188$
Freitag ;fii 27. Februar
Rr. 49
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Brdi vrertetjährlich 2 Warf 20 Pf. mit Bringertech», Durch bte Poft btjogm Viertel jährlich 3 War! 50 Pf
Erscheint täglich mit «-«nähme WH MonlagS.
0un«n t vchulstratze 7.
*««8irtn
Si*f8W in, «« teuOtne,
Hier.
EWZ freien
Jft- Mm Äuskunfl ertH mnn Kar! Schuld
Lahnkies
Sorte stets aus meir.- am Rodberg vonätb. Borten werden schnellster rfen.
rn wird aus Wunsch besor:
i. Ehr. Sübfamcn.
sucht für eine ruhige Sam I Juni ein Logis, 6-7 ßir ör, außerhalb der Stadl.
unter Nr. 874 an die
suche zu Ostern ein «im welches ftut xixi\dxn i
Trau vo« Ponmttku.
Tranksutterstrch V
7 'HI quetts
chm Laden.
, etoa 3 K'fX* SglsT- ftftän^maeAn^^ fan^r
1
unter
tnr ohne Sfr »SS#»-;
Hartmann,
ZchÄ-r -d- yt«5
» Z „„.„LS.U™.‘“äxx**•?**■
vom 21. Februar 1885.
Gießen, am 26. Februar 1885.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
liriWo, und Uh^ Grobherpglich.» «ml^richt Gicbm. ________
JeanqsooriT• ___ . 11 -■ । l - - -
Politische Ueberficht.
Gießen, 26. Februar.
Ehe Kladüone der Führer der englischen Politik wurde, hat er seinem liorgänaer Lord Beaconsfield (Disraeli) die schlimmsten Dinge vorgeworfen. 7lach Gladstone war Beaconsfields Politik diejenige eines „ratenden Thoren enb eines hülstofen Greises auf dem Dache, der am Größenwahn leide. 3iun, Lht fitzt in London auf dem Regierungsstuhle auch ein Greis, der sich nicht zu Helsen weiß und dieser Greis beißt — Gladstone. Er, der früher als Oppo- litionS-Mitglied die ganze politische Welt narren zu können glaubte, wird jetzt von ihr gründlich genarrt und Jedennann weiß es, nur Herr Gladstone nicht.
Im Sudan stehen die Dinge, Dank der verkehrten Politik Eng- lands, außerordentlich kritisch. Die englischen Streitkräfte müssen sich vor den- zemgen des Mahdi nordwärts zurückziehen, das ist eine offene Thalsache, wenn die Engländer sie auch zu bemänteln juchen. Vor zwei Jahren sagte Gladstone noch: Was geht uns der Sudan an, mag dort herrschen, wer will, wir de« ichränken uns aus Egypten. Als aber der Mahdi mächtiger wurde, da schickte Gladstone Wen General Gordon nach dem Sudan, um mit Gute, List oder Gewalt den Mahdi unschädlich zu machen. Run ist Gordon tobt, Khartum gefallen und die Macht des Mahdi im Steigen, also haben in den letzten Jahren die Engländer in Folge von Gladstone S eigensinniger Schaukelpolitik Ün Sudan Alles verloren und in Egypten in ihrer schwierigen Stellung auch nicht ein Haar breit gewonnen. Dazu kommt, daß trotz aller Widerrufe Ruß- land doch jetzt die Gelegenheit benutzt, um, wenn auch nicht gerade in Indien emzufallen, so doch seine Stellung in Central-Asien zu erweitern und die letzten Etappen und Thore, die nach Indien führen, in Besitz zu nehmen. England nahm bekanntlich vor drei Jahren einen Theil von Afghanistan in Besitz, um der Ausbreitung Rußlands in Central-Asien zuvorzukommen. Rußland ist nun leit jener Zeit bemüht, dem englischen Schachzuge einen neuen entgegenzusetzen und entweder im Bertragswege mit bewaffneter Hand das auch dem Emir von Afghanistan tributpflichtige Herat oder vorläufig auch nur Penjdeh zu gewinnen. Die russische Regierung soll sogar dem Emir von Afghanistan im Geheimen em Bündniß und Hülse gegen England angetragen haben, wenn der Emir ein- willige, daß Rußland Herat in Besitz nehme. England, welches vor einigen Jahren Afghanistan bekämpste und sich in dessen östlichen Grenzländern festsetzte, darf sich nicht darüber beklagen, wenn Rußland nun Afghanistan gegen England auszuspielen sucht, das ist lediglich politische Klugheit. — Im Hinblick auf die tragikomische Thalsache, daß der leitende Staatsmann Englands in der auswärtigen Politik von einem Fehler in den andern gefallen ist und zum großen Thelle die Verlegenheiten Eiiglands im Sudan, Egypten und Central-Asien verschuldete, hat sich nunmehr im englischen Parlamente auch die Opposition von rechts und der äußersten Linken zu einem Entrüstungssturme gegen die Glad- sione'sche Politik ermannt, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß noch im Lause der Woche Gladstone zum Rücktritte veranlaßt wird. Ob nun freilich der Nachfolger Gladstone'S England bald aus den Verlegenheiten ziehen wird, bleibt eine andere Frage, denn bie Erbschaft Gladstone s ist ein wahrer politischer Rattenkönig, verwickelt, verfahren und widerwärtig im höchsten Maße.
Der deutsche Colonial-Verein hielt am Sonntag seine zweite General-Versammlung in Berlin ab. Aus den Verhandlungen ist der Beschluß bervorzuheben, eine Kanzlei behufs Ertheilung von Auskunft über die Verhältnisse überseeischer Länder zu errichten, was im Interesse der Auswanderer, die Deutschland alljährlich verlassen, ohne eine mehr als oberflächliche Kenntniß von den Zuständen in der neuen Heimath zu besitzen, sicherlich mit Genugthuung zu begrüßen ist.
Die zwischen der Pforte und der ottomanischen Bank geschehene Vollziehung des Vertrages wegen der Orientbahn-Anschlüsse ist in den handelspolitischen Kreisen Oesterreich-UngarnS mit besonderer Genugthuung auf- qenomtnen worden. Es erscheint dies auch begreiflich, denn abgesehen von den Ländern der Balkan-Halbinsel selbst werden in erster Linie der Handel und die Industrie des Kaiserstaates die Votthelle aus den Schienen-Berbindungen des
äaä. scheu Meeres und des Bosporus mit Mittel-Europa ziehen und an der Handelswelt Oesterreich-Ungarns liegt es, sich bei Zeiten auf die Constellationen vorzubereiten, welche sich aus diesen Schienen-Verdindungen von selbst ergebe«. Ob freilich die bekannte Saumseligkeit der Pforte bei Ausführung von Verträgen sich nicht auch in dem mit der ottomanifchen Bank getroffenen Abkommen zeigen wird, bleibt vorerst abzuwarten. ,
‘ 9 Vom ungarischen Unterhause ist am Montag bie Vorlage wegen der Oberhaus-Reform mit 233 gegen 157 Stimmen auf Grundlage der epecial- bebatte unter Ablehnung sämmllicher Gegenanträge angenommen worden, fcerr Tisza, der ungarische Ministerpräsident, kann hiermit einen entscheidenden Erfolg in feiner inneren Politik verzeichnen, da mit der Durchführung der Oberhau«- Nesorm einer der Hauptpunkte seines Programms zur Erledigung Klangt.
In den letzten Tagen haben in Paris wiederum anarchijtijche Kundgedungen stattgefunden, indem dort am Samstag eine Socullisten-Verfamm- lung und am Sonntag ein großes Anarchisten- und Arbeiter-Meeting abgehalten wurden. Zu letzterem war auch eine englische Arbeiter-Deputation erschienen » in beiden Versammlungen fehlte es nicht an den üblichen hochtrabenden Heden, an Protesten und Resolutionen; zu größeren Ruhestörungen kam es indessen nicht, nur von den Teilnehmern der Samstag-Versammlung wurden etwa 1. der Hauptschreier verhaftet. . .. .
Nach Meldungen schweizer Blätter kennt letzt der lchwe.zenich« Bunbesralh bie Namen der beiben Anarchisten, welche den BundeSpa ast n Bern in bie Lust sprengen sollten. Da« Attentat soll lediglich m Folge de. Umstanbe«. baß die betr. Individuen sich mit unter deni-mgen Anarchisten b- sanden. welche letzthin au» der Schweiz au«gew>esen worden stnd, vereitelt worben sein. Weiter wird berichtet, daß dem Bunderrathe bie ersten Warnungen über da« beabsichtigte Attentat von einem Mitoerlchworenen zugegangenselemdeme« jedensall« vor den Folgen desselben gebangt habe E« geht tdio hlerar^zur Evidenz hervor, daß bie internationalen Dynamit.Verbruderungen nuht scheuen sogar die „freie Schweiz» zum Felde ihrer verbrechenschen Operationen zu machen; er heißt demnach auch für bie schweizer Behörden: caveani ionsules.
Zur Russisicirung de« Deutschthumr in den Ostseeprovinzen ist soeben ein weiterer Schritt geschehen. Der "^ue" Zett zu,olge »st bestlmnN worden, daß die dem Ministerium der Innern refforttrenden deutschen Schiften in den Oftseeprovinzen in russische Stadtschulen und «re.rschu^n mit rus sch r und deutscher Unterrichtrsprache umgewandell werden sollen. Vielleuht wird m nicht gar zu langer Zeit die deutsche Unternchtrsprache dem Rusnichen gänzlich da« Felo räumen muffen und dann wäre allerdings die Axt an bie Wurzel be« Deutschthumr in den Oftseeprovinzen gelegt. , . . . mnr.
Die griechische Ministerkrisi« ist unerwartet rasch beigelegt wor den, indem der birherige Ministerpräsident Tricupi» auch ferner an der L-v>d- der Geschäfte verbleibt- demselben ist von der Devutirtenkammer em Streuen* Votum ertheilt worden Durch ein königlicher Dekret wird Auftotung de^ selben angeorvnet; bie Neuwahlen finben am 19. April, der Zui neuen Kammer am 25. Mai statt. _
—L Darmstadt, 2o. Februar. Zweite gkwäß Art. 9 der
die Kammer heute zur Budgetberathung übergiog, wählte ort 9 laflaperiobe Geschäftsordnung die beiden Präfideutea für die übrige Dauer der tanoi y dmch »cclamafon wieder. über die ordentlichen AuS-
I« Fortsetzung der Beratbung und Beschlnßfonung vv bem Ausschuß- gaben der Finavzveriode I880-88 ward Kap. 33, DOn 157,757 X 42
crntrag gemäß ohne Debatte angenommen, also die etngestM. . K,nfnrn erhob sich eine lebhafte Debatte, in-
Bei Kap. 34, »Katholische Kirche ,gg ^indtaoe beantragt hatte, die
dem der Ausschuß nach Maßgabe der B^chlüsie vo derer^L«» g für benBischof Uun\ Beträge,nur dann ju Matnz und für den ^^^of zu F ^^hl zu Mainz und der erzbischöfliche L 5n8Äa^”8 SiaatSgehalte von Geifttichen
Stuhl zu Freiburg wiednbesetz^r stutz 'und vag ordnung-mäßig beftrllte
undischadit der h-rkömm-. ltchcn Ansprüche der Jvtercolarkiisse.


