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26/04/1885 Erstes Blatt
 
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Ankündigung ober Erklärung an Rußland sei. Es scheine ihm daher nicht wünschens- werlh oder mit dem Staatsinteresse verträglich, daß Erklärungen an Rußland mittelst Antworten auf Fragen im Unterhause erfolgten. Auf Anfrage Northcotc's antwortet Gladstone, er habe keine Information, daß der französische Geschäftsträger Kairo verlassen habe. Bartlett fragte, ob die in englischen Leitungen am 22. und 23. ds. Mts. publicirte Depesche von Giers, die angeblich die Antwort Rußlands an England enthalte, authentisch sei. Fitzmauriee erwiderte, bis der Augenblick für Vorlegung der betreffenden Schriftstücke gekommen, liege es nicht im Staatsinteresse, Erklärungen über in Zeitungen veröffentlichte Doeumente abzugeben, die, wenn sie seien, was sie vorgäben, augenscheinlich vertraulichen Eharaeter hätten.

London, 24. April. Die telegraphische Verbindung zwischen Mesched und Teheran,, folglich die directe telegraphische Verbindung der Regierung mit Lumsdeu ist abermals unterbrochen.

Aus Kairo meldet eine weitere Depesche, auf nochmalige Forderung des französischen Generaleonsulats habe die egyptische Regierung einen Vergleichsoorschlag in's Auge gefaßt, worüber heute Nachmittag entschieden werden soll. Danach würde sie das Eindringen der Polizei in das Bureau desBosphore" als eine Hausrechts- Verletzung anerkennen und sich dieserhalb entschuldigen. Der Unterdrückung desBos­phore" dürfe dabei keine Erwähnung geschehen.

Vermischte».

Darmstadt, 22. April. Aus der zu Ebren der 25jährigen Regierung des Höchstseligen Großherzogs Luwdwig III. errichteten Jubiläums - Stipendien - Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen Einer', eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Ausbildung aus einer höheren Bildungsanstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1885 drei Stipendien von je 500 X zu vergeben. Das Stipendium kann aus 3 Jahre aus­gedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Beiträge zu dieser Stiftung geleistet haben. Bewerbungen müssen mit den nöthigen Anlagen versehen, durch Vermittelung der betreffenden Bürgermeisterei bis längstens 15. Mai an die Bürgermeisterei der Hauptstadt der jeroeiligen Provinz gerichtet werden.

Darmstadt. Ter Ver'bandstag des Rhein-Main-Gastwirtheverbandes fand am 22. d. Mts. dahier statt. Der Verband verfolgt das Ziel, zur Hebung des Gast- wirthstandes beizutragen und das Interesse desselben wahrzunehmen. Der Verband besitzt seine eigene Zeitung, welche alle Mitglieder gratis erhalten. Der seitherige Ver­bandspräsident R e i n c m c r wurde einstimmig wiedergewählt. Als besonders erwähnens- werth bezeichnen wir die Stellung des Verbandes zur Eoncessionsfrage; derselbe will die Eoucessionen beschränkt sehen, die Bedürfnis und Personenfrage in die Hand von Ortscommissionen, zu welchen Wirthe heranzuziehen seien, gelegt wissen, um die in anderen Staaten vorgekoinmenen Unzuträglichkeiten zu vermeiden. Auch sollen Eon- cessionen nur an unbescholtene, ehrenhafte Personen verliehen werden. Der Verband beschloß ferner, die Weinsteuerfrage als unerledigt zu betrachten, mit frischen Kräften, gestärkt durch Einigkeit und Vergrößerung des Verbandes und dem Bewußtsein, für eine gerechte Sache zu kämpfen, die Agitation weiter zu betreiben und mit allen gesetz­lichen Mitteln die Beseitigung dieser drückenden Steuer anzustreben. Sie schädige nicht allein den Wirth, sondern auch die Weinbau treibende Bevölkerung des Landes und sei die Aufhebung unerläßlich. Der Verbandstag beschloß ferner, Präsident Reinemer als Delegirten zum deutschen Gastwirthstag in Bremen zu ernennen. Der Verein Ludwigshafen a. R. zeigte seinen Beitritt zum Verbände mit 50 Mitgliedern an.

Handel und Verkehr.

Gießen, den 25. April. Aus dem heutigen Markt kostete Butter per Vf und X 0.80090, Hühnereier 2 St. 910 H, Enteneier St. 50 Ganseeier 1011 H, Käse pr. Stuck 59 Kasematte 23 H, Erbsen pr. Liter 20 4, Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,600,80 H, Hühner per Stück X 1.201.50, Hahnen vr. Stück .* 1.502.00, Enten per Stück X 2.002.50, Ochsenfleisch per Pfund 6800 Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleffch 6470 H, Kalbfleisch 4850 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.005.00, Milch per Liter 1216 H, Zwiebeln per Gentner X 6.000.00.

In "Nr. 14 derGartenlaube" begegnen wir einem höchst interessanten Artikel überUnsere Genußmittel", welcher in erster Linie die Fleischbrühe und das Fleisch- extraet behandelt. Es heißt in demselben wörtlich:Zu einem der einfachsten und besten Genußmittel gehört eine starke und warme Fleischbrühe". Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß es Prof. Kemmerich in Santa Elena, als erste lebende Autorität auf dem Gebiete der Fleischertractbereitung, gelungen ist, ein an Gehalt und Geschmack noch viel vollkommeneres Flcischcrtract, als das bekannte Liebig'sche herzustellen. Besonderes Gewicht wird auch darauf gelegt, daß die Eompagnie Kemmerich zum größten Theil von Deutschen gebildet ist und von dem deutschen Kemmerich geleitet wird, was um so erfreulicher ist, als das von Liebig angeregte Unternehmen bekanntlich schon lange in englische Hände übergegangen ist. Der be- tteffende Artikel schließt mit den Worten:

Hoffen mir aber, daß man, trotz des bis jetzt Erreichten, doch noch nicht glauben möge, damit genug gethan zu haben und daß man auf der Babu des Fortschrittes wie bisher fortfahren möge, um ein noch besseres und billigeres Product herzustellen

und weist bievburd) auf das erst kürzlich in den Handel gebrachte, vorzügliche und wohlschmeckende neue "Nahrungsmittel, dasKemmerich'sche Fleischpepton", hin.

Allgemeine

Eingesandt.

«testen, 25. April.

Wie vielleicht nicht genügsam bekannt sein dürfte, ist im Großberzogthum Hesse:», mit Wirkung vorn 1. April l. I. an, nicht nur ein Kapitalrentensteuergesetz, sondern auch ein neues Einkommensteuergesetz und zwar mit weit höheren Steuer­kapitalien für die seitherigen Einkommen in Wirksamkeit getreten.

Ta bisher schon Gewerbtreibende, sowie Grundbesitzer durch die Gewerbe- be­ziehungsweise C^rundfteuer und die, das Einkommen aus beiderlei Beschäftigungen nochmals treffende, Einkommensteuer einer Art T oppelbesteuernng unterworfen waren, so wollte man auch die Kapitalisten in gleicher Weise stärker heranziehen und bat man zu diesem Zwecke die Kapitalrentensteuer geschaffen.

Die Berechtigung zu dieser Art von Doppelbesteuerung dürste übrigens auch nicht wohl bestritten werden können, indem das Einkommen aus den drei genannten CucUcn dem Gewerbe, dem Grundbesitz und Kaviralbesih als sogenanntes sundtrte» Einkommen mit dem Abgang des seitherigen Inhabers nicht erlischt, wie dies bei dem Einkommen aus Arbeitsverdienst der Fall ist.

Nach dem soeben Vorgetragenen wird es nun auch Niemanden mehr befremden, wenn er in seinem Steuerzettel ein Kapitalrentensteuerkapital aufgeführt findet, gleich­zeitig aber auch gewahr wird, daß sein Einkommen aus Zinsen mit dem etwaigen sonstigen Einkommen auch bei Feststellung seines Einkommensteuerkapitals mit n Betracht gezogen worden ist. Z.

lieber Retter - Haarwasser.

Es kann nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon BieleS von Autoritäten geschrieben worden, daß Ocle und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeug:. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwindel­hafte Reclame unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich sei Hunden- tausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur ben Eharlatanismus unter, stützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zeiten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulaffen und dafür ein wirklich gutes conseroirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Cele und Pomaden zu gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das

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Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getränte.

Den 19. April. Philipp Anton Justus Kreiling, Kaufmann in Gießen und Karoline Wilhelmine Burk, ledige Tochter des verstorbenen Weingärtners Christian Burk in Hessigheim.

Denselben. Emil Otto Münch, Prioatsecretar in Wesel und Ehristine Becker ans Alt-Buseck.

Denselben. Karl Friedrich August Ferdinand Henke, Schreiner iu Gießen nn|, Katharine Schneider, ledige Tochter des Leinwebers Heinrich Schneider in Elpenrod, getaufte.

Den 19. April. Dem Privalsecretär in Wesel Emil Otto Münch ein 6obr. August, geboren den 13. März.

Denselben. Dem Bahnarbeiter Balthasar Wagner ein Sohn, Karl Di art. . geboren den 27. März.

Denselben. Dem Schreiner Karl Friedrich August Ferdinand Henke ein Sobn, August Heinrich, geboren den 6. März.

Denselben. Dem Kaufmann Georg Emil Mohl eine Tochter, Karoline, gebovri den 11. März.

Den 20. April. Dem Fabrikanten Heinrich Mylius ein Sohn, Eduard Adolf Walter, geboren den 18. Februar.

Ten 23. April. Tem Professor Dr. Adolf Philippi eine Tochter, Elsa Idc, geboren den 26. December 1884.

Beerdigte.

Den 24. April. Wilhelm Drescher, eoang. Pfarrer in Wies eck, alt 55 )al>r, gestorben den 22. April.

Halbverdeckte Wagen, prci6ma&

J. G. Rumpf, Eis. Hand 18, Frankfurt a. Main.

r Anzeiger.

Akademischer Gesangverein.

Donnerstag den 30. April er., 8 Uhr Abend-, findet die erste Probe im Sommersemester statt.

Die ferneren Probeabende sollen gleichzeitig, den Wünschen der Majorität der Mtglieder gemäß, festgesetzt werden. 3148

Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der akademische Musikdirector entgegen. Der Vorstand.

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