Der Vorstand.
H. Rübsamexi
Alice-Schule
für Frauenbildung und Erwerb.
Zum Besuche der am 1. und 2. September, von Morgens 9 — 12 und Nachmittags von 2—5 Uhr, in dem Vereinslokale aus dem Asterweg stattfindenden
Ausstellung der Arbeiten der Schülerinnen
laden wir die Eltern wie alle Freunde der Anstalt ergebenst ein-
Mainz, 22. August. Vor einigen Tagen starb das an leichtem Unwohlsein erkrankt gewesene und bereits auf dem Wege der Besserung befindliche einzige Kind eines Arbeiters ini Gartenfelde nach dem Genuß von Pulvern unter verdächtigen Symptomen. Der behandelnde Arzt, ein Militärarzt, soll nach Besichtigung der Pulver erklärt haben, das Kind fei in Folge eines Mißocrständm'ses seitens des Apotbekers vergiftet Die von der Ober-Medicinalbehörde vorgenommenc Untersuchung soll jedoch ergeben haben, daß das Pulver richtig nach dem Recept ausgeführt war. Die sowohl ron Seiten des Staatsanwalts wie der Medicinalbehörde anhängig gemachte Untersuchung wird wohl constatiren, ob das Kind überhaupt an dem Genuß von Medi- cainenten gestorben ist, und wenn dies der Fall, ob die Schuld den ordinirendeii Arzt oder den Apotheker trifft. t . r . . or, ,
Goldberg. sGrausiger Tod zweier Frauen.) Als an emem der letzten Abende der Ehausseearbeiter Berndt von Neudorf a. R. nach Hause gehen wollte, sah er auf einem Felde in der Nähe des Dorfes einen Bullen mit den Hörnern einen menschlichen Körper bearbeiten. Er eilte in das Dorf zurück, machte dem Besitzer des Feldes die Mittheilung und man begab sich eilends auf das Feld hinaus. Dort bot sich den Leuten ein schrecklicher Anblick dar. Vor ganz kurzer Zeit waren Frau und Schwiegermutter auf einem mit einem Ochsen bespannten Leiterwagen aufs Feld gefahren. Beide fand man als Leichen, die Frau des Feldbesitzers in einer Furch: zu Boden gedrückt, die Schwiegermutter in einiger Entfernung davon, von Kleidern entblößt, mit lrufgerissenenl Leibe. So sind sie beide, die junge, etwa 30jährige Frau unb die fast livjährige Mutter derselben, ein Opfer des tobenden Stieres geworden. Der Grund zur Wuth desselben vermag nur geahnt zu werden, da Augenzeugen nicht zu befragen gewesen sind. Wahrscheinlich war das Thier losgesträngt und an den Wagen gebunden gewesen, von dem es sich losgerissen Hal. Das erste Opfer war jedenfalls die junge Frau; auf die vor ihm fliehende ältere Frau hat sich der Ochse nachher geworfen; er warf ihren Leichnam noch hin und her, als der Ehausseearbeiter den gräßlichen Vorfall entdeckte. Die junge Frau ist laut ärztlicher Angabe durch Zertrümmerung des Brustkastens getödtet. Während man mit der Fortführung der Leichen beschäftigt war, kehrte der Stier, anscheinend ruhig, von selbst wieder in deU Hof des Besitzers zurück. Hier wäre ihm der letztere, ein 70jähriger Mann, beinahe noch zum Opfer gefallen. Trotz des Abmahncns Anderer wagte er es, den Ochsen allein im Stalle festzubinden. Das Thier warf ihn zu Boden uni) nur der Hilfe zweier Nachbarn, welche dem Threre mit Heugabeln zusctzten, verdankte er es, daß er seiner Frau und Tochter nicht in den Tod folgte. Der Bulle ist alsbald an den Fleischer zur Tödtung verkauft
Eupen, 23. August. Heute Nachmittag bemerkte ein am hiesigen Bahnhof postirter Grenzaufseher einen wohlgekleideten Mann, der, von Belgien kommend, mit einem Packet in der Hand in die Stadt eilte. Der Beamte folgte dem Fremden bis zur Post, wo letzterer das Packet nach einer größeren deutschen Stadt aufgeben wollte. Auf Verlangen des Grenzbeamten wurde das Packet geöffnet; es enthielt eine Menge Exemplare der Julinummer des „Rebell. Organ der Anarchisten deutscher Sprache". Der Träger der anarchistischen Lectüre sitzt hier hinter Schloß ^S^i egen, 23. August. Ein kleiner Roman, schreibt die „Sieg- und Lahnztg.", ist es, den wir heute zu erzählen Haben, nur liegen vorläufig noch die Motive desselben vollständig im Dunkeln. Am 15. Juli entfernte sich von hier eine aus dem Amte Hachenburg gebürtige Dienstmagd, Elise Klöckner, die sich kurze Zeit hier zu Besuch bei ihrer Tante aufgehalten hatte, unter Mitnahme des sechsjährigen Knaben der letztern, Jakob. Den Kleinen wollte sie zum Samstag (18. Juli) wieder zurückbringen, Ziel des Ausflugs war Köln. Der Samstag kam, nicht aber das Kind. Tage, Wochen verschwanden, die besorgten Eltern hörten nichts von dem Kleinen; die um ihre Hülfe angegangene Polizei stellte vergebens ihre Nachforschungen nach allen Himmelsrichtungen an. Natürlich waren die abenteuerlichsten Gerüchte bald im Gange. Nach dem einen
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Dcicuncr im Jägerhause, Abends Diner. Die Abreise der russischen Gäste erfolgt Abends um 10 Uhr. Der Kaiser verlieh dem Großfürsten Thronfolger ein Ulanen- JteghncnL August. Eine Depesche Eourcv's meldet eine leichte Abnahme der i^bolera in Tongking. Eourcy kehrt demnächst nach Hue zurück. e
9 Madrid, 25. August. Gestern fand unter dem Vorsitz des Königs em Mmister- raib statt der sich mit der Verlesung von auf die Karolineuinscln bezüglichen diplo- matischen' Schriftstücken beschäftigte. Der Minister des Außwärtigen theille ein Telegramm aus Berlin mit, welches den zweiten Protest der spanlschen^Reglerung beantwortet In demselben wird seitens der deutschen Regierung erklärt, datz sie dem Zwischenfall, der die guten Beziehungen Deutschlands zu Spanien nicht alteriren könne, keine Wichtigkeit beilege, sie betrachte die Karolineninleln bis zum Beweise des Gegentheils als Niemand angehörig, denn Spanien habe dort keinerlei Behörde em- gesetzt. Weitere eingehendere Erklärungen sollen durch Eouner erfolgen
Riaa 25 August Das Stadthaupt von Riga, Bungner, und das Stadt- Haupt von Reval,' Greiflenhagen,' sind auf Befehl des Kaisers megeit ^61)1111110 zcgen den Gebrauch der russischen Sprache im omciellen Verkehr des Amtes entsetzt
25.August. sTelegramin des Reutcr'schen Bureaus.) Der englische Dampfer „Bangalore" hat in dem Golf von Aden gänzlich Schiffbruch erlitten, wobei au 100 Personen ertrunken sind. ... _ ...
iUiro, 25 August. (Telegramm des Reuter ichen Bureaus.) Der Befehl stir die Einschiffung von 4 Jnfanieriebataillonen von Alexandrien nach England ist zurück- genoiumcu woiden^ August. (Privatdepesche.) Das Reichsgericht verwarf die vom Vertbeidiger Lieske's (Mörder Rumpff's) eingewendcte Revision.
Lokale-.
Gießen, 26. August. Wie wirI hören, beabsichtigt der Zitherverein „Alpen- löscdcn" im Saale des Lenz'schen Fclsenkellers ein Eoncert zum Besten der Ab- aebranntcn in Appenrod zu veranstalten. Ein volles Haus wäre sehr zu wünschen, insbesondere da der Erlös für diese Bedürftigen bestimmt ist.
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sollte die Klöckner mit dem Kinde bettelnd das Land durchstreifen, nach einem andern sollte sic das Kind an eine Gauklerbande verkauft haben, ein drittes wollte sie selbst mit dem Kinde in Belgien bei einer solchen Gesellschaft gesehen haben. Da stellte sich vor ein paar Tagen heraus, daß die Gesuchten in Rüdesheim sich befänden. Auf Verlangen von hier wurde die Klöckner dort verhaftet und auf Grund eines vom hiesigen Amtsgericht gegen die Entführerin erlassenen Haftbefehls gestern Abend hier cingebracht. Das Gerücht von ihrer Inhaftnahme hatte sich bereits durckgesprochen, den ganzen Nachmittag war der Bahnhof von Zteugierigen belagert, welche auf die Ankunft warteten. In Rüdesheim hatte die Klöckner das Kind seit drei Wochen bei einem ©^reiner in Kost gegeben; der Kleine ist gut gehalten und zeigt Anhänglichkeit an die K. tote hat ibn dort für ihr eigenes Kind ausgegcbeu, sich selber für eine Wittwe Schmidt und das Kind angehalten, zu sagen, der Vater sei ertrunken. Factisch war die Klöckner mit einem aus Aßmaunshausen gebürtigen Manne dieses Namens verlobt und bereits zweimal aufgcboten, als letzterer im Rheine ertrank. Die Untersuchung aegen die K. wird auf Grund des $ 235 R.-Str.-G.-B. beim Königlichen Amtsgericht, dem sie bereits übergeben ist, geführt. (r. Z.)
Aus dem Fürst ent hum Waldeck, 21. August. Das große Brandunglück zu Eorbach hat noch größere Verheerungen angerichtet, als man zuerst annahm. Das Feuer entstand nach den nunmehr fcstgestclltcn amtlichen Ermittelungen in der mit etwa 4000 Gebunden Roggen vollgepfropften Scheune des Kaufmanns E. Vesper und verbreitete sich mit solch rapider Schnelligkeit bei dem starken Winde, daß an Retten der Mobilien nicht zu denken war. Viele haben kaum das nackte Lebe'n gerettet. Mehr denn 30 Gebäude waren in kurzer Zeit von den Flammen ergriffen und als jetzt noch Wassermangel eintrat, da befürchtete man das Schlimmste. Glücklicherweise drehte sich der Wind, Feuerwehr auf Feuerwehr jagte heran und ihrer aufopfernden Thätigkeit gelang es endlich, den Brand zu isoliren. 9ttedergebrannt sind im Ganzen 24 Gebäude, einschließlich 13 Scheunen, theilwcise zerstört 19 Gebäude. Nicht alle haben versichert. Der Schaden ist bedeutend, da große Getreidevorräthe verbrannt sind; mehrere Feuerwehrleute wurden verwundet. Man vermuthet Brandstiftung.
Sierck, 23. August, lieber den in der Nacht vom 15. auf den 16. d. M. an dem Polizeidiener Pfeiffer von Mandern verübten Mord hat sich folgendes heraus- gestellt: Am Abend des 15. August ging der Polizeidiener Pfeiffer von Mandern nach oem zu seinem Amtsbezirke gehörigen, etwa V< Stunde entfernt gelegenen Dorfe Tintingen und bot dort in einer Wirtschaft gegen IOV2 Uhr Feierabend, worauf er sich gleich wieder entfernte. Am nächsten Morgen gegen 5 Uhr fand man dessen Leiche am Ausgange des Ortes auf der Straße liegen. Der Kopf war beinahe vollständig vom Rumpfe getrennt und die That ist jedenfalls mit einer Sense, welche in der Nähe sich vorfand, verübt worden. Der Verdacht, die That vollbracht zu haben, fiel sogleich auf einen jungen Mann Namens Pesy aus Mandern, der in der betreffenden Wirtschaft sich befand und dem Polizeidiener Pfeiffer auf dem Fuße gefolgt war, auch noch in derselben Nacht flüchtig wurde. Gestern gelang es der Gensdarmerie aus Saarburg, denselben in Wincheringen zu verhaften. Er sott, laut der „Trier. Ztg.", die That bereits eingestanden haben. Das Verbrechen ist ein Racheact. Vor etwa zwei Jahren wurde der rc. Pest) auf Grund einer Anzeige des Polizeidieners Pfeiffer wegen schwerer Körperoerletzimg mit 14 Monaten Gefängniß bestraft und ist erst vor etwa 14 Tagen aus dem Gefängniß entlassen worden.
— Im Rothen Schloß in Berlin herrscht wegen des Kunstgeschäfts an der Ecke ohnehin schon ein starkes Gedränge. Am Mittwoch versperrte den Weg vollends eine schnatternde Schaar „höherer Töchter". Da rief ein Herr dazwischen: „Das Kapitol ist in Gefahr!" (in Erinnerung an die Gänse, welche durch ihr Schnattern einst das römische Kapitol von den Galliern gerettet hatten) und die Schaar stob auseinander.
— In Kreuznach haben, wie bekannt, vierzehn junge Damen einen Verein gegen die Unsitte der Tournüre und der am Rücken-Ende zu tragenden Polsterkissen gegründet, „weil sie sich nicht länger verunstalten wollen". Sie fordern Gleichgesinnte auf, sich ihrem Vereine anzuschließen, welchem sie den Namen „Hinnefescht" gegeben haben. Dazu bringt der „Kladderadatsch" folgenden Beitrag: Aus Süddeutschland sind bereits zahlreiche Anmeldungen eingegangen. Die erste aus Frankfurt a. M. mit dem Motto:
9tthmt mich auf in euren Bund, Weil fein weiblich schönes Rund Sich aus Kissen bilden löscht. Ich auch sage: „Hinne fescht!" Amanda 0. H.
Ter zweite trägt das Motto:
Eine echte deutsche Frau Trägt Tournüre nicht zur Schau, Auch fein heimlich Daunen-Nescht Auf dem Rücken. „Hinne fescht!" Rosaura L. in Mannheim.
Tie dritte aus Stuttgart von Fräulein v. F. lautet:
Mir auch sind als Ballascht-Lascht Polschter und Tournür' verhascht; Denn Statur isch schtets das Bescht. Bravo Mädels! „Hinne fescht!"
■e-'v y-'t i pth!<t. u. Rpedniarzt für Haut-, Frauen- n. Ge-
I IT* ( tPTI . schlechtxkrankheiten (Sypbllia)etc. Frankfurt a.M. " ’ Ptiftstr. 22. fr. Assixt. Prof. Ricord’n. Auew. briefl.
Für die Abgebrannten iji Appenrod gingen ferner bei uns ein: P. A. 2 Bahnwärter Wagner 1 X, v. N. 2 X, Süffert 5 X Summa 10 X Jnsgesammt 37.75 X
Weitere Gaben werden von der Exped. d. Bl. gerne entgegengenommen.
Temperatur der Lahn und der Lust
nach Reaumur gemessen am 26. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 131/*0, Luft im Schatten 16°.
L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.'
Zithrrverein Alpenröschen
Sonntag den 30. August, Abends 8 Uhr
im Sasle des Lensschen Felsenketlers.
Programm an der Kaffe. — Entre 25 Pfg.
Der Vorstand.
NB. Ein Theil der Einnahme ist zum Besten, für die Abgebrannten in Appenrod bestimmt. 6091
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