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Abg. Wasserburg schob die Schuld an der Nichtbesetzung des BischofsstuhleS der Regierung zu, indem dieselbe noch auf demselben Standpunkt wie im vorigen Landtage stehe und die Hand nicht zu dem von ultramontaner Seite avgestrebten Frieden biete. Es sei das größte Unrecht, daß man die Mittel für den Bischossftuhl rn Mainz abermals vorenthalte und man werde die Folgen solcher Maßregeln erst spater kennen lernen-

Seitens der Regierung erklärte Staatsminister Finger, Exc., daß, so lange die katholische Kirche sich nicht herbulasse, die von der Regierung für gut befundenen, allgemein bekannten Vorschläge zur Erledigung dieser Angelegenheit nicht anjuerfcnnen und nicht erst die Hand dazu biete, diese Sache endgültig zu regeln, die Regierung so lange die Herstellung deS bischöflichen Stuhles in Mainz nicht genehmigen werde.

Die sehr hitzige Debatte, an welcher sich noch die Abgeordneten Frank, Rack«, Wolz, sowie v. Rabenau, Jöckel und List bethetligten und in der, wie schon in früheren Jahren, wenig Ueberemstimmung der beiden Parteien zu Tage trat, führte schließlich zur Annahme des obigen AuSschußontrags.

Bet Kap. 35,Landeßunioersität", genehmigte die Kammer die angesorderte Summe abzüglich des FunktionSgehaiteS des Kanzlers im Betrage von 310 3t 29 $ und zwar unter Beibehaltung der schon bet voriger Budgetberathung feftgtsitzttu Bedingungen.

Ein von verschiedenen Mitgliedern des Finanzausschusses etngebrachter Antrag aus Regelung der Verhältnisse bezüglich des UnioersitätSsonbS zu Mainz wurde auf Verlangen der Regierung an den Ausschuß zur Berathung und Beschlußfassung überwiesen.

Bezüglich deS Kap. 36,Technische Hochschule", fand der Antrag der Majorität deS Ausschusses ohne wesentliche Debatte mit 25 gegen 16 Stimmen Annahme und ist somit auch der Lehrstuhl der Pharmacognoste entgegen dem Vorschlag der Minorität gesichert.

Morgen Vormittag Fortsetzung der Berathung. --------------...... ....... . ....., , ,

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenr> Bureau.

Berlin, 25. Februar. Seine Majestät der Kaiser confertrte Nachmittags mit dem Fürsten BiSmarck.

Als Nachfolger des sächsischen Gesandten Nostitz nennt dieNationalzeitung" den Grafen Wilhelm Hobenthal.

DiePost- hält die Nachricht von der Ernennung Handjery's zum Re­gierungspräsidenten ausrecht.

Im Herrenhause sand die Berathung für die KreiS- und Provinzialordnung für Hesiev-Nassau statt. Der aus die Bildung zweier besonderer Provinzen, Hessen und Nassau, abz.elenden Anträge von Lottchtus und Matuschka wurden abgelehnt. Art. 1 und 8 der Prooinzialordnung, sowie die gesammte Kreisordnung, ausgenommen die Paragraphen 30 bts 33 (Polizeiverwaltung des Landkreises Frankfurt), worüber die Berathung ausgesetzt, wurde wesentlich nach der Regierungsvorlage angenommen. Fortsetzung morgen.

Im Abgeordnetenhause wurde heute der Cultusetat bis zum Titel Universität nach den Anträgen der Commisston erledigt. Bei Titel Prüsungscommtsstonen stellte der Minister einen baldigen Erlaß einer neuen Prüfungsordnung in Aussicht. Bei dem Titel Universität Berlin begründete Enneccerus den Antrag der Commission, die für einen Professor der Dermatologie geforderten 3900 3t zu bewilligen, deren Ab­setzung Stern beantragt hatte. Forschung morgen Vormittag 11 Uhr.

Brüssel, 25. Febr. Heute früh haben weitere 3000 Arbeiter der Kohlengruben zu Nocceham, Wasmes, Paturages und Anaregnon die Arbeit eingestellt. Die Zahl der Strikenden beträgt gegenwärtig etwa 9000.

London, 25. Februar. Das heute publicirte Blaubuch über Neu- Guinea und die andern Südjee-Jnseln enthält eine Depesche des englischen Bot- fchasters in Berlin, Malet, an Lord Granville vom 24. Januar über eine Unterredung mit dem Fürsten Bismarck. Fürst Bismarck bezog sich in derselben aus einen Erlaß, welchen er am 5. Mai v. Js., an den Grasen Münster ge­richtet, in welchem er auf den großen Werth hinwies, den er der Colonial^age, sowie den freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu England beilege. Fer- nür wird darin bemerkt, daß England beim Beginn der deutschen Colonial- Unternehmungen Deutschland wichtige Dienste hätte leisten können, für welche Deutschland seine Bemühungen, zu Gunsten Englands in seine Interessen näher heimwärts berührenden Fragen, angeboten haben würde. Wenn eine Verständi­gung mit England über die schwebenden Fragen nicht erzielt werden könnte, so würde Deutschland sich mit Frankreich aus derselben Basis, aus der es jetzt England zu begegnen sich bestrebe, arrangiren. Fürst Bismarck fügte hinzu, leider sei es ihm nur gelungen, allgemeine freundliche Versicherungen des Wohlwollens zu erlangen, die Angesichts späterer Ereignisse von geringem Werthe waren. Aus die Frage Malet's nach den Wünschen, die Deutschland in Betreff der jetzt von England vorgenommenen Annexionen in Neu-Guinea oder betreffs Zululand habe, erwiderte Fürst Bismarck, daß er in Folge der Verständigung, die er mit Frankreich in Folge des Mißlingens einer Verständigung mit England vereinbart habe, nicht in der Lage sei, die Frage jetzt so aufzunehmen, wie er im Mai v. Js. erklärt, habe. Granville richtete hieraus am 2. Febr. eine Depesche an Malet, in welcher er erklärte, die Mißverständniffe seien der Plötzlichkeit zuzuschreiben, mit welcher die britische Regierung Kenntniß davon erhielt, daß Deutschland von seiner traditionellen Politik in Betreff der Colonisirung abgewichen sei. Die Meinungen, welche eine Aenderung in der Haltung des Fürsten Bismarck Eng­land gegenüber erzeugt hätten, könnten nur Ursachen beigemessen werden, für welche die britische Regierung nicht verantwortlich sei. Daß Deutschland in engere freundschaftliche Beziehungen zu Frankreich trete, könne kein Gegenstauo des Bedauerns für England sein, aber die britische Regierung würde eine Er­kaltung der Freundschaft Deutschlands sehr beklagen, namentlich wenn solche aus einer irrigen Austastung von den Anschauungen und Zielen der britischen Regie­rung und den Gesinnungen des britischen Volkes basirte. Lord Granville ver­wahrt sich dagegen, daß England sich aus Deutschlands Colonial-Bestrebungen eisersüchtig gezeigt hätte oder daß es wünsche, diesen Bestrebungen hinderlich zu sein.

Aus den übrigen Depeschen des Blaubuchs geht hervor, daß Deutschland am 4. December von England die Versicherung erhielt, daß die Unabhängigkeit Samoas und Tongas respectirt werden würde, vorausgesetzt, daß Deutschland die gleiche Zustcherung mache. Die deutsche Regierung versichert sodann Lord Granville, oaß ste nicht beabsichtige, die Unbhängigkeit dieser Inseln zu beeinträchtigen.

Das Blaubuch schließt ab mit einem Telegramm Derby s vom 18. Febr an den Gouverneur von Neu-Seeland, welcher beauftragt wird, den britischen Consul auf Samoa anzuweisen, eine Bewegung zu Gunsten einer englischen Annexion Samoas weder zu unterstützen, noch derselben Vorschub zu leisten.

Paris, 25. Februar. Der Handelsminister Rouvter erhielt beute, als er die ""ließ, von einem Individuum zwei heftige Faustschläge, brachte aber den angrdfer ju Falle. Letzterer ist ein entfernter Verwandter Rouvierö, der den Minister lange Zelt mit Stellen- und Geldgesuchen verfolgte. Derselbe wurde verhaftet d-r Gerung ÄÄt. "°°°" 2 dnC b,t Ä06len-Un®UÄflaÄe3r(n",UeWn,!S ®ampfet aum »»«

Technikum Mittweida

r£?nißr<ic? Sechsen, die bekannte technische Fachschule zur Ausbildung von 5 Ingenieuren und Werkmeistern, zählte nach dem neuesten Jahresberichte

402 Schüler aus Europa, Asien, Afrika und Amerika, von denen 6 verheirathtt und 3 Inhaber eigener Geschäfte waren. Unter den deutschen Ländern ist am stärksten Preußen mit 193 vertreten, von den außerdeutschen Rußland mit 30, Oesterreich- Ungarn mit 36, Holland mit 13, bann folgen Schweiz, Belgien, Frankreich und die Türket, Asien (Java) zählt 3, Afrika 1, Amerika 4 Besucher. Die Eltern der Schüler gehören hauptsächlich den Kre sen der Industrie und des Gewerbes an, ein Beweis, welches Vertrauen die Schule gerade unter den Fachleuien genießt.

25. Februar. Die Kammer nahm Artikel 1 der Vorlage, betreffs Te- nehmigung ves Vertrags über den Betrieb des Mittelmeer Bahnnetzes an.

London, 25. Februar. Ein Telegramm deS ^Reuter'schen BureauS" aus Capstadt von gestern meldet, der britische Commissar im Damaraland, Palgrave, habe mit den dortigen leitenden Häuptlingen eine Conferenz abgehalten, tn welcher dieselben die englische Herrschaft anzuerkennen e, klärt hätten.

Kairo, 24. Februar. [Telegramm deS »Reuter'schen BureauS".) Heute traf hier folgender Brief Gordon'S vom 14. Dec-mber an einen seiner hiesigen Freunde ein. «Es ist AlleS zu Ende, ich erwarte die Katastrophe binnen 10 Tagen, es wäre nicht so gewesen, wenn unsere Landsleute mich besser über ihre Absichten unterrichtet hätten. Mein Lebewohl an Alle. Gordon."

Shanghai, 25. Februar. (Havasmeldung.) Gerüchtweise verlautet, daß Courbet ote Insel Putu östlich von Chusan besetzt habe und nach Formosa jurütf» gekchrt sei.

Vermischte S.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen-und Stahl- industrieller belief sich die Roheisenproductton des deutschen Reichs (einschlteßlich Luxemburgs) im Monat Januar 1885 auf 319 801 Tonnen, darunter 182 945 Tonnen Puddelroheisen, 10 479 Tonnen Spiegeleisen, 41 794 Tonnen Bessemerroheisen, 43592 Tonnen Thomasroheisen und 38 091 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im December 1884 betrug 295 618 Tonnen. Im Januar 1884 wurden probucirt 280062 Tonnen.

Ziegenhain, 21. Februar. In der vorigen, von Sturm und Schneegestöber durchtovten Nachr wäre der hiesige berittene Gensdarm B. beinahe auf schreckliche Weise ein Opfer seines Dienste!fers geworden. Derselbe rttt Nachts zwischen 12 und 1 Uhr von Mendorf a. v. Landsburg nach Dittershausen. In dem Unwetter war es dem Reiter unmöglich, weder Weg noch Richtung zu erkennen. DaS Pferd, des Weges noch nicht kundig, befand sich mit einem Male auf dem Eisenbahndamm. In dem Augenblick braust der Schnellzug heran. DaS Pferd, durch die Laternen scheu gemacht, ist nicht vom Geleise zu bringen. B. springt tn der höchsten Noth ab und rettet dadurch sein Leben. Das Pferd dagegen wurde von der Maschine gefaßt, zur Sette geschleudert und war nach wenigen Minuten verendet.

Universität-- Chronik.

In einem Alter, welches die uns von der Bibel zugemffsme Frist übersteigt hat ein Student der Berliner Universität vor einigen Tagen die medicmlsche Doctor- würde erlangt. Der Nestor der Berliner Studentenschaft, der cand med. Schultheiß, üand im 74. Lebensjahre. Schon im Jahre 1833 ließ er sich zuerst an der Berliner Un'.versitüt trnmatrlfuliren, flubhte bis 1837 Theologie und bestand das Staatsexamen. Dann ging er hinaus tn die Welt, um die Heiden zu bekehren und wirkte von 1837 bts 1881 m Südafrika als Missionar. In den 60er Jahren war er der Begleiter des Prof. Fritsch auf dessen Forschungsreisen in Afrika. Im Jahre 1881 kehrte Schultheiß nach Berlin zurück und ließ sich zum zweiten Male inscribiren, um Medicin zu studiren. Nachdem er nunmehr nach vierjährigen mit dem Eifer und der Frische eines Jüng­lings betriebenen Studien sein Doctor-Examen bestanden, gedenkt er demnächst za promoviren und sich sodann in Südafrika, feiner zweiten Heimath, als praktischer Arzt niederzulassen.

Die Feier des halbtausendjährigen Bestehens der ältesten Hochschule deS deutschen Re.cknS zu Heidelberg nimmt in immer höherem Grade die Aufmerksam- ke!t aller Kreise in Anspruch. Der kürzlich neugewählte Prorektor der Universität, Professor Dr. Quincke (Physiker), wird das tttzte Oberhaupt des akademischen Senats im 5. Jahrhundert der Universität sein, weßhald es ihm vor Allem obliegen wird, die $orbereitunpen zum Feste zu leiten. Schon jetzt finden häufig Sitzungen des Senats wie des Bürgerausschusses statt, welche sich mit dieser Frage beschäftigen. Von der Stadt wird mit Staatszuschuß eine Festhalle erbaut werden, deren Stand­ort noch nicht seststtht. In Aussicht genommm ist, dieselbe wenn möglich so zu ge- statten, daß sie alS ständiger Raum für Feierlichkeiten auch nach dem Jubiläum der Stadt erhalten bleibt Im Sommer soll das UniversiiälSgebäude einer gründ­lichen Renovirung unterzogen werden, damit es zur Festzeit ein würdiges Festgewand trägt- Die Studentenschaft schließlich hat ihrerseits gleichfalls mit den Vorbereitungen -um Feste begonnen. Es wurde ein akademischer Frstsonds von ihr gegründet, zu welch«m B-iträge jetziger und einfttger Hetdelbe ger Studenten erbeten werden. Die CorpS haben bereits eine Aufforderung an ihre alten Herren zu zahlreicher Betheiligung am Feste ergehen laffen.

Dr. Curd Bürkner, Leiter der Poliklinik für Ohrenkrankheiten zu Göttingen, ist zum außerordentttchen Professor der medtcivischen Fakultät daselbst und Dr. G. Berthold, Privatdocent der Botanik ebendaselbst, ist zum außerordent­lichen Professor in der philosophischen Fakultät ernannt worden.

Gingesanvt.

Am letzten Sonntag Nachmittag fand hier in einem engmrn Krette^eM^feltenes Vergnügen statt. Es handelt sich h'erbei um ein wirkliches Kinder-Concert, oercnftaltet durch Fraulein Joh. Gacquoin hier, von ihren Schülern.

Nur die Eltern dieser Schüler waren zu diesem Concert eingeladen, aber alle, ohne Ausnahme, waren von den Leistungen entzückt. Besonders die Ktndersymphonie von Romberg, welche vierfach besetzt war, fand reichlichen Beifall und müssen hierbei noch besonders lobend erwähnen, daß der Dirigent Herr Weidling sämmtliche 26 Kinder nicht allein sehr gut dtrtgirte, sondern es auch verstand, den Kindern die nothtge rechtzeitige Begleitung beizubringen. Ebenso sehr erntete die »Türkische Schaar­wache in Begleitung verschiedener Instrumente reichlichen Beifall.

Bedenkt man nun, daß Fräulein Gacquoin es verstand, Mädchen von 7 bis 8 Jahren Sonaten von Haydn und Beethoven, Polka-MazurkaS,des Wand'rerS Traum- rc. ohne Fehler vortragen zu lassen, so können wir nicht umhin, über die ßeiftunßen deS Fräulein Gacquoin unsere volle Befriedigung auszusprechen und wünschen wir nur, daß dieselbe tn ihrem ferneren lehrreichen Bestreben ebenso eifrig fortfahre.

ES würde sich unserer Ansicht nach sehr empfehlen, wenn eine öffentliche Wiederholung dieses so sehr intereffanten Conceries stattfinden würde und zweifeln m®cdR9ften daran, daß dasselbe auch ungetheitten Beifall deS größeren Publikums findet. _e_ °

Handel und Verkehr.

27l'wfu^ Ä 5L h-ntig-n Markt foftde der C-ntn-r Hm iAL. < o o.öv, Str oh «4L. 2.002.40, Erer das <f5unbcrt al 5 50 8 oo

1. Qualität cAL 0.90, 2. Qualität 3t 1.10, Kartoffeln per Centner 3t2 002 *>5 Kohlrabi 3-0 H pr. St., Erbsen 100 Kg. 22.0030.00 ^L, Rothkrant pr St 20 30 a' 6* 3t 1.50-2.00, 1 Ente^ 2.00-4.50, 1 Taube 40-60 Z Hahn ^ 1 90 2 50 Gans 3t 6-10.00, Welsche 3t 5.00-10.00. " ** ^-2.50,

- ^mbnrtz, Februar Rother Weizen 3t 15 80, weißer Weizen 3t 00.00, Wen1 M0%fuÄ'00.00 '* Kartoffeln ä 100 Psnnd M 0.00,

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Die 3uiannnenfui 9 Uhr aus her Macher Hose statt; Stangenholz foinnit mittags, im Dißrict Aerßeigerung.

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