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Preußen beginnt Rußland jetzt mit gleichen Maßregeln zu beantworten; so sind z. B. aus Lodz und anderen Plätzen Polens eine größere Anzahl Gewerbe« treibender deutscher Nationalität ausgewiesen worden. Wohin diese gegenseitigen Ausweisungen noch sühren werden, läßt sich zur Zeit gar nicht absehen. Zu bedauern bleibt nur, daß unter solchen Maßnahmen neben Individuen, welche ihre Ausweisung vollauf verdient haben, auch Leute von unzweiselhaft ehren­haftem Charakter und sicherer Existenz leiden muffen, man müßte da hüben wie drüben doch unbedingt eine schärfere Auswahl treffen.

Das Schicksal der Kreuzer-CorvetteAugusta" muß nun leider als besiegelt betrachtet werden. Nach den vorliegenden Mittheilungen rst nicht mehr zu bezweifeln, daß das Schiff dem in den ersten Junitagen im Rothen Meere wüthenden Cyclon zum Opfer gefallen ist und daß Deutschlands Kriegsmarine somit wiederum den Verlust von 258 braven Seeleuten zu beklagen hat. Derselbe wird selbstverständlich zunächst von den Familien der Verunglück­ten auf das Schwerste empfunden werden, aber der Verlust drückt auch alle Kreise, die mit der Marine in Verbindung stehen, und das ganze deutsche Volk wird ihn beklagen. Hoffentlich wird sich auch die allgemeine Theilnahme den Hinterbliebenen der Verunglückten von derAugusta" in eben demselben reichen Maße zuwenden, wie dies anläßlich der Katastrophe desGroßen Kurfürsten" geschehen ist.

Die französischen Ultra-Radikalen haben in ihren Bemühungen, die englische Regierung für den Tod Olivier Pain'S im Sudan direct ver­antwortlich zu machen, kein sonderliches Glück. Ein Telegramm des englischen Agenten Egerton in Kairo an die englische Botschaft in Paris meldet in über­zeugender Weise, daß Olivier Pain aus seinem Wege von El Obeid in Darfor nach Khartum im vorigen Herbst gestorben sei. Für diese Mittheilungen macht Egerton mehrere ganz unparteiische Zeugen namhaft und fügt hinzu, daß Selikowitsch, welcher die Nachricht von der angeblichen Gefangennahme und der Erschießung Olivier Pain'S durch die englischen Behörden in die Welt gesetzt hat, in englischen Diensten gestanden habe, aber wegen seines böswilligen Cha­rakters entlasten worden sei. Außerdem liegt aber auch ein Telegramm des englischen Majors Kitchener in Kairo vor, in welchem die Angaben Selikowitsch'S über den Tod Olivier Pain'S als falsch und unrichtig bezeichnet werden. Weiter versichert Major Kitchener in bündigster Form, er habe von der englischen Re­gierung niemals Instructionen erhalten, die sich aus Olivier Pain bezogen hätten, auch fei seinerseits niemals der Versuch gemacht worden, sich der Person Olivier Pain'S zu versichern. Trotzdem veröffentlicht derJntransigeant" einen neuen Brief Selikowitsch'S, in welchem derselbe seine Behauptung, Olivier Pain sei am 18. April aus Beseht der englischen Behörden erschosten worden, ausrecht hält. Auch theilt der Brief Selikowitsch'S eine Bescheinigung Owen Lanyon's, des früheren Obersten im Generalstab in Egypten, mit, in welcher Selikowitsch als ein ebenso eifriger wie befähigter Beamter bezeichnet wird. Man hat dem­nach die Lösung dieser verschiedenen Widersprüche abzuwarten.

Die rapide Verbreitung der Cholera in Marseille hat eine wachsende Auswanderung aus der Stadt veranlaßt, wodurch sich die Gefahr der Ansteckung für die benachbarten Departements und Länder eminent ver­größert. Die Krankheit zeigt nicht mehr den verhältnißmäßig einfachen Charak­ter, wie im vorigen Jahre, sondern äußert sich in Verbindung mit typhusartigen Symptomen. In Toulon tritt die Seuche gleichfalls heftiger auf. .,r

Am Samstag Nachmittag hat im Hydepark zu London ein großartiges Meeting in der Mädchenschutz-Frage stattgesunden. Demselben wohnten etwa 30,000 Personen bet. Von 11 Tribünen herab wurden zahl­reiche Reden gehalten und sodann Resolutionen angenommen, nach denen die Bürger aufgefordert werden sollen, die Behöben bei der Ausführung des vom Parlamente zum Schutze junger Mädchen angenommenen Gesetzes zu unterstützen.

Sir Drummond-Wolff ist am Samstag aus der Quarantäne ent­lasten morden, zu welcher er nach seinem Eintreffen in Konstantinopel von der türkischen Regierungverurtheilt" worden war. Alsbald hatte Wolff eine Be­sprechung mit dem interimistischen diplomatischen Vertreter Englands in Kon­stantinopel, Mr. White, und machte derselbe noch an demselben Tage dem Großvezier und dem Minister des Auswärtigen, Astym Pascha, seinen osficiellen Besuch. Wie lange der außerordentliche Gesandte Englands in der türkischen Hauptstadt verweilen wird, läßt sich heute noch nicht sagen, da es noch nicht bekannt ist, wie man eigentlich auf der hohen Psorte über die egyp- tische Mission Wolff's denkt. In Londoner Kreisen giebt man sich der Hoffnung hin, daß die Mission Sir Drummond's zunächst beim Sultan von einem voll­ständigen Erfolg gekrönt sein werde. Mittlerweile gestalten sich die Dinge im Sudan immer chaotischer; wie vor einiger Zeit in Khartum, so ist es jetzt auch in Berber, welches anscheinend noch im Besitze der Egypter ist, zu blutigen Vorgängen gekommen. Anlaß hierzu gab der immer fühlbarer werdende Mangel an Lebensmitteln und wurden im Verlause des Tumultes auch die öffentlichen Kasten angegriffen, lieber den Ausgang des Tumultes und über die Einzel­heiten destelben sind noch keine weiteren Nachrichten eingelaufen.

Hesterreich.

Kremfier, 25. August. Der von dem Hoftheater - Intendanten Baron Hosmann gestern veranstalteten Soiree wohnten Graf Kalnoky, Gras Taaffe, Sectionschef v. Szögyenyi, Botschafter Graf Wolkenstein, Statthalter Gras Schönborn, Frhr. v. Nopeza, Bürgermeister BojakowSky, mehrere Hoswürden- träger, Officiere, Künstler und etwa 40 Vertreter hervorragender inländischer und ausländischer Blätter bei.

Spanien.

lieber eine große antideutsche Kundgebung in Madrid wird demReu- ter'schen Bureau" aus der spanischen Hauptstadt unterm 23. d. Mts. gemeldet: Heute Nachmittag fand in Prado eine patriotische Kundgebung statt, die den Zweck hatte, gegen die Besetzung der Karolinen-Inseln Seitens Deutschlands zu vrotestiren. Kurz nach 4 Uhr begann sich das Publikum in der Nähe des zur Erinnerung an die Opfer der französischen Invasion in 1808 errichteten Dos de Maja-Monuments zu versammeln und der ungeheure Raum im Prado war bald mit einer Menschenmenge gefüllt, deren Anzahl allgemein aus 30,000 Per- Ionen geschätzt wurde. Alle Klaffen waren vertreten. Viele Militärs hatten sich eingefunden, ferner eine große Schaar von Studenten der Madrider Uni­versität, sowie Mitglieder der politischen und militärischen Clubs. Viele Leute trugen Banner mit patriotischen Inschriften. Eine Anzahl patriotischer Reden über die Karolinen-Jnselsrage wurden gehalten und die Volksmenge gerieth in

eine erregte Stimmung und brachte begeisterte Hochs auf Spanien und die spanische Armee aus. Nachdem die Reden vorüber waren, zog Die Volksmenge durch die Hauptstraßen und machte Halt vor den politischen und militärischen Clubs, wo einige Mitglieder, darunter MartoS und Becerra, vom Balcon herab Ansprachen an sie hielten. Viele Häuser waren becorirt und die BalconS waren mit Zuschauern gefüllt. Dann bewegte sich das Volk über die Puerta del Sol und andere Hauptstraßen nach dem Erado zurück, wo es sich nach roie* derholten Hochs auf Spanien zerstreute. Während der Kundgebung kletterten einige Personen auf die BalconS der Amtswohnung des Premierministers und pflanzten dort die spanische Flagge auf. Durch diesen Zwischenfall wurde einige Verwirrung verursacht; die Ordnung wurde jedoch bald wieder hergestellt- Ungeachtet des ungeheuren Zusammenflusses von Menschen herrschte vollkommene Ordnung. (Darmst. Ztg.)

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Telegraphische Depeschen.

Wolff - telegr. «orrespondenr - Brrrea«.

Berlin, 25. August. DerNeichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung bc£ Directors des Militär-Oeconomiedeparteinents, des Generalmajors Blume, zum Mit- gliede des Staatsraths.

DieNordd. Allg. Ztg." sagt, die von derAgence Havas" gebrachte Nach­richt, datz der in Berlin eingetroffene außerordentliche persische Gesandte Mobsin Khan den Auftrag seitens der persischen Regierung hätte, Officiere und Eivilbeamte für Persien zu engagiren, ist, wie von autoritativer Seite mitgetheilt wird, durchaus un­begründet.

Bremen, 25. August. Das zu Ehren der Mitglieder der Telegraphen-Confercnz. tm hiesigen Rathskeller veranstaltete Fest verlief auf's Glänzendste. Als ^taatssecrctär Dr. v. Stephan den Keller verließ, wurden demselben von dem Publikum lebhafte Ovationen dargebracht. Heute früh besichtigten die Mitglieder der Eonferenz die her­vorragendsten Gebäude Bremens, machten dann eine Umfahrt durch die Stadt und­reisten um 10 Uhr mittelst Extrazugs nach Breinerhaven und Geestemünde weiter.

Bremerhaven, 25. August. Die Mitglieder der Telegraphcnconferenz trafen mittelst Extrazuges um ll1/* Uhr vor der Halle des Norddeutschen Lloyd ein, besuchten das Dock des Lloyd und machten dann mit dem DampferWillkommen" eine Fahrt in See. Nach der Rückkehr wurde der SchnelldampferFulda" besichtigt und aus dem SchnelldampferElbe" ein Diner eingenommen. Um ö1/» Uhr verließ der Exttazug Bremerhaven, die Ankunft in Hamburg soll Abends 9 Uhr erfolgen.

Hamburg, 25. August. Heute Abend 8*/r Uhr tro[ der Extrazug aus Bremen mit den Delegirien der Telegraphcnconferenz hier ein. Senator Versmann empfing die Gäste im festlich geschmückten Empfangszimmer. Etwa 60 offene Equipagen führten die Theilnehmer in die Hotels. Die Umgegend des Bahnhofs ist bis zur Stadt glänzendst durch Glasflambeaux erleuchtet. Tausende von Menschen empfingen die Wagen mit Hurrahrufen.

Wiesbaden, 25. August. Nachdem Erkrankungen am Typhus in den letzten Tagen nicht mehr vorgekommen sind, beschloß die Königliche Negierung in ihrer heutigen Sitzung, daß die hier aufgetretene Epidemie als erloschen zu betrachten sei und daß die damit zusammenhängenden Maßregeln einzustellen seien.

Wien, 25. August. DasPrager Abendblatt" erfährt über die Excesse in Königinhof anläßlich des Festes des deutschen TurnvereinsTafelrunde", daß die schleu­nigste und strengste Untersuchung bereits eingeleitet sei.

Szczakowa, 25. August. Heute früh präcis 5 Uhr 10 Min. fuhr der Bahn­zug mit den russischen Majestäten in den mit russischen, österreichischen und galizischen Landesfarben geschmückten Bahnhos ein, während das Musikcorps der daselbst auf­gestellten Ehrencompagnie die russische Nationalhymne intonirte. Kaiser Alexander, in der Uniform seines österreichischen Regiments, verließ, gefolgt von den Großfürsten, den Waggon unh schritt unter Vorantritt des Fürsten Lobkowitz die Ehrencompagnie ab? Der Großfürst-Thronfolger, sowie der Großfürst Wladimir hatten, ersterer die Uniform eines österreichischen Ulanen-Oberstlieutenants, letzterer die seines österreichi­schen Husarenregiments angelegt, Großfürst Georg trug russische Kosakenuniform. Nach Besichtigung der Ehrencompagnie erfolgte die Vorstellung durch den FZM. Baron Ramberg. Kaiser Alexander reichte dem Herzog von Württemberg, dem Fürsten Win- dischgrätz und dem Statthalter Zaleski die Hand und conversirte mit dem letzteren kurze Zeit. Ebenso begrüßten der Großfürst - Thronfolger und Großfürst Wladimir die anwesenden Generale und den Statthalter. Die Kaiserin verblieb mit ihren Damen in dem Waggon. Nach viertelstündigem Aufenthalte setzten die russischen Majestäten in dem nunmehr von dem Hofrath Elaudy geführten Zuge die Reise nach Kremsier fort.

Oderberg, 25. August. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mit Ge­folge traf um 8 Uhr 30 Min. hier ein und wurden von dem Landespräsidenten Mar-- quis von Bacquehem und Namens des deutschen Kaisers durch den General der Eaoallerie, Grafen Brandenburg, empfangen und begrüßt. Kaiser Alexander oerlieg. den Waggon und richtete einige Worte an die zur Begrüßung anwesenden Behörden. Der Landespräsident nahm im Hofzuge Platz, um die russischen Majestäten auf der Fahrt durch Schlesien zu begleiten.

Kremfier, 25. August. Der Kaiser und der Kronprinz in russischer Uniform mit den Bändern des Andreasordens fuhren um 11 Uhr Vormittags zur Begrüßung der russischen Gäste nach Hullein, woselbst der russische Hofzug um ll'/r Uhr cintraf. Der Kaiser und der Kronprinz, welchen die Czarin und die Großfürstin Maria Paulowna vorn Waggon aus die freundlichsten Grüße entboten, stieaen nach dem Anhalten des Zuges zu den Gästen ein, so daß die Begrüßung sich den Blicken der Anwesenden entzog. Alsbald erfolgte die Abfahrt nach Llremsier, woselbst der Hofzug um 12 Uhr eintraf. Auf dem Perron, wo die Kaiserin und Erzherzog Karl Ludwig in russischer Uniform mit dem Bande des Andreasordens standen, intonirte die Musikkapelle die russische Volkshymne. Die beiden Kaiserinnen umarmten und küßten sich zweimal, indeß der Ezar in der österreichischen Oberstuniform mit dem Bande des Stephansorden^ den Waggon verließ und mit dem Kaiser die Ehrencompagnie abschritt. Inzwischen erfolgten die sonstigen Begrüßu^en, die sich sämmtlich durch große Herzlichkeit und Wärme ansreichneten. Die Czarin bot dem Erzherzog Karl Ludwig, nachdem dieser ihr die Hand geküßt, die Wange zum Kuß, Maria Paulowna küßte Karl Ludwig auf die Stirne. Hierauf folgte die Vorstellung der Damen des beiderseitigen Gefolges. Der Crnr schritt nach Besichtigung der Ehrencompagnie sofort auf die Kaiserin zu und küßte derselben die Hand, worauf der Kaiser dem Czaren den Landeshauptmann, den Bezirkshauptmann und den Bürgermeister vorstellte. Die Empfangsscene dauerte 15 bis 20 Minuten. Der Einzug in das Schloß erfolgte in einem vierspännigen Wagen. Zuerst^ die beiden Monarchen, dann die Kaiserinnen, hierauf Maria Paulowna mit dem Thronfolger und Wladimir, in österreichischer Uniform mit dem Bande des Stephansordens, und dem Kronprinzen, sodann Karl Ludwig mit Georg. Dem ersten Wagen ooron fuhren der Statthalter mit dem Bürgermeister. Die Menge brach in Hochs und Slavarufe aus, auf dem Wege bildete das Militär Spalier.

Bei der Ankunft im Schlosse wurden die russischen Herrschaften am Fuße der Treppe von dem Oberhofmeister und dem Eerenionienmeister erwartet und in daS Bilderzimmer geleitet, wo die Würdenträger vorgestellt wurden. Hierauf nahm man ein Dejeuner a la camera. Für die Suiten und die Würdenträger war Marschalltafel im Gartensalon, die übrigen Herren des russischen Gefolges nahmen an der Eontrolar- tafel Theil, wobei Regierungsrath Singer ein Hoch auf die russischen Majestäten aus­brachte, welches mit einem Hurrah auf das österreichische Kaiserpaar erwidert wurde. Ihn 6 Uhr begann die Hostasel (78 Gedecke), den Ehrenplatz hatten die beiden Kaiserinnen, die Kaiserin von Rußland zur Rechten Der Kaiserin Elisabeth; dann folgten Kaiser Franz Joseph, Maria Paulowna, Karl Ludwig, Großfürst Georg. "Reben der Kaiserin Elisabeth saßen der Kaiser von Rußland, der Kronprinz, der Großfürst Thronfolger, Großfürst Wladimir. Bei der Tafel brachte man feine Toaste aus. Die Tafelmusik im Schloßgarten wurde von der Capelle des Alexanderregiments ausgeführt. Um acht Uhr begann die Theatervorstellung, darauf wurde der Thee eingenommen, wozu die Mitglieder des Burgtheaters geladen waren, dann folgte das Souper. Mittwoch Vormittag 10V, Uhr wird eine Jagdausfahrt gemacht. Um 12l/2 Uhr folgt ein

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