E. R. Berlin, 23. April. |9teid)3tag.J Der Reichstag setzte die Berathung mit der Tarifposition Baumwolle fort.
Der Soll für Nähfäden und dreifaches Garn soll nach der Vorlage von <0 auf 120 JL pro 100 Kg. erhöht werden, dagegen hat die Commission diese Erhöhung nur für Nähfäden beantragt, der Abg. Singer (Socialdemokrat) will den alten Zollsatz bcibehalten. rour^e DOn den Abgeordneten Lohren, Grad und Gehlert geltend gemacht, daß ein solcher Antrag die Nähfadenfabrikation zu einer Krisis treiben wurde.
Abg. Singer bestritt dies auf das Entschiedenste, desgleichen Abg. Loewe (bfr.). Die Nähfadenindustrie befinde sich durchaus in keiner Nothlage; daß aber fo aroße Kreise von der Zollerhöhung betroffen werden würden, scheine den Antragstellern gar nicht bekannt zu sein. Die Folge der Zollerhöhung würde sem, daß England zwar vom deutschen Markte verdrängt, sich aber auf den Weltmarkt werfen und auf diese Weise Concurren; machen würde. Von diesem Zolle werden gerade.am schwersten die deutschen Näherinnen betroffen, deren etwa 200,000 ensttren, diesen armen Arbeiterinnen, die für einen Tagelohn von 1 JL 50 \xd) quälen, soll zu Gunsten eines mit großem Kapital arbeitenden Industriezweiges diese harte <>ieuei auferlegt werden. Die Vertbeuerung fällt thatsächlich den Arbeiterinnen zur Last, da dieselben sich das Garn selbst kaufen müßten. Wenn man bedenke, baß,ow Aufmachung der Garne bis zu 50 pCt. ausmacht, so beträgt die Vcrtheuerung des Materials für jede Arbeiterin 4—6 Jt auf das Jahr. . .
Von dem Vertreter der Regierung, Geh. Rath Schränk, nmrbe J^ergegen betont, baß bic Näherinnen das Garn oft erheblich hoher als die Arbeitgeber eS ein- kaufen, von diesen kauf en müßten: die Engländer bestrebeni sich, die beutsche Fabrikation dieses Artikels zu ruiniren, um den Markt allein zu beherrschen, das sei der Zweck dieses Schutzzolles, der übrigens nur eine minime Verth euerung herbeifuhren wurde, und die, wie ein sächsischer Abgeordneter hinzufügte, ledenfallo wemger ausmache, als der Auffchlag der Arbeitgeber beim Ueberlassen des Garns andie Arbeiterinnen.
In der Abstimmung wurde insofern ein kleines Resultat erzielt, als der Zoll für das mehrfach gezwirnte sogen. Geschirrgarn mit großer Majorität Don 70 JL auf 48 JL herabgesetzt wurde; für das accomobirte d H. das zum Einzelverkauf vorgerichtete Nähgarn wurde der Zoll in einer von demAbg Singer beantragten namenr- lichen Abstimmung jedoch mit 110 Stimmen gegen 106 Stimmen von 70 nut 120 JL erhöht.
Ein Antrag Metz (Gießen) und Büchner (Darmstadt) bezweckt noch größere Ausdehnung der Freiheiten bei den Communalwahlen, besonders Wegfall der persönlichen Anmeldung und Verminderung der Zeit zur Erwerbung des Unterstützungswohnsitzes von 4 auf 2 Jahre.
Fi? - diesen Antrag sprachen die Abg. Jöst, Ullrich und Wasserburg, welch letzterer für die Wahlen gar keine Beschränkung der persönlichen Rechte, sowohl hinsichtlich der Zeit des Unterstützungswohnsitzes als auch des Ortsbürgerrechts und des Anmeldungszwangs wünscht. r . .
Gegen den Antrag sprach Abg. Osann, welcher den Gesetzes-Entwurf m der Regierungsvorlage für gut findet, indem er in keiner Weise persönliche Beeinträchtigungen iiLDclöite. y , , ri , c
Mg. Ullrich besprach bei dieser Gelegenheit die in Offenbach bestehende Bestimmung der Großh. Bürgermeisterei, nach welcher die Anmeldungen nur in der Zeit von 10—12 Uhr angenommen werden.
Die Kammer erklärt diese Beschränkung der Anmeldungsstunden nur als lokale Anordnung der betreffenden Gemeindeverwaltung, worüber nähere Bestimmungen nicht im Gesetz enthalten seien. _ t .
Bei der Abstimmung wird über Art. I der Antrag der Abgg. M etz und Büchner mit allen gegen 4 Stimmen abgelehnt, die Regierungsvorlage dagegen beinahe einstimmig acceptirt. , ~,
Es kamen nunmehr die Art. II bis V des Gesetzes-Entwurfs zur Berathung und wurden dieselben ohne wesentliche Debatte im Sinne der Regierungsvorlage angenommen. __ . . .
Ein von dem Abg. Haas eingebrachter Antrag, Großh. Regierung zu ersuchen, bald thunlichst eine Revision der Verwaltungsgesetze vorzunehmen und dem gegenwärtigen Landtag diesbezügliche Vorlage zu machen, wird mit allen gegen - Stimmen acceptirt. ,
Nächste Sitzung Dienstag den 28. April d. I.
Griechenland.
Athen, 22. April. In Folge des Ausfalles der Wahlen hat das Ministerium seine Entlassung gegeben. Dec König wird morgen von Korfu abreisen, wo er bis zum Zusammentritt der Kammern zu bleiben gedachte.
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Mx. 93 Erstes Blatt. Samstag den 25. April 1883
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
«chulftraße 7.
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^schbMt täglich mit Assnahm^ deö Montags. Lurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pst
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Betreffend: Das Verbrennen dürrer GreSeentien auf Feld- und Gartengrundstücken in der sräh« der Stadt Gießen.
Die Unsitte des Verbrennens bürtet Crescentien auf Feld- und Gartengrundstücken in der Nähe der Stadt hat mit der Ausdehnung der äußeren Ctadttheile in steigendem Maße zu einer gröblichen Belästigung eines großen Theils der Einwohnerschaft geführt. Große Masten dicken stinkenden Qualms wälzen sich nach der Stadt und erfüllen stundenlang Straßen und Wohnungen mit einem penetranten, widerwärtigen Gestank. Wer seine Wohnräume nicht uerpeftet haben will, muß die Fenster geschlosten halten, was namentlich für Kranke, welche in» Zimmer frische Luft genießen sollen, eine höchst störende Beschränkung ist. Der Vorwand, daß mit der Asche die Grundstücke gedüngt werden, ist nicht stichhaltig, da durch Unterarbeiten der unverbrannten Crescentien in den Boden demselben erheblich mehr Dungstoffe zugeführt werden, als durch die Aschenrückstände. Ist die Quantität zuni Unterarbeiten zu groß, fo kann der Ueberschuß bei Kefselfeuer Verwendung finden. r rr ' , , „ . .
Die vorerwähnte, ohne Nothwendigkeit erfolgende, ungebührliche Belästigung einer großen Mehrheit von Personen erscheint als grober Unfug int Sinne des S 360, pos. 11 des Strafgesetzbuchs und wird in Zukunft als solcher behandelt werden.. Die Schutzmannschaft und das Feldschutzpersonal ist ar gewiesen, Personen, welche in der vorbemerkten Weise bewirken, daß Theile der Stadt mit Qualm überzogen werden, auf Grund der citirteit Gesetzesstelle ■,ur Anzeige zu bringen.
Zur Warnung Derer, die es angeht, wird dies zur öffentlichen Kenntmß gebracht.
Gießen, den 23. April 1885. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Kraemer. _____________________________
Deutschland.
Darmstadt, 23. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 23. April Sr. Durchl. dem Prinzen Heinrich von Battenberg das Großkreuz des Ludewigs-Ordens,
an dems. Tage der Oberin des Diakoniffenhauses „Elisabethstist" in Darm- stzdt, Johanna Sucrow, die goldene Verdienst-Medaille des Ludewigs-Ordens, an dems. Tage den nachstehend Bediensteten Ihrer Königl. Hoheit der H-chseligen Prinzessin Carl,
der Kammersrau Elisabethe Dietz und der Kammerfrau i. P. Emilie Amelung die goldene Verdienst-Medaille des Ludewigs-Orvens, dem Obergärtner Philipp Müller, e
dem Obergärtner Wilhelm Hechler, dem Kutscher Philipp Haun und dem Küchenmädchen Katharine Schroth
das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste", an dems. Tage dem Kutscher bei dem Hofstall, vormals Kutscher Ihrer tfönigL Hoheit der Hochseligen Prinzessin Carl, Adam Schuster, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste",
an dems. Tage dem Kammerdiener Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm, Konr. Schul, das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienst-OrdenS Phllipps Ides Großmüthigen — zu verleihen.
Darmstadt, 23. April. Ihre Maj. die Königin Victoria und Ihre Migl. Hoheit die Prinzessin Beatrice von England sind heute Vormittag 8 Uhr 12 Min. mit Extrazug von Aix-les-Bains hier eingetroffen. Die Hohen weisenden wurden am Bahnhof der Main-Neckar-Bahn von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog, Sr. Königl. Hoheit dem Erbgroßherzog, Ihrer Kaiserl. Hoheit der Großfürstin Sergius, Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, Ihren Großh. Hoheiten den Prinzessinnen Irene und Alix, sowie Sc. Durchl. dem Prinzen Heinrich von Battenberg empfangen und begrüßt. Der Königl. Großbritannische Geschäftsträger Mr. Jo- eetyn war beim Empfang anwesend. Die Herrschaften fuhren darauf im offenen Lagen nach dem Neuen Palais und wurden am Bahnhof von dem versammel- ten Publikum, unter welchem die englische Cvlonie zahlreich vertreten war, ireudig begrüßt.
— Der zweiten Kammer der Stände ist Seitens der Großh. Staats- ttgierung eine Vorlage behuss Errichtung neuer Gebäude für die medicinische Klinik, süc das pathologisch-anatomische Institut und für die gynäkologische Klinik nebst Entbindungs-Anstalt, ferner zur Einrichtung des seither als Entbindungs^Anstalt benutzten Gebäudes für die Zwecke Jbtä physiologischen Instituts an der Landes-Universität zugeqangen, und mb beantragt, für diese Errichtung die Summe von 1,441,800 <X zur Dis- DO’ütion zu stellen, sowie die Zustimmung dazu zu ertheilen, daß die erforder- lichkU Mittel im Wege des Staatskredits durch Ausnahme eines höchstens 4 pCt. orrzinslichen Anlehens flüssig gemacht werden. Den Wortlaut der Vorlage loben wir in folgender Nummer mittheilen.
—1. Darmstadt, 23. April. (Zweite Karniner der Landstänbe.j Wad) Berufung verschiedener neuer Einläufe durch den zweiten Präsidenten Wolfs kehl trat hMe die Kammer in die Berathung des Gesetzes-Entwurfs „die Wahlen zur Vertretung I un® Verwaltung der Gemeinden, Kreise und Provinzen betr." ein und wurde zunächst über Art. I die Discusfion eröffnet.
Im Wesentlichen lautet der Art.: Stimmfähig sind alle in der Gemeinde ivalhnenbe OrtSbürger, alle männlichen Eiinvohner, welche die deutsche Reichsangehörig- jleit' besitzen und welche seit 2 Jahren ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde !! mlvorben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und uom 1. April deS dem Rechnungsjahre, in welchem die Wahl ftattfinbet, vorher- zchnnden Jahres an in der Gemeinde communalsteuerpflichtig sind.


