbeitet von Hofrath Professor Dr. Schäfer. In Vorbereitung befinden sich Kreis Gießen, bearbeitet von Geh. Baurath Professor Dr. H. M. v. Ritgen, Worms von Rechtsanwalt Ernst Wörner, Erbach von Hofrath Schäfer, Mainz von Dompräbendat Dr. Fr. Schneider, Büdingen von Professor H. Wagner. Tas Werk wird mit zahl­reichen Textillustrationen und einer Anzahl Tafeln in Lichtdruck ausgestattet, welche unter Leitung von Professor E. Marx ausgeführt werden. Letzterer wird außerdem noch den Kreis Oppenheim bearbeiten. Der Preis des Werkes ist im Verhältniß zu dem Gebotenen ein äußerst billiger beispielsweise für den Kreis Offenbach 9 X und nur dadurch möglich, daß die Großherzogliche Staatsregierung einen bedeutenden Zuschuß zu den Kosten des Werkes leistet. Das Erscheinen des ganzen Werkes wird sich auf mindestens sechs Jahre verteilen.

Wir verfehlen nicht, die Aufmerksamkeit aller Interessenten auf dieses sorg­fältig vorbereitete Werk zu lenken, welches sich zweifellos in jeder Hinsicht dem besten anschließen kann, was in anderen Ländern über Kunstdenkmäler erschienen ist. Möge es unserem engen Vaterlande zur Ehre gereichen!

Mainz, 24. October. Ein Arbeiter der Reinigungsanstalt, welcher bei der Auffindung des Wothe'schen Kopfes imTannenbaum" zugegen war, hat sich dabei derart entsetzt, daß er jetzt krank darniederliegt.

Heute Nacht erhängte sich an dem Landpfeiler der Eisenbahnbrücke art einem jener Ringe, welche zum Befestigen der Schiffe dienen, der hiesige Metzgermeister E. aus der Häringsbrunnengasse. Familiensorgen sollen den Unglücklichen, der Frau und Kinder hinterläßt, zu dem verzweifelten Schritte gedrängt haben.

Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Noheisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat September 1885 auf 309 243 Tonnen, darunter 156 987 Tonnen Puddelroheisen, 9554 Tonnen Spiegeleisen, 37 416 Tonnen Bessemerroheisen, 66 976 Tonnen Thomas- roheisen und 33 310 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im September 1884 betrug 294 330 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. September 1885 wurden producirt 2 806 322 Tonnen gegen 2 678 953 Tonnen im Vorjahr.

Handel und Verkehr.

Gießen, 27. October. Auf dem heutigen Markt kosteteButter per Pfund X 1.00105, Hühnereier 2 Stck. 1315 Enteneier St. 00 Käse pr. St. 58 JL Käsematte 23 H, Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 30 Tauben per Paar 0,45 bis 0,60 Hühner per Stück X 0.901.00, Hahnen pr. Stück X 0.450.80, Enten per Stück X 1.401.70, Ochsenfleisch per Pfund 6264 Kuh- und Rindfleisch 5456 Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 56-64 H, Kalbfleisch 4850 X Kartoffeln per 100 Kilo X 3.004.00, Milch per Liter 1216 Zwiebeln per Gentner X 3.004.00. Weißkraut pr. St. 38

Ara^ksurt' 26. October. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer 17,52-00,00, fremder X 17,00-19,75, Roggen eff. hies. X 15,00-15,25, fremder X 15,0015,25, Gerste effektiv hiesige und Wetterauer X 16,0047,00, fremde X 16,5017,50, Hafer eff. hies. X 13,2513,75 fremder X 13,5014,75. Rüböl, eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 26,50. Branntwein eff. ohne Faß X 38.

Frankfurt, 26. October. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- ttieben waren 399 Ochsen, ca. 20 Bullen, ca. 325 Kühe und Rinder, ca. 299 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Oual. X 6466, 2. Qual. X 5662, Kühe und Rinder 1. Qual. X 50-57, 2. Qual. X 3545 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 6062 2. Qual. 5052 H per 1 Pfund Schlachtgewicht.

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Wichtige Bekanntmachung.

Durch Beschluß des Tribunals in Hannover vom 5. Juni 1885 ist der Kauf­mann Wilhelm Niehencke zu Hameln zu einer Geldstrafe von 150 Mark event- 50 Tage Gefängniß und Tragung der Proceßkosten wegen Fälschung der Marken der SocietS Anonyme de la Distillerie de la Liqueur B6n6dictine de lAbbaye zu Fdcamp verurtheilt worden.

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