manifest ist bekanntlich fast unmittelbar eine königliche Proklamation gefolgt, welche die weitere Vertagung des Parlaments bis zum 5. December ausspricht. Es deutet dies daraus hin, daß die Neuwahlen zum Parlamente bedeutend später stattstnden werden, als dies ursprünglich beabsichtigt war-
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- tclegr. Correspondenz» Bureau.
Stuttgart, 14. September. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht ein Kaiserliches Schreiben an den König Karl, welches unter Anerkennung des kriegstüchtigen Zustandes des 13. Armeecorps heroorhebt, datz dieses erfreuliche Resultat Zengniß dafür ablege, datz die Verbände des nach dem übereinstimmenden Willen des Fürsten und den Wünschen der Volksstämme neugeeinigten deutschen Reiches sich immer mehr festigen und erstarken und daß innerhalb des deutschen Heeres der Hauptbedingung jedes Gedeihens, das ernste und unablässige Streben weiterer Vervollkommnung, erkannt und erfüllt werde. Der Kaiser scheidet mit einem aus der Tiefe des Herzens kommenden Segenswunsch für das teuere Vaterland und mit warmem Dank für die Aufnahme seitens des Königs, der Stadt, der Kriegervereine und des ganzen Landes, den König bittend, dem Lande von diesem Danke Kenntniß zu geben. — Eine Ordre an den General Schachtmeyer wiederholt die bei der Parade und an den Manöocrtagen ausgesprochene volle Zufriedenheit der Leistungen aller Truppentheile des 13. Armeecorps, welches der Kaiser durchaus kriegstüchtig und zu jeder Verwendung bereit befunden habe. Dann heißt es: „Möge Allen das Bewußtsein der erfüllten Pflicht und des erlangten Erfolges Belohnung für die Anstrengungen wie stete Anregung zu weiterem Streben sei, denn im Sinne des Soldaten gibt es keinen Stillstand, der Ruf „Vorwärts" gilt wie im Krieg so auch im Frieden. — Schachtmeyer ist unter vollster Anerkennung seines einsichtsvollen Wirkens zum Ehef des Regiments 34 ernannt worden. — Ein Handschreiben des Königs an den Oberbürgermeister dankt für den festlichen Empfang, welchen die Stadt dem ehrwürdigen Gast des Königs bereitet und für die Art, wie die Verehrung des würltembergischen Volkes für den Kaiser sich bethäligt habe.
Kopenhagen, 24. September. Die Familie des Herzogs von Ehartres bat heute Abend die Rückreise angetreten. Prinz Waldemar begleitete dieselbe bis Korsoer.
Pari-, 24. September. Der „Agence Havas" zufolge lautet der letzte Passus des türkischen Rundschreibens, nachdem ausgeführt worden, daß die Pforte sich verpflichtet, ihre durch den Berliner Vertrag ihr überkommenen Rechte auszuüben, wörtlich: „Angesichts der Gefahren der Situation erachtet die Pforte es für nöthig, die wohlwollende Intervention der Signatarmächte anzurufen, um den Fürsten Alexander zur Achtung seiner Verpflichtungen zurückzuführeu. Für die Pforte besteht kein Zweifel, daß die befreundeten verbündeten Mächte durch Zuwiderhandlungen gegen den Vertrag peinlich berührt und ihre Bemühungen vereinigen werden, um die Aufrechthaltung desselben zu sichern."
Pari-, 24. September. Einem Telegramm aus Hanoi von heute zufolge ist die Untersuchung wider den Oberst Herbinger, der den Rückzug von Langson anbefahl, eingestellt. Herbinger schiffte sich heute nach Frankreich ein. Eourcy ist in Hanoi eingetroffen. Der allgemeine Gesundheitszustand hat sich hier gebessert.
Rom, 24. September. Zahl der Erkrankungen resp. Todesfälle an Eholera gestern: In der Provinz Palermo 173/90, in den weiteren 4 Provinzen 14/7.
Rom, 24. September. Nach übereinstimmenden Meldungen der Blätter hat der Ministerrath dem Könige die Verschiebung der Reise nach Palermo an- gerathen.
— Im Parke der Königsvilla zu Palermo sind Baracken für die Waisen der Choleratodten errichtet worden.
Stockholm, 24. September. Als die Sängerin Ehristine Nilsson gestern nach einem Eoncerl von dem Balkon ihrer Wohnung im Grand Hotel einige Lieder vortrug, sammelten sich daselbst 30 bis 40 000 Menschen au. Beim Auseinandergehen der Menge entstand ein großes Gedränge, bei welchem, soweit bis jetzt ermittelt, 18 Persynen getödtet und viele verletzt wurden.
Stockholm, 24. September. Die Zahl der bei dem gestrigen Gedränge Ge- tödteten beschränkt sich nach nunmehrigen Feststellungen auf 16, darunter eine Deutsche, die Ehefrau des Tapetenfabrikanten Björkluud, geb. Meißner. Christine Nilsson stellte ihrerseits vorläufig alle weiteren Eoncerte ein.
Wien, 24. September. Die „Polit. Corr." meldet aus Philippopel: Der englische Militärattache Trotter und der englische Generalconsul Fawcett find nach längerer Unterredung mit dem Fürsten und Stransky nach zronüantinopel abgereist. Eine Deputation ist abgegangen, um bei den Großmächten die Anerkennung der Union zu erbitten. Zahlreiche Freiwillige treffen unter Führung von Priestern ein. Die bulgarischen Truppen beginnen in Ostrumelien einzutreffen. Morgen wird ein bulgarisches Cavallerie-Regiment hier erwartet.
Philippopel, 24. September. sReutcrmeldung.j Das erwartete bulgarische Cavallerie-Regiment ist heute unter großem Enthusiasmus eingetroffen und vom Fürsten eingeholt worden. Der Fürst begab sich darauf zur Truppeuinspicirung an die Grenze. Fortdauernd treffen, theils requirirt, theils als freiwillige Gaben, zahlreiche Pferde ein. Ueberall entstehen Frauenvereine zur Sammlung von Kleidern für die Truppen.
Sofia, 24. September. sMeldung der „Agence Havas".j Die Regierung richtete an die diplomatischen Agenten ein Rundschreiben, welches besagt, daß der Fürst, da die muselmännische Bevölkerung Rumeliens Banden bilde, die Mächte ersuche, bei dem Sultan zu interveniren, damit er eine kategorische Antwort erhalte, ob der Sultan die Vereinigung Bulgariens und Ostrumeliens zugestehe oder nicht. Ter Fürst könne den Befehl zur Entwaffnung der Banden nur zwei Tage aufschieben. — Es sind strenge Maßregeln angeordnet gegen alle, welche versuchen sollten, Ruhestörungen in Macedonien oder Serbien herbeizuführen. — Der Ministerpräsident Karaweloff ist von Philippopel hier eingetroffen.
Konstantinopel, 24. September. sReuter-Meldung.j Die Pforte erließ ein zweites Rundschreiben. Es sind Gerüchte über Ministerveränderungen verbreitet. Die Nachricht, daß ein Einmarsch der Truppen in Rumelien anbefohlen sei, wird als unbegründet bezeichnet. Die Pforte wartet die Antwort der Mächte auf ihr Rundschreiben ab. Nelidow allein erhielt Instructionen, er wartet aber ab, bis die andern Botschafter auch Instructionen erhalten haben, um insgefammt der Pforte eine Mittheilung zu machen. Einige hundert Soldaten zur Ergänzung der Cadres sollen nach Adrianopel abgegangen sein. Die türkische Postverwaltung zeigt an, daß Briefe für Ostrumelien Dienstags über Burgas und Samstags über Varna abgehen. Die Eisenbahn und Telegrapheu-Vcrbindungen zwischen Mustapha Pascha und Philippopel bleibt unterbrochen.
Bukarest, 24. September. Eine heftige Feuersbrunst zerstörte das hiesige Militär-Hospital; der Schaden an Materialien ist ein bedeutender; ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Lokale-.
(-testen, 25. September. Schwurgerichts!) er Handlung am 24.September gegen 1. Johann Balthaser Peppel von Ober-Seemen wegen Notzucht, Raubs und Mordversuchs und 2. gegen dessen Ehefrau wegen Anstiftung ihres Mannes zu den beiden letztgenannten Verbrechen.
Die beiden Angeklagten waren beschuldigt und zwar:
1. Job. Balth. Peppel:
a. daß er sich in der Nacht vom 28. zum 29. Mai l. I. im Walde zwischen Bönstadt und Altenstadt an der Jakob Kegels Ehefrau von Lorsch eines Sittlichkeitsverbrcchens schuldig gemacht habe,
b. daß er zu der vorstehend angegebenen Zeit und an dem vorstehend erwähnten Orte durch eine und dieselbe Handlung
aa. den Entschluß, ein Verbrechen zu begehen, nämlich die JakoboZkegels Ehefrau zu tobten, durch vorsätzliche mit Ueberlegung ausgeführte Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung jenes Verbrechens enthalten, bethätigt habe,
bb. der Jakob Kegels Ehefrau verschiedene derselben gehörige bewegliche Sachen, insbesondere Kleidungsstücke, Galanteriewaaren und ein Portemonnaie mit Geld, mittels Gewalt gegen ihre Person und unter Benutzung von Waffen, die er bei sich geführt, in der Absicht rechtswidriger Zueignung weggenommen habe;
2. die Ehefrau Peppel: ,
daß sie ihren Ehemann zur Begebung der vorstehend sub b bezeichneten Verbrechen durch Ueberreduug und Drohungen vorsätzlich bestimmt habe.
Tie Geschworenen erkannten beide Angeschuldigten für schuldig und wurden demgemäß Balthaser Peppel in eine Zuchthausstrafe von 12 Jahren, dessen Ehefrau in eine desgleichen von 9 Jahren verurtheilt. — Gleichzeitig wurden denselben die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren abgesprochen und auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt.
Giesten, 25. September. sTheater Morieux.j Die so belehrenden wie unterhaltenden Vorstellungen daselbst verfehlen nicht, mit ihren prächtigen Ausstattungen der Scenerien sowohl, als in ihrer vollendeten Mechanik ihren Zauber auf Jung, und Alt auszuüben. Da jeden Tag nur noch eine Vorstellung und Sonntag den 27. er. die drei unwiderruflich letzten Vorstellungen stattfinden, so wäre ein baldiger Besuch Jedermann zu empfehlen.
58. Versammlung Deutscher Naturforscher unv Aerzte.
(Fortsetzung.)
E. C. Straßburg, 22. Septeinber.
Ferner hielt in der gleichen Scction Herr Gymnasiallehrer Hergesel l-Straß- bnrg einen interessanten Vortrag über die „Aenderung der Geoidflächen durch die Einwirkung polarer Eismassen und die damit zusammenhängenden Schwankungen des Meeresspiegels". Nachdem der Vortragende, in der Einleitung hauptsächlich die Ansicht Penck's über die Schwanklmgen des Meeresspiegels auseinandergesetzt hat, unternimmt er es, besonders die Angaben Penck's über die Größe derselben einer Kritik zu unterwerfen. Zu dem Zwecke erklärt er die Rechnungsart, welche er dabei anwandte, und erläutert die ausgestellten Profile undKartcn, welche die Veränderung der Geoidflächen zur Anschauung bringen. Zum Schluß faßt der Vortragende seine Resultate in
folgende Sätze zusammen:
1. Die Erhebung der Geoidflächen und damit die des Meeres durch alleinige Wirkung der dem festen Lande aufliegenden Eismassen ist bisher bedeutend überschätzt worden. Die Erhebung der letzteren beträgt beispielsweise in der Nähe der europäischen Küste int Minimum nicht 100, sondern höchstens 40 Meter und auch int Centrum der europäischen Bereisung erreicht sie nur den Maximalwerth von 50 Meter.
2. Diese Wirkungen der Attraktionskräfte wurden im Großen und Ganzen durch die Wasscrentziehung des Meeres, welche jedoch ausgedehnte Vergletscherung mit sich bringt, kompensirt, derart, daß die Erhebungen sich während des Maximums stets als Senkungen darstellen. Erst mit Rückgang der Bereisung tritt eine kleine wirkliche Erhebung ein, die aber höchstens den Betrag von 10 Meter erreicht.
3. Sollen Schwankungen des Meeresspiegels durch den Wechsel in der Größe der Vergletscherung während der Eiszeit nur durch Aenderung der Attraktionswirkungen erklärt werden, so dürfen diese höchstens die Amplitude von 20 Meter erreichen. Insbesondere bürfc» bie Höhendifferenzen im selben Niveau nur den Maximalwert!) von 10 Meter erreichen, wenn sie durch ungleiche Wirkung der Gravitationskräfte gedacht werden sollen.
4. Thatfächlich erreichen die Schwankungen des Meeresspiegels sowohl in localer als in zeitlicher Hinsicht Werthe, gegen die die vorher angegebenen vollständig verschwinden. Die Schwankungen des Meeresspiegels können daher in der Weise erklärt werden, wie die Theorie Peuk's es erfordert.
Die 2. Allgemeine öffentliche Sitzung wurde heute Vormittag um 91/, Uhr durch den ersten Geschäftsführer, Herrn Professor Kußmaul mit einigen geschäftlichen Mittheilungen eröffnet. Die Versammlung ist womöglich noch zahlreicher besucht als die erste.
Das Katheder besteigt zunächst Herr Professor Dr. Virchow, um seinen ange- küudigten Vortrag über „Acclimatisation" zu halten.
Die sehr schlechte Akustik des Sitzungssaales machte es unmöglich, von den Journalistentischett ans dem Redner zu folgen, so daß ich eine ausführlichere Wiedergabe des Vortrages erst nach dem Erscheinen des officiellen „Tageblattes" bringen kann.
Professor Virchow greift bie von Professor Weismann aufgestellte Theorie von ber Nichtvererbbarkeit erworbener Eharactere an, kommt im Verlauf seines ebenso geist- wie gehaltvollen, in freier Weise gehaltenen Vortrags auch auf bie Colonial beftrebungen zu sprechen uub gibt schließlich speciell ben Bewohnern der Reichslande den wohlgemeinten Rath, im Lande zu bleiben und hier ihre Familien zu gründen. Reicher Beifall lohnt den Redner.
Darauf wird zunächst Herrn Professor Weismann zu einer Entgegnung das Wort ertheilt, der in überaus geistreicher Weise die Angriffe Virchow's zurückweift. Die Entgegnung Weismann's findet den ungeteilten Beifall des Auditoriums.
Es tritt nun eine viertelstündige Pause ein und nach Wiedereröffnung ber Sitzung nimmt Herr Professor Pe schu el-Lösch, ber in ber geographischen Abteilung eine Reihe sehr interessante tropische Producte uub Lanbschaften veranschaulichende Aquarellbilder ausstellt, das Wort zu einem Vortrag über die „Bewirthschastung tropischer Gebiete".
Rach Schluß des mit Beifall aufgenommenen Vortrags verkündet der erste Geschäftsführer, Herr Professor A. Kußmaul, den officiellen Schluß der 58. Versammlung und ruft den Versammelten, nachdem er Allen üblichen Dank abgestattet und einige geschäftliche Mittheilungen gemacht, ein frohes Wiedersehen im nächsten Jahre in der Reichshauptstadt zu.
Aus der Versammlung heraus ergreift ein Mitglied das Wort, um der Geschäftsführung den verdienten Dank auszusprechen.
Heute Nachmittag finden noch Sectionssitzungen statt und am Abend vereinigen sich die Naturforscher und Aerzte in den einzelnen Localen nuferer Stadt nach freier Wahl. Morgen unternehmen die einzelnen Scctionen Ausflüge in die 9iad)barid)nft. k^o gehen die Geologen und Geographen in das Petrolgebiet nach Pechelbronn und Lobsam.
Der Bürgermeister von Colmar, Herr C. Schlumberger, hat in seiner Eigenschaft als Präsident des Centralcomitö's der zur Zeil in Colmar stattfindenden, mit dem deutschen Weinbau-Congreß verbundenen Ausstellung die Versammlung 311111 Besuche der Stadt Colmar und ihrer Ausstellung eingdabcn.
Ferner hat ber Vorstand bes Straßburger rrunstvereins bie Mittheilung zur Kenntniß der Versammlung bringen lassen, daß die Mitglieder und Theilnehmer wie auch deren Damen gegen Vorzeigung der Karten 3um freien Eintritt in die Ausstellung berechtigt leien. (Schluß folgt.)
Vermischtes
. — sDie Ernte 1885.1 Wir geben hier eine ziffermäßige Darstellung der dics- jabrigen Ernte tu Deutschland, zusammengestellt nach den auf dem 13. internationalen Getreide- und Saatenmarkt in Wien erstatteten Berichten von Jos. I. van den Wyngaerl (Berlin), Gustav Kopisch (Breslau) und Isidor Landauer (Wien)
Die Zahl 100 als Mittelernte angenommen:
Preußen ....
Weizen 94
Roggen 87
Dinkel (Spelz)
Gerste 92
Hafer 92
Sachsen ....
100
85
75
70
Bayern, Franken u. Schwaben
100
93
101
97
95
„ Ober- und Nieder- .
105
90
105
80
„ Pfalz und Wetterau
100
85
_
100
77
Baden.....
97
95
97
90
100
Württemberg, Winterweizen
99
Sommerweizen
93
97
98
97
103 »
Mecklenburg . . .
100
95
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