Ausgabe 
26.2.1885 Zweites Blatt
 
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Grube von Anarchisten befinde, durch nichts bestätigt. Andererseits sei aber auch' unrichtig, bezm. unwahrscheinlich, daß sich in Basel nur Anarchisten schwei­zerischer Nationalität, und zwar in der Zahl von höchstens einem halben Dutzend befänden. Gerade durch die Untersuchung in Sachen des in Frankfurt verhaf­teten Anarchisten Lieske sei ermittelt worden, daß sich in Basel auch ausländische Anarchisten aushalten, und man werde kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Mehrzahl der Baseler Anarchisten aus Ausländern bestehe, und zwar aus solchen Ausländern, die daselbst ordnungsmäßige Ausweisschristen hinterlegt haben und deren Antecedentien nicht derart seien, daß aus denselben ein sicherer Schluß auf ihre Angehörigkeit zur anarchistischen Parteirichtung gezogen wer­den könne.

JnParis sand am Sonntag ein großes internationales Anarchisten- und Arbeiter-Meeting statt, dem auch eine Deputation englischer Arbeiter bei­wohnte, die von dem Parlaments-Mitglied Burt geführt wurde. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen gegen jede Eroberungs'Politik protestirt und die Sympathie mit den Arbeitern aller Nationen ausgesprochen wird.

Darmstadt, 21. Februar. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 2) enthält:

\ 1. Nerzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Grobherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Sommer-Halbjahre <885 gehalten wer­den und am 27. April ihren Anfang nehmen.

2. Namensveränderungen.

3. Charakterverlechungen.

4. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Wixhausen mit Wirkung vom 1. März an. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim mit einem Gehalt von 900 Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Mendorf a. d, Lahn mit einem Gehalt von 900 mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Buben­heim mit einem Gehalt von 900 «X; mit der Stelle ist Organistendienst ver­bunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Burgbracht mit einem Gehalt von 900 A.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; dem Herrn Fürsten zu Isenburg-Birstein steht das Prasentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. W. mit einem Gehalt von 900 Jl. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hitzkirchen mit einem Gehalt von 900 A.\ mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; dem Herrn Fürsten zu Isenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wolf mit einem Gehalt von 900 mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grünberg mit einem Gehalt von 1000 A.; dem Stadtvorstande zu Grün- berg sieht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Monzernheim mit einem Ge­halt von 900 A.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Albach mit einem Gehalt von 900 A.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Sine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Bieber mit einem Gehalt von 900 A. Eine mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Astheim mit einem Gehalt von 900 A.. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an dar Gemeinde­schule zu Gensungen mit einem Gehalt von 900 A.; mit der Stelle ist Orga­nistendienst verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lämmerspiel mit einem Gehalt von 900 A.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Drei Lehrerstellen an der kath. Schule zu Bensheim mit einem Anfangsgehalt von 1000 bis 1400 A., von 5 zu 5 Jahren um je 160 A. aufsteigend bis zum Maximalgehalt von je 1800 A. jährlich. Zu der einen dieser Stellen (1. kath. Knabenschule) steht dem Großh. Kreisrathe des Kreises Bensheim, dem kath. Pfarramte und dem Stadtvorstande zu Bensheim das Präsentationsrecht zu.

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Gießen, 23. Februar. Dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei Gießen für das EtotSjahr 1883/84 entnehmen wir weiter Folgendes:

Die Anzahl der Gaslaternen wurde im Jahre 1883 um 9 Stück vermehrt, so daß fie zu Ende des Jahres 1883 362 Stück betrug. Außerhalb des Rohrnetzes der Gasleitung waren zu Ende des Jahres 1883 48 Petroleumlaternen aufgestellt, i mehr als zu Ende des Jahres 1882. Die Gesammtkosten für die Straßenbeleuchtung betrugen im Etatjahr 1883/84 = 19270.78 A

Die Quellw ass erlettungsarb eiten haben mit der Aufstellung von 16 öffentlichen Brunnen ihren vorläufigen Abschluß gefunden, indeß werden die Versuche

zur Erschließung neuer Quellen ununterbrochen fortgesetzt, da sowohl die Vermehrung der öffentlichen Brunnen als auch eine wenigstens thetlweise Leitung in die Häuser zu Nuhzwccken in Aussicht genommen ist.

Der Zuschuß der Stadt zu den Kosten der ständigen Einquartierung für die in Bücgerquartteren vntergebrachten Mannschaften des dahier garnisonirendeA Regiments betrug vom 1. Avril 1883 bis dahin 1884 881307 A

Auf den im Jahre 1883 abgehaltenen Viehmärkten, welche mit Genehmigung Großberzoqlichen Ministeriums des Innern und der Justiz um 3 vermehrt wurden, so daß ihre Zahl vom Jahre 1883 an 34 beträgt, find aufgetrieben worden:

1) 24236 Stück Rindvieh gegen 22440 Stück im Jahr 1882,

2) 17765 Stück Schweine gegen 14105 Stück im Jabr 1882,

3) 6 Pferde gegen 9 Pferde und 1 Fohlen im Jahr 1882.

Geschlachtet wurden:

1) 1407 Ochsen genau so viel w?e im Jahre 1882,

2) Fasselochsen und Kühe 188 Stück, 67 weniger wie im Jahr 1882,

3) 1048 Rinder und Stiere, 94 mehr als im Jahr 1882,

4) 5884 Sioppelkälber, Saugkälber, Hämmel und Schafe, 496 mehr als iur Jabr 1882,

5) 6828 Schweine, 651 mehr als im Jahr 1882,

6) 86 Spanferkel, 5 weniger als im Jahr 1882.

Die am 10. Januar 1883 im ganzen deutschen Reiche stattgehabte Viehzählung hat für Gießen folgendes Resultat ergeben: 388 Pferde, 5 Bullen, 28 Stiere uvd Ochsen, 303 Kühe, 109 Kälber und Jungvieh, 401 Schweine, 455 Schafe, 263 Ziegen, 129 Bienenstöcke.

Von 42 im Jahr 1883 anhängig gemachten Ge werbstreitigkeiten wurden 11 durch förmliches Urthetl und 31 durch Vergleich resp. Zurücknahme und Beruhen- lassen erledigt.

In Gemäßheit des S 420 der Strafprozeßordnung wurden in 85 Beleidigungs- sachev Termine zum Sühneversuch anberaumt. Nur in 26 Fällen gelang eS, die Parteien zu vereinigen, während in den übrigen 59 Fällen die desfallfigen Bemühungen erfolglos blieben.

Bei zwei kurz nach einander ausgebrochencn bedeutenden Bränden am 27. April 1883 in dem Etablissement des Herrn GastwirthS Wilhelm Wenzel und am 2./3. Juni 1883 in dem Magazin des Herrn Alexander Meyer zum Lagern von Lumpen hatte der Stadtvcrstand und die gesammte Einwohnerschaft Gelegenheit, der neugebildeten Gießener freiwilligen Feuerwehr und der freiwilligen Gail'schen Feuerwehr ihre Anerkennung für die tüchtige Schulung und die Energie und Geschicklichkeit' bet Bewältigung der Brande zu zollen und sei den beiden Corps auch an dieser Stelle der Dank des Stadtvorstandes für ihre thatki ästige Hülfe ausgedrückt.

DieSummarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Gießen für 1883/84 ergibt folgendes:

nach dem Voranschlag nach der Rechnung

Ordentliche Einnahme 408 975.21 A 460 663 46 A

Außerordentl che Einnahme 195 473 , 206 732 64

Umlagen 239 169.90 249133 61

Summa 843 61811 A

916 529:71 A

Ordentliche Ausgaben 638845 A 595896.21 A

Außerordentliche Ausgaben 204 77311 156 893.62 ,

Summa 843 61811 752 789.83 A

Verbleibt Überschuß . . . 163739 88 A

Von den in der Uebersicht enthaltenen Mehreinnahmen führen wir nur diejenigen an, welche den Betrag von 1000 A übersteigen; es sind dies die Kapitel: Kassenvorrath mit 22 686.79 A, auS Gras- und anderen Nutzungen mit 5740.16 A, von Waldungen 3824 06 A, verkaufte Baumaterialien und Mobilien mit 1443.10 A, Kapitalztnsev 6658 74 A, Mtethe von Markt- und anderen öffentlichen Plätzen 1097.30 A, Octroi 1406780 A, zurückzuempfangende Kapitalien 68 000 A, von ver­kauften Häusern und Gütern 48 93164 A, an Umlagen 9152 58 A

Unter Rubrik Ausgabe wurde der Voranschlag (über 1000 A) überschritten bei den Kapiteln Kapitalzinsen um 5549.89 «A, Straßenbeleuchtung um 2270.78 JL Octrotverwaltung und Rückvergütung um 4054.33 A, Feierlichkeiten um 2226.18 JL, Besoldungen um 2483.69 A, uneinbringliche Posten und Nachlässe um 4491.28 A, zurückzuzahlende Kapitalien um 11980.90 A, auszuleihende Kapitalien um 68.000 A

An Octroi wurde insgesammt vereinnahmt 97267 80 A, die Ausgabe (incl. Octroirückvergütungen) betrug 24626.83 A, sodaß Der Stadt an Octroi verblieb 72640.97 A

Von den octroipflichttgen Gegenständen betrug der Erlös über 1000 A bei Mehl, geschältem Hafer, Grütze, Hirse (22532.58 A\ Ochsen (9542.26 A), Rmdern (2934 A), Saugkälbern und Hämmel (3561.20 A), Schweinen (11941.96 A~), ge­räuchertem Fleisch (1442 A), Hafer (242676 A\ Steinkohlen (13382.17 A\ Wein in Fässern (5745.69 A), Wein in Flaschen (106032 A\ Bier, in Gießen gebraut (5893.44 A), Branntwein (2338.70 A\ Spiritus (1057 A), Aversum von den Eisen­bahnen und der Margarethenhütte für bezogene Sreinkohleti (3472 A)

Der Ertrag der Hundesteuer für 450 Hunde belief sich auf 2250 A

An Einquartterungsgeldern wurden verausgabt 2375825 A, das von dieser Ausgabe tn Abrechnung zu bringende Servis, welches das Regiment an die Stadt zu vergüten hat, betragt 14945.18 A, so daß die baare Einbuße der Stadt 881307 A beträgt.

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Möbel aller Art, Betten, Weißzeug, eine Nähmaschine, Küchengeräthe, Bilder, ein Lexicon und sonstige Gegen­stände versteigert-

Gießen, den 20. Februar 1885.

Großherzogliches Ortsgericht. 1*221 Lndeking.

Donnerstag den 26. Februar, Nachmittags 2 Uhr,

werden in meinem Bureau öffentlich meist­bietend gegen Baarzahlung versteigert:

a. zwangsweise: Tische, Kleiderschränke, 1 Kuchenschrank, Kommode, Uhren, Spiegel.

b. freiwillig: 1 Sopha, 1 Kleiderschrank, 1 Nähtisch, 1 Bettlade, mehrere Koffer, 1 Füllofen, eine größere Parthie Herren- und Damen-Kleider, Wäsche, noch gut erhaltene Uniforms-Röcke und Mäntel.

Die Versteigerung stndet bestimmt statt.

Gießen, den 23. Februar 1885.

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