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Aus Frankreich interessier vorzugsweise die Nachricht von dem am Montag in Paris erfolgten Zusammentritt der lateinischen Münz-Con­fer enz. Die Mitglieder derselben wurden vom Minister des Auswärtigen, Freycinet, in einer Ansprache begrüßt, in welcher derselbe den lebhaften Wunsch der französischen Regierung, die Münzconvention vom Jahre 1878 mit gewissen Zusatzbesiimmungen erneuert zu sehen, ausdrückte. Der schweizerische Gesandte gab in seiner Erwiverungsrede der Hoffnung aus einen glücklichen Erfolg der Conserenz Ausdruck; auf seinen Vorschlag wurde sodann Duclerc zum Präsi­denten gewählt. Die Convention wird sich zunächst mit der Frage beschästigen, welche Artikel der Münzconvention, welche 1878 zwischen Frankreich, Italien, Belgien, Griechenland und der Schweiz abgeschloffen worden ist, neuer Zusatz­bestimmungen bedürfen.

In Tongking wird die Ruhe neuerlichen Depeschen des Ge­nerals Courcy zufolge noch durch Banden gestört, welche im Delta des Rothen Fluffes austreten. Der General hofft, daß der neuen Regierung in Huv die Wiederherstellung der Ruhe gelingen werde. Gleichzeitig verlautet gerüchtweise, daß der König von Dahomey in das französische Schutzgebiet von Porto Ruovo in Westasrika eingefallen sei und mehrere Dörfer nieoergebrannt habe. Im französischen Marineministerium sind noch keine officiellen Mittheilungen hierüber eingetroffen.

Die Cholera-Nachrichten aus Spanien lauten wieder besorgniß- erregender. Die Epidemie breitet sich nach Westen wie nach Norden aus und ist in den Provinzen Sora, Salamanca, Badajoz, Huesca und Cuenza neu ausgetaucht. In Madrid tritt die Cholera dagegen nach wie vor verhältniß- mäßig mild auf, so daß man ein baldiges Erlöschen der Seuche wenigstens in der spanischen Hauptstadt annehmen darf.

Merutschak für Zulfikar! So lautet angeblich die neueste russische Parole in der afghanischen Grenzsrage, ohne daß hierüber weder aus London, noch aus St. Petersburg verbürgte Nachrichten vorliegen. Im englischen Un­terhause ist bereits die Anfrage gestellt worden, ob es wahr fei, daß Rußland, während es auf der Position bei Zulfikar bestehe, in Wirklichkeit Merutschak begehre und einen daraus zielenden Vorschlag gemacht habe. Lord Churchill erwiderte, daß dem gegenwärtigen Londoner Cabinet kein derartiger Vorschlag gemacht worden sei und es selbst beabsichtige nicht, Rußland einen solchen zu unterbreiten. Wie dieMorning Post" erfährt, habe die russische Regierung neue Vorschläge bezüglich des Streitpunktes in der afghanischen Grenzsrage ge­macht; wahrscheinlich werden sich dieselben in dem schon angedeuteten Sinne bewegen, daß Rußland bereit ist, seine Ansprüche auf Zulfikar auszugeben, wenn ihm dafür das fruchtbare, aber strategisch minder wichtige Merutschak zuge­sprochen wird.

Die Nachricht von dem Tode, resp. der Ermordung des fran­zösischen Renegaten im Dienste des Mahdi, Olivier Pain's, scheint sich nicht zu bestätigen, wenigstens veröffentlicht der KairenserBosphore" einen Bries des aus Berber entwichenen Mechanikers Berti, demzufolge sich Olivier Pain noch lebend in Berber befinden soll.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Dresden, 23. Juli. Gestern Abend 10 Uhr sand in der Festhalte der osficielle Schluß des sechsten deutschen Turnfestes statt, wobei der Geheime Hofrath Ackerrpann eine Abschiedsrede an die Turner hielt. Die Turner aus Salzburg überreichten der Dresdener Turnerschaft eine mit einer Widmung versehene Marmortafel und die Turner aus Jnsbruck einen Edelweiskranz. Die amerikanischen Turner übergaben dem Director Bier ein Ehrenzeichen; andere ausländische Turner dankten für die glänzende Veranstaltung des Festes und die herzliche Aufnahme.

Pefth, 23. Juli. In der Gemeinde Ocsova im Sohler Eomitat sind 160 Häuser abgebrannt, der Schaden beziffert sich auf 200,000 fl.

Paris, 23. Huli. Der chinesische Gesandte ist heute früh aus Berlin hier eingetroffen; derselbe wird Grevy in nächster Woche seine Ereditive überreichen und nach Betrauung Tschen Ki Tongs mit der Führung der Geschäfte nach Berlin zurück­kehren. Der Gouverneur von Cochinchina, Tompson, reist am 27. dss. Mts. von Cochinchina ab, um sich nach Frankreich zu begeben.Temps" deutet an, Tompson kehre nicht nach Cochinchina zurück.

Die Münz - Conserenz begann heute die Bcrathung der sog. Liquidations­klausel. Der belgische Delegirte Pirmez erklärte die Klausel nicht für erforderlich, auch nicht für gerechtfertigt durch die Münz - Unionsoerträge, Luzzati bekämpfte diese Aus­führungen. Morgen werden die Berathungen fortgesetzt.

London, 23. Juli. Die Trauung der Prinzessin Beatrice mit dem Prinzen Heinrich von Battenberg sand heute in der Kirche von Wippingham in der Nähe von Osborne im Beisein der Königin, der Minister, des diplomatischen Corps und einer großen Anzahl hervorragender Persönlichkeiten statt.

Das Unterhaus berieth den Bericht über die Bill, welche die Entziehung des Wahlrechts wegen ärztlicher Behandlung seitens der Armenpflege aufhebt. Der Antrag Collings, wonach unter ärztlicher chirurgischer Hilfe alle Dinge zu verstehen sind, die vom Armenärzte verabreicht oder empfohlen werden, wurde von der Re­gierung bekämpft, vom Hause aber mit 180 gegen 130 Stimmen angenommen. Hicks- Beach erklärte hierauf, die Regierung lehne nunmehr jede Verantwortung für die Bill ab. Die Opposition aber nahm sofort die Bill auf und berieth dieselbe weiter. Bourke erklärte, über die Emission der egyptischen Anleihe fänden Unterhandlungen statt. Das von Grenfeld gemeldete Gerücht vom Tode des Mahdi werde in Assuan allgemein geglaubt. Die Anhänger des Mahdi hätten sich in großer Zahl aus Dongola und Umgegend nach dem Süden zurückgezogen. Der Opiumvertrag mit China sei unterzeichnet, aber noch nicht rectisicirt. Hicks - Beach theilte bezüglich der Mission Wolff's mit, es sei noch nichts sestgestellt.

Petersburg, 23. Juli. DasJournal de St. Petersbourg" sagt: Wenn der von London aus jüngst verbreitete Lärm den Zweck hatte, den Puls Europas zu fühlen, so müsse man sagen, daß dieses Manöver nicht gelungen sei. Der Continent sei nicht geneigt, jede Beschwerde zu unterstützen, welche man im Namen der Interessen und der Ehre Englands erheben wolle. Die kühle Aufnahme, welche der von London aus erhobene Allarmruf überall fand, hätte diese Illusion schwinden lassen müssen. Die Probe sei nunmehr gemacht und die englischen Politiker, welche geneigt seien, Nutzen zu ziehen aus den Sympathien, welche angeblich der conservativen Partei gälten, müßten jetzt wissen, daß diese Sympathien in viel höherem Grade der Sache des Friedens ge­widmet wären.

Ein Telegramm derNordischen Telegraphen - Agentur" besagt: Die Standard"-Meldung aus Teheran betreffs Eintreffens der russischen Grenz-Commission unter Lessar an der Grenze wird hier noch durchaus nicht als sicher verbürgt angesehen.

New-Uorf, 23. Juli. General Grant ist heute gestorben.

Nom VI. Deutschen Turnfest.

w c DreSben, 22. Juli.

.-Heute Abend 7 Uhr fand in der Fcsthalle die feierliche Verkündigung der Sieger beim G. deutschen Turnfest durch Herrn Georgii, Vorsitzenden der deutschen Turner- schaft statt. Es wcttturnten im Ganzen 378 Turner, wovon 348 bis zum Schlüsse des Preisturnens concurrirten. Zur VertheUung kamen 31 Preise (Ehrenkranz und Ehren- afel) an 36 der besten Turner. Es erhielten

den 1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

io.

11.

12.

13.

14.

Preis

mit

61% Punkten L. Jcnnewein, Stuttgart,

60% Friedrich Hcnch, Wiesbaden,

60% Ferdinand Dix, München,

59% Gustav Keller, München und Ferd. Otto,

Reichenberg (Böhmen), 59% Franz Kraft, Chemnitz,

58% Gustav Oberholzer, London,

5717/m Ludwig Lanius, Mannheim,

57% Max Segal, München,

57% Gottfried Schnarr, Hanau,

5G'%4 Oswald Faber, Leipzig,

56% Gustav Ultzhöfer, Stuttgart,

56%4 Bernhard Graeser, Leipzig,

55% Michael Meller, Bockenheim und Joseph

Henninger, Mainz.

55 Jac. Anthes, Frankfurt a. M. (Turn- und

Fecktclubl und Jul. ft eil. Wien.

15. 54% Eduard Rieß, Ulm,

16. 54% Max Donner, Leipzig und Leon Schuhmacher,

St. Jmier (Schweiz),

» 17. 54,7/24 Richard Paul, Dresoen,

18. 531/« Georg Brauns, Lüneburg,

19. 52% Eduard Zotter, Wien,

20. 52% Carl Kapris, Wien,

v 21. 52%4 Paul Köhler, Leipzig,

22. 52% August Klein, Idar,

23. 51% Ludw. Schäfer, Frankfurt a.M. (Turngcmeinde>

und Heinr. Claasen, Duisburg,

24. 51%4 John Peterson, Hamburg,

25. 51%< Carl-Staiber, Stuttgart,

26. 51 %4 C. Sondermann, Magdeburg,

27. 502,/m Arno Ursinus, Dresden,

28. 50% Willy Grah, Remark (Amerika),

29. 50%4 Friedrich Pohl, Reuwelt,

30. 50%< Wilhelm Ertel, Philadelphia.

31. 50 Eugen Märklin, Wien.

Ringen.

1. Richard Wecker vom Turn- und Rettungsverein Görlitz.

2. Carl Moll vom Allgemeinen Turnverein Hagen.

Fechten.

Stoßfechten: Langsdorf, Darmstadt.

Hiebfechten mit geraden Waffen: Zahn, Berlin.

Säbelfechten: Blecker, Frankfurt a. Di.

Lokale-.

Gießen, 24. Juli. Zwei Brauerburschen, welche einen dritten Burschen im Bett übersielen und äußerst roh mißhandelten, wurden gestern verhaftet.

Am 21. d. Mts. wurde der 78 Jahre alte Jakob Henß von Beuern in einem Steinbruch der dortigen Gemarkung tobt aufgefunden. Todesursache unbekannt.

Vermischtes.

Watzenborn, 24. Juli. Schon wieder haben wir eine Feuersbrunst zu ver­zeichnen und zwar eine gewaltigere, grausigere als unlängst, denn diesmal sanken statt einer drei Scheuern nebst zugehörigen Stallungen und Schuppen ?c. in Asche und Trümmer, abgesehen von dem mannigfachen schaden, der durch unvermeidliche Demolirungcn von Gärten und Verseugung angrenzender Bäume erwuchs.

Wie des letzten, so ist auch dieses Brandes Ursache nicht bekannt. Zwischen 6 und 7 Uhr gestern Abend stiegen plötzlich mächtige Rauchwolken empor; die heim- kehrenden Bergleute, Fabrikarbeiter und die noch draußen befindliche Landbevölkerung stürzten der Brandstätte zu, so daß trotz dem während der Ernte leeren Orte helfende Hände bald in Menge vorhanden waren.

Da wir nur eine Spritze besitzen und der Wasseroorrath lange nicht so reichlich als ehedem war, so konnten wir das Feuer nicht derart anfassen, konnten es auch der dem engen Zusammenhang der Gebäude nicht ändern, daß eine zweite und dritte Scheune jäh ergriffen wurde, sondern hatten mehr als genug zu thun, um die daran- stehenden kleineren Bauten, zur Rettung der Wohnhäuser, fertig niederzulegen.

Es war ein langes, saures Ringeu, inmitten der engen Gehöfte mit den schwer­fälligen Feuerhaken und Leitern zu operiren, ein Kampf, bei dem sich zu Anfang Manche überanstrengten.

Was war auch Alles zu thun! Außer dem steten Herbeischaffcn des Wassers^ das, als bald einige Brunnen verstechten, von weither getragen und gefahren werden mußte, galt es, Rindvieh und Geflügel schleunigst in Sicherheit zu bringen ein Schwein wurde noch knapp aus den Flammen gezogen, das Hausgcräth mit Ueber- etle herauszuschleppen, Brennholz wcgzuräumen und Zwischengebäude, wie gesagt, ein- rureißen. Allerdings ging der Eifer oft zu weit und es geschahen Anstrengungen, an denen nicht Jeder Freude haben konnte, während andererseits, als die Gefahr beendigt schien, bei Etlichen der Eifer etwas früh erlahmte.

Als inzwischen die Nachbar - Feuerwehren von allen Seiten zahlreich anrückten und theilweise eingriffen, durfte man allgemach in dem Gedanken aufathmcn, daß man des Elementes Herr geworden.

Günstig waren nun mehrere Umstände, zuvörderst, daß der Brand noch am Hellen Tage und während der Heimkehr Vieler begann, daß der Wind, wenn schon nicht stark wehend, vom Schiffenberg her kommend, die Flammen nach außen hin trieb, daß die Feldfrüchte noch nicht eingefahren worden, daß die Bauten nach einer Seite hin frei lagen und die nach oben anstoßende Scheune mit Backsteinen gut aus­gemauert war, was einestheils weiteres großes Unheil verhütete, andererseits bezeugt, wie die neuen Bauordnungen bezüglich Brandmauern rc. ob scheinbarer Härten dennoch in Nothzeiten sich bewähren.

Man hätte dieses durch das entfesselte Element entrollte Bild großartig finden können, wäre es, abgesehen von dem Schrecken und der Aufregung, nicht zu sehr von der Noth und dem Jammer der Heimgesuchten umdüstert gewesen. Wohl ist ein Theil der Abgebrannten auch diesmal versichert, eine Hofraithe soll jedoch sehr gering in der Brandkasse stehen.

Wir hoffen aber, daß nach der Losung: Alle für Einen, zumal im Hinblick auf eine hoffnungsreiche Ernte, unsere Dörfer, wie sie int Moment des Zusammen­stürzens halfen, auch bereitwillig und thatkräftig ein Neues aus den Ruinen mitbauen.

Zugleich mahnt dies wiederholte Unglück alle die immer noch Sorglosen, ihre gefährdete Habe gegen Brände schleunigst sicherzustellen, was ja zur Zeit nicht allzu schwer ist.

sEin artiges Qui pro quo.] Vor einigen Jahren bereiste eine unserer ersten medicinischen Capacitäten, Professor K. vom Augusta-Hospital, mährend der Univer- sitätsfcrien mit seiner Gattin Frankreich und Spanien. In letzterem Lande schloß sich ihm ein liebeitswürdiger junger Manit an, ein Student Namens Albrecht, der an der Rostocker Universität National-Oeconomie studirte und Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers in Mecklenburg war. Die Reise durch die spanischen Länder wurde gemeinsam zurückgelegt. In der spanischen Hauptstadt trennte man sich von dem liebenswürdigen Reisegefährten und Professor K. lud ihn ein, falls sein Weg ihn später einmal nach Berlin führen sollte, ihn daselbst aufzusuchen. In dem darauf folgenden Winter, mehrere Monate nach jener Reise, saß Professor K. beim Mittagsmahle, als der Diener ihm meldete, ein Husaren-Offizier wünsche ihn zu sprechen. Ter Professor bedauerte, daß seine Sprechstunde vorüber und seine Zeit kurz zitgemcssen sei. Gleich darauf erschien der Diener jedoch wieder mit der Meldung, der Herr sei nicht erschienen, um zu consultiren, sondern sei ein alter Bekannter und Reisegenosse aus Spanien. Auf der Visitenkarte, die der Diener überreichte, stand der NameJohann Albrecht, Herzog von Mecklenburg-Schwerin". Der Sohn des damaligen wohlhabenden Guts­besitzers war der Sohn des verstorbenen Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin und der Bruder des jetzt regierenden Großherzogs, der seiner Zeit als ehrsamer Student