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— sAus der Schulpraris.s Mau berichtet uns aus V. in Kh. folgenden Vorfall: Der Schuttnspector H. hielt im Dorfe V. die jährliche Schulprüfung ab. Diese fiel vortrefflich aus, denn kaum hatte der Lehrer eine Frage gestellt, so hoben alle Schüler den Arni. Als die Prüfung zu Ende war, lobte der Herr Schul-Infpector Lehrer und Schüler mit warmen Worten. Auf dem Heimweg ging der kleine Johannes neben seinem Vater her, der auch der Prüfung beigewohnt hatte. „Johannes", sagte der ^ater, „Du hast Alles gewußt, warum hat der Lehrer Dich nicht gefragt /" „Ich habe nüchts gewußt", entgegnete der Knabe. „Aber Du hast bei jeder Frage den Arm gchoben." „Den linken Arm, Vater." „Was soll das heißen", fuhr der Mann seiin Kind an. Dieses sah erstaunt zu dem erzürnten Vater auf und erwiderte: „Der Herr Lehrer, hat gesagt, bei der Prüfung heben alle Schüler den Arm. Wer bie Antwort weiß, den Rechten, wer nichts weiß, den Linken. Ich habe es recht gemacht."
— Ein Unglücksprophet, der leider mit seinen Prophezeiungen bis jetzt immer Recht behalten hat, ist Herr Delaunay in Paris. Seine Specialität sind Erdbeben umd er sagt sie nur allzu gewiß voraus. Im Jahre 1877 verkündete er, daß das Jahr nicht ohne heftige Erschütterungen zu Ende gehen werde und in der Thal erfolgten die schrecklichen Katastrophen an der Küste von Südamerika. Im Jahre 1883 wies er abermals auf bevorstehende Erdbeben hin und bald darauf erfolgten die vulkanischen Eruptionen im indischen Archipel, durch welche Tausende von Menschen das Leben verloren und Hunderte von Quadratmeilen festen Landes vom Meere verschlungen wurden. Auch gegen das Ende des vorigen Jahres erhob Delaunay seine warnende Stimme und die Erdbeben in Spanien bewiesen, wie begründet dies war. In neuester Zeit prophezeit er überaus heftige Erderschütterungen für das Jahr 1886. Nachdem er sich eine berechtigte Autorität auf dem Gebiete der Erdbeben-Verkündigungen erworben, ist auf Delaunay's weitere Auslassungen Gewicht zu legen. Er behauptet NLinlich, daß im nächsten Jahre diese Naturerscheinungen sehr intensiv auft'reten werden und zwar würden sie sich zeigen, wenn die Erde sich unter directem Einfluß eirnes Planeten ersten Ranges, wie Jupiter, oder unter dem einer Gruppe von Asteroiden besindct, oder wenn Sonne und Mond gleichzeitig in ihrer nächsten Stellung zur Erde sind.
— Ein Freiwilliger, der sein Jahr bei der Artillerie abdiente, dabei ein fideler Bruder war, kam mit seinem monatlichen Wechsel stets viel zu früh aus. Er schrieb daher an seinen Vater in der Provinz wiederholt Briefe, in denen er um Geld bat: er motivirte auch Anfangs, wofür er es gebrauche oder schon verbraucht habe. Daß er noch einen neuen Säbel, Helm oder dergleichen haben müsse, durfte er gar nicht mehr schreiben, so oft hatten diese Gegenstände schon herhalten müssen. Als ein neues Pferd ebenfalls nicht mehr vorgeschoben werden konnte, sendete er eine neue Geldnoth- adresse ab ohne jede nähere Angabe. Da der Vater aber erst kurz vorher eine größere enimme gesandt hatte, frug dieser an, wofür er denn schon wieder Geld gebrauche. Nach einigen Tagen kam die Antwort: „Er müsse sich eine neue — Kanone anschaffen!" — Der Vater schrieb ihm hierauf: Ich bin mit Krupp bekannt, ich werde Dir die Kanone selbst kaufen, gib mir nur das Kaliber recht genau an! — 9iatürtid> Tableau! Die Bezeichnung des Kalibers blieb aus, aber der brave Artillerist heißt seit dieser Zeit bei seinen Freunden noch bis heute „Kanone".
Oanbei und verkehr.
Limburg, 24. Juni. Rother Weizen 15.80, weißer Weizen JL 00.00, Korn JL 00.00, Gerste «*L 0.00, Hafer JL 7.40, Kartoffeln ä 100 Pfund JL 0.00r Erbsen ä 100 Pfund 00.00.
Frankfurt, 24. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu 2.25—3.10, Stroh JL 2.00—2.50, Eier das Hundert JL 4 00—4.30, Butter 1. Qualität v*L 0.90, 2. Qualität JL 1.05, Kartoffeln per Centner *4L 2.50—2.75, Kohlrabi 6—10 H pr. St., Erbsen 0,50 Kg. 0.16—0.22 JL, Rothkraut pr. St. 00—00 Huhn^L 1.50—2.00, 1 Ente JL 2.00—3.50, 1 Taube 40—60 Hahn JL 1.90—2.50, Gans JL 3—6.00, Welsche «X 5.00—10.00.
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 25. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 171/»0, Lust im Schatten 23°.
L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
Zum Stellvertreter des erkrankten Er. Gerichtsvollzieher Bühner da- hi>er ist Gerichtsvollzieher - Aspirant Bangel dahier auf die Dauer von dl ei Wochen bestellt worden.
Gießen, den 24. Juni 1885.
Der Präsident Gr. Landgerichts der Provinz Oberhessen.
Knorr.
47704_____________ Löwer.
' Arbeits-Vergebung.
Die an der Pfarrhofraithe in LanggönS vorkommenden Bau- arbeiten sollen im Submissionswege vergeben werden, und zwar:
veranschl. zu
1. Mauerarbeiten, </& 68,54
2. Weißbinderarbeiten, „ 328,04
3. Pflasterarbeiten, „ 66,60
4. Kieslieserung „ 8,80
zus. JL 471,98
Offerten zur Uebernahme der obigen Arbeiten wollen bis 30. b. M. be:i Großh. Bürgermeisterei Langgöns eingereicht werden, woselbst auch der Kosten-Voranschlag sammt Beding- Mgen zur Einsicht aufliegt.
Gießen, den 23. Juni 1885.
4684 I. A.:
Rohrer, Bez. Bauausseher.
Freitag den 26. d. M.,
Nachmittags 5 Uhr,
Men die in dem consolidlrten Theile des Mustädter Feldes gelegenen Massengrund- stücke:
ftlur XXX Nr. 4 — 1650 Mtr. Wiese, , XXX „ 25 — 2332 Mtr. Wiese, „ XXXI „ 34 — 1097 Mtr. Acker, nochmals an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 25. Juni 1885.
Großh. Ortsgericht.
4715_______________Lüdeking.
Donnerstag den 16. Juli,
Nachmittags 2 Uhr,
fall auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- w ithe des Wilhelm Seibert
Flur 1/427» 50 Meter Hofraithe in der Judengasse,
„ 1,-399 88 Meter Hofraum das., meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 25. Juni 1885.
Großherzogltches Ortsgericht.
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