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ftt, 21 Zweites Blatt Sonntag den 25. Januar ISS»
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzkiffkblatt für dm t»!ms Gikhm.
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Wochen - Uebersicht.
Gießen, 24. Januar.
Seitdem am Montag da» preußische Abgeordnetenhaus mir der General-Di-cussion über den Etat seine regelmäßige Tätigkeit eröffnet bat, befinden wir uns wieder mitten in der parlamentarischen Hochfluth, welche das' Zusammentagen de» Ncichstageü und des preußischen Landtage« regelmäßig zu bringen pffegt. Die Collision beider Parlamente ifl aber nun einmal ein nicht zu vermeidende» liebel und alle Vorschläge zur Vermeidung dieser parla« mentanschen Concurrenz haben sich bis dato als praktisch undurchführbar erwiesen- Da außerdem gerade jetzt den Reichstag wie das Abgeordnetenhaus wichtige Verhandlungen in Anspruch nehmen, so wird dieser Zustand jedenfalls die nächsten Wochen sortdauern. Glücklicherweise hat der Reichstag in dieser Woche seine Arbeiten rascher fördern können — im Gegensatz zur vorigen Woche, wo allein die DiScusfion über die gestellten socialpolitischen Anträge 3 Tage in Anspruch «ahm. — Am Montag führte da» Haus die langwierige Verhandlung über den Militär-Etat zu Ende und erledigte in der Dienstags-Sitzung den gesamm- Un Marine-Etat, dessen Dedatlirnng in der Hauptsache sich wiederum zu einer Discusston über die Solonialpolitik gestaltete. Am Mittwoch beschäftigte sich der Reichstag mit dem uom Abg. v. Wedell-Malchow (conL) eingebrachten An- rrag aus Erhebung einer procentualen Börsensteuer mit Controlmaßregcln und wurde hiermit zugleich die Debatte über den von uationalliberaler Seite eingebrachten Gegenantrag (Schlußnotenzwang, Staffelstemprl und andere Gestaltung der Controlmaßregeln» verbunden. Nachdem Abg. v. Wedell- Malchow seinen Antrag begründet und die Überweisung deffelben an eine Commisston von 21 Mitgliedern beantragt hatte, fritifiile er noch den nationalliberalen Antrag in ziemlich abfälliger Weise, woraus von deutschsreistnniger Seite Abg. Dr. eie* men» da» Wort ergriff und sich in eingehender und dabei sehr sachlicher Weise gegen den Wedcll'schen Antrag wandte, dem er besonders den Vorwurf der Keindscligkeit gegen die Börse machte. Abg. Oechelhäuser vertbeidigte den nationalliberalen Antrag, als dessen Hauptzweck er bezeichnete, daß jeder zur Rührung von Büchern verpflichtete, im Jnlande wohnhafte Kaufmann, welcher Geschäfte gewerbsmäßig betreibt, die nach Tarif-Nummer 4 abgabepflichtig sind, verpflicht^ [ein soll, nach «ftfgteirt Abschluß von solchen Geschäften, zum Zwecke der Besteuerung Echlußnoten auszustellen. Namens der Reichsregierung gab Staatssecretär v. Burchard die Erklärung ab, daß dieselbe noch keine bestimmte Stellung zu den beiden Anträgen genommen habe, daß sie aber eine Einigung gern sehen würde. Namens des Centrums gab Aba. Porsch die Erklärung ab, daß seine Partei dem Wedell'schen Anträge sympathisch gegen- überstehe und ein Gleiche» that Abg. Kayser Namens der Socialdemokraten, wobei übrigen» der socialistische Redner in sehr drastischen Worten gegen die Börse zu Felde zog. Herr Kayser erklärte mdessen, daß seine Partei der jetzigen Regierung (eine discretionäre Besugniß in der Verwendung von Steuern geben könne — also auch bezüglich der Börsensteuer nicht — denn die Regierung sei eine solche der Brutalität gegenüber der Socialdemokratie; für diese Äeußerung wurde der Redner vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Die Discusston schloß mit der llebecroeiiung beider Anträge an eine 21gliedrige Commisston; am Donnerstag trat der Reichstag in die erste Berathung de» Postsparkaffen- Äesetze« em. 2ßa» da» preußische Abgeordnetenhaus anbelangt, so hat daffelbe am Mittwoch die dreitägige Generaldebatte über den Etat zu Ende geführt und ist am Donnerstag in die Specialberatbung deffelben eingetreten. Der Verlaus der Generaldebatte hat, wie gewöhnlich, nicht» Positives zu Tage gefördert und stellte sich in der Hauptsache als ein nutzloses Herumstreiten der Regierungs- Vertreter und RegierungS-Parteien mit den Rednern der Freistnnigen dar, während die Herren vom Centrum sich mehr reservirt verhielten. Jedenfalls wartet das Centrum nur den geeigneten Moment ab, wo e» mit seinem kirchenpolitischen Geschütz in die Schlachtreihen einrücken kann.
Der nicht mehr ferne Tag, an welchem Fürst Bismarck fein 70. Lebensjahr vollendet. hat bekanntlich den in den weitesten Kreisen der Nation freudig begrüßten Gedanken hervorgerufen, dem Reichskanzler eine würdige nationale Ehrengabe darzubringen. Es ist nun von Männern der ange- fehensteu Stellungen und ohne Unterschied der Parteirichtung ein Comite zusam- mengetreten, prästdirt von beu Herren Herzog von Ratibor (Präsident des preußischen Herrenhauses) als Vorsitzender, v. Köller (Präsident de» preußischen Abgeordnetenhauses) als stellvertretender Vorsitzender, und von Rötger (Prästdent der Scehandlung in Berlin), als Schatzmeister, welches allen Bestrebungen zu eben genanntem Mittelpunkt dienen will. Das Gomitd fordert alle Deutschen zu Sammlungen und Zeichnungen für die dem Kanzler zu widmende Ehrengabe auf und sollen dieselben an den Schatzmeister eingesendet werden.
General v. Treückow, der Eroberer von Belfort, ist am Dienstag euf feinem Gute Stünzhain bei Altenburg, wo er feit feinem 1875 erfolgten Ausscheiden aus der preußischen Armee lebte, im Alter von 74 Jahren verschieden.
Die von der Reichsregierung veröffentlichten Actenstücke über die Fidji-Jnseln haben wiederum gezeigt, welche Hindernisse und Schwierigkeiten die Mißgunst Englands den deutschen Ansiedlern in überseeischen Ländern fortwährend bereitet. Dank dem energischen Auftreten der Reichsregierung haben indessen die langwierigen Verhandlungen zwischen Deutschland und England über die deutschen Landbesitzer auf den Fidji-Jnseln eine Wendung genommen, welche bestimmt hoffen läßt, daß die Rechte und Befitztitel der deutschen Ansiedler in ihrem vsllen Umfange gewahrt »erben.
In Oesterreich bildet der Gesetzentwurf, den die Regierung de» Grafen Taaffe im Abgeordnetenhause gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Anarchisten und Socialisten eingebracht hat, das augenblickliche Tageslhema. Das Wachsen der Anarchismus in Oesterreich, den erlassenen Ausnahme-Maß- regeln zum Trotz, hat die österreichische Regierung von der Nutzlosigkeit derselben Überzeugt und sie will nun den Kampf gegen die anarchistischen Gesabren durch da» erwähnte Gesetz in sympathischer Weise aufnehmen. So lange sich indessen die europäischen Mächte nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den Anarchismus entschließen können, so lange dürften auch in Anbetracht des internationalen Charakters desselben vereinzelte Anstrengungen, wie eben jetzt diejenigen der österreichischen Regierung, keinen durchschlagenden Erfolg Haden.
' Für Frankreich war die abgelausene Woche gewissermaßen eine „stille Woche", beim in den inneren Angelegenheiten ist (ein erwähnenswerthe» Ereigniß zu verzeichnen und auch in der für Frankreich brennendsten aus- roärtigen Frage, in der Tongkingsrage, scheint eine gewisse Stagnation ein» getreten zu fein. Wenigstens vernimmt man nichts von größeren militärischen ; Operationen der Franzosen und deutet dieser Umstand fast darauf hin, daß die französische Heeresleitung in Ostasien noch immer an Truppenmangkl labo- rirt; vielleicht wird demselben erst abgeholsen sein, wenn die am Dienstag von Algier neuerdings nach Tongking in der Stärke von 2600 Mann abgefanbten Truppen an ihrem Bestimmungsort angelangt sein werden.
Die englische Regierung wird gegenwärtig durch die Lösung der egyptischen Finanzwirrm ebenso sehr in Anspruch genommen, als durch die ihrem Ausgange sich nähernde Khartumfahrt Wolselcy'S- In London haben 1 am Dienstag und Mittwoch lange Ministerberalhwigen stattgesunden, die ohne Zweifel den französischen Gegenvorschlägen zur Lösung der egyptischen Finanzfrage gewidmet waren. Ob und wie bald dieselbe erfolgen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht im Mindesten beurteilen, vielleicht gelangt man jedoch zu einem Compromiß zwischen den englischen und den französischen Vorschlägen. — Unterdessen sind aus dem Sudan wichtige 'Nachrichten über die ersten zwischen der Wolseley'schen Expedition und den Cchaaren des Ntahdi ftatt« gefundenen Zusammenstöße eingelausen. Am 16. Januar stieß die 1200 Dlann Ttarte englische Vorhut unter Oberst Stewart bei Abuklei Hills auf eine ca. 10,000 Mann starke Abteilung Aufständischer, welche sofort zum Angriff überging und sogar das von den Engländern geformte Carrö auf einige Augenblicke sprengte. Die Engländer sammelten sich aber wieder und schlugen den Feind durch ein verheerendes Feuer in die Flucht. Die Aufständischen verloren ca. 1200 Todte, die Engländer 74 Todte, darunter 9 Officicre und 94 Verwundete, unter ihnen ebenfalls 9 Osficiere. Bald daraus sand bei Metamiieh am Nil ein zweites Gefecht statt, worin die Aufständischen 800 Todte verloren. Jedenfalls werden die Engländer noch weitere blutige Kämpfe bestehen müssen, ehe sie nach Khartum gelangen.
Die italienische Deputirtenkammer hat im Lause dieser Woche die hauptsächlichsten Artikel der Eisenbahn - Conventionen im Sinne der Regierung genehmigt, womit also die vielangefochtene Eisenbahnpolitik des Ca- binets Depretis die Zustimmung des Parlaments gefunden hat.
England hat feinen Colonialbesitz in der Südsee wiederum durch Annerionen verschiedener Inselgruppen erweitert. Ein Telegramm des „Reuter'schen Bureaus" aus Melbourne meldet, daß auf den Louisiaden, den Woodlack, Huongolf- uod Entrecasteaux - Inseln die englische Flagge gehisst worden ist.
Gegen den Präsidenten der Republik Chile ist ein glücklicher Weise mißlungenes Attentat mittels einer Höllenmaschine verübt worden. Heber die Urheber und Motive des Mordanschlags fehlen noch nähere Nachri chten
Zur Berufswahl.
(Nachdruck vLrboten )
M!t Schluß deS alten Jahres sind so viele Sorgen beproben worden und mit Beginn deS reuen tauchen neue Sorgen empor. Nicht immer sind es G<schüftssorgen, die den Familienvater drück n, seltener find eS vielleicht Nahrungssorgen, die er zu be- ttmpsrn bat, aber e ne Sorge drängt sich sehr vielen schon jetzt auf, die da lautet. .Wa» soll mein Sohn werden?" Wenige Wochen trennen uns noch von dem ZeU- punkte, an welchem wieder Tavsende von jungen Leuten in daS eigentliche Le den, fr cUw, in das Leden, daS man einen ewigen Kamps nennt. Und woyrlich, eS ch beute sehr schwer darüber zu rathen, welche BerusSwabl wohl die beste sei- Manche ( Itern täuschen sich in den Fähigkeiten chrcr K-nder und überschätzen deren günst ge ArJagen. Solchen Eltern wird zwar die Wahl leicht, sie wägen wenig, oder wagen sehr Diel, ja, noch wehr, sie setzen die Zukunst hreS Sohne» leichtsinnig auf ba« ©pkl.
Qu den beliebtesten Wahlen gehört die deS KausmannSstandeS. Torthtn brangt sich beute Alle? Kaufmann zu werden, klingt manchem Vater ^nigl'ck> ir. die und fernen Sohn einst als grotzen Kauf und HandelSberrm dn' Übe^Mill °nen verfügt und desien Schiffe alle M-ere besahrcn zu sehen und zu wi.ser M ft n Ad welches mit den prr.chwollstm Farben gemalt ist- - Ä^?a?ravbi?em ünbe?ann^ in der Schule das R-chncn ziemlich schwor siel, ^m Orthographie e n unbekannt^. Gebiet und Schönschreiben eine Qual war, btt gute Junge glaubt es evdl ch, botz er ^cdici uhd '■ hnfc ht? Kaufherrn nur darauf war ter, ihn irr
zum Kaufmann am besten patzt, und oav m. ^uuiv _ ...
K SXÄ.??, fp8t ttn, W.Ichkll Stfil r er eemawt pai, a, obn? zgohl dem Baler, wenn ihm n 6t iönWbem6o6F%on?0,f= gema»“werben. d°b « auf einen L-b-niweg -.br-ngl wurde. i° "-'»'m " XlÄfe6'i'r0<n Leute Ieiter nm. ober del Selb Ist fort-, gewotfronnb nor° Allem find denselben mehre,. r^e Iahre »rtloren ,r«°°°en. bU- fic nie wieder zarückrusen können. Lraurige Verhältv pk.


